Ökumenisches Heiligenlexikon

Kunissa (Kunigunde) von Andechs

Gedenktag katholisch: 6. März
Name bedeutet: die Kämpferin für ihre Sippe (althochdt.)
Wohltäterin
* in Öhningen am Bodensee in Baden-Württemberg
† 6. März 1020 in Andechs in Bayern
Kartenskizze

Kunissa, Tochter von Graf Kuno, möglicherweise Urenkelin von Kaiser Otto I. - gelegentlich irrtümlich als Frau von Friedrich II., Graf von Dießen-Andechs bezeichnet - verlor ihren Mann, der bei einer Wallfahrt ins Heilige Land starb. Die junge Witwe ließ in Dießen die Kirche St. Stephan erbauen und gründete das dazugehörende Kanonissenstift St. Stephan.

Die Legende berichtet, dass Kunissa täglich zur Messe in die Stephanskirche nach Dießen kam und sich dann die Kirchentür jedesmal von selbst öffnete. Einmal sei bei ihrem Kirchgang der zu überquerende Bach so angeschwollen gewesen, dass sie ihn nicht überqueren konnte; deshalb zog sie einen Pfahl aus der Umzäunung eines nahen Grundstücks; als sie dann zur Kirche kam, war die Tür geschlossen; sie erkannte, dies sei des Himmels Strafe, weil sie fremdes Gut angerührt habe, und trug den Pfahl an seinen Platz zurück, worauf sie die Pforte der Kirche wie sonst auch geöffnet fand.

Postkarte: Kloster Andechs, um 1960

Postkarte: Kloster Andechs, um 1960   

Das von Kunissa gegründete Stift wurde um 1130 in ihren Fürstensitz auf den heutigen heiligen Berg verlegt, auf dem seit 1455 das Benediktinerkloster mit der Brauerei steht. Um 1350 starb dieser Frauenkonvent wieder aus. Die heutige Wallfahrtskirche St. Alban am Ammersee-Ufer in Dießen geht wohl auf die Stephanskirche zurück. Im dazu gehörenden Kloster leben und arbeiten seit 1923 wieder Benediktinerinnen. Aus Kunissas Grab in der alten Stephanskirche stammt eine Tonplatte, die sich heute im Bayerischen Nationalmuseum in München befindet, mit der Inschrift: Kunigund, die Sünderin, Herrin dieses heiligen Ortes, starb während der Erbauung dieser Kirche am 6. März 1020.





Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München, 2001
• Jakob Torsy: Der große Namenstagskalender, hg. von Hans-Joachim Kracht. Herder, Freiburg 1998
• Dr. H. Grotefend: Zeitrechnung des Deutschen Mittelalters und der Neuzeit. Hannover 1891 - 1898
• http://gutenberg.spiegel.de/schoeppn/bysagen/bys0444.htm
• http://www.genealogie-mittelalter.de/andechs_diessener/friedrich_2_graf_von_diessen_andechs_+_1075.html
• http://www.andechs.de/kloster/geschichte/Programmvorschau_Jubilaeum_2005.html


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