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Ludwig Harms, Sohn eines Pfarrers, kam 1817 nach Hermannsburg,
wo sein Vater eine neue Pfarrstelle antrat. Nach dem Studium in Göttingen
war er neun Jahre als Hauslehrer in Lauenburg,
dann in Lüneburg
tätig. 1843 kam er als Hilfsprediger zu seinem Vater, 1848 übernahm er selbst
die Pfarrstelle seines verstorbenen Vaters. Harms war ein gefragter Prediger,
jeden Sonntag hielt er drei mehrstündige Gottesdienste; besonders bemühte er
sich um die Verbesserung der Schulen, ließ Schulhäuser bauen und Lehrer anstellen,
die er dann in regelmäßigen Konferenzen religionspädagogisch schulte. Kirche und
Schule müssten zusammenwirken in der Bildung der Gemeine
, wie Harms in
Anlehnung an Nikolaus
Ludwig Graf von Zinzendorf seine Wirkungsstätte nannte. Zu ihren Aufgaben gehörte
auch die Entfaltung einer umfassenden Liebesgemeinschaft; so wurde Waisenkinder
in Familien vermittelt oder Almosen sollten durch Vermittlung von Arbeit überflüssig
werden. Besonders nach Eröffnung der Eisenbahnlinie 1847 kamen Menschen auch von
weit her, um Harms' Predigten und seine plattdeutschen Bibelauslegungen zu hören.
Harms' besondere Liebe aber galt der Mission; ab 1845 stellte Ludwig Harms
dies in den Mittelpunkt seines Wirkens, so dass reichlich Gaben für die Mission
zusammen kamen und mehrere junge Männer Missionare werden wollten. 1849 gründete
er ein eigenes Missionshaus in Hermannsburg als Ausbildungsstätte für Missionare;
dort wurde Wert auch auf körperliche Arbeit und die in der Landwirtschaft gelegt.
1852 konnte unter großer Beteiligung das erste Missionsfest gefeiert werden. Die
erste Gruppe von Missionaren, begleitet von Kolonisten, zur Verwirklichung des
ganzheitlichen Konzepts von Harms, reiste 1853 ab und benütze ein Schiff, das extra
dafür aus Spenden neu gebaut wurde, um nicht unter der Falgge einer europäischen
Kolonialmacht anzukommen. Ihr Ziel war das als kriegerisch geschilderte Volk der
Oromo in Äthiopien; so wie einst Bonifatius
die kriegerischen Sachsen christianisert hatte, sollte von der Mission bei den
Oromo die Christianisierung des ganzen afrikanischen Kontinents ausgehen. Als der
geplante Landgang in Mombasa
in Kenia vom dortigen Sultan untersagt wurde, reiste die Gruppe mit ihrem Schiff
weiter nach Natal
in Südafrika und gründete dort die Kolonie Hermannsburg. 1857 wurden von dort
Missionare auch ins Betschuanaland
- das heutige Botswana, 1858 nach
zu den Zulus in Transvaal
gesandt. Die Missionsgruppen lebten in Gütergemeinschaft mit gemeinsamer Kasse -
dies wurde erst nach Harms' Tod aufgegegebn.
1854 erschien erstmals ein von Harms herausgegebens Missionsblatt, 1856 wurde eine eigene Druckerei gebaut. Seine gedruckten Predigten erschienen in über 100.000 Exemplaren. 1863 wurde das zweite Missionshaus - wieder aus Spenden - gebaut; 1857 wurde Harms' Werk nach manchem vorherigen Zögern von der Kirchenleitung in Hannover anerkannt. Weitere Versuche, in Äthiopien Fuß zu fassen, kosteten Ausgesandte das Leben; Harms litt unter der Unmöglichkeit, seine Vision zu realisieren; kurz vor seinem Tod fand er sich mit diesem Umstand ab; stattdessen begann 1866 die Mission unter den Telugu in Indien. Ludwig Harms arbeitete bis zur völligen körperlichen Erschöpfung; in seinem letzten Lebensjahr sandte er eine Missionsgruppe zu den Aborigines in Australien, die von den neuen Siedlern bedrängt wurden; die Missionare gründeten auch dort ein Hermannsburg, mit ihrer Bibelübersetzung in die Sprache der Ureinwohner begründeten sie deren Schriftsprache.
Harms starb mit 57 Jahren.
Das Evangelisch-lutherische Missionswerk mit Sitz in Hermannsburg arbeitet heute mit evangelischen Kirchen in folgenden Ländern zusammen: Argentinien, Äthiopien, Botswana, Brasilien, Chile, Deutschland, Frankreich, Indien, Madagaskar, Malawi, Namibia, Peru, Russland und GUS-Staaten, Südafrika, Swasiland, Zentralafrika.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon