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Lullus, aus dem Calendarium Annale Benedictinum von P. Aegidio Ranbeck, 1677
Lullus kam als Kind ins Kloster Malmesbury und wurde dann Mönch. Er lernte 737 bei einer Wallfahrt in Rom Bonifatius kennen und zog mit ihm nach Germanien, um ihm bei der Verkündigung des Evangeliums beizustehen. Zunächst war er wohl Schüler des um 725 gegründeten Benediktinerklosters in Ohrdruf, das unter Leitung des Abtes Wigbert stand. 746 wurde Lullus Archidiakon, bald darauf Priester 751 reiste er im Auftrag von Bonifatius nach Rom, um das Exemtionsprivileg - das das Kloster aus der fränkischen Kirchenorganisation ausgliederte und rechtlich direkt dem Papst unterstellte - für das Kloster Fulda zu erwirken. 752 setzte Bonifatius Lullus als Chorbischof in Mainz und zu seinem Koadjutor ein, 753 auf einem Reichstag zu seinem Nachfolger als Bischof von Mainz. Lullus gliederte seiner Diözese die verwaisten Bistümer Erfurt und Buraburg - das heutige Fritzlar - ein. Als Bonifatius 754 ermordet wurde, ließ Lullus dessen Gebeine aus Dokkum holen und im Kloster Fulda beisetzten.
763 bis 765 stand Lullus in heftigen Auseinandersetzungen mit Sturmius wegen der Exemtion des Benediktinerklosters Fulda. 769 gründete Lullus das Kloster Hersfeld an der Stelle, an der Sturmius schon 736 eine Missionsstation gegründet hatte. 775 wurd das Kloster Hersfeld durch Karl den Großen zum Reichskloster erhoben. 780 ließ Lullus die Gebeine von Wigbert nach Hersfeld überführen, wodurch das Kloster zur Wallfahrtsstation für viele Pilger wurde. Um 781 ernannte der Papst Lullus zum ersten Erzbischof von Mainz.
Lullus starb nach segensreichem Wirken im Benediktinerkloster Hersfeld und wurde dort bestattet. Er gilt als Gründer der Stadt, ihm zu Ehren wird jedes Jahr an seinem Gedenktag das wohl ältestn Volksfest Deutschlands, das Lullusfest, gefeiert.
Erhalten ist eine Sammlung von 150 Briefen von Bonifatius
und Lullus, die sie in ihrer Amtstätigkeit als Bischöfe und Erzbischöfe
geschrieben haben. * In einem Lullus zugerechneten Brief
berichtet er von der Nahtoderfahrung eines seiner Priester: Er sagte nämlich,
er habe infolge des Schmerzes einer heftigen Erkrankung plötzlich die Schwere
des Körpers verloren. Und es sei ganz ähnlich im Vergleich, wie wenn die Augen
eines Menschen mit sehendem und wachen Zustand plötzlich mit der dichtesten
Decke verhülle und nun die Hülle plötzlich wegnehme und jetzt alles sichtbar sei,
was bisher unsichtbar, verhüllt und unbekannt war. So sei ihm nach Entfernung
der Hülle des irdischen Fleisches die ganze Welt vereinigt vor Augen gewesen, so
daß er alle Länder, Völker und Meere der Welt mit einem Blick übersah. Und nach
dem Austritt aus dem Körper hätten ihn die Engel in Empfang genommen, deren
Klarheit und Glanz so groß war, daß er des allzugroßen Glanzes wegen keinesfalls
zu ihnen aufschauen konnte. Diese sangen mit lieblichen und wohllautenden
Stimmen: 'Herr, strafe mich nicht in Deinem Grimm und züchtige mich nicht in
deinem Zorn.'
* Briefe des Bonifatius. Unter Benützung der Übersetzungen von M. Tangl und Ph.H. Külb neu bearb. von Reinhold Rau. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 1968
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon