Ökumenisches Heiligenlexikon

Maria Kreszentia Höß
auch: Crescentia
Taufname: Anna

Gedenktag katholisch: 5. April
gebotener Gedenktag im Bistum Augsburg

Name bedeutet: M: die Beleibte / die Schöne / die Bittere / die von Gott Geliebte (aramäisch)
K: die (im Glauben) Wachsende (latein.)

Oberin, Mystikerin
* 20. Oktober 1682 in Kaufbeuren in Bayern
† 5. April 1744 daselbst

Kartenskizze

Am Anfang der Berufung von Anna stand eine Vision: der Vierzehnjährigen war ihr Schutzengel erschienen, hatte ihr ein Franziskanerinnen-Habit gezeigt und beteuert, darin liege ihre Berufung. Die arme Tochter eines Webers wollte man aber zunächst nicht ins Kloster aufnehmen, weil sie keine Mitgift einbringen konnte. Erst als der evangelische Bürgermeister dem Kloster ein Grundstück anbot, dafür die Aufnahme des Engels von Kaufbeuren verlangte und die einfachen Schwestern die Oberin überstimmten, wurde sie 1703 aufgenommen.

Die Klosterzeit in Kaufbeuren begann für Kreszentia als Passion. Die Oberin erniedrigte und quälte sie. Man übertrug der schwächlichen Kreszentia sämtliche schwere körperlichen Arbeiten, um sie wieder zum Austritt zu bewegen. Das Sieb, mit dem das Siebwunder geschah, wird noch heute gezeigt: die Oberin hatte Kreszentia aufgefordert, mit diesem Sieb Wasser aus dem Brunnen zu schöpfen - das Gefäß aber hielt die Flüssigkeit. Auf Zeichnungen der Marterwerkzeuge Christi hielt sie ihre Erfahrungen fest. Geplagt wurde sie von Visionen; Beschwerden machten ihr körperliche Belästigungen wie ständiges Zahn- und Kopfweh, die oft auch ihr Gesicht entstellten; auch deshalb schalt man sie eine Hexe. Aber Kreszentia duldete, erlebte jede Prüfung als weitere Stufe zum Himmel, in einer Vision erlebte sie ihre Vermählung mit Jesus. Neben dem Leiden Christi galt ihre besondere Verehrung der EucharistieDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23. und dem Heiligen Geist, der ihr in der Gestalt eines Jünglings erschien.

Gottes Licht strahlte nun mit einer Macht aus, die weit über das Kloster und die engere Umgebung hinausreichte. Die Oberin wurde abgesetzt, Kreszentia 1717 zur Novizinnenmeisterin ernannt, was sie blieb, bis sie 1741 sogar als Oberin eingesetzt wurde. Sie war nun eine begehrte Ratgeberin für Menschen aller Stände, beeindruckte durch Geduld und Glaubensstärke in einem schweren und von Leiden gekennzeichneten Leben. Neben den persönlichen Gesprächen stand sie mit vielen bedeutenden Persönlichkeiten ihrer Zeit in Briefkontakt, darunter waren über 70 Fürsten jener Zeit. Sie führte das Kloster so erfolgreich, dass dessen materielle Existenz für lange Zeit gesichert war und für die sozialen Aufgaben des Ordens viel Geld erübrigt werden konnte.

Nach Kreszentias Tod setzte ein Strom von Pilgern ein, der Kaufbeuren für lange Zeit zu einem Mittelpunkt des religiösen Lebens in Schwaben machte. Bis zu 70.000 Menschen kamen in manchen Jahren, um am Grab von Krescentia zu beten.

Kanonisation: Die Seligsprechung erfolgte 1900, der 1956 eröffnete Heiligsprechungsprozess fand sein Ende mit der Heiligsprechung durch Papst Johannes Paul II.am 25. November 2001.

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Im Kunstverlag Josef Fink erschienen eine ganzer Reihe von Bücher über Kreszentia: Die heilige Crescentia Höß von Kaufbeuren - Crescentia Höß von Kaufbeuren - Crescentia Höß: Eine Heilige für unsere Zeit - Der Kreuzweg der hl. Crescentia von Kaufbeuren - Gedenkstätte der hl. Crescentia von Kaufbeuren.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon


Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 2. Herder, Freiburg im Breisgau 1994
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