Ökumenisches Heiligenlexikon

Maria von Ägypten

Gedenktag katholisch: 1. April
Gedenktag orthodox: 1. April
                                            fünfter Sonntag der Fastenzeit
Gedenktag armenisch: 1. April
Gedenktag koptisch: 1. April
Name bedeutet: die Beleibte / die Schöne /
die Bittere / die von Gott Geliebte (aramäisch)
Einsiedlerin
* in Alexandria in Ägypten
† 430 (?) in der Wüste östlich von Jericho in Palästina
Kartenskizze Kartenskizze

Maria lebte der Legende nach 17 Jahre als Prostituierte in Alexandria. Eines Tages entschloss sie sich, an einer Wallfgahrt zum heiligen Kreuz in Jerusalem teilzunehmen. Auch um das Schiff zu bezahlen, das nach Jerusalem fuhr, bot sie der Mannschaft ihre Dienste an. Drei Mal versuchte sie dann, am Gottesdienst in der Grabeskirche in Jerusalem teilzunehmen, aber jedes Mal wurde sie an der Tür der Kirche von einer unsichtbaren Macht zurück­gehal­ten und eine Stimme sagte ihr, sie sei nicht wert, das Kreuz des Schmerzensmannes zu sehen. Schließlich sah an der Wand der Kirche ein Bild der Maria und betete zu ihr, dass sie Gnade bei ihrem Sohn erwürbe und er ihr die Sünden vergäbe. Diese Hingabe an die Gottesmutter öffnet Maria den Weg, sie konnte über die Schwelle treten, nichts hinderte sie mehr.

Ein Unbekannter schenkte ihr drei Münzen, sie kaufte davon drei Brote und zog sich als Büßerin in die Wüste jenseits des Jordans zurück. Dort fand 46 Jahre später der Mönch == Zosimus die nackte, vollkommen mit Haaren bedeckte Maria; sie bat ihn, am nächsten Osterfest wieder zu ihr über den Jordan zu kommen und ihr die heilige Kommunion zu verabreichen. Am Gründonnerstag machte Zosimas sich mit den Abendmahlsgaben auf zum Jordan, aber der Fluss war aus seinem Bett getreten, er konnte nicht hinüber. Da kam Maria ihm entgegen, schlug das Kreuz, schritt über das Wasser, empfing das Abendmahl, machte wiederum das Kreuzeszeichen, schritt zurück über das Wasser und verschwand. Als == Zosimus zurückkehrte, sah er sie tot liegen, in den Sand geritzt die Bitte, sie zu begraben. Obwohl bereits ein jahr tot, war ihr Körper nicht verwest. Als Zosimus noch überlegte, erschien ein Löwe und grub mit seinen Tatzen das Grab, in das Zosimus sie dann bettete.

Russische Ikone, 18. Jahrhundert

Russische Ikone, 18. Jahrhundert   

Schon im 6. Jahrhundert war Marias Grab Ziel von Wallfahrten. Erste Erzählungen finden sich in der Lebensgeschichte von Judas Cyriacus kurz nach der Mitte des 6. Jahrhunderts und bei Johannes Moschos um 600, lateinische Übersetzungen Anfang des 7. Jahrhunderts. Die Verwandtschaft der Legende mit den Erzählungen über Maria Magdalena und solchen über die Wüstenväter wie Onuphrios sind deutlich. Angebliche Reliquien kamen nach Rom, Neapel und Antwerpen; ihre unverdorbene Zunge ist in der großen Reliquiensammlung in Vodnjan in Kroatien aufbewahrt.

Attribute: nackt und mit Haaren be­deckt; drei Brote, mit Kelch
Patronin der Büßerinnen und reumüti­gen Sünderinnen; gegen Fieber

Stadlers Vollständi­ges Heili­gen­lexikon

Catholic Encyclopedia

Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon





Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2000



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