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Aus: Jean-Jacques Boissard / Theodor de Bry: Bibliotheca chalcographica, hoc est
Virtute et eruditione clarorum Virorum Imagines, Partes 1-5. Clemens Ammon,
Heidelberg,
1669 ![]()
Martin Bucer war das wahrscheinlich einzige Kind des Küblerehepaares Claus und Eva Butzer. Er wurde im Dominikanerkloster seiner Heimatstadt Schlettstadt - dem heutigen Sélestat - ausgebildet, 1517 kam er zum Studium ins Ordenshaus nach Heidelberg, wo er 1518 Martin Luther begegnete und ein Anhänger seiner Theologie wurde. Anfang 1521 flüchtete er vom Dominikanerorden und fand zunächst Zuflucht auf der Burg des Reichsritters Franz von Sickingen. 1522 - also schon zwei Jahre vor der Skandalhochzeit Luthers mit Katharina von Bora - heiratete er die ehemalige Nonne Elisabeth Silbereisen. Bucer bekleidet dann eine Pfarrstelle in Landstuhl und wirkte reformatorisch im elsässischen Weißenburg / Wissembourg. 1523 wurde er deshalb von der katholischen Kirche exkommuniziert und suchte Zuflucht in Straßburg.
Hier war er zunächst in Vorstädten seelsorgerlich tätig, bis er zum Superintendenten der Sadt aufstieg. Bucer wurde zum Führer der Reformation in Südwestdeutschland, maßgeblich beteiligt an der Reformation in den Reichsstädten Ulm, Memmingen und Biberach an der Riß im Jahr 1531 und Augsburg in den Jahren 1534 - 1537 und verfasste verschiedene Kirchenordnungen.
Bucer versuchte auch im Streit der Reformatoren um die Frage des Abendmahls
zu vermitteln: Huldreich
Zwingli vertrat die Auffassung, dass das Abendmahl nur eine Symbolhandlung
ist, Luther hielt an einer der katholischen
Lehre näherliegenden Auffassung fest, dass nämlich Christus in den Elementen von
Brot und Wein real anwesend sei und sich den Gläubigen schenke. Auf vielen
Reisen bemühte Bucer sich, die Parteien zu einer einheitlichen Formulierung zu
bewegen. Nach gescheiterten Verhandlungen beim Augsburger
Reichstag 1530 verfasste er sein eigenes Bekenntnis, die Confessio
Tetrapolitana
, das Glaubensbekenntnis der vier Städte
Straßburg,
Memmingen,
Lindau
und Konstanz.
Nach Zwinglis Tod 1531 war Bucer Führer der oberdeutschen und schweizerischen
Reformation; schon 1530 hatte er Luther auf der Veste Coburg
besucht, um mit ihm eine Vereinigung der lutherischen und der oberdeutschen
Reformation zu besprechen. Bucers großer Erfolg war dann die Mitarbeit an der
Wittenberger
Konkordie von 1536: die oberdeutschen Reformatoren unter Bucer schlossen sich in
der Abendmahlsfrage der lutherischen Sicht an, damit führte er den von Zwingli
beeinflussten südwestdeutschen Raum wieder an das Luthertum heran. Seine Losung
war: Auf dass sie alle eins seien
, so kämpfte er für die Einheit der
Reformation und gegen die Spaltung in Reformierte und Lutheraner.
moderne Gedenktafel in Weißenburg / Wissembourg
im Elsass ![]()
Über das Elsass und Deutschland hinaus pflegte Bucer Verbindungen nach Italien,
Böhmen,
Dänemark, Schweden, Polen bis nach Palästina und förderte die
Reformation in Frankreich und England. Bucer war Vermittler zwischen den
Konfessionen und Nationen, Vorkämpfer dessen, was wir heute unter Ökumene
verstehen. Von herausragender Bedeutung ist Bucers Theologie für das Verhältnis
von Kirche und Staat: Er versuchte einerseits, die Freiheit der evangelischen
Kirche von der Obrigkeit zu wahren bis hin zu freikirchlichen Ansätzen - darauf
beruht auch seine Wirkung auf den Pietismus
im 17. und 18. Jahrhundert. Anderseits betonte er nachdrücklich die Bedeutung
christlicher Tradition für die Gesamtgesellschaft.
1538 rief Landgraf Philipp
von Hessen Bucer nach Hessen, er sollte dort die Täuferbewegung eindämmen,
was ihm durch Einführung der Ziegenhainer Zucht- und Ältestenordnung
gelang;
diese Gemeindeordnung sah u.a. die Einführung der Konfirmation vor. 1542 bemühte
er sich auf Bitten von Erzbischof Hermann
von Wied um die Reformation des Erzbistums Köln,
die aber scheiterte. Nach dem Tod seiner Frau, die ebenso wie vier der fünf
Kinder an der Pest starb, heiratete Bucer die Witwe von Wolfgang
Capito, die ihm noch einmal zwei Kinder schenkte. 1549 musste er auf Druck
des katholischen Kaisers Straßburg
verlassen, weil er das Augsburger Interim ablehnte. Er folgte der Einladung
von Erzbischof == Thomas Cranmer, ging nach Cambridge,
wo er einen Lehrstuhl erhielt, großen Einfluss auf die Theologie der noch jungen
Anglikanischen Kirche und die Erstellung des Common Book of Prayer
nahm und in
seinem Werk De Regno Christi
,
Von der Regierung Christi
, 1551 die Grundlage für das englische
Staatskirchentum erarbeitete. Schon kurz darauf starb Bucer und wurde mit allen
Ehren beigesetzt.
Luthers Urteil über den um Vermittlung bemühten
Bucer war streng: er nannte ihn ein Plappermaul
.
Während der - vorübergehenden - Rekatholisierung in England unter Königin
Maria wurde Bucer 1557 posthum zum Ketzer erklärt, seine Gebeine wurden zusammen
mit seinen Schriften in Cambridge
öffentlich verbrannt. 1560 wurde er durch Königin Elisabeth rehabilitiert.
Bucer war Herausgeber eines Gesangbuchs, das von Hans Baldung Grien bebildert wurde. Erhalten sind viele seiner Schriften und 2700 Briefe; sein Werk wird seit 1952 wieder herausgegeben.
Die Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG³)
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon
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