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Martin Kähler war Pfarrersohn. Mit 11 Jahren kam er nach Elbing - dem heutigen Elbląg - ins Gymnasium; damals kannte er schon alle Werke von Friedrich Schiller. Nach dem letzten Schuljahr, das er in Königsberg - dem heutigen Kaliningrad - absolvierte, studierte er Jura. Eine schwere Typhuserkrankung brachte ihn dem Tod nahe, die überraschende Genesung führte ihn zum Entschluss, Theologie zu studieren. 1854 begann er damit in Heidelberg, wo ihn v. a. Professor Richard Rothe beeindruckte, dann ging er nach Halle, wo August Tholuck ihn stark beeinflusste. 1860 wurde er hier Privatdozent, 1867 Inspektor des Konvikts, der Wohnungs- und Ausbildungsstätte für Theologen in Schlesien. Immer wieder von Krankheiten geplagt, nahm er die Aufgabe der Begleitung der Studenten in ihren wissenschaftlichen und Glaubens-Fragen sehr ernst.
1877 erschien Martin Kählers Werk Das Gewissen
, das ihm große Anerkennung
einbrachte, dazu 1879 den Doktorgrad und eine Professur für systematische
Theologie und Neues Testament in Halle.
Noch immer wurde er vom väterlichen Freund Tholuck
begleitet und gefördert. Trotz seiner scharfsinnigen Theologie, besonders zur
Rechtfertigungslehre, lag
Kähler weniger die wissenschaftliche Lehre, sondern mehr die Förderung des
Glaubens und der Liebe zur Bibel am Herzen. Scharf wandte er sich gegen die
Versuche seiner Zeit, aus dem Neuen Testament das Gerüst eines historischen
Jesus
zu erheben.
1912, nach scheinbarer Genesung von einer Lungenentzündung, hielt Kähler
seine letzte Vorlesung, begab sich in die Kur in den Schwarzwald, erkrankte dort
erneut und starb mit den Worten: Nun ist nichts mehr an mir, was wider Gott
ist
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Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon