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Martin Luther King
Michael Luther King - er nannte sich später nach dem Reformator Martin
- war wie sein Vater Pfarrer der Baptistengemeinde, schon mit 17 Jahren wurde er
geweiht. Nach dem Abschluss am theologischen College 1951 studierte er an der
Universität von Boston.
Während seines Studiums begann sich King für == Mahatma Gandhi zu interessieren,
dessen Lehren zum Kern seiner eigenen Philosophie des gewaltlosen Widerstandes
werden sollten. In Boston lernte er auch Coretta Scott kennen, nach der Heirat
1953 wurde King Pastor 1954 der Baptistenkirche Dexter Avenue
in Montgomerry
im Bundesstaat Alabama. 1955 promovierte er zum Doktor der Philosophie.
In den 50-er Jahren war die Rassentrennung in der amerkanischen Bevölkerung
- ihren Ursprung hatte sie in einem Urteil des Obersten Gerichtshofes von 1894
mit der Formel seperate but equal
, getrennt aber gleich
- weitestgehend
akzeptiert, sie wurde in den meisten Staaten im Süden sogar vom Gesetz gefordert.
1952 wurden einige Fälle der Rassentrennung in Schulen vor dem höchsten
amerikanischen Bundesgericht verhandelt. So auch der Fall Oliver Brown gegen die
Schulbehörde von Topeka
in Kansas, bei dem das Gericht 1954 einstimmig entschied, dass die
Rassentrennung ungesetzlich sei.
Diese Entscheidung hatte Auswirkungen auch auf andere Bereiche des
öffentlichen Lebens. 1955 wurde King zum Anführer eines Boykotts der Schwarzen
gegen die Omnibusse in Montgomerry
in Alabama; Anlass hierfür war die Festnahme von Rosa Parks, einer Schwarzen,
die sich geweigert hatte, einem weißen Fahrgast ihren Sitzplatz zu überlassen.
In der Nacht darauf trafen sich 50 führende Köpfe der späteren
Bürgerrechtsbewegung in einer Kirche, um das Problem zu diskutieren, unter ihnen
der junge Priester Dr. Martin Luther King Jr. Die Anführer organisierten den
Montgomery-Bus-Boykott
, der die Busunternehmen zwei Drittel ihres Umsatzes
kostete. Im Laufe der 381 Tage dauernden Aktion wurde King - unter dem Vorwand,
er sei mit dem Auto etwas zu schnell gefahren - festgenommen und inhaftiert;
sein Haus wurde von Unbekannten in die Luft gesprengt, er bekam mehrere
Morddrohungen. Aber der Boykott endete 1956 erfolgreich mit einem Erlass des
Obersten Gerichtshofes, der jegliche Art von Rassentrennung in öffentlichen
Verkehrsmitteln der Stadt für gesetzwidrig erklärte.
King ging aus dieser Aktion als hoch angesehener Führer der Schwarzen hervor.
Schwarze Kirchenmänner aus dem ganzen Süden der USA organisierten 1957 im
Anschluss an den Erfolg des Boykotts in Montgomerry
die Southern Christian Leadership Conference
(SCLC), eine Versammlung der
christlichen Schwarzenführer der Südstaaten; King wurde der Präsident. In diesem
Jahr mit vielen Demonstrationen reiste er über 1 Million km und hielt über 200
Reden. 1958 veröffentlichte King sein erstes Buch mit dem Titel Stride Toward
Freedom: The Montgomery Story
, Schritte zur Freiheit: die
Montgomery-Geschichte
. Während einer Werbeaktion für sein Buch wurde er Opfer
eines Messer-Attentas durch eine schwarze Amerikanerin.
In der Central Highschool in Little Rock in Arkansas sollte mit dem Beginn des Schuljahres 1957 die Rassentrennung aufgehoben werden. In der Nacht vor dem ersten Schultag kündigte der Gouverneur von Arkansas an, dass er der Nationalgarde von Arkansas befohlen habe, die Schule zu überwachen. Als eine Gruppe von neun schwarzen Schülern an der Schule ankam, wurden sie von Soldaten am Betreten gehindert. Nach einer einstweilige Verfügung gegen den Gouverneur kehrten die Schüler zur Schule zurück, aber eine Menschenmenge von rund tausend Einwohnern verhinderte, dass sie an der Schule bleiben konnte. Präsident Eisenhower machte dem Treiben fünf Tage später ein Ende, indem er 1000 Fallschirmjäger und 10.000 Soldaten der Nationalgarde nach Little Rock beorderte. Die große Aufmerksamkeit auf diesen Vorfall und der Einsatz der Armee gegen die eigene Bevölkerung brachten dem Problem der Rassentrennung nun die gebührende Beachtung.
1959 reiste King nach Indien, um Gandhis Prinzip des Satyagraha
, des
gewaltlosen Widerstandes, besser kennen zu lernen. Über Gandhi sagte er: Wenn
die Menschheit sich weiterentwickeln will, ist Gandhi unausweichlich. Er lebte,
dachte und handelte im Glauben an eine Menschheit, die sich zu einer Welt des
Friedens und der Harmonie entwickeln wird. Wir dürfen Gandhi nur auf eigene
Gefahr ignorieren!
1960 gab King seine Stelle als Pastor in Montgomerry
auf und wurde Kopastor seines Vaters an der Ebenerer Baptist Church in Atlanta;
nun hatte er Zeit, noch effizienter in der Führung der Bürgerrechtsbewegung
mitzuarbeiten. Er unterstützte nun auch die von Stokely Carmichael geführte
Studentenbewegung; damals vollzog sich aber auch innerhalb der schwarzen
Bewegung eine Wende: bislang sollten nur juristische Mittel eingesetzt werden,
das Streben nach Versöhnung bildete die Grundlage; nun wurde der Wandel by any
means possible
, mit allen möglichen Mitteln
, gefordert; Differenzen zwischen
der SCLC und anderen Gruppen wurden unausweichlich. Kings hohes Prestige führte
dazu, dass die Gewaltlosigkeit trotz vieler anderer Tendenzen doch der
offizielle Weg des Widerstandes blieb.
Martin Luther King in seinem Arbeitszimmer vor einem Bild von Gandhi
King traf 1962 sich mit Präsident John F. Kennedy und erhielt dessen
Unterstützung für die Bürgerrechtsbewegung. In den 60-er Jahren war Birmingham
in Alabama die Stadt, in der die Rassentrennung am härtesten durchgesetzt war.
Schwarze Männer und Frauen veranstalteten Sit-ins an Essensausgaben, an denen
sie kein Essen bekamen und kneel-ins
auf den Stufen der Kirchen, in die sie
nicht eingelassen wurden. Hunderte von Demonstranten wurden bestraft und kamen
ins Gefängnis. 1963 führten Martin Luther King und zwei weitere Geistliche einen
Protestmarsch in Birmingham an; Polizei und Hunde wurden ihnen entgegengesetzt,
die drei Priester wurden verhaftet und ins Gefängnis gebracht.
King organisierte im ganzen Süden der USA Aktionen für die Registrierung
Schwarzer in die Wählerlisten, gegen Rassentrennung und für bessere Schulbildung
und Wohnungen. Während dieser Aktionen wurde er mehrfach inhaftiert. Beim
historischen Marsch auf Washington
- 250.000 Schwarze und Weiße demonstrierten am 28. August 1963 gemeinsam vor dem
Lincoln Memorial
, einem Denkmal für Präsident Abraham Lincoln, der 1862 die
Sklaverei in den USA aufgehoben hatte - hielt er seine berühmte Rede I
Have a Dream
, Ich habe einen Traum
. Das Time Magazine ernannte ihn 1963
zum Mann des Jahres
. 1964 besuchte er in Berlin
den regierenden Bürgermeister Willy Brandt und in Rom
Papst Paul VI. Im selben Jahr wurde sein Buch Why We Can't Wait
, Warum wir
nicht warten können
, veröffentlicht; als Wortführer der gewaltlosen
Rassenintegration bekam er den Friedensnobelpreis. Am 2. Juli 1964
unterzeichnete Präsident Johnson unter Protest der Südstaaten das Civil Rights
Law
zur Gleichberechtigung der Schwarzen, das jede Diskriminierung in
öffentlichen Einrichtungen und am Arbeitsplatz verbietet.
Trotz weltweiter Anerkennung und moralischer und politischer Unterstützung im
Norden der USA taten aber auch die Verantwortlichen im Norden wenig, um die
Rassentrennung tatsächlich abzuschaffen. Zudem vergiftete der Vietnamkrieg die
Atmosphäre zunehmend, lokale Probleme wurden in den Hintergrund gedrängt. Kings
Gewaltlosigkeit wurde auf harte Proben gestellt: in Chicago,
wo er seine erste größere Kampagne im Norden abhielt, stellten sich ihm schwarze
Baptisten öffentlich entgegen. Uniformierte Neonazis und Mitglieder des
Ku-Klux-Klans setzten weiße bewaffnete Schlägertrupps in Marsch, Überfälle auf
Schwarze mehrten sich. King protestierte weiterhin gegen Rassendiskriminierung
bei der Registrierung der Wähler; nachdem er sich im Januar 1965 zur Wahl
registrieren ließ, wurde er deshalb wieder festgenommen und ins Gefängnis
gesteckt. Er traf sich dann kurz darauf mit Präsident Lyndon B. Johnson und
anderen amerikanischen Politikern, um über das Wahlrecht für schwarze Amerikaner
zu sprechen; im selben Jahr noch wurde der Voting Rights Act
, in dem allen
Amerikanern die Wahlrechte zugesichert wurden, verabschiedet.
Martin Luther King beim Marsch auf Washington
im August 1963
King kümmerte sich immer intensiver auch um den Vietnamkrieg und tat sich
Anfang des Jahres 1967 mit der Antikriegsbewegung und deren weißer Führung
zusammen, denn er war der Auffassung, der Krieg in Vietnam würde seinen Teil
dazu beitragen, dass die Atmosphäre in den USA vergiftet und somit die Basis für
eine menschliche Lösung der Rassen-Problematik zerstört werde. Er kritisierte
öffentlich die Forderungen der Militärs - Schätzungen zufolge wurden für jeden
getöteten Vietcong 500.000 Dollar aufgewandt; für einen Bedürftigen in den USA
hingegen standen nur 53 Dollar zur Verfügung. Diese Konzentration auf den
Vietnamkrieg sowie seine Absicht, einen Poor People's March
, einen Marsch
armer Leute aller Rassen auf Washington
anzuführen, gefährdeten seine Führungsposition in der Bewegung der Schwarzen.
Hinzu kamen durch Stress bedingte gesundheitliche Probleme; in seinen Reden
spielte er nun immer wieder auf seinen Tod an.
Video von Kings
berühmter Rede am am 28. August 1963 in Washington:
I have a dream
Das bewusst zur Schau gestelltes Selbstbewusstsein und sein zielstrebiges
Auftreten täuschten über Kings wirklichen seelischen Zustand hinweg. Er haderte
zeit Lebens mit seiner schwarzen Haut und hatte in seiner Jugend zweimal
versucht, sich das Leben zu nehmen. Auch zu Zeiten seiner größten Erfolge
verließen ihn die Selbstzweifel nicht: Er, der gerne gut aß und sich teuer
kleidete, wäre gerne so genügsam und anspruchslos gewesen wie sein Vorbild
Gandhi. Am 3. April 1968 sagte er in Anspielung auf == Mose, er habe das
Gelobte Land gesehen
. Einen Tag später wurde er in einem Motel erschossen.
Hunderttausende Menschen kamen zu seiner Beerdigung in Atlanta. Ein weißer entflohener Häftling, James Earl Ray, wurde wegen des Mordes festgenommen, er erklärte sich schuldig und wurde zu 99 Jahren Gefängnis verurteilt. Ray widerrief später sein Geständnis, das Verfahren wurde 1997 neu aufgerollt, da sich die Beweise gegen Rays Täterschaft und die Hinweise auf ein Komplott gegen Martin Luther King mehrten, aber Ray starb im April 1998. Im Dezember 1999 kam ein Gericht in Memphis zu dem Schluss, dass King nicht einem Einzeltäter zum Opfer gefallen sei, sondern eindeutige Beweise für ein Komplott gegeben seien, an dem Mitglieder der Mafia und der US-Regierung beteiligt waren.
1983 wurde der dritte Montag im Januar zu Ehren Martin Luther Kings zum Nationalfeiertag in den USA erklärt; sein Geburtshaus und sein Grab in Atlanta gehören zu den nationalen Denkmälern.
Die berühmte Rede I
Have a Dream
Auszug aus Der
Weg zur Gewaltlosigkeit
Literatur von und über Martin Luther King
Das
Martin-Luther-King-Zentrum für Gewaltfreiheit und Zivilcourage in Südwestsachsen
hält auf seiner Website deutschsprachige
Informationen über seinen Namensgeber vor, dazu Reden, auch im O-Ton, Bilder,
links und anderes.
Das
Martin Luther King, Jr. Center for Nonviolent Social Change in Alabama pflegt
das Andenken an ihn und die Idee der Gewaltfreiheit und bietet eine
englischsprachige Website
mit vielen Informationen.
Eine
unserer Leserinnen hat uns aufmerksam gemacht auf eine Website in Amerika, die
anscheinend das Andenken an Martin Luther King Jr. pflegt. Tatsächlich betreibt
sie jedoch rassistische und rechtsradikale Agitation auf übelste Weise.
http://www.martinlutherking.org/ und http://www.mlking.com/ führen auf dieselbe
Seite. Deren Verfasser gibt sich auf der Unterseite
http://www.mlking.com/letter.html zu erkennen mit einer E-Mail-Adresse, die
direkt zu einer Seite mit unverhüllter Nazi-Propaganda führt. Wer sich über den
in den USA immer noch verbreiteten Rassenhass ein Bild machen will, der findet
auf dieser Seite, was schlicht nur mit Entsetzen zu lesen ist. Dass wir uns
davon distanzieren, ist so klar, dass es hier nur aus juristischen Gründen
vermerkt ist.
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon
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