Gedenktag katholisch: 30. Januar
Name bedeutet: die Beleibte / die Schöne / die Bittere / die von Gott Geliebte (aramäisch)
Maria Ward wuchs zur Zeit der erbitterten Verfolgung der Katholiken in England
auf; 1587 wurden Maria Stuart und zahlreiche römischer Priester hingerichtet,
die Teilnahme an der katholischen Messe war strafbar. Als Maria 20 Jahre alt war,
scheiterte ein Putsch der Katholiken, die so genannte Pulververschwörung
. Nun
wurden alle Katholiken zu einem antipäpstlichen Treueeid gezwungen und von
Staatsämtern ausgeschlossen. Im selben Jahr lehnte Maria Ward die Heirat mit Edward
Neville, der großen Hoffnung der katholischen Partei, ab: ihr Wunsch war, in ein
Kloster einzutreten, was aber in England unmöglich war.
So wurde Maria 1606 Klarissin in St-Omer
in Frankreich, war aber schon nach kurzer Zeit mit dem vorfindlichen
Klosterleben nicht zufrieden. Sie stiftete deshalb von ihrem Vermögen ein
eigenes Kloster in Flandern,
nur für Engländerinnen, in dem die Ordensregel in ganzer Strenge angewandt wurde.
Nach einiger Zeit ging sie nach England zurück und vermittelte unter
Lebensgefahr illegale Kontakte zwischen Katholiken und Priestern. Mit einer
Gruppe von Mädchen ging sie wieder nach Flandern und nahm einige katholische
englische Mädchen als Schülerinnen mit. So entstand 1609 das Institut der
englischen Fräulein
, die sich zwar wie Ordensschwestern verhielten, sich aber
gleichzeitig frei in der Stadt bewegten. Maria beschloss auf Grund einer
Eingebung, die Ordensregel der Jesuiten
anzunehmen. Nach der ersten vorläufigen schriftlichen Bestätigung der Regel
durch Papst Paul V. im Jahr 1615 reiste Maria dreimal nach Rom,
um ihre Regel endgültig bestätigen zu lassen. Während dieser Reisen errichtete
sie im Jahr 1621 Institute in Lüttich
(Liège), Köln
und Trier,
1622 in Rom,
1623 in Neapel,
1624 in Perugia,
dann 1627 / 28 in München,
Wien
und Bratislava.
Die Bemühungen um Anerkennung des Instituts in Rom
wurden dagegen nicht vom Erfolg gekrönt. Der Verzicht auf Klausur der Frauen und
die Übernahme der Ordensregel der Jesuiten
waren für die katholische Kirche nicht akzeptabel; vor allem der Seelsorge- und Bildungsauftrag
der Jesuiten schien für Frauen unvorstellbar; dies führte 1625 zur Schließung der
Häuser in Italien. Aus Rom vertrieben zogen die Englischen Fräulein
nach Deutschland, wo der Dreißigjährige Krieg tobte. Papst Urban VIII. verbot 1631
durch eine der härtesten Bullen, die in der Kirchengeschichte bekannt sind, die
Englischen Fräulein
endgültig; die Gründerin wurde unter dem Verdacht der
Häresie von 1632 bis 1637 in Rom festgehalten, davon neun Wochen inhaftiert, und
von der Inquisition überwacht. Das
Inquisitionsgericht endete zwar mit ihrer Rechtfertigung, aber ihr Werk blieb
aufgehoben; 1639 kehrte sie krank nach England zurück, nachdem man ihr aus
gesundheitlichen Gründen die Einreise in die Heimat erlaubt hatte.
In München
und in Augsburg
nahmen 1680 die Bischöfe die Arbeit der Institute unter ihren Schutz, weitere
Filialen in anderen Diözesen folgten, 1686 wurde in England die erste katholische
Schule seit der Reformation gegründet. Trotz der fehlenden offiziellen Anerkennung
gedieh die Arbeit, 1703 wurden ein erster Teil der Regel anerkannt; 1749 anerkannte
Papst Benedikt XIV. das Amt der Generaloberin, untersagte aber die Berufung auf die
Gründerin. 1877 erhielt das Institut B.M.V. die endgültige päpstliche Anerkennung,
seit 1909 darf Maria Ward wieder als Gründerin genannt werden; die Anerkennung der Arbeit unter der
Regel der Jesuiten erfolgte aber erst 1978.
Papst Pius XII. nannte die Ordensgründerin Mitte des 20. Jahrhunderts eine unvergleichliche
Frau, die das katholische England der Kirche geschenkt hat
.
Die heute weit verbreiteten Schulen der Englischen Fräulein
halten noch
immer die Jesuitenregeln. Der römische Zweig
umfasst heute 21 Provinzen mit rund 2500 Mitgliedern in acht europäischen Ländern,
dazu in Indien, Korea, Simbabwe, Brasilien, Argentinien und Chile; seit 2004 nennt er
sich offiziell Congegratio Jesu
um deutlich zu machen, dass es sich um den
weiblichen Zweig der Jesuiten handelt; Maria Wards ursprüngliche Intention wurde nun
Wirklichkeit. Der irische und nordamerikanische Zweig ist vereinigt unter dem Namen
Loreto-Schwestern
. Im Jahr 2008 gab es in Deutschland 35 Schulen des Instituts,
dessen Schwestern sich außerdem in der Sozialarbeit engagieren.
Catholic Encyclopedia
Catholic Encyclopedia: Institut
Eine
Sendung
des Bayerischen Schulfernsehens stellt Leben und Wirken von Maria Ward und die
Geschichte der Englischen Fräulein dar.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon