Ökumenisches Heiligenlexikon

Matthäus

Gedenktag katholisch: 21. September
     Fest
     bedacht im EucharistischenDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23. Hochgebet I
     und im AmbrosianischenDie Ambrosianische Liturgie entstand im 8. Jahrhundert unter orientalischem Einfluss, sie wird auf Ambrosius von Mailand zurückgeführt, von dem wohl die meisten Texte auch stammen. Sie wird v.a. in der Kirchenprovinz Mailand und im Bistum Lugano benutzt. Karl Borromäus förderte diese Sonderform, im Mittelalter wurde aus ihr auch die Gleichwertigkeit des Mailänder Erzbistums gegenüber Rom abgeleitet. Hochgebet I
     Übertragung der Gebeine: 6. Mai
Gedenktag evangelisch: 21. September
Gedenktag anglikanisch: 21. September
Gedenktag orthodox: 16. November
Gedenktag armenisch: 16. November
     liturg. Feier am 5. Samstag nach dem Kreuzerhöhungssonntag
     Auffindung seines Evangeliums: 21. September
Gedenktag koptisch: 9. Oktober
     wundersame Befreiung aus dem Gefängnis
       durch Maria: 18. Oktober
Name bedeutet: Gottes Geschenk (griech.-hebr.)
Apostel, Evangelist, Märtyrer
† nach 42 in Parthien in Mesopotamien (?)
Kartenskizze

Kartenskizze

Matthäus war einer der Apostel, er hieß ursprünglich Levi. Die ersten drei Evangelien erwähnen, dass er Zöllner in der antiken Hafenstadt Kafarnaum - ein abgegangener Ort am See Gennesaret - war; er also einer der von den Juden verachteten - weil im Dienst der römischen Besatzungsmacht stehenden - Steuereintreiber. Markus nennt ihn Levi, den Sohn des Alphäus (Markusevangelium 2, 14), Lukas nennt ihn einfach Levi (Lukasevangelium 5, 27). Das Evangelium, das seinen Namen trägt, berichtet, wie Jesus ihn vom Zolltisch weg berief und mit ihm aß (Matthäusevangelium 9, 9). Aus seinem Beruf als Zöllner kann man schließen, dass Matthäus über eine gewisse Bildung verfügt haben muss. Den Namen Matthäus erhielt er von Jesus.

Matthäus taucht in den neutestamentlichen Berichten nicht häufig auf. Drei der Evangelisten erwähnen - neben der Geschichte seiner Berufung - nur, dass er einer der zwölf Apostel war (Matthäusevangelium 10, 3; Markusevangelium 3, 18; Lukasevangelium 6, 15). Das Lukasevangelium berichtet von einem Festmahl mit vielen Gästen, das er anlässlich seiner Berufung ausrichtete (5, 29).

Matthäus gilt in der Tradition als der Verfasser des ersten Evangeliums. Der Überlieferung nach zog er nach Abschluss dieser Arbeit im Jahr 42 nach Parthien, um das Evangelium zu verkünden. Nach anderer Überlieferung ging er in ein Land der Menschenfresser, genannt Äthiopien, das ebenfalls in Mesopotamien lag. Dort überwand er die Drachen der Zauberer, erweckte den Sohn des Königs Egippus zum Leben und heilte dessen Tochter Ephigenia vom Aussatz; daraufhin wurde ihm eine Kirche erbaut und die Königstochter trat ins Kloster ein. Der Bruder des Königs aber begehrte nach dessen Tod Ephigenia zur Ehe - Matthäus erklärte ihm vor allem Volk, dass sie die Braut eines höheren Königs sei, worauf der Wütende Matthäus am Altar von rückwärts mit dem Schwert durchbohren ließ.

Griechische Ikone, 14. Jahrhundert

Griechische Ikone, 14. Jahrhundert   

Andere Überlieferungen wissen um einen friedlichen Tod, die Steinigung oder den Tod im Feuer.

Matthäus' Reliquien liegen seit 954 in der nach ihm benannten Kathedrale von Salerno, die 1085 von Papst Gregor VII. geweiht und bald ein wichtiger Wallfahrtsort wurde. Die Redensart es ist Matthäi am letzten ist seit dem 16. Jahrhundert verbreitet und meint, der Betreffende habe bald kein Geld mehr - das bezieht sich auf Matthäus Beruf als Steuereintreiber. Bauern galt der Gedenktag des Matthäus als Beginn der Winterzeit und als wichtiger Lostag für das Wetter. In der Nacht zum Gedenktag konnten junge Mädchen mit Hilfe von im Wasser schwimmenden Papierfetzen erfahren, wann mit einer Hochzeit zu rechnen sei und mit wem diese erfolge. Auch das Weihwasser wurde teilweise auf Matthäus zurückgeführt.

Attribute: Mensch oder Engel, denn er schilderte in seinem Evangelium das menschliche Sein Christi; Schwert, Geldbeutel
Patron von Salerno; der Bankangestellten, Finanz-, Steuer- und Zollbeamten; Wechsler und Buchhalter; gegen Trunksucht, gegen unheilbare Krankheiten

Bauernregeln: Matthäuswetter hell und klar / bringt guten Wein im nächsten Jahr.
Ist Matthäus hell und klar, / gute Zeiten bringt's fürwahr.
Tritt Matthäus ein / soll die Aussaat fertig sein.
Wie es Matthäus treibt, / es vier Wochen bleibt.
Tritt Matthäus stürmisch ein, / wird's bis Ostern Winter sein.
Wenn Matthäus weint statt lacht / er aus dem Wein oft Essig macht.
Wenn Matthäus freundlich schaut, / man auf gutes Wetter baut.

Donatello: Stuckrelief in der Sakristei von San Lorenzo in Florenz, 1428-43

Donatello: Stuckrelief in der Sakristei von San Lorenzo in Florenz, 1428-43   

Catholic Encyclopedia
Catholic Encyclopedia: Evangelium

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Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• http://www.bautz.de/bbkl/m/matthaeus_e.shtml
• http://www.bauernregeln.net/september.html


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