Ökumenisches Heiligenlexikon

Mauritius

Gedenktag katholisch: 22. September
     nicht gebotener Gedenktag im deutschen Sprachgebiet
     Hochfest im Bistum Sitten und im Kanton Appenzell-Innerrhoden
     gebotener Gedenktag im Bistum Chur, Lausanne-Genf-Fribourg
       und im übrigen Bistum St. Gallen
     in Magdeburg: Ankunft der Reliquien: 25. Februar
     in Magdeburg: Ankunft seiner Kopfreliquie: 28. September
     in Genf: Auffindung der Gebeine: 26. Oktober
     in Angers: Übertragung der Armreliquie: 2. Dezember
Gedenktag evangelisch: 22. September
Gedenktag orthodox: 27. Dezember
Name bedeutet: der Maure (Mohr) (latein.)
Märtyrer
† 302 (?) bei Agaunum, heute St-Maurice in der Schweiz
Kartenskizze


El Greco: Das Martyrium des Mauritius und seiner Thebäischen Legion, 1580 / 81, im Kloster San Lorenzo des Escorial in Madrid

El Greco: Das Martyrium des Mauritius und seiner Thebäischen Legion, 1580 / 81, im Kloster San Lorenzo des Escorial in Madrid   

Mauritius war der Überlieferung nach römischer Offizier, Anführer der 22., der thebäischen Legion, die in der Thebais - der Gegend um Theben - in Ägypten ausgehoben worden war, nur aus Christen bestand und nun in Agaunum - dem heutigen St-Maurice - in der Schweiz stationiert war. Sie hatten sich geweigert, den alten Göttern zu opfern und sich an der Verfolgung der Christen zu beteiligen. Daraufhin ließ Maximianus, der Mitregent von Kaiser Diokletian, der zu jener Zeit in Octodurum - dem heutigen Martigny - weilt, jeden zehnten Mann zur Abschreckung umbringen, was aber ohne Erfolg blieb. Er wiederholte das so lange, bis die ganze Legion ermordet war. Mit Mauritius gehörten zu den getöteten Führern Candidus, Innocentius, Exuperius, Constantinus sowie Vitalis. Ursus und Victor entkamen zunächst und wurden später in Solothurn gemartert.

Die Geschichte des Mauritius und seiner Gefährten geht zurück auf die um 440 verfasste Passio Acaunensium martyrum, die Leidensgeschichte der Märtyrer von Agaunum, des Eucherius von Lyon, der sich auf eine mündliche Zeugenkette berief. Gebeine der Märtyrer wurden schon um 380 aufgefunden und Bischof Theodor von Sitten gezeigt, der über den Grabstätten im heutigen St-Maurice eine Kirche errichten ließ, die zum Wallfahrtsort wurde; diese Gedenkstätte ist archäologisch nachgewiesen. Ab 515 wuchs daraus das Kloster St-Maurice d'Agaune; seit dem 11. Jahrhundert befolgen dessen Mönche die Augustinerregel, die Äbte trugen bis 1840 die Titularwürde des Bischofs von Betlehem, der Kirchenschatz ist der bedeutendste der Schweiz. In der Schweiz gibt es über 50 Kirchen mit dem Patrozinium von Mauritius und seiner Gefährten. An der Stelle des angeblichen Martyriums im Ortsteil Vérolliez wurde eine Kapelle erbaut.

Nach einer anderen Legende eines unbekannten Verfassers - wohl aus dem 5. Jahrhundert - weigerte sich die Thebäische Legion bei einem Feldzug Maximianus gegen aufständische Sklaven in Gallien 285/286, an den Opferhandlungen vor der Schlacht teilzunehmen. Eucherius' Überlieferung wirft Probleme auf, weil die Ränge der militärischen Führer zu einer römischen Reiterei, nicht aber zu einer Legion passen. Die Umstände der Entdeckung fügen sich aber gut in Formen der Heiligenverehrung ein, durch die Bischöfe damals nichtchristliche Kulte ersetzen wollten.

Kloster in St-Maurice heute

Kloster in St-Maurice heute   

Die zahlreichen Pilger, die nach St-Maurice kamen, verbreiteten die Verehrung im 5./6. Jahrhundert in der Schweiz. St-Maurice wurde zum zentralen Heiligtum des Burgunderreichs. Von dort verbreitete sie sich in Frankreich, Italien, Deutschland, England und auch in Spanien. Gregor von Tours berichtete ebenso wie das Martyrologium des Hieronymus. Schon die Merowinger verehrten Mauritius, bei den Karolingern war er der Patron des Militärs, 888 wurde er Patron des Königreiches Burgund. Zunächst vereinzelt - so in der Deutschen Kaiserchronik aus dem 12. Jahrhundert -, vom späten 14. Jahrhundert an immer häufiger, wird Mauritius als Schwarzer dargestellt; daher gilt er auch als Patron der Handwerker, die mit Farben zu tun haben.

Der deutsche Kaiser Otto I. erhielt anlässlich seiner Heirat 951 mit Adelheid, der Tochter des Königs von Burgund, von diesem zum Weihnachtsfest 960 Reliquien von Mauritius für seinen Dom St. Mauritius in Magdeburg. Sie galten damals als das ehrwürdigste Heiligtum auf deutschem Boden. Otto führte seinen Sieg gegen Ungarn von 955 auf Mauritius' Hilfe zurück und ließ 962 sein Fest vom Papst bestätigen. Zur Zeit der Ottonen und Stauferkaiser blühte die Verehrung von Mauritius in Deutschland, Mauritius wurde zum Reichsheiligen und zum vom Hochadel bevorzugten Kriegerheiligen, dessen Heilige Lanze in wichtigen Kriegszügen des Reiches vorangetragen wurde. Vom 12. Jahrhundert an wurde der Kaiser im Petersdom in Rom am Mauritius-Altar gesalbt. Eine große Zahl von Mauritius- und Moritzkirchen entstand, eine noch größere Zahl von Wappen von Adelsgeschlechtern, Bistümern, Klöstern, Städten und Dörfern zeigten Mauritius.

Stadtwappen von Coburg

Stadtwappen von Coburg   

Im 12. Jahrhundert erblühte unter Erzbischof Wichmann von Seeburg der Mauritiuskult in Magdeburg, im ab 1209 neu errichteten Dom findet sich eine Vielzahl von Mauritiusdarstellungen. Handelsbeziehungen brachten den Kult über die Ostsee ins Baltikum, wo auch in Riga und Tallinn Bilder von ihm zu finden sind. Selbst an der Sophienkathedrale in Nischni Nowgorodin Russland sind zwei Bronzetüren mit einem Mauritiusrelief zu finden, die eine Magdeburger Gießhütte 1154 für die Kathedrale in Płock in Polen angefertigt hatte. Nachdem Jüterbog ab 1157 zum Erzstift Magdeburg gehörte, breitete sich auch hier die Mauritius-Verehrung aus, um 1570 wurde er ins Stadtwappen eingefügt. Auch das Wappen der Stadt Coburg zeigt den Mohrenkopf Mauritius; im Dritten Reich musste die Wappentradition Coburgs den NS-Machthabern weichen, die der Stadt als neues schwarz-gelbes Stadtwappen, ein Schwert mit Hakenkreuz, verordneten; nach der Befreiung 1945 gehörte es zu den ersten Amtshandlungen des kommissarischen Oberbürgermeisters, den Mohrenkopf als Stadtwappen wieder einzuführen.

Kanonisation: Die Verehrung von Mauritius wurde auf Veranlassung von Kaiser Otto I. im Jahre 962 von Papst Johannes XII. bestätigt.
Attribute: dunkelhäutiger Ritter
Patron von Burgund und der Kantone Wallis und Appenzell-Innerrhoden, von Coburg und Wiesbaden; der Soldaten, Waffen- und Messerschmiede, Kaufleute, Färber, Hutmacher, Tuchweber, Wäscher und Glasmaler; der Pferde und Weinstöcke; in Kämpfen, bei Pferdekrankheiten; gegen Besessenheit, Gicht und Ohrenleiden; zweiter Patron des Bistums Magdeburg
Bauernregeln: Ist das Wetter heute klar, / toben Winde im kommenden Jahr.
Ist St. Moritz hell und klar, / stürmt der Winter, das ist wahr.
Gewitter um Mauritius / bringet Schaden und Verdruss.
Zeigt sich klar Mauritius, / viele Stürm' er bringen muss.

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon





Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• P. Ezechiel Britschgi: Name verpflichtet. Christiana, Stein am Rhein, 1985
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• http://www.coburg-tourist.de/index_d.html
• http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/10907537/61939/
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe. J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2000
• http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D10198.php
• http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D10228.php


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