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El Greco: Das Martyrium des Mauritius und seiner Thebäischen Legion, 1580 / 81,
im Kloster San Lorenzo des Escorial in Madrid

Mauritius war der Überlieferung nach römischer Offizier, Anführer der 22.,
der thebäischen
Legion, die in der Thebais - der Gegend um Theben
- in Ägypten ausgehoben worden war, nur aus Christen bestand und nun in Agaunum - dem
heutigen St-Maurice
- in der Schweiz stationiert war. Sie hatten sich geweigert, den alten Göttern
zu opfern und sich an der Verfolgung der Christen zu beteiligen. Daraufhin lieĂź
Maximianus, der Mitregent von Kaiser Diokletian, der zu jener Zeit in Octodurum -
dem heutigen Martigny
- weilt, jeden zehnten Mann zur Abschreckung umbringen, was aber ohne Erfolg blieb. Er wiederholte
das so lange, bis die ganze Legion ermordet war. Mit Mauritius gehörten zu den getöteten
FĂĽhrern Candidus, Innocentius,
Exuperius, Constantinus sowie
Vitalis. Ursus
und Victor entkamen
zunächst und wurden später in Solothurn
gemartert.
Gemälde Selige und Heilige des Wallis
(Ausschnitt) mit (von links) Florentin ,
Mauritius, Theodor
von Sitten und Amatus von Sitten, in
der Theodulskirche
in Sion / Sitten ![]()
Die Geschichte des Mauritius und seiner Gefährten geht zurück auf die um 440 verfasste Passio
Acaunensium martyrum
, die Leidensgeschichte der Märtyrer von Agaunum
, des
Eucherius von Lyon, der
sich auf eine mĂĽndliche Zeugenkette berief. Gebeine
der Märtyrer wurden schon um 380 aufgefunden und Bischof Theodor
von Sitten gezeigt, der über den Grabstätten im heutigen St-Maurice
eine Kirche errichten lieĂź, die zum Wallfahrtsort
wurde; diese Gedenkstätte ist archäologisch nachgewiesen. Ab 515 wuchs daraus das Kloster
St-Maurice d'Agaune; seit dem 11. Jahrhundert befolgen dessen Mönche die
Augustinerregel, die Äbte trugen bis 1840
die TitularwĂĽrde des Bischofs von Betlehem,
der Kirchenschatz ist der bedeutendste der Schweiz. In der Schweiz gibt es ĂĽber 50
Kirchen mit dem Patrozinium von Mauritius und seiner Gefährten. An der Stelle
des angeblichen Martyriums im Ortsteil Vérolliez
wurde eine Kapelle erbaut.
Nach einer anderen Legende eines unbekannten Verfassers - wohl aus dem 5. Jahrhundert - weigerte sich die Thebäische Legion bei einem Feldzug Maximianus gegen aufständische Sklaven in Gallien 285/286, an den Opferhandlungen vor der Schlacht teilzunehmen. Eucherius' Überlieferung wirft Probleme auf, weil die Ränge der militärischen Führer zu einer römischen Reiterei, nicht aber zu einer Legion passen. Die Umstände der Entdeckung fügen sich aber gut in Formen der Heiligenverehrung ein, durch die Bischöfe damals nichtchristliche Kulte ersetzen wollten.
Kloster in St-Maurice
heute ![]()
Die zahlreichen Pilger, die nach St-Maurice kamen, verbreiteten die Verehrung im 5./6. Jahrhundert in der Schweiz. St-Maurice wurde zum zentralen Heiligtum des Burgunderreichs. Von dort verbreitete sie sich in Frankreich, Italien, Deutschland, England und auch in Spanien. Gregor von Tours berichtete ebenso wie das Martyrologium des Hieronymus. Schon die Merowinger verehrten Mauritius, bei den Karolingern war er der Patron des Militärs, 888 wurde er Patron des Königreiches Burgund. Zunächst vereinzelt - so in der Deutschen Kaiserchronik aus dem 12. Jahrhundert -, vom späten 14. Jahrhundert an immer häufiger, wird Mauritius als Schwarzer dargestellt; daher gilt er auch als Patron der Handwerker, die mit Farben zu tun haben.
Mauritius-Schrein, 12./13. Jahrhundert, im Museum im Kloster in St-Maurice heute
Der deutsche Kaiser Otto I.
erhielt anlässlich seiner Heirat 951 mit Adelheid,
der Tochter des Königs von Burgund,
von diesem zum Weihnachtsfest
960 Reliquien von Mauritius fĂĽr seinen Dom St. Mauritius in Magdeburg.
Sie galten damals als das ehrwĂĽrdigste Heiligtum auf deutschem Boden. Otto
fĂĽhrte seinen Sieg gegen Ungarn von 955 auf Mauritius' Hilfe zurĂĽck und lieĂź 962
sein Fest vom Papst bestätigen. Zur Zeit der Ottonen und Stauferkaiser blühte
die Verehrung von Mauritius in Deutschland, Mauritius wurde zum Reichsheiligen
und zum vom Hochadel bevorzugten Kriegerheiligen, dessen Heilige Lanze
in
wichtigen KriegszĂĽgen des Reiches vorangetragen wurde. Vom 12. Jahrhundert an
wurde der Kaiser im Petersdom
in Rom am Mauritius-Altar gesalbt. Eine groĂźe Zahl
von Mauritius- und Moritzkirchen entstand, eine noch größere Zahl von Wappen
von Adelsgeschlechtern, Bistümern, Klöstern, Städten und Dörfern zeigten
Mauritius.
Stadtwappen von Coburg

Im 12. Jahrhundert erblĂĽhte unter Erzbischof Wichmann von Seeburg der
Mauritiuskult in Magdeburg,
im ab 1209 neu errichteten Dom findet sich eine Vielzahl von
Mauritiusdarstellungen. Handelsbeziehungen brachten den Kult ĂĽber die Ostsee ins
Baltikum, wo auch in Riga
und Tallinn
Bilder von ihm zu finden sind. Selbst an der Sophienkathedrale in Nischni
Nowgorodin Russland sind zwei BronzetĂĽren mit einem
Mauritiusrelief zu finden, die eine Magdeburger GieĂźhĂĽtte 1154 fĂĽr die
Kathedrale in Płock
in Polen angefertigt hatte. Nachdem JĂĽterbog
ab 1157 zum Erzstift Magdeburg gehörte, breitete sich auch hier die Mauritius-Verehrung aus,
um 1570 wurde er ins Stadtwappen eingefĂĽgt. Auch das Wappen der Stadt Coburg
zeigt den Mohrenkopf
Mauritius; im Dritten Reich
musste die Wappentradition
Coburgs den NS-Machthabern weichen, die der Stadt als neues schwarz-gelbes
Stadtwappen, ein Schwert mit Hakenkreuz, verordneten; nach der Befreiung 1945
gehörte es zu den ersten Amtshandlungen des kommissarischen Oberbürgermeisters,
den Mohrenkopf als Stadtwappen wieder einzufĂĽhren.
Kanonisation:
Die Verehrung von Mauritius wurde auf Veranlassung von Kaiser Otto
I. im Jahre 962 von Papst Johannes XII. bestätigt.
Attribute:
dunkelhäutiger Ritter
Patron
von Burgund
und der Kantone Wallis
und Appenzell-Innerrhoden,
von Coburg
und Wiesbaden;
der Soldaten, Waffen- und Messerschmiede, Kaufleute, Färber, Hutmacher, Tuchweber, Wäscher und Glasmaler;
der Pferde und Weinstöcke; in Kämpfen, bei Pferdekrankheiten; gegen Besessenheit, Gicht und
Ohrenleiden; zweiter Patron des Bistums Magdeburg
Bauernregeln:
Ist das Wetter heute klar, / toben Winde im kommenden Jahr.
Ist St. Moritz hell und klar, / stĂĽrmt der Winter, das ist wahr.
Gewitter um Mauritius / bringet Schaden und Verdruss.
Zeigt sich klar Mauritius, / viele StĂĽrm' er bringen muss.
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon