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Mechthild wurde auf einer Burg groß, wo sie schon früh mit dem Minnegesang, der Lyrik und den Liebesliedern ihrer Zeit, vertraut wurde. Schon als 12-jährige wurden ihr mystische Erfahrungen durch Visionen zuteil. Um 1230 trat sie in Magdeburg als Begine einer Gemeinschaft bei, die nach den Regeln des Dominikanerordens lebte. Als geistlich, aber in der Welt lebende Frauen sind diese besonders für die Armen da, alltäglich konfrontiert mit Not und Elend der Leibeigenen, tätig an Krankenlagern oder als Strebebegleiterinnen. Mechthild sieht darin ihre Aufgabe gemäß der ihr zuteil gewordenen Botschaft von der Liebe Gottes zu allen Menschen.
Die Arbeit der Beginen war in den Städten
gern gesehen, soweit sie Not lindernten, Trauernde trösteten und Sterbende
begleiteten. Aber wenn sie Reichtum anprangerten oder gar als Frauen sich in
theologischen Fragen zu Wort meldeten, machten sie sich unbeliebt. Um 1250 gibt
es in Magedeburg
solche Auseinandersetzungen der frommen Frauen mit dem Domkapitel.
Mechthild begann in dieser Zeit, ab 1250, ihre Visionen in Versen und Hymnen
schriftlich festzuhalten, indem sie sie einer Schreiberin diktierte, weil sie
selbst nicht schreiben konnte. Sie wurde gewarnt, ihre Schriften könnte ein
Feuer verzehren
, sie solle mit dem Schreiben aufhören. Besonders ihre scharfe
Kritik am Domkapitel und an der Amtskirche führten zu Anfeindungen des Klerus.
Wahrscheinlich wurde Mechthild vor das Kirchengericht des Domkapitels gestellt
und musste sich und ihr Werk verteidigen; in ihrem Werk Das fließende Licht der
Gottheit
schrieb sie: Ich bin mir nach dem, was mir bisher geschehen ist,
gewiss, dass ich noch viele Becher mit Galle austrinken muss, denn leider hat
der Teufel unter den Menschen geistlichen Standes noch sehr viele Schenken, die
so voller Giftes sind, dass sie es nicht allein trinken können: Sie müssen es
Gottes Kindern voller Bitterkeit ausschenken
(II, 24).
Mechthild flüchtete vor den Anfeindungen im Alter von 60 Jahren ins Zisterzienserinnenkloster Helfta zu Gertrud von Hackeborn, von der sie Unterstützung erfuhr und wo sie die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte. Das Kloster wurde zum Zentrum der mystischen Gotteserfahrung von Frauen und ihren daraus erwachsdenen Schriften, Mechthild zur Lehrmeisterin auch von Gertrud der Großen.
Innocenz Waräthi: Mechthild (Mitte unten) und Gertrud
von Helfta, Deckenfresko, um 1720, in der Bibliothek des Klosters Metten
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Mechthilds Visionen enthalten Einheitserfahrungen mit Gott sowie Einsichten über Gott, Welt, Menschheit und Kirche. Anregungen erhielt sie aus der damals mündlich weitergegebenen Frauenmystik, aus dem biblischen Hohenlied der Liebe und den Evangelien, dazu aus Werken von Augustinus, Bernhard von Clairvaux, Hugo von St-Victor und Dionysios Areopagites. Ihre kosmische und apokalyptische Schau steht in der Nachfolge der Hildegard von Bingen. Auffällig ist die hohe poetische Bildkraft.
Mechthilds Schriften gelten als die ersten deutschen Aufzeichnungen der
Mystik. Ihr Werk umfasst sieben Bücher mit dem Titel Das fließende Licht der
Gottheit
; die ersten Fünf enstanden vor 1260, das sechste zwischen 1260 und
1271 das siebte zwischen 1271 und 1282. Es ist nur noch in einer 1343 - 1345 in
Basel entstandenen alemannischen Übersetzung sowie einer teilweise noch zu ihren
Lebzeiten entstandenen lateinischen Übersetzung in einer Handschrift um 1350
überliefert.
Mechthild von Magdeburg: O du brennender Berg
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Studenten der FU - Berlin haben im Rahmen eines Seminars eine Homepage
entworfen mit den Ergebnissen ihrer Forschung zu Mechthilds
Werk Das Fließende Licht der Gottheit
und der Frage, ob die Mystikerinnen
damals nur als Medium fungierten oder ein schriftstellerisches Selbstbewusstsein
entwickelten.
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon
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