Gedenktag orthodox: 4. Juli
Sonntag, der dem 23. Januar am nächsten liegt
Geburtstag: 6. Mai
Namenstag: 6. Dezember
Name bedeutet: der Sieger über das/aus dem Volk (griech.)
Nikolaus wurde am orthodoxen Gedenktag für Ijob geboren - was er später als unheilvolle Prophezeiung für sein künftiges Schicksal deutete. Er studierte Jura an der Universität in St. Petersburg, zugleich erhielt er eine militärische Ausbildung an der Akademie des Generalstabs. 1894 wurde er nach dem unerwartenen Tod seines ihm gegenüber strengen Vaters als Nikolaus II. Zar von Russland, im selben Jahr heiratete er Prinzessin Alexandra von Hessen-Darmstadt. Seine kompromisslose Politik gegen die Selbstverwaltungsrechte der nationalen Minderheiten im Reich führte 1896 zu Unruhen und Streiks in Finnland, Polen, dem Baltikum und in der Ukraine. Nikolaus stand unter dem Einfluss einer starken Hofkamarilla und religiöser Frömmler, darunter Rasputin; der hatte ab 1903 am Kaiserhof die Stellung eines Lampenwärters für Ikonen inne und gewann, da er durch seine hypnotischen Fähigkeiten dem an der unheilbaren Bluterkrankheit leidenden Thronfolger Alexei helfen zu können schien, alsbald großen Einfluss vor allem auf Zarin Alexandra.
1899 wurde auf Nikolaus' Anregung die Haager Friedenskonferenz einberufen,
auf der 26 Staaten ein Abkommen zur Schlichtung internationaler Konflikte und
zur Einführung von Kriegskonventionen zum Schutz der Soldaten abschlossen. Nach
der Niederlage im Russisch-japanischen Krieg von 1904/05 und einer Protestwelle
gegen seine Politik kam es im Januar 1905 zum Blutsonntag
vor dem Winterpalast
in St.
Petersburg, als Soldaten das Feuer auf eine friedliche Menge von Demonstranten
eröffneten. Die revolutionäre Bewegung erzwang mit einem Generalstreik der sozialistisch
organisierten Arbeiter im Oktobermanifest von 1905 Rede-, Versammlungs-
und Religionsfreiheit und die Einführung einer konstitutionelle Monarchie
mit Eröffnung der Duma, des Parlaments.
Noch vor dem Zusammentritt der ersten gewählten gesetzgebenden Volksvertretung, der Duma, schränkte Nikolaus 1906 deren Rechte wieder drastisch ein, 1907 löste er die neugewählte Duma mit ihrer Mehrheit der Linken auf. Die letzten zehn Jahre ihres Lebens verbrachte die Zarenfamilie nun zunehmend isoliert. Eine verhängnisvolle Rolle am Hof spielte der mit hypnotischen Kräften ausgestattete Grigorij Rasputin. 1912 lähmte eine erneute Streikbewegung das ganze Land. Nach dem Kriegseintritt 1914 kam es 1917 aufgrund der militärischen Niederlagen und der Versorgungsnot im Land zu Aufständen der Arbeiter und Meutereien der Soldaten. Als die bürgerlichen Parteien der Duma eine provisorische Regierung unter dem liberalen Georgi Fürst Lwow bildeten, verfügte Nikolaus im März widerum die Auflösung der Duma und einen Schießbefehl gegen die Aufständischen. Die Soldaten weigerten sich aber, der Anordnung Folge zu leisten. Auf Druck der Generalität dankte Nikolaus II. am 15. März 1917 zugunsten seines Bruders, des Großfürsten Michail, ab, er wurde verhaftet und mit seiner Familie nach Sibirien verbannt. So konnte noch eine Niederlage im 1. Weltkrieg, nicht aber die Oktoberrevolution der Bolschewisten verhindert werden. Ein gutes Jahr später wurde Nikolaus zusammen mit seiner Familie in Jekaterinburg von bolschewistischen Truppen ermordet; Nikolaus wurde erschossen und starb sofort, seine Frau und seine Töchter wurden mit Bajonetten erstochen, weil die Kugeln in ihren Miedern stecken geblieben waren. Die Toten wurden ihres Schmuckes beraubt, in einer Grube im Wald verscharrt und ihre Gesichter mit Salzsäure unkenntlich gemacht.
1979 wurden die Gebeine der Zarenfamilie aufgefunden, nach Ende des Kommunismus 1991 exhumiert und 1998 nach wissenschaftlicher Untersuchung und Idenditifizierung im Beisein des russischen Präsidenten Jelzin in St. Petersburg feierlich beigesetzt. Schon zu Lebzeiten wurde Nikolaus von der Landbevölkerung verehrt. Ikonen von ihm sollen wohlriechende Tränen geweint haben.
Patriarch Alexei II. bei der Seligsprechung von Nikolaus und seiner Familie
Kanonisation:
Die russisch-Orthodoxe Kirche im
Ausland sprach die Zarenfamilie bereits 1981 heilig. Im August 2000 wurde
Nikolaus auch von der Russisch-Orthodoxen Kirche zusammen mit
seiner Frau Alexandra, Kronprinz Alexis und seinen Töchtern
Großfürstin Olga, Großfürstin Tatiana, Großfürstin Maria
und Großfürstin Anastasia und ihren Gefährten sowie zusammen mit 855
weiteren Märtyrern des 20. Jahrhunderts heiliggesprochen - nicht wegen seiner
katastrophalen Politik, sondern ausdrücklich wegen seines Lebenswandels und
seines Martyriums. Noch 1996 hatte die Bischofssynode diese Heiligsprechung
abgelehnt.
Leo
Trotzki beschreibt aus der Sicht des Revolutionärs den Zar
und die Zarin
in seinem Buch Geschichte der russischen Revolution - Band 1:
Februarrevolution
, in deutscher Sprache online im Marxists' Internet Archive.