der Große
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Nikolaus stammte aus einer vornehmen Beamtenfamilie und war gut ausgebildet. Schon vor seiner eigenen Amtszeit als Papst war er enger und einflussreicher Berater der drei Päpste vor ihm. Bei seiner Weihe und Krönung in der Peterskirche war Kaiser Ludwig II. anwesend; Nikolaus war der erste gekrönte Papst.
Die neun Jahre von Nikolaus' Pontifikat ab 858 waren voller Konflikte: mit der Ostkirche, aber auch im Westen, so mit dem Patriarchen Johannes von Ravenna, der sich von Rom unabhängig machen wollte. Seine wohl wichtigste Amtshandlung war die Unterstützung von Rothad, dem Bischof von Soissons, der 863 von Hinkmar, dem Erzbischof von Reims, wegen Unbotmäßigkeit abgesetzt worden war; Nikolaus unterstützte Rothas und damit das Recht eines Bischofs, gegen die Autorität seines Vorgesetzten beim Vatikan Beschwerde einzulegen. Nikolaus sah sich als Nachfolger von Petrus, als Herrscher, der die Rechte und Reinheit der Kirche zu verteidigen hatte. Gegenüber König Lothar II. von Lothringen beharrte er auf der Unauflöslichkeit der Ehe; dieser wollte die kinderlose Ehe mit Theutberga lösen und seine Geliebte Waldrada, die ihm ein Kind geboren hatte, heiraten. Die Kölner und Trierer Erzbischöfe, die Lothar ihr Einverständnis gegen hatten, setzte Nikolaus ab und exkommunizierte sie, dieser Konflikt eskalierte gar in kriegerischen Auseinandersetzungen.
Nikolaus förderte Recht und Ordnung in der Kirche unter der Leitung Roms und unterstützte die Missionsarbeit in Bulgarien und in Dänemark, wo Ansgar wirkte. 866 verbot er die Anwendung von Folter, weil sie unvereinbar mit der christlichen Lehre sei. *
Auch der Konflikt mit der Ostkirche eskalierte immer mehr: Gemeinsam mit Ignatius, dem Patriarchen von Konstantinopel, widersetzte sich Nikolaus dessen mächtigem Rivalen Photius. Ignatius war 858 aufgrund starker Differenzen mit dem byzantinischen Hof zurückgetreten, darauf wurde der Laie Photius zum Nachfolger erhoben. Nikolaus versagte dem rechtmäßig Gewählten Photius die Anerkennung, weil die nachgeholte Weihe nicht rechtmäßig erfolgt war, worauf dieser 867 in Konstantinopel eine SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten. In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet. berief, auf der die Ostkirche Nikolaus zum Ketzer erklärte, ihn exkommunizierte und absetzte; diese Nachricht erreichte Rom aber erst nach dem Tod des Papstes, so erlebte er auch die darauf folgende - nur kurz währende - erste Spaltung zwischen der morgenländischen und der abendländischen Kirche nicht mehr. Schon 870 wurde durch das 6. Konzil von Konstantinopel auch Photius wieder abgesetzt.
Bei diesen Konflikten leitete Nikolaus sein fester und untrüglicher Sinn für
Gerechtigkeit, der anderen als unerbittlicher Starrsinn erschien. Dieser Ernst,
seine Willenskraft und die großen diplomatischen Fähigkeiten haben ihn zu einem
der großen Päpste gemacht. Nikolaus stand n einem der entscheidenden Wendepunkte
europäischer Geschichte. Seit Konstantin
dem Großen war der Staat Schutzmacht und Förderer der Kirche, zuletzt
erfüllte Karl der Große diese
Funktion. Mit dessen Tod und dem anschließenden Zerfall des Reiches wurden diese
Rollen gleichsam vertauscht, nun wurde das Papstum zum Protector impirii
, dem
Beschützer des Reiches
.
Manche Geschichtsforscher sehen Nikolaus nur als Werkzeug seines ehrgeizigen Beraters Anastasius Bibliothecarius. Jedenfalls war Nikolaus der erste, der die allumfassende Befehlsgewalt des Papstes, die sich auf die von Christus selbst verliehene Autorität stütze, nicht nur vertrat, sondern auch ausübte.
Nikolaus' Grabstätte ist an unbekanntem Ort.
* 1252 führte Papst Innozenz IV. die Folter für Zwecke der Inquisition offiziell wieder ein.
Martyrologium Romanum Flori-Legium
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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