Ökumenisches Heiligenlexikon

Onuphrios der Große

Gedenktag katholisch: 12. Juni
Gedenktag orthodox: 12. Juni
Gedenktag armenisch: 12. Juni
     liturgische Feier als 7. Gedenktag nach Theophanie
Gedenktag koptisch: 10. Juni
     Erneuerung der Kirche hinter Kairo: 12. November
Name bedeutet: der vollkommen ist (Ägyptisch)
Mönch, Lehrer der kappadokischen Kirche
* in Äthiopien
† Ende des 4. Jahrhunderts in Göreme in Kappadokien in der heutigen Türkei
Kartenskizze


Kartenskizze

Onuphrios - äthiopisch Abu Nafr - war ein abessinischer Fürstensohn. Er wurde im Kloster Hermopolis erzogen, war Mönch geworden und verzichtete auf die fürstliche Nachfolge, um die Einsamkeit aufzusuchen. Er fand sie in einem der abgelegenen Felsenklöster von Göreme in Kappadokien, wo er 60 Jahre lang in andächtiger Betrachtung und als Lehrer der kappadokischen Kirche lebte.

Kurz vor seinem Tode, Ende des 4. Jahrhunderts fand ihn der Legende nach Paphnutios und reichte ihm die Kommunion, die er sonst an allen Sonn- und Feiertagen von einem Engel erhalten hatte.

Paphnutios verfasste nach Onuphrios' Tod dessen Biographie. Sein Name wird in volkstümlicher Interpretation auf den Esel, griechisch: onos, bezogen, der ihn als Lehrenden über die weiten Strecken in die klösterlichcn Siedlungen getragen habe; tatsächlich hieß er nach dem ägyptischen Gott Wnn-nfr, was auch Beiname des Osiris war und mit er, der beständig gut ist oder beständig (bis an die Grenzen der Ewigkeit) Schöner übersetzt wird.

Die koptische Kirche verehrt Onuphrios seit dem 7. Jahrhundert. Er gilt als Helfer in der Todesstunde. Kreuzfahrer brachten den Kult in den Westen. Seine Schädelreliquie, vom Papst an Heinrich den Löwen gesandt, soll von diesem in seine Münchner Burgkapelle, andere Reliquien später auch in die Residenz Braunschweig überführt worden sein. Auf den Münchner Marienplatz blickte eine große Statue von Onuphrios, er wurde in München sehr verehrt.

Attribute: unbekleidet und dicht behaart, Blätterschurz um die Lenden, Kelch, Hostie
Patron der Weber, im Volk: der Prostituierten; der von sexuellen Übergriffen Bedrohten, der Keuschheit, für guten Tod

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Ikone aus Kreta, 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts, Menil Collection in Houston in Texas

Ikone aus Kreta, 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts, Menil Collection in Houston in Texas   

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon





Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984

• Rainer Hannig: Die Sparache der Pharaonen. Großes Handwörterbuch Ägyptisch-Deutsch (2800 - 950 v. Chr.), Philipp von Zabern, Mainz
• Dr. Guntram Michael Schwitalla M. A., E-Mail vom 13. Juni 2011


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