Gedenktag katholisch: 30. Juni
nicht gebotener Gedenktag im deutschen Sprachgebiet
Fest im Bistum Berlin
Hochfest in der Stadt Bamberg: 30. September
Fest im Bistum Bamberg: 30. September
Diözesankalender Eichstätt, Görlitz, Speyer
in Kammin: 1. Oktober
Gedenktag evangelisch: 30. Juni
Name bedeutet: der Besitzer des Erbgutes (germanisch - althochdt.)
Deckplatte des Hochgrabes, 14. Jahrhundert, in der Kirche St. Michael in Bamberg
Otto wurde in einer edelfreien Familie geboren, seine Mutter stammte wohl von den Staufern ab und in Eichstätt erzogen. Seine herausragende Persönlichkeit und Begabung brachten ihn 1082 als Kaplan an den Hof des Polenherzogs Wladislaw, als dieser Judith, die Schwester Kaiser Heinrichs IV., heiratete. 1091 holte ihn Heinrich IV. an den kaiserlichen Hof, er wurde Kanzler und Bauleiter am Dom in Speyer. Heinrich IV. machte ihn dann nach kurzzeitiger Kanzlerschaft 1102 zum achten Bischof von Bamberg. Mehrere Klostergründungen werden ihm zugeschrieben. Seine Fürsorge in Bamberg ging so weit, dass er, als ein ungewöhnlicher Schneefall im Mai 1125 die Saaten vernichtete, zur Jakobi-Messe Brot aus seinen Vorräten backen und Sicheln und andere Werkzeuge verteilen ließ, damit gearbeitet und nicht gebettelt werde.
Otto versuchte im Konflikt in der dramatischen Endphase des Investiturstreites zu vermitteln; von König Heinrich V. wurde er mehrfach für Verhandlungen mit Papst Paschalis II. herangezogen, der ihn 1106 in Anagni zum Bischof weihte und ihm 1111, zwei Tage nach der Kaiserkrönung Heinrichs, das Pallium verlieh. An der Einigung im Wormser Konkordat von 1122 war er wesentlich beteiligt. Sein ausgleichendes Wesen hatte zuvor auch die Auseinandersetzungen Heinrichs IV. mit seinem Sohn beendet; Otto bewirkte die Lösung vom Bann und die Beisetzung Heinrichs IV. in Speyer.
Als Boleslaw von Polen 1121 das selbständige Pommern/Pomorze bezwungen hatte, zog Otto 1124/1125 mit reichsfürstlichem Glanz dorthin, um den christlichen Glauben zu verbreiten. Der zweite Missionszug 1128 führte ihn auch in die unter der Hoheit der Pommernherzöge stehenden lutizischen Gebiete westlich der Oder. Die Überlieferung berichtet, dass er nicht nur durch sein glanzvolles Auftreten, sondern auch durch seine Einfühlsamkeit wirkte: So ließ er den großen Nussbaum in Stettin - dem heutigen Szczecin -, der heidnischen Göttern geweiht war, nicht abhauen, sondern bestimmte, dass sein Schatten und seine Früchte die Einwohner weiterhin erfreuen sollten. 22.000 Menschen soll er in Pommern getauft haben, die Kirche in Pommern erhielt durch ihn ihre Organisation, er gründete das Bistum Kammin - das heutige Kamien Pomorski.
Otto setzte sich auch für den Ausgleich zwischen König Lothar III. und den Staufern ein. Durch Gütererwerbungen und Burgenpolitik schuf er die Grundlagen des Bamberger Bischofsgebietes im Frankenwald, im Steigerwald sowie in der Fränkischen Schweiz. Er gründete oder reformierte über 30 Klöster, Stifte und Spitäler zwischen Kärnten und Sachsen, darunter die Klöster Prüfening in Regensburg, Michelfeld bei Auerbach in der Oberpfalz, Langheim - das heutige Klosterlangheim, Stadtteil von Lichtenfels -, Michelsberg in Bamberg und Banz - der heutige Ortteil von Bad Staffelstein.
Ottos Grab mit Durchschlupf, in der Klosterkirche St. Michael in Bamberg
Ottos Grab ist in der Klosterkirche St. Michael in Bamberg; früher schickten die Bauern der Umgebung Wachs in dieses Kloster, damit die Kerzen an Ottos Grab nicht ausgingen. Im Grab ist ein kleiner Durchgang, bei Rückenleiden soll nach einer Volkssage dreimaliges Durchschlüfen Linderung bedeuten. Im 12. Jahrhundert entstanden drei Lebensgeschichten in den Klöstern Michelsberg in Bamberg und Prüfening in Regensburg. Ottos Bedeutung für Bamberg wird auch darin deutlich, dass er neben den Bistumsgründern, dem Kaiserpaar Heinrich II. und Kunigunde, Bistumspatron ist.
Kanonisation:
Ottos Heiligsprechung wurde erst möglich im Rahmen des Ausgleichs zwischen
Papsttum und Kaiserhof unter Papst Clemens III., sie fand dann 1189 auf einem
Hoftag von König Heinrichs VI in Würzburg
in der Rechtsform einer delegierten Kanonisation statt.
Patron
gegen Fieber und Tollwut; Mitpatron des Erzbistums Berlin
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon