Pater Pio
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Padre Pio
Francesco Forgione wurde als Kind einer Bauernfamilie geboren. Er habe weniger als andere Kinder gegessen und kaum geschlafen, schwere Fieberanfälle wie durch ein Wunder überstanden. Im Alter von 16 Jahren trat er als Novize den Kapuzinern in seiner Heimat bei und erhielt den Ordensnamen Pio. Unter Mühen ob seiner angeschlagenen Gesundheit - er litt unter Tuberkulose - hielt er das asketische Leben durch, absolvierte das Theologiestudium und wurde 1910 in der Kathedrale von Benevent zum Priester geweiht. Bis 1915 war er in seinem Heimatort Pietrelcina als Gehilfe des Ortspfarrers tätig, ab 1916 als Mönch im Kapuzinerkloster von San Giovanni Rotondo. 1918 erschienen auf seinem Körper plötzlich die fünf Wundmale Christi, die ihn zum ersten stigmatisierten Priester in der Geschichte der katholischen Kirche machten, und die bis zu seinem Tod sichtbar blieben.
Bald schon kamen die ersten Pilger zu Padre Pio in sein Kloster nach San
Giovanni Rotondo und erlebten ihn bei seinen Messen wie der Wirklichkeit
entrückt. Er wurde als Beichtvater zum Apostel des Beichtstuhls
, seine
prophetische Gabe wurde weithin gerühmt, er zählte zu den größten Mystikern des
20. Jahrhunderts; die katholische Kirche distanzierte sich aber von ihm,
bezeichnete ihn als Hysteriker
, verbot ihm sogar von 1922 bis 1934 das Lesen
der Messe und das Beantworten von Seelsorgebriefen. Die Stigmata führten zu
wiederholten, kirchlich angeordneten medizinischen Untersuchungen. Um die Wunden
zu verbergen, trug Pater Pio meist fingerlose Handschuhe.
Die Menschen vertrauten Padre Pio; ab 1940 begann er, Leiden der Pilger durch Handauflegen oder mit Worten zu lindern oder gar zu heilen. In den Armen, Leidenden und Kranken sah er das Bild Christi, besonders ihnen galt sein Werk der Nächstenliebe. Dem jungen polnischen Priester Karol Woityla, dem späteren Papst Johannes Paul II., soll er bei einem Besuch im Jahre 1947 sowohl die Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche als auch das Attentat von 1981 vorher gesagt haben. Als Weihbischof von Krakau richtete Karol Woityla in einem Brief an Padre Pio die Bitte, besondere Fürsprache für eine an einem Krebsleiden erkrankte Familienmutter und Ärztin sowie für den Sohn eines Anwalts aus seiner Diözese zu halten. Weitere Briefe schrieb ihm Woityla während seines Aufenthaltes beim 2. Vatikanischen Konzil.
Padre Pio hält eine Messe, 1964. Gefragt, wann er am meisten leide antwortete er: Ich
leide immer. Doch am meisten leide ich, wenn ich das hl. Messopfer darbringe, denn
dann bin ich auf Golgota.
Interessant ist, wie sich die Reputation des charismatischen Kapuziners
mit jedem neuen Papst Änderte: Benedikt XV. war eher skeptisch, Pius XI. wollte
ihn beinahe aus dem Priesteramt entfernen, Pius XII. hingegen war angetan von
ihm. Johannes XXIII. war
offiziell ein erklärter Feind von Padre Pio, in privaten Aufzeichnungen schrieb
er 1960 sogar von dem enormen, teuflisch geplanten Desaster der Seelen
, das
dieser anrichte. Paul VI. war ihm wiederum ziemlich gewogen; mit Johannes
Paul II. kam die Wende, dann die Selig- und die Heiligsprechung.
Der Turiner
Historiker Sergio Luzzatto veröffentlichte 2007 seine Studie Padre Pio. Wunder
und Politik im Italien des zwanzigsten Jahrhunderts
- auch
auf
Englisch verfügbar - in der er Quellen aus dem
Vatikan wiedergibt, wonach Pater Pio ab 1918 - dem Jahr seiner Stigmatisierung -
bei einem lokalen Apotheker große Mengen von Karbolsäure kaufte, wohl um durch
Verätzung der Hände dem Wunder ein wenig nachzuhelfen. Der Apotheker wandte sich
damals vertraulich an den örtlichen Bischof; der schrieb 1920 an den entsetzten
Papst Benedikt XV., doch die Briefe schwiegen bis vor kurzem in den Archiven des
Heiligen Offiziums. *
Der Priester und Professor für Neuere Kirchengeschichte am Romano-Guardini-Institut
für Religionswissenschaft in Tarent,
historischer Fachmann im Seligsprechungsprozess von Papst Johannes
Paul II., gab 2011 ein Buch heraus unter dem Titel
Pater
Pio im Verhör - Geheime Autobiografie
. Es enthält die Protokolle der
Gespräche, die Msgr. Raffaello Carlo Rossi, Apostolischer Visitator und späterer
Kardinal, 1921 mit Pater Pio und Zeitzeugen führte. Er war vom Heiligen Offizium
geschickt worden, um Pater Pio zu befragen. Nach seiner Beurteilung sind die
Stigmata göttlichen Ursprungs. Er sandte seinen Bericht und die Aussagen nach Rom;
40 Jahre nach dem Tod des Heiligen wurden sie nun veröffentlicht.
Von Spendengeldern ließ Padre Pio 1956 eines der modernsten Krankenhäuser
Süditaliens bauen, das Casa del Sollievo della Sofferenza
, Haus des Trostes
der Leidenden
in San
Giovanni Rotondo. Für seinen tesoretto
, den ihm zuteil gewordenen Ertrag
der Spenden, ließ er sich in den letzten Lebensjahren vom Armutsgelübde entbinden;
das Angesparte soll sich heute auf mindestens hundert Millionen Euro belaufen. Der
Vatikan schickte vor einigen Jahren eigens
einen Finanzverwalter, um einen Überblick über den florierenden Wohlstand des
Bettelordens zu bekommen.
Das von Pater Pio in San Giovanni Rotondo erbaute Krankenhaus
Haus des Trostes und der Leidenden

Heute gibt es in Italien über 2300 Gebetsgruppen, die sich an der Spiritualität von Pater Pio orientieren, hinzu kommen weitere 400 Gruppen in aller Welt. San Giovanni Rotondo ist heute die meistbesuchte Pilgerstätte für Hilfesuchende aus aller Welt: 7 Millionen Besucher kommen jedes Jahr, fast doppelt so viele wie zur Wallfahrtsstätte von Bernadette Soubirous nach Lourdes. Täglich werden 1 Million € umgesetzt. Nach Entwürfen des Architekten Renzo Piano wurde hier 2004 eine große Kirche erbaut.
Papst Johannes Paul II. bei der Seligsprechung von Padre Pio im Mai 1999 im Lateran in Rom
Pater Pio ist in Italien der mit Abstand beliebteste Heilige, Fernsehfilme über ihn haben Rekord-Zuschauerzahlen. Im Jahr 2008 bekundeten Italiens Katholiken in einer Umfrage, sich in Glaubensdingen zuallererst an Padre Pio zu wenden – mit Riesenabstand vor Maria und Jesus Christus. Anfang März 2008 wurde der Sarkophag geöffnet, in dem die sterblichen Überreste von Padre Pio verwahrt waren, nun sind sie zur öffentlichen Verehrung ausgestellt; dies sollte auch den zuvor geringer gewordenen Pilgerstrom in San Giovanni Rotondo wieder anschwellen lassen. Die Menschen, die hierher kommen, sind fast ausschließlich Italiener, die Mehrheit aus dem Mezzogiorno, die in Bussen mit ihren Gemeindepriestern oder geschlossen in Pio-Gebetsgruppen anreisen.
Kanonisation:
1999 wurde Pater Pio von Papst Johannes
Paul II. auf dem Petersplatz
in Rom - der die riesige Menschenmenge, die der Feier beiwohnen wollte, nicht fassen
konnte - seliggesprochen. Im Juni 2002 erfolgte vor fast 1 Million Gläubiger
die Heiligsprechung; noch nie in der neueren Kirchengeschichte wurde bis dahin
eine Person so kurz nach ihrem Tod heiliggesprochen.
Weitere Bilder aus dem Pilgerzentrum Padre Pio
Die neue, Padre Pio geweihte Kirche
in San Giovanni Rotondo ![]()
Es
gibt eine sehr schöne deutschsprachige Website
über Pater Pio, eine gut gemachte und informative
Website eines selbsternannten Heilers und eine umfangreiche und informative
amerikanische des National
Centre for Padre Pio. Über 800 Webseiten beschäftigen sich weltweit mit
Pater Pio.
Kritisch
mit Pater Pio und seiner Stigmatisierung setzt sich Josef Hanauer in seinem Buch
Der
stigmatisierte Pater Pio von Pietrelcina, Bad Honnef 1979, auseinander; das
Buch gibt es online zu lesen. **
Die
Gerüchte,
dass der Heilige sich die Wundmale selber beigebracht hat, entpuppten sich als
Sturm im Wasserglas, legte Guido Horst in der Tagespost
dar.
Statue im Pilgerzentrum
San Giovanni Rotondo neben dem alten Krankenhaus ![]()
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
Mich verwundert doch sehr, dass Sie Sich zum Sprecher der größten
Verleumdungsaktion gegen Padre Pio machen, die vom Bischöflichen Ordinariat in
Manfredonia
gestartet wurde. Alles was Sie über die Karbolsäure schreiben, ist ein Komplott
des dortigen Bischofs, der ein erklärter Feind von Padre Pio war. Nur so konnte
ein vertrauensvoller
Brief an Benedikt den XV. gelangen, in dem vom Kauf der
Karbolsäure geredet wird. Dieses ist ein Machwerk zwischen dem Drogisten und dem
Bischof. Außerdem hat der Bischof noch viele andere Rufmordkampagnen gestartet,
die aber letztendlich alle nicht die Glaubwürdigkeit von Padre Pio untergraben
konnten. ... Wie können Sie denn erklären, dass einen Tag vor seinem Tod
plötzlich die Wundmale ohne Verbrennungsspuren auf der Haut verschwunden sind?
Karbolsäure hinterlässt Ätzspuren, und es braucht Wochen bis Monate bis diese
abheilen. Außerdem bleiben sie sehr lange nachweisbar.
Walter Donitzky über E-Mail, 19. März 2008
Ganz unten auf dieser Seite ist ein Link eingefügt
mit der Kritik von Pater Hanauer an diesem Mann.
Dazu ist zu sagen, dass diese Kritik zum grossen Teil hahnebüchen ist. Der
gute Mann hat den Pater nie besucht, obwohl er das zu seinen lebzeiten hätte längst
tun können (der Pater ist 1968 gestorben und Hanauer ist inzwischen auch so etwa um
die 90 Jahre alt). Zudem beruft Hanauer sich auf Bücher, die über den Pater geschrieben
wurden, und deren Aussagen bezogen auf gewisse Ereignisse sich teilweise widersprechen.
Dies aber legt er zu ungunsten des Paters aus, was ja absolut unseriös ist. Ebenso
ist es unseriös, nicht aus eigener Anschauung zu berichten, sondern sich allein
auf Literatur zu berufen, die Laien geschrieben haben, die solche Phänomene ohnehin
oft kaum richtig einordnen können.
Um so einen Mann, der ja die Stigmata hatte, richtig zu bewerten, muss man
sich mehr Mühe geben; wie gesagt, hätte Herr Hanauer ihn ja zu Lebzeiten selber sehen
und erleben können. Soweit ich weiß gehört Hanauer auch der Bewegung Wir sind Kirche
an bzw. hat Kontakt mit dieser Bewegung; wer sich auskennt, weiß, dass diese Leute
ohnehin alles, was mit Wundern usw. zu tun hat, als fragwürdig ansehen und die Kirche
nur von einem sehr liberalen Standpunkt aus kritisieren.
Pater Pio ist immerhin inzwischen heiliggesprochen worden und wer sich da
auskennt, weiß, dass so ein Heiligsprechungsverfahren sehr, sehr lange dauert, weil
eben seher vieles sehr genau geprüft wird, was Herr Hanauer gewiss nicht getan hat.
Ergo habe ich die Bitte an Sie diesen Link von Hanauer zu löschen.
Nach meiner Kenntnis ist es auch nicht zutreffend, dass die Heilungen, die P.
Pio durch sein Gebet gewirkt hat bzw. Gott gewirkt hat, erst nach 1930 zustande kamen,
sondern weit früher schon. P. Pio war ja schon 1918 stigmatisiert und galt schon
vorher beim Volk als Heiliger.
Werner Weiss aus Freudenstadt über E-Mail, 11. Februar 2007