Ökumenisches Heiligenlexikon

Pius IX.

Gedenktag katholisch: 7. Februar
     n.g. Gedenktag bei den Salesianern Don Boscos
Name bedeutet: der Fromme (latein.)
Papst
* 13. Mai 1792 in Senigallia in Italien
† 7. Februar 1878 in Rom
Kartenskizze

Graf Giovanni Maria Mastai-Ferretti wurde 1840 Kardinal und 1846 Papst. Die 32 Jahre seines Pontifikats sind die längste Amtszeit eines Papstes in der Geschichte der katholischen Kirche. Er gewann aufgrund einiger Reformen zunächst hohes Ansehen, die Einschätzung, er sei ein liberaler Papst, erwies sich aber bald als falsch.

Pius wurde zunächst seine Nichtteilnahme an der nationalen Befreiung Italiens verübelt, aufgrund eines Volksaufstandes in Rom musste er im November 1848 aus der Hauptstadt nach Gaëta fliehen, die weltliche Macht des Papstes wurde abgeschafft und die Republik ausgerufen. Diplomatische Bemühungen des Vatikan führten 1849 zur Besetzung von Rom durch französische Truppen, womit die Herrschaft des Papstes wieder hergestellt wurde. Nach seiner Rückkehr 1850 beeinflusste er die Politik des Vatikan im Sinne strengster Gegnerschaft zu liberalen Strömungen.

Im selben Jahr ließ Pius das Judengetto in Rom wieder errichten, verweigerte Juden den Zugang zu den meisten Berufen und setzte den Talmud auf die Liste der verbotenen Bücher. 1858 ereignete es sich, dass ein Dienstmädchen heimlich das Kind ihrer jüdischen Arbeitgeber getauft hatte; sie suchte nun Hilfe, damit der Junge in der katholischen Kirche aufwachse; diese Unterstützung kam von höchster Stelle: Pius ließ den kleinen Edgaro Montana entführen und in ein Seminar stecken. Den verzweifelten Eltern sagte er, sie bräuchten nur katholisch zu werden, um ihr Kind wieder zu sehen, die weltweiten Proteste beantwortete er: Wenn es dazu käme, würde ich es wieder tun, den Jungen präsentierte er der Weltöffentlichkeit in den Kleidern eines katholischen Seminaristen. Pius bewirkte mit seiner Frömmigkeit aber eine Vertiefung des religiösen Lebens und eine Stärkung der Volksfrömmigkeit und der priesterlichen Spiritualität.

1860 gingen nach Volksentscheiden die zum Kirchenstaat gehörenden Gebiete Romagna, Umbrien und die Marken an das sich einigende Italien verloren, 1870 musste Pius nach der Eroberung Roms durch italienische Truppen und dem Abzug der Franzosen auch die Stadt Rom abgeben; er betrachtete sich bis zu seinem Tod als Gefangener im Vatikan.

Pius' Wappen

Pius' Wappen   

1854 verkündete Pius - einer Konzilsentscheidung vorgreifend - das Dogma von der unbefleckten Empfängnis der Maria. 1864 erschien seine Aufsehen erregende Enzyklika Quanta cura, in der er 80 hauptsächliche Irtümer unserer Zeit wie Pantheismus, Nationalismus, Rationalismus und Liberalismus, Demokratie, Presse- und Gewissensfreiheit verdammte. Um die Thesen seiner Enzyklika auf eine breitere Basis zu stellen, berief er das 1. Vatikanische Konzil ein, das 1869/70 unter seiner Leitung tagte. In der die Konstitution Dei filius, Sohn Gottes bestätigte das Konzil Pius' Thesen, zudem veranbschiedete das Konzil die Konstitution Pastor aeternus, ewiger Hirte, die dem Papst die oberste Gerichtsbarkeit über die ganze Kirche einräumt und feststellt, dass er bei Entscheidungen ex cathedra von Gott mit der Gnade der Unfehlbarkeit versehen sei: Wenn der römische Bischof in Ausübung seines Amtes als Hirte und Lehrer aller Christen kraft seiner höchsten Apostolischen Autorität entscheidet, dass eine Glaubens- oder Sittenlehre von der gesamten Kirche festzuhalten ist, dann besitzt er mittels des ihm im seligen Petrus verheißenen göttlichen Beistand die Unfehlbarkeit. Neu war dabei nicht die Unfehlbarkeit des Papstes als solche, aber seine Entscheidungsmöglichkeit auch ohne Beteiligung eines Konzils oder andere Rückversicherungen. Andere Meinungen wurden beim Konzil durch Tagesordnung und persönliche Einflussnahme systematisch unterdrückt, ein Drittel der teilnehmenden Bischöfe war deshalb vor der Abstimmung über die Dogmen abgereist.

Pius IX.

Pius IX.   

In Mitteleuropa bildete sich aus Protest gegen diese Beschlüsse des 1. Vatikanische Konzils die Altkatholische Kirche.

Kanonisation: Zusammen mit Papst Johannes XXIII. wurde Pius im heiligen Jahr 2000 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen.
Als Rückschritt für die Ökumene betrachten die evangelischen und orthodoxen Kirchen, als Affront verstehen Juden diese Seligsprechung; einzigartig ist wohl auch das einstimmige Votum der deutschsprachigen katholischen Kirchenhistoriker gegen diese Seligsprechung: sie fördere ein Zerrbild von Heiligkeit und sei Aufgrund der erheblichen menschlichen Schwächen von Pius nicht vertretbar.

Catholic Encyclopedia

Pius' Apostolische Konstitution über die unbefleckte Empfängnis der Maria und seine Enzyklika Quanta Cura gibt es in Englisch online.

Das Pontifikat Pius' IX. in der Darstellung des Buches von August Franzen und Remigius Bäumer: Papstgeschichte. Aktualisierte Neuausgabe, Freiburg 1988, S. 353 - 367 gibt es online bei stjosef.at.

Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon







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