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Darstellung aus: Jean-Jacques Boissard und Theodor de Bry: Bibliotheca
chalcographica
, Pars 9, Johann Ammon in Heidelberg,
1664. In der Sprechblase: Lux mea est ipse Domini
, Mein Licht ist
von Gott selbst
. ![]()
Ramon Llull, Sohn eines katalanischen Ritters, war Oberhofmeister am Hof von König Jakob I. in Palma di Mallorca und später Erzieher von dessen Sohn, dem Prinzen Jakob II. Er genoss das Leben am Hof, 1256 heiratete er, seine Frau Blanca schenkte ihm zwei Söhne. Dann aber gab er seinem Leben, beeindruckt vom franziskanischen Ideal der Armut, eine radikale Wende: nachdem ihm um 1263 vier Visionen Christi zuteil wurden, schloss er sich als Tertiar den Franziskanern an und studierte privat auf dem Klosterberg Randa in der Mitte von Mallorca, wohin er sich bis 1274 immer wieder zurückzog, Arabisch, Philosophie, Medizin und Theologie.
Die Kombination verschiedener Wissensgebiete und Weisheiten kulminierten bei
Ramon Llull zu einer neuen universalen, ja mystischen Sicht Gottes und der Welt,
die sich ihm in den Symbolen des Kreises und des Dreieckes erschloss. Hierin sah
er seine große Berufung: sein ihm in den mystischen Visionen geschenktes Wissen
gehöre der Welt; er verfasste fast dreihundert Werke über Theologie und Philosophie,
Grammatik und Mystik, Astronomie und Logik - nicht im gebräuchlichen Latein der
Gelehrten, sondern meist seiner Muttersprache; seine Poesie ist die wohl
schönste der katalanischen Sprache. Um 1272 schreib er auf Arabisch
sein Liber contemplationis
, Buch der Versenkung
. An seinem 1274
begonnenen Werk Ars
, Lehrbuch
, hat er mehr als dreißig
Jahre lang gearbeitet - er wollte mit Hilfe des Verstandes Gott beweisen und das
weltbeste Buch zur Bekehrung der Ungläubigen, besonders der Muslime, schreiben. Dazu
helfen sollte auch eine von ihm konstruierte Maschine aus sieben Scheiben, die
jeweils Begriffe wie Gott
, Mensch
oder Wahrheit
u.a. trugen;
das Drehen der Scheiben ergab immer wieder andere Verknüpfungen, die den Gottesbeweis
untermauern sollten; durch Auswechslung der Scheiben ergaben sich immer neue
Kombinationen; waren die Scheiben mit Zahlen versehen, konnten Berechnungen
durchgeführt werden; Ziel war in alledem der Zugang zu den himmlischen
Datenbanken, in denen alle Wahrheit ist
, wie es ein Historiker formulierte.
Seine Maschine half mit entsprechenden Scheiben angeblich sogar bei der
Bibelübersetzung oder der Überführung des Korans in die Bibel.
Buchmalerei: Ramon Llull (links) hört Franziskus
von Assisi zu, der den Tieren predigt. Aus Raimunds Summa der
Gewissensfragen
, Maasgebiet, Anfang des 14. Jahrhunderts, in der
Universitätsbibliothek in Lüttich
(Liège) ![]()
Llulls großes Ziel war die Vereinigung des christlichen, jüdischen und
islamischen Glaubens. Dabei stellte er immer wieder die Vernunft in den Mittelpunkt
seiner Arbeit und Argumentation: seine These war, dass Anders- und Ungläubige mit
Vernunftgründen zu bekehren seien; auch häretische Christen akzeptierten
vernünftige Argumentationen und die besseren Argumente, die für die Wahrheit des
christlichen Glaubens sprechen. Logik und Dialog reichten, Menschen zur Erkenntnis
der Wahrheit zu führen. Seine wissenschaftliche Arbeit führte dazu, dass man ihn
mit den Ehrentiteln Doctor phantasticus
und Doctor illuminatus
bezeichnet.
1276 gründete Ramon Llull in Palma di Mallorca das Kloster Miramar mit einer Missionsschule für Minderbrüder, die als Missionare für die arabische Welt ausgebildet wurden. Raimundus verließ seine Familie, wohnte in Bougie / Bejaia in Algerien und bereiste 1281 bis 1282, 1297 bis 1299, 1305 und 1306 Nordafrika. Reisen nach Barcelona, Zypern, Cilicien in der heutigen Türkei, Genua, Pisa und Lyon sollten zwischen 1299 und 1308 ebenfalls der Bekehrung von Häretikern und Muslimen dienen. Seine Lehren und seine Appelle für Toleranz hatten aber nicht immer Erfolg: in Tunis wurde er mehrfach festgenommen und ausgepeitscht. Dennoch er lehrte er großem Eifer und gilt als der wichtigste Missionar unter Muslimen im Mittelalter.
Das Scheitern seiner Mission machte ihn mit dem Kreuzzugsgedanken vertraut, um so das heilige Land zurück zu erobern. Hatte er sich zunächst mit ganzer Kraft der Überzeugung durch Argumente verschrieben, kam nun immer mehr der Gedanke militärischer Aktionen gegen die Muslime im Vordergrund.
Buchmalerei: Raimundus' Missionsfahrt mit Religionsdisput, Ausschreitungen und
Vertreibung. Aus: Theodor Pindl: Ramon Lull, Thomas Le Myésier und die
Miniaturen des Breviculum Ex Artibus Raimundi Electum, 1995 ![]()
1311/12 nahm Ramon Llull am Konzil in Vienne teil und erreichte die Einrichtung von Lehrstühlen für Hebräisch, Arabisch und Chaldäisch in Paris, Oxford und Bologna. 1313 bis 1314 wirkte er auf Sizilien, ab 1314 wieder in Tunis. Bei dieser Missionsreise wurde er bei seinem Fußmarsch durch Algerien - wohl Ende des Jahres 1315 - von der aufgebrachten Menge gesteinigt. Schon dort oder auf der Schiffsreise zurück in seine Heimat oder nach der Ankunft in Palma di Mallorca erlag er den schweren Verletzungen. In der Kirche des Franziskanerklosters in Palma wurde er bestattet; dort ist bis heute sein Sarg oben unter dem Gewölbe des Altarraumes.
1376 wurde Ramon Llull von Papst Gregor IX. zum Ketzer erklärt, seine Schriften
wurden verboten und verbrannt. Dennoch war Nikolaus
Cusanus ein großer Bewunderer von Ramon Llull, sammelte seine Werke und sorgte
für deren Verbreitung. Gottfried
Wilhelm Leibnitz baute um 1700 eine Rechenmaschine nach Llulls Vorgaben. Unter
Mathematikern gilt sein Ars magna
als erster Computer der Welt; Programmierer
der Fa. Siemens übersetzten Llulls Regeln in heutige Computersprache - sie
funktionieren! Im 19. Jahrhundert wurde Ramon Llull zum Märtyrer der Kirche
erklärt und rehabilitiert.
Kanonisation:
Der Kult wurde 1750 von Papst Benedikt XIV. bestätigt, 1847 erfolgte die
Seligsprechung durch Papst Pius IX; das
Vefahren zur Heiligsprechung läuft.
Patron
von Mallorca
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon
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