Gedenktag katholisch: 26. Juli
Name bedeutet: ?
Bild in der Kirche in Rötsee

Ratpero - nach späterer Überlieferung ein Adliger aus dem Geschlecht der
Grafen von Rappenberg
- heute ein Hügel bei Benneckenstein im Harz - war ein Gefährte von Ulrich
von Augsburg. Auf einer Reise mit seinem Bischof gelangten sie ins Allgäu;
am rothen See
überfiel Ratpero der Schlaf, was Ulrich als Zeichen deutete,
Ratpero anzuweisen, sich dort als Einsiedler niederzulassen. Von den
adligen Landbesitzern wurde er aber abgewiesen; Berengar von Arnach überließ
ihm schließlich um 950 einen öden Landstrich an der Stelle des heutigen
Weilers Rötsee,
wo ein wilder und grausamer Räuber hauste. Ratpero machte das Land urbar und
erbaute eigenhändig eine Kapelle. Die Legende berichtet, dass übelwollende Menschen
ihm wiederholt seine Gehölze verwüsteten; deshalb bat er den Herrn, dass er ihn
mit Wasserströmen schützen und seine Pflanzung rings umgeben möchte; alsbald stieg
das Gewässer. Noch heute gibt es unweit der Kirche den Rötsee, der ehedem weit
ausgedehnter war und den Ort umgab, so dass der Weiler sich auf einer Insel befand, wie
alte Urkunden bezeugen.
Sarg und Statue in der Kirche in Rötsee

Nach seinem Ableben wurde Ratpero in seiner Kapelle
in Rötsee bestattet, sein Grab wurde Ziel von Wallfahrern. Die Berührung des Leichnams
im damals noch offenen Sarg, später die Berührung einer Steinplatte, die
von seinem Fußabdruck gekennzeichnet war, habe Fußkranken geholfen. Eine 1710
gegründete Bruderschaft förderte die Wallfahrt und die Marienverehrung,
in der seit dem 16. Jahrhundert Maria, Königin der Engel
geweihten Kirche,
die 1449 nach einem Brand und 1580 zur Basilika
ausgebaut worden war und 1748 ihre heutige Gestalt erhielt. 1953 wurde Ratperos
Grab in der Kirche wieder entdeckt, seine Gebeine wurden im Beisein des Bischofs
von Rottenburg
erhoben und in einem Steinsarkophag neu beigesetzt.
* Die Überlieferung erzählt auch, dass Ratpero nach Errichtung seiner Kapelle aus Eifersucht von benachbarten Klerikern bei Bischof Warmann von Konstanz verläumdet und von diesem aus seiner Gründung vertrieben wurde. Erst Bischof Eberhard, Warmanns Nachfolger, habe ihn zurückberufen; Eberhard amtierte ab 1035. Die Errichtung der Kapelle um 950 passt mit dieser Jahreszahl nicht zusammen.
Maria Königin der Engel in Rötsee, hg. von der Stadt Kißlegg, o.J. (2010)