|
|
Giorgone (1477 - 1510): Maria mit dem
Jesuskind, Antonius
von Padua (links) und Rochus (rechts), im Museo del Prado in Madrid

Die Überlieferungen über Rochus sind legendär. Demnach verlor er schon früh beide Eltern, schenkte sein Vermögen den Armen, trat in den Dritten Orden der Franziskaner ein und begab sich 1317 auf Pilgerfahrt nach Rom; unterwegs half er bei der Pflege von Pestkranken, dabei zeigte sich seine Gabe, Pestkranke allein durch das Zeichen des Kreuzes Christi wundersam zu heilen. In Rom heilte wieder viele Menschen, darunter einen Kardinal, dennoch blieb er arm und ohne Ansehen. Auf der Rückreise wurde er in Piacenza selbst von der Pest befallen; im Spital ob seiner Armut nicht geduldet, zog er sich in eine Hütte des nahen Waldes zurück. Da erschien ein Engel zu seiner Pflege, und der Hund eines benachbarten Edelmanns brachte ihm Brot, bis er genesen heimkehren konnte.
Jacques-Louis David: Rochus bittet Maria
um Heilung für Pestkranke, 1780, im Musée des Beaux-Arts in Marseille

1322 kehrte er dann nach Montpellier zurück, aber Rochus wurde für einen Spion gehalten, man warf ihn ins Gefängnis. Demütig wie immer verschwieg er seine wahre Identität und verharrte fünf Jahre, bis zu seinem Tod, im Kerker. Erst dann wurde er an dem kreuzförmigen Muttermal auf seiner Brust erkannt, das seit seiner Geburt immer größer und schöner geworden war.
Rochus' Lebensgeschichte verfasste der Philosoph und Staatsmann Francesco Diedo 1478 in Venedig. Ältere Akten datieren nach 1430 und besitzen ebenfalls kaum Glaubwürdigkeit.
Rochus wurde schon Anfang des 15. Jahrhunderts in Südfrankreich verehrt. Ein
Teil seiner Gebeine wurde dann nach Venedig
übertragen, wo man für ihn 1485 die Kirche S. Rocco erbaute. Von dort aus
verbreitete sich die Verehrung, Rochus wurde einer der volkstümlichsten Heiligen,
oft als Nothelfer angerufen, obwohl er nicht zu den klassischen 14
Nothelfern gehört. Spitäler für Pestkranke wurden nach ihm Rochus-Hospital
genannt. Insbesondere die Franziskaner
förderten seine Verehrung, da er Tertiar
ihres Ordens gewesen sei. In Ruffano
bei Lecce in Apulien wird für ihn jährlich ein großes Patronatsfest gefeiert, er sei dort begraben. In
Südfrankreich und Nordspanien werden bis heute an Häusern die Buchstaben VSR
,
Vive Saint Roche
, es lebe der Heilige Rochus
, angebracht. In Deutschland
gibt es seit 1666 die - auch von Johann Wolfgang von Goethe geschilderte -
Wallfahrt auf den Rochus-Berg bei
Bingen,
dort wurde 1754 die Rochus-Bruderschaft gegründet.
Naive Rochus-Statue in der Klosterkirche Maria di Pierno ●
bei San Fele ![]()
Kanonisation:
Die Nachricht, das Konzil von
Konstanz habe 1414 Rochus' Verehrung offiziell anerkannt und ihn mit einer
Prozession gewürdigt, ist legendär.
Attribute:
als Pilger, Pestbeule am Oberschenkel, Hund mit Brot im Maul, Salbenbüchse
Patron
von Montpellier,
Venedig,
Parma
und Eichtal in Oberschlesien - dem heutigen Dąbrówka
Górna in Polen; der Gefangenen, Kranken, Kranken- und Siechenhäuser;
der Ärzte, Chirurgen, Apotheker, Bauern, Gärtner, Schreiner, Pflasterer,
Bürstenbinder, Totengräber und Kunsthändler; des Viehs; gegen Pest und Cholera,
Seuchen, Tollwut, Fuß-, Bein- und Knieleiden, Unglücksfälle
Bauernregel:
Wenn St. Rochus trübe schaut, / kommt die Raupe in das Kraut.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon noch nicht online