Ă–kumenisches Heiligenlexikon

Sieben Entschlafene (Sieben Schläfer)

Gedenktag katholisch: 27. Juli
                                              27. Juni *
Gedenktag orthodox: 4. August
                                             22. Oktober
Gedenktag armenisch: 24. Oktober
     liturgische Feier als 4. Gedenktag nach Theophanie
Gedenktag koptisch: 13. August
Märtyrer
† 251 bzw. 438 bei Ephesus, heute Ruinen bei Selçuk in der Türkei (?)
Kartenskizze

Russische Ikone

Russische Ikone   

Eine Legende indisch-buddhistischer Tradition wurde in frühchristlicher Zeit neu erzählt: Sieben Brüder, Christen und Schafhirten aus Ephesus - wurden ihres Glaubens wegen verfolgt, flohen in eine Höhle und wurden auf Befehl des Kaisers Decius im Jahr 251 eingemauert. Ihre Namen werden in der westlichen Tradition als Maximian, Malchus, Martinian, Dionysius, Johannes, Serapion und Constantin überliefert, in der Orthodoxen Kirche als Maximilian (Maximus), Jamblicus, Martinian, Johannes, Dionysius, Exacustodian (Constantin) und Antoninus.

Im Jahr 437 wollte demnach ein Bürger die Höhle als Schafstall benutzen und ließ das Mauerwerk entfernen. Die Brüder erwachten; einer lief, um Brot zu holen; er kannte niemanden mehr in der inzwischen christlich gewordenen Stadt und gab dem erstaunten Bäcker eine Goldmünze mit dem Bild von Kaiser Decius zur Bezahlung. Da ging der Bischof mit den erstaunten Bürgern zur Höhle und fand alle Brüder lebend vor. Kurz danach starben sie.

Die Überlieferung von den sieben Schläfern ist sehr alt und weit verbreitet. Das älteste schriftliche Zeugnis stammt von Bischof Jakob von Sarug. Die armenische Tradition berichte, dass die Märtyrer während einer heimlichen Messe eingemauert wurden und nennt mit Namen den Priester Diodor und den Diakon Marianus. Auch Gregor von Tours erzählt ihre Geschichte. Die in Ephesus enstandene griechische Version dürfte zusammenhängen mit dortigen kirchenpolitischen Ambitionen: Ephesus wurde als Ort des Todes und der sofortigen Auferstehung des Evangelisten Johannes, des letzten Wohnhauses der Maria bevor Christus ihre Seele sofort ins Paradies holte und dem Wunder der sieben Schläfer als Ort der Auferstehung mit Ähnlicher Bedeutung wie Jerusalem profiliert. Die Stadt wurde Ziel vieler Wallfahrer. Das Wunder der sieben Schläfer ereignete sich unmittelbar vor der Räubersynode von 439.

In Westeuropa wurden die sieben Schläfer schon im frühen Mittelalter verehrt, eine Blüte erlebte der Kult hier noch einmal im 17. und 18. Jahrhundert. Die Kalenderreform von 1582 durch Papst Gregor XIII. führte zur Verlegung des Gedenktags vom 7. Juli auf den 27. Juni, oft wird auch der 27. Juli als Gedenktag benannt, so im Martyrologium Romanum; die Bauernregel, dass der Lostag - ob er nach altem oder neuem Kalender zu bestimmen ist - das Wetter der kommenden sieben Wochen ankündige, ist heute auch bei Metereologen anerkannt: die Großwetterlage für den Sommer zeichne sich Ende Juni / Anfang Juli ab.

Die Grotte der sieben Schläfer wird heute im Ruinengelände von Ephesus - gezeigt; eine Grotte, mit der die selbe Geschichte verbunden ist, liegt im Nordwesten von Tarsus.

Patrone bei Fieber und Schlaflosigkeit
Bauernregeln: Wie das Wetter an diesem Tag, so soll es sieben Wochen bleiben.
Regnet's am Siebenschläfertag, / es sieben Wochen regnen mag.
Siebenschläfer Regen / sieben Wochen Regen.
Werden die sieben Schläfer nass / regnet's noch lange Fass um Fass.
Ist der Siebenschläfer nass, / regnet's ohne Unterlass.
Wenn die Siebenschläfer Regen kochen, / so regnets vier ganze Wochen.

* Im Martyrologium Romanum von 1956 und 2001 / 2004 werden die sieben Entschlafenen am 27. Juli verzeichnet.
Nach Hermann Grotefend: Zeitrechnung des Deutschen Mittelalters und der Neuzeit, Hannover 1891 - 1898 in den meisten deutschen Diöcesen am 27. Juni; in Aquileja, Passau und Krakau am 13. Sept.; Regensburg am 12. Sept.; Breslau und Gnesen 28. Juli; Ermland, Lebus, Gran, und in den französischen, englischen und nordischen Diöcesen am 27. Juli.
Insgesamt kann man wohl sagen: Deutschland hatte im Mittelalter eher den 27. Juni, andere Diözesen den 27. Juli.

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia


Quellen:
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Beate und Mirza Hayit: Türkei. Hayit, Köln 1988
• http://www.bauernregeln.net/juni.html
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 9. Herder, Freiburg im Breisgau 2000
• Dr. Heinrich Bernhard Kraienhorst Pfarrer von Lage-Rieste im Bistum Osnabrück, E-Mail vom 11. Oktober 2010
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