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Der Pfarrerssohn Theodor Fliedner war nach dem Theologiestudium zunächst Hauslehrer, dann wurde er 1821 Pfarrer in der armen Gemeinde Kaiserswerth - dem heutigen Stadtteil von Düsseldorf. Als ihm die Gemeinde infolge der Wirtschaftskrise keine Gehalt mehr zahlen konnte, unternahm er Reisen zum Sammeln von Spenden, zunächst in Westfalen, dann auch in Holland und England. In Holland lernte er bei den Mennoniten das altkirchliche Diakonissenamt kennen, in England traf er mit Elizabeth Fry zusammen. Neben großen Kollekten für seine arme Gemeinde brachte er Erfahrungen mit, die er in Kaiserswerth umsetzte: Angeregt durch das Wirken von Elizabeth Fry begann Fliedner zunächst seine Arbeit an den Gefangenen: drei Jahre lang wanderte er jeden zweiten Sonntag nach Düsseldorf, um dort im Gefängnis die frohe Botschaft zu verkündigen und die Gefangenen seelsorgerlich zu betreuen. 1826 gründete er die Rheinisch-Westfälische Gefängnisgesellschaft. 1835 zur besseren Betreuung von Kindern eine Kleinkinderschule in Kaiserswerth, später auch ein Volksschullehrerinnen-Seminar.
In vielen Städten gab es damals keine Krankenhäuser. Nach dem Vorbild der
Diakonissen in der ersten Christenheit wollte Fliedner deshalb junge Mädchen
finden, die sich der Armen und Kranken annehmen. Er machte sich daran, eine
Anstalt zu gründen, in der junge Mädchen für den Beruf der Krankenpflege und den
Dienst in der Gemeinde ausgebildet wurden. 1836 konnte er den
Rheinisch-Westfälischen Diakonissenverein
gründen; am 20. Oktober trat die
48-jährige Gertrud Reichardt als die erste Diakonisse ein. Nachdem 1842 seine
Frau starb, fand er in Karolina
Bertheau eine neue Lebensgefährtin und wichtige Mitarbeiterin. 1844 konnte
die Diakonissenanstalt in Dortmund
und 1847 die Diakonissenanstalt Bethanien in Berlin
eröffnet werden.
Ab 1849 wandte Fliedner sich ganz dem Diakonissenwerk zu, das vor allem im Ausland auf reges Interesse stieß. So entstanden Diakonissenanstalten in Paris, Straßburg und Utrecht ebenso wie in Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul -, in Smyrna - dem heutigen Ízmir -, in Alexandria und Beirut. Hervorzuheben aus seiner umfangreichen Arbeit ist auch der Marthahof in Berlin, eine Zufluchtsstätte für arbeitslose Mädchen und die Gründung der Kaiserswerther Konferenz 1861, aus der sich der Kaiserswerther Verband der Diakonissenhäuser entwickelte. Als er nach jahrelangem Lungenleiden starb, gab es 30 Diakonissenhäuser mit 1600 Diakonissen - 425 davon aus dem Kaiserswerther Mutterhaus - die auf mehr als 100 Stationen in vier Erdteilen arbeiteten.
Anschaulich
ist Fliedners Leben dargestellt auf der Homepage
einer Sendung des SWR zum Thema Diakonie.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon