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Ursula war eine Frau, die - möglicherweise in der Diokletianischen Verfolgung um 304 - in Köln zusammen mit Gefährtinnen ermordet wurde. Die Rede von 11.000 Leidensgenossinnen beruht wohl auf einer versehentlichen Multiplikation der tatsächlichen Zahl mit dem Faktor Tausend.
Das Martyrium der Ursula, im Rheinischen Bildarchiv in Köln

Die Legende erzählt von Ursula als der - durch ihre Schönheit weithin berühmten - Tochter des christlichen Königs Maurus. Schon in jungen Jahren habe sie sich ewiger Jungfräulichkeit verschrieben, ihr Vater aber verlobte sie mit dem englischen Fürstensohn Ætherius. Dem sei vom Kaiser für erwiesene Treue ein Stück Land - die heutige Bretagne in Frankreich - geschenkt worden; hier wollte er sich nach seiner Eheschließung niederlassen. Ursula erbat drei Jahre Frist; in dieser Zeit sollte Ætherius im christlichen Glauben unterrichtet und getauft werden.
Hans Holbein der Jüngere: Ursula, 1523, in der Staatlichen Kunsthalle in
Karlsruhe

Ursula selbst wolle sich mit zehn erlesenen Jungfrauen, denen sie selbst als elfte angehören wolle, vorbereiten: zu ihnen sollten sich je 999 weitere Jungfrauen gesellen, sie alle sollen geweiht und getauft, aber auch in ritterlichen Spielen ausgebildet werden und einen Schwur auf neue Ritterschaft leisten; Schiffe sollten gebaut werden, weltliche und geistliche Beschützer, darunter die Bischöfe Pantalus und Mauritius von Sizilien, sollten die Jungfrauen auf einer Fahrt nach Rom begleiten. Zu den Vorbereitungen für diese Reise kam auch == Gerasina, die verwitwete Königin von Sizilien und Schwester von Ursulas Mutter Daria, mit ihrem Sohn und den vier Töchtern, die sich den Jungfrauen anschlossen.
Als der Wind gut stand brachen sie auf, gelangten aber in der Nordsee durch einen schweren Sturm in die Rheinmündung und dann nach Köln, wo Königin Sigillindis sie freundlich begrüßte. Ursula erfuhr im Traum von einem Engel, dass sie nach ihrem Besuch in Rom wieder nach Köln zurückkehren werde, um hier das Martyrium zu erleiden. Alle fuhren zunächst auf dem Rhein weiter nach Basel, von dort gingen sie zu Fuß nach Rom. Inzwischen erschien auch dem Ætherius ein Engel, der ihm kundtat, er solle seiner Braut entgegen fahren. Mit Mutter, Schwester und dem Bischof Marculus von Griechenland gelangte er ebenfalls nach Rom. Ursula wurde vom Papst Siricius empfangen, dieser schloss sich mit vielen Bischöfen der Rückreise nach Köln an. Zwei christenfeindliche römische Herren, die die Jungfrauen vergeblich für sich hatten gewinnen wollen, bewegten hinterrücks die Hunnen, Ursula und ihre Gesellschaft in Köln zu überfallen und zu töten. Das Blutbad unter den 11.000 Jungfrauen wurde bei der Ankunft der Schiffe um das Jahr 451 aufs Grausamste verwirklicht. Zuletzt blieb Ursula alleine übrig. Der Hunnenfürst begehrte sie für sich und erschoss die sich standhaft Verweigernde mit seinem Pfeil.
Rottweiler Meister: Das Martyrium der Heiligen Ursula, um 1440, aus dem
ehemaligenr Hochaltar des Heilig-Kreuz-Münsters in Rottweil, im
Württembergischen Landesmuseum in Stuttgart

Andere Legenden erzählen, dass die Jungfrauen bei ihrer Landung in Köln auf die Hunnen stießen, die damals die Stadt besetzt hielten. Die Soldaten überfielen, misshandelten und töteten die Frauen, Ursula aber wurde vom Hunnenkönig begehrt. Sie verweigerte sich ihm, worauf sie mit einem Pfeil getötet wurde. Daraufhin kamen 11.000 Engel vom Himmel herab und trieben zur Strafe die Hunnen aus der Stadt.
Nach einer Inschrift des 4. Jahrhunderts baute ein Kölner
Bürger eine zerstörte Kapelle über den Gräbern von Märtyrerinnen wieder auf.
Ausgangspunkt der Legende ist eine Inschrift auf einem Stein aus dem 4./5.
Jahrhundert in der heutigen St.-Ursula-Kirche in Köln, die von einem Martyrium
von Jungfrauen - ohne Namen- und Zahlenangabe - Auskunft gibt. Aus dem 9.
Jahrhundert sind Zeugnisse einer kirchlichen Verehrung bekannt, damals werden
als Märtyrerinnen genannt Pinnosa, Brittola, Martha,
Saula, Sambatia, Gregoria, Saturnina und Palladia.
Aus einem missverstandenen Zahlzeichen kam statt dieser 8 die Zahl 11.000
zustande; aus einer missverstandenen Inschrift die Jungfrau Ursula
.
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Ursula und die elftausend Jungfrauen - Ikonographie
Ruhm und Reliquien verbreiteten sich nachweislich
vom 10. Jahrhundert an. Um 975 entstand die Erzbischof Gero
von Köln gewidmete Leidensgeschichte Fuit tempore pervetusto
, Es war in
sehr alter Zeit
, der eine im 11. Jahrhundert geschriebene folgte. Durch
Gräberfunde in der Nähe des alten Friedhofes der römischen Siedlung Colonia
Agrippinensis im Jahr 1106 und durch die Visionen der Elisabeth
von Schönau untermauert, wurden die Legenden mit märchenhaften Zügen
erweitert, nun wurden als Gefährtinnen Aurelia,
Cordula, == Kunera und
Kunigunde genannt.
Ursula zwischen den Erzengeln Michael und Gabriel. Schrein von 1156 in der Kirche St. Ursula in Köln
Seit Mitte des 12. Jahrhunderts verbreiteten die Benediktiner
von Deutz den Kult, einen Höhepunkt er im 15. Jahrhundert, gefördert besonders
durch die Zisterzienser. Durch
Überführungen der großen Zahl angeblicher Reliquien
breitete sich die Verehrung über fast ganz Europa aus und erreicht gegen
Ende des Mittelalters ihren Höhepunkt. Der belgische Chronist Sigebert
von Gembloux und die Acta Sanctorum
berichten, Kolumbus habe 1493 bei der Entdeckung einer Inselgruppe in
der Karibik in Anlehnung an die Ursula-Legende diese Santa Ursula y Las Once
Mil Virgenes
, Heilige Ursula und 11.000 Jungfrauen
, kurz Jungfraueninseln
- heute die unter britischer und US-amerikanischer Hoheit stehenden Jungferninseln
- benannt. Im 16. Jahrhundert wurden elf Flammen als Symbol für die Jungfrauen ins
Köln
Stadtwappen aufgenommen; auch die Stadt Oberursel
im Taunus führt ihren Namen auf Ursula zurück und führt sie im Wappen. 1608
wurde in der Ursulakirche in Köln die Goldene Kammer
zur Aufbewahrung
der Reliquien errichtet. Dort finden sich - neben dem Ursula zugeschriebenen Kopf
- zahllose Knochen, die in goldenen Reliquienbüsten zu finden sind, darunter
auch Männer- und Kinderköpfe.
Der 1535 in Brescia durch Angela Merici gegründete Ursulinenorden hat Ursula zum Namenspatron. Mit Ursula verehrt werden ihre Gefährtinnen Antonia, Brisca, Cäcilia, Clementine, Eugenia, Gratia, Odilia und Verena, die dasselbe Schicksal erlitten. Als weitere Gefährtin gilt Chrischona. Bei der Reform des römischen Kalenders 1969 wurde Ursula gestrichen, 2001/2004 wieder aufgenommen.
Attribute:
Pfeil, Kreuzfahne, Schiff, Licht der klugen Jungfrauen
Patronin
von Köln;
der Jungfrauen; der Jugend, der Lehrerinnen, Erzieherinnen und Tuchhändler; der
Universitäten von Köln,
Wien
und Coimbra;
in Kriegszeiten; für eine gute Ehe, für ruhigen Tod; gegen Kinderkrankheiten und
die Qualen des Fegefeuers
Bauernregeln:
St. Ursulas Beginn / zeiget auf den Winter hin.
St. Ursula will uns sagen / bald könnt' das Feld Schnee tragen.
An Ursula muss das Kraut herein, / sonst schneien Simon
und Juda hinein.
Wie der St.Ursula-Tag anfängt, so soll der Winter beschaffen sein.
Vittore Carpaccio: Bilder aus dem Leben der Ursula
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Das
Erzbistum Köln hat eine schöne und informative Website
über Ursula, das Brauchtum und ihre Verehrung zusammengestellt.
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