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Ökumenisches Heiligenlexikon

Vinzenz Ferrer

katalanischer Name: Vicent

Kartenskizze Kartenskizze

Vinzenz wurde als Sohn eines Notars geboren. Im Alter von siebzehn Jahren trat er in Valencia in den Dominikanerorden ein und studierte Logik und Philosophie in Barcelona und Lérida; 1374 schloss er in Barcelona das Studium der Theologie und der hebräischen Sprache ab, gleichzeitig verfasste er Schriften über die Irrlehren von Wilhelm von Ockham und wurde zum Priester ordiniert. 1376 setzte er in Toulouse sein Theologiestudium fort.

Seit Beginn des Abendländischen Schismas 1378 war die europäische Christenheit gespalten. Vinzenz stellte sich auf die Seite des in Avignon residierenden Gegenpapstes Clemens VII. 1379 wurde er zum Prior seines Klosters in Valencia gewählt, ab 1384 lehrte er an der Domschule in Valencia. Er versuchte nun, die Bevölkerung der Stadt für den Gegenpapst in Avignon zu mobilisieren, was ihm die Obrigkeit untersagte und worauf er auf sein Amt als Prior verzichtete. Um König Peter IV. von Aragón zur Parteinahme für Clemens zu bewegen, verfasste er den Traktat De moderno Ecclesie schismate, Von der modernen (d. h. der neuzeitlichen im Gegensatz zur mittelalterlichen) Spaltung der Kirche; dessen Söhne gewann er dann tatsächlich für seine Position.

1385 wurde Vinzenz von den Dominikanern in Valencia zum Lektor berufen, 1389 zum Generalprediger ernannt; gleichzeitig wurde er als Seelsorger am Königshof von Aragón tätig. 1387 unterstellte der neue König von Aragón, Johann I., sein Herrschaftsgebiet der geistlichen Leitung durch Gegenpapst Clemens VII. Nach der neuen Wahl und dem Amtsantritt von Gegenpapst Benedikt XIII. wurde Vinzenz 1394 als Beichtvater und Ratgeber nach Avignon berufen. Als Benedikt aber so strikt auf der Gültigkeit seines Pontifikats beharrte, dass er sich trotz des Entzugs der Anerkennung durch Frankreich und auch nach dessen militärischer Intervention unbeirrbar zeigte, verließ Vinzenz Anfang 1398 den aufs heftigste bedrängten Papst und zog sich ins Dominikanerkloster von Avignon zurück. Seine Haltung sah er am 3. Oktober 1398 durch eine wunderbare Heilung von schwerer Krankheit und durch eine Vision bestätigt, in der ihm Christus, Dominikus und Franziskus den Auftrag erteilten, der Welt das Evangelium zu predigen.

Giuseppe Paladini: Vinzenz Ferrer, 1744, im Dom in Norcia

Giuseppe Paladini: Vinzenz Ferrer, 1744, im Dom in Norcia

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Vinzenz machte sich dann als wandernder Bußprediger einen Namen: ab November 1399 zog er durch Südfrankreich und Norditalien sowie in die Gegend von Genf in der Schweiz. Er rief die Menschen zur Umkehr auf, führte erfolgreich zahlreiche Waldenser zur Kirche zurück, bekehrte Juden und Mauren, verkündete das nahende Weltende und predigte für die Einheit der Kirche. In Prozessionen folgten die Bußwilligen Vinzenz bei seinen Predigtzügen durch Europa. Vorneweg wurde ein Kreuz getragen; Vinzenz selbst ritt auf einem Esel; jeder Tag begann mit einer Messe und einer dreistündigen Bußpredigt. Solche Prozessionen waren nicht ungewöhnlich und in der Regel eher gefürchtet, weil es oft durch fanatisierte Büßer zu Auswüchsen kam. Vinzenz jedoch konnte seine Gefolgsleute mit Strenge im Zaum halten. Vinzenz' Predigten waren streng, sein moralischer Anspruch hoch; sein eigenes Leben verlieh seinen Predigten jedoch Überzeugungskraft und Faszination. Getrieben wurde er sicherlich von der Überzeugung, die Wiederkunft Christi und damit das Ende der Welt stünden unmittelbar bevor.

1408 wurde Vinzenz von Gegenpapst Benedikt XIII. persönlich zum Konzil von Perpignan eingeladen; er verließ es vorzeitig, um seine Predigttätigkeit nun in Spanien fortzusetzen. Seine Fastenpredigten von 1413 sollen zur Beilegung des Bürgerkriegs in Valencia beigetragen, seine Missionspredigten Tausende von Mauren und Juden bekehrt haben; gegen die sich verschließenden Juden erwirkte er 1412 als Berater der Regentin Katharina in León und Kastilien äußerst drückende Sanktionen. Auch seine Predigten hatten zur Verschärfung der Politik und Verfolgungen gegen die Juden beigetragen, auch wenn er - etwa 1391 - angesichts von Pogromen als Verteidiger der Verfolgten auftrat. 1413 bis 1414 nahm er auf Einladung Benedikts an den christlich-jüdischen Religionsgesprächen von Tortosa teil. Am Tractatus novus et valde compendiosus contra Perfidiam judaeorum, der neuen und sehr zusammengefassten Abhandlung gegen die Unredlichkeit der Juden, war er wohl - ganz im Sinne von Gegenpapst Benedikt - ebenso beteiligt wie an der antijüdischen Gesetzgebung des Königs Ferdinand von Aragón 1413 und 1415.

Ercole de' Roberti: Die Wundertaten des Vinzenz (linke Seite), Griffoni Polyptych, 1473, in der Pinacoteca im Vatikan

Ercole de' Roberti: Die Wundertaten des Vinzenz (linke Seite), Griffoni Polyptych, 1473, in der Pinacoteca im Vatikan

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Ercole de' Roberti: Die Wundertaten des Vinzenz (linke Seite), Griffoni Polyptych, 1473, in der Pinacoteca im Vatikan

Ercole de' Roberti: Die Wundertaten des Vinzenz (rechte Seite), Griffoni Polyptych, 1473, in der Pinacoteca im Vatikan

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Nach zehnjähriger Wanderschaft kehrte er in seine Heimatstadt zurück und war in Ämtern seines Dominikanerordens tätig. Nachdem das Konzil von Konstanz im Jahr 1417 mit der Wahl von Papst Martin V. das Schisma beigelegt hatte, bemühte sich Vinzenz vergeblich um einen freiwilligen Amtsverzicht von Gegenpapst Benedikt. Als König Ferdinand von Aragón Benedikts Anerkennung schließlich Anfang 1416 aufkündigte, geschah dies mit ausdrücklicher Zustimmung von Vinzenz, der die Urkunde darüber öffentlich verlas.

Unter dem Schutz des neuen Papstes in Rom begab Vinzenz sich nochmals drei Jahre lang auf eine weitere Reise, diesmal durch die Normandie und die Bretagne; hier starb er in Vannes und wurde im dortigen Dom bestattet, nachdem er zuvor kirchliche Ehrungen immer abgewiesen hatte.

Vinzenz' Tractatus de vita spirituali, Abhandlung über das geistliche Leben, ist eine Anleitung für Ordensleute, ein heiligmäßiges Leben zu führen, um dieses dann auch der Welt predigen zu können. Neben weiteren Schriften sind über 400 Predigten und einige Mirakelspiele erhalten.

Auf seine Fürbitte konnte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einer Cholera-Epidemie in Neapel Einhalt geboten werden, seitdem ist er einer der Patrone der Stadt, verehrt in der Basilika von Santa Maria della Sanità.

Kanonisation: Bereits 1458 erfolgte die Heiligsprechung durch Papst Callistus III.
Attribute: Feuer in der Hand, Taufbecken
Patron von Valencia, Vannes und Neapel; der Ziegelmacher, Holzarbeiter, Bauarbeiter, Dachdecker und Bleigießer; gegen Kopfschmerzen, Epilepsie, Fieber und Gefahren aller Art; für gute Heirat und Fruchtbarkeit, einen seligen Tod; der Diözese Orihuela-Alicante
Bauernregel: Ist St. Vinzenz Sonnenschein, / gibt es vielen guten Wein.

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon



Quellen:
• http://www.bauernregeln.net/april.html
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe. J.B. Metzler, Stuttgart / Weimar 2000
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 10. Herder, Freiburg im Breisgau 2001