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Francesco del Cossa, aus dem Griffoni Polyptych, 1473, in der National Gallery in London

Vinzenz wurde als Sohn eines Notars geboren. Im Alter von siebzehn Jahren
trat er in Valencia
in den Dominikanerorden ein und studierte
Logik und Philosophie in Barcelona
und Lérida
(katalonisch Lleida); 1374 schloss er in Barcelona das Studium der Theologie
und der hebräischen Sprache ab, gleichzeitig verfasste er Schriften über die
Irrlehren
von Wilhelm von Ockham und wurde zum Priester ordiniert. 1376
setzte er in Toulouse
sein Theologiestudium fort.
Seit Beginn des Abendländischen
Schismas 1378 war die europäische Christenheit gespalten. Vinzenz stellte
sich auf die Seite des in Avignon
residierenden Gegenpapstes Clemens VII. 1379 wurde er zum Prior seines Klosters in
Valencia
gewählt, ab 1384 lehrte er an der Domschule in Valencia. Er versuchte nun, die
Bevölkerung der Stadt für den Gegenpapst in Avignon zu mobilisieren, was ihm die
Obrigkeit untersagte und worauf er auf sein Amt als Prior verzichtete. Um König
Peter IV. von Aragón
zur Parteinahme für Clemens zu bewegen, verfasste er den
Traktat De moderno Ecclesie schismate
, Von der modernen (d.h. der neuzeitlichen
im Gegensatz zur mittelalterlichen)
Spaltung der Kirche
; dessen Söhne gewann er dann tatsächlich für seine Position.
1385 wurde Vinzenz von den Dominikanern
in Valencia
zum Lector berufen, 1389 zum Generalprediger
ernannt; gleichzeitig wurde
er als Seelsorger am Königshof von Aragón
tätig. 1387 unterstellte der neue König von Aragón, Johann I., sein Herrschaftsgebiet der
geistlichen Leitung durch Gegenpapst Clemens VII. Nach der neuen Wahl und dem
Amtsantritt von Gegenpapst Benedikt XIII. wurde Vinzenz 1394 als Beichtvater und
Ratgeber nach Avignon
berufen. Als Benedikt aber so strikt auf der Gültigkeit
seines Pontifikats beharrte, dass er sich trotz des Entzugs der Anerkennung
durch Frankreich und auch nach dessen militärische Intervention
unbeirrbar zeigte, verließ Vinzenz Anfang 1398 den aufs heftigste bedrängten
Papst und zog sich ins Dominikanerkloster von Avignon zurück. Seine Haltung sah
er am 3. Oktober 1398 durch eine wunderbare Heilung von schwerer Krankheit und
durch eine Vision bestätigt, in der ihm Christus,
Dominikus und Franziskus
den Auftrag erteilten, der Welt das Evangelium zu predigen.
Giuseppe Paladini: Vinzenz Ferrer, 1744, im Dom in Norcia

Vinzenz machte sich dann als wandernder Bußprediger einen Namen: ab November 1399 zog er durch Südfrankreich und Norditalien sowie in die Gegend von Genf in der Schweiz. Er rief die Menschen zur Umkehr auf, führte erfolgreich zahlreiche Waldenser zur Kirche zurück, bekehrte Juden und Mauren, verkündete das nahende Weltende und predigte für die Einheit der Kirche. In Prozessionen folgten die Bußwilligen Vinzenz bei seinen Predigtzügen durch Europa. Vorneweg wurde ein Kreuz getragen; Vinzenz selbst ritt auf einem Esel; jeder Tag begann mit einer Messe und einer dreistündigen Bußpredigt. Solche Prozessionen waren nicht ungewöhnlich und in der Regel eher gefürchtet, weil es oft durch fanatisierte Büßer zu Auswüchsen kam. Vinzenz jedoch konnte seine Gefolgsleute mit Strenge im Zaum halten. Vinzenz' Predigten waren streng, sein moralischer Anspruch hoch; sein eigenes Leben verlieh seinen Predigten jedoch Überzeugungskraft und Faszination. Getrieben wurde er sicherlich von der Überzeugung, die Wiederkunft Christi und damit das Ende der Welt stünden unmittelbar bevor.
1408 wurde Vinzenz von Gegenpapst Benedikt XIII. persönlich zum Konzil von
Perpignan
eingeladen; er verließ es vorzeitig,um seine Predigttätigkeit
nun in Spanien fortzusetzen. Seine Fastenpredigten von 1413 sollen zur Beilegung
des Bürgerkriegs in Valencia
beigetragen, seine Missionspredigten Tausende von Mauren und Juden bekehrt haben;
gegen die sich verschließenden Juden erwirkte er 1412 als Berater der Regentin
Katharina in León
und Kastilien
äußerst drückende Sanktionen. Auch seine Predigten hatten zur Verschärfung der Politik
und Verfolgungen gegen die Juden beigetragen, auch wenn er - etwa 1391 - angesichts
von Pogromen als Verteidiger der Verfolgten auftrat. 1413-14 nahm er auf Einladung
Benedikts an den christlich-jüdischen Religionsgesprächen von Tortosa
teil. Am Tractatus novus et valde compendiosus contra Perfidiam judaeorum
, der neuen
und wirkkräftigen zusammenfassenden Abhandlung gegen die Unredlichkeit der Juden
war er wohl - ganz in Sinne von Gegenpapst Benedikt - ebenso beteiligt wie an
der antijüdischen Gesetzgebung des Königs Ferdinand von Aragón 1413 und 1415.
Ercole de' Roberti: Die Wundertaten des Vinzenz (linke Seite), Griffoni
Polyptych, 1473, in der Pinacoteca im Vatikan

Ercole de' Roberti: Die Wundertaten des Vinzenz (rechte Seite), Griffoni
Polyptych, 1473, in der Pinacoteca im Vatikan

Nach zehnjähriger Wanderschaft kehrte er in seine Heimatstadt zurück und war in Ämtern seines Dominikanerordens tätig. Nachdem das Konzil von Konstanz im Jahr 1417 mit der Wahl von Papst Martin V. das Schisma beigelegt hatte, bemühte sich Vinzenz vergeblich um einen freiwilligen Amtsverzicht von Gegenpapst Benedikt. Als König Ferdinand von Aragón Benedikts Anerkennung schließlich Anfang 1416 aufkündigte, geschah dies mit ausdrücklicher Zustimmung von Vinzenz, der die Urkunde darüber öffentlich verlas.
Unter dem Schutz des neuen Papstes in Rom begab Vinzenz sich nochmals drei Jahre lang auf eine weitere Reise, diesmal durch die Normandie und die Bretagne; hier starb er in Vannes und wurde im dortigen Dom bestattet, nachdem er zuvor kirchliche Ehrungen immer abgewiesen hatte.
Vinzenz' Tractatus de vita spirituali
, Abhandlung über das geistliche
Leben
, ist eine für Ordensleute, ein heiligmäßiges Leben zu führen, um dieses
dann auch der Welt predigen zu können. Neben weiteren Schriften sind über 400
Predigten und einige Mirakelspiele erhalten.
Auf seine Fürbitte konnte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einer Cholera-Epidemie in Neapel Einhalt geboten werden, seitdem ist er einer der Patrone der Stadt, verehrt in der Basilika von Santa Maria della Sanità.
Kanonisation:
Bereits 1458 erfolgte die Heiligsprechung durch Papst Callistus III.
Attribute:
Feuer in der Hand, Taufbecken
Patron
von Valencia,
Vannes
und Neapel;
der Ziegelmacher, Holzarbeiter, Bauarbeiter, Dachdecker und
Bleigießer; gegen Kopfschmerzen, Epilepsie, Fieber und Gefahren aller Art; für
gute Heirat und Fruchtbarkeit, einen seligen Tod
Bauernregel:
Ist St. Vinzenz Sonnenschein, / gibt es vielen guten Wein.
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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