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Die drei Jungfrauen Warbede, Embede und Wilbede wurden der Überlieferung nach von den Hunnen erschlagen.
Im ehemaligen Bergkloster in Worms werden sie als Töchter eines Frankenkönigs verehrt, an anderen Orten mit teilweise abgewandelten Namen und anderer Legende, so am Niederrhein als Ambet, Wilbet und Worbet. In Frauweiler - einem heute abgegangenen Ort bei Bedburg -, wo um 1500 durch die Bedburger Augustiner-Eremiten ein Lucia geweihtes Frauenkloster gegründet wurde, war die Verehrung von diesen dreien sowohl unter diesen Namen als auch unter den lateinischen Namen Caritas, Fides und Spes als Töchter der Sophia bekannt. In Frauweiler galt ebenso wie z.B. in Wickrath bei Mönchengladbach der 1. August als Festtag, als Attribure galten Fruchtschale, Schwert und Grill. Auf ähnliche Wurzeln gründet sich die Verehrung der drei heiligen Madl.
im Kölner Hinterland lag in römischer Zeit der Schwerpunkt des Matronen-Kultes,
wobei die Matronen stets drei Frauen waren, von denen zwei eine Haube trugen,
nicht aber die jüngste; auch Fruchtschalen sind auf den römischen Weihesteinen
zu finden. Die drei Matronen sind Repräsentanten der drei Lebensabschnitte
Jungfrau, Mutter und Greisin. In der Region ist in der mündlichen Tradition
noch lebendig, dass auf den Feldern die drei weißen Frauen
umgehen,
denen man etwa in Neukirchen
- heute Stadtteil von Grevenbroich - noch um 1800 die letzte Garbe auf dem
Feld übrig ließ.
Über
die Wurzeln
der Verehrung der drei Bethen
in heidnischer Überlieferung, besonders im
Nibelungenlied, und die Entwicklung im Christentum berichtete Ulrike Schäfer bei
einem Symposium der Nibelungenliedgesellschaft.
Zu den - vor allem in feministischen Kreisen kursierenden -
Beden
habe ich folgendes mit einem Wörterbuch Walisisch-Englisch
feststellen können:
Ambet: amwas [gesprochen ambas] = charity [caritas, Nächstenliebe]
Wilbet: ffidlondeb [gesprochen fielondeb] = fidelity [fide, Treue]
Worbet: [g]orbaith [gesprochen [g]orbäß] = hope [spes, Hoffnung]
Quelle: Geiriadur Cymraeg-Saesneg a Saesneg-Cymraeg gan T. Gwynn ac
Arthur ap Gwynn, Caerdydd 1953 [Cardiff, Wales]
Im Walisischen mutiert je nach grammatikalischer Stellung
der Anlaut, so dass es sowohl orbaith
als auch gorbaith
im selben Satz
heißen kann. Die Lautverschiebung von g zu w kennen wir in Garantie
,
engl. warranty
, oder guerre
, engl. war
. Vor diesem
Hintergrund kann die Formel Ambet, Wilbet und Worbet
nur als
Assimilation dreier keltisch-stämmiger Allegorien zu sehen sein, die
keine Eigennamen darstellen, sondern lediglich im Auslaut sich an dem
biblischen Frauennamen Elisabeth orientierten und die ähnlichen Auslaute
einheitlich zu -beth
, bzw. -bed
gemacht haben. Da ich
einen keltischen Vornamen um 1200 noch bei Neuss
finden konnte, der im Bewusstsein der Bedeutung gewählt wurde
(Harper von Helpenstein, Ritter, wobei harper
im Bretonischen heißt:
celui, qui aide
, also Helfer
), ist die Parallelität
zwischen Kirchenlatein und volkstümlichem Namen nichts besonderes.
Die Matronen wurden wahrscheinlich am 1. August
(dem keltischen Lugnasad-Fest, einem der vier Hauptfeste) verehrt.
Die Umdeutung erfolgte nicht in christliche Personen, sondern in Allegorien
aus dem Brief an die Korinther (sog. Hohes Lied der Liebe
nach Paulus).
An der Ruhr zwischen Düren
und Roermond
hießen die drei Jungfrauen Mergen
, Marien
mit den Beinamen Pellmerge
, Schwellmerge
und Krieschmerge
.
Die Pellmerge
wurde angerufen, wenn es Hautkrankheiten gibt (die Pelle
ausschlägt), die Schwellmerge
, wenn der Bauch schwillt (d.h.
die Frau schwanger ist, bzw. wenn sie nicht schwanger werden will
trotz ehelichem Verkehr), während die Krieschmerge
angerufen
wurde, wenn die Kleinkinder am kriesche
waren, das heißt
Schreikinder waren (von Koliken wusste man noch nichts).
Dazu: Sagen, Märchen und Schwänke des Jülicher Landes, Aus dem
Nachlaß Heinrich Hoffmanns, hrsg. Gottfried Henßen, 1955, S. 175 ff:
Die drei Frauen in der Legende; dazu der Abschnitt S. 138 ff: Die
Juffern (hier werden allerdings die Juffern
= Mehrzahl, stets
anonym, mit der Juffer
, die in der Regel mit einer historischen
Person identifiziert wird, zusammen behandelt).
In Helden
im Bergischen Land gibt es eine romanische Krypta, in der auf zwei
mittelalterliche Wandmalereien Embede und Notburga
zu sehen waren, die leider durch amerikanische Soldaten 1945 als
Zielscheibe für pietätslose Schießübungen benutzt wurden, so dass sie
heute völlig zerstört sind. Dort gab es weiter eine Holzfigur, die Griescha
genannt wurde. Dort betete man, wenn Kinder zahnten (also Kriescher
/ Kreischer waren).
Noch merkwürdiger wird es mit dem germanischen Gott Wotan.
Die Legende von Bonn-Bad
Godesberg sagt, dass der dortige Berg, der seit dem 13. Jahrhundert die
Godesburg der Erzbischöfe von Köln
trägt, ursprünglich Wodansberg
hieß und eine Kultstätte des
Germanengottes sein sollte. Vor der Godesburg liegt außerhalb der
Burgmauer eine Michaelskapelle,
die in ihrem Fundament aus dem 10. Jahrhundert stammen soll. Nun habe
ich ermittelt, dass auf Sylt
der Wotanskult noch heute mit Feuern zum 22. Februar (Petri
Stuhlfeier) begangen wird. Manche führen den Brauch, zum Erlöschen
des Feuers auch eine Strohpuppe in die Flammen zu werfen, die Pietermann
heißt, auf die Reformation und das Ablehnen des römischen Primates
(wie gesagt, Termin ist Petri Stuhlfeier) zurück. Aber in Bedburg
wird dieser Brauch auch geübt, allerdings zur Kirchweih.
Die Strohpuppe heißt hier Zacheies (Zacharias,
der Held des Kirchweih-Evangeliums). Die Wotansfeuer auf Sylt werden
zum Sonnenuntergang am Vorabend des 22. Februar angezündet. Und nun das Überraschende:
Steht man am Altar der Michaelskapelle des Godesberges zu Bonn und schaut
durch die Kapellentür auf die Ausläufer der Ville, erblickte man im 9. Jahrhundert
exakt in der Kapellenachse den Sonnenuntergang am Wotanstag (22. 2.). Die
Kapellenachse zeigt also nicht in Ost-West-Richtung, sondern ist deutlich
daraus verdreht. Dass Michael als Himmelswächter/Drachentöter gerade das
besiegt, was durch Wotan repräsentiert wird, ist ja nicht so verwunderlich;
dass aber die christliche Kirche so gebaut wird, dass heidnische Rituale
dort nachvollzogen werden können, ist schon erstaunlich.
In der Tat gibt es noch einige Petrus-Kirchen, die auch so gebaut sind, dass man um das Fest Petri Stuhlfeier in der Achse der Kirche vom Altar durch die Türe hinaus zum Horizont den Sonnenuntergang beobachten kann. Ob es sich um christianisierte Wotans-Kultorte handelt, ist mir allerdings nicht bekannt. Zumindest zeigt diese Beobachtung, dass man es im Zuge der Christianisierung Deutschlands mit Festen, Kulten und Heiligen nicht so streng historisch nahm, wie es viele heute gerne sehen würden.
Christian Wiltsch über E-Mail, 29. September 2010
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