Ökumenisches Heiligenlexikon

Wilhelm von Vercelli
italienischer Name: Guglielmo

Gedenktag katholisch: 25. Juni

Name bedeutet: Wille und Schutz (althochdt.)

Ordensgründer
* um 1085 in Vercelli in Italien
† 25. Juni 1142 im Kloster San Salvatore di Goleto in Soriente bei Lioni in Italien

Kartenskizze

Wandmalerei in der Krypta in Trevico, lange Zeit - bis zum Erdbeben 1980 - verschüttet, nun im Museum in Trevico

Wandmalerei in der Krypta in Trevico, lange Zeit - bis zum Erdbeben 1980 - verschüttet, nun im Museum in Trevico

Nach dem Tod seiner Eltern reiste Wilhelm zur Jakobus-Wallfahrtsstätte nach Santiago de Compostela und wollte auch ins Heilige Land pilgern; davon ließ er sich von Johannes von Matera abbringen, der ihm riet, gleich ihm Einsiedeler zu werden. So ließ er sich 1114 auf dem Berg Monte Vergine bei Avellino nieder. Auch von Wilhelm erzählt die Legende, dass er in jener Zeit den Wolf, der seinen Esel getötet hatte, zwang, ihm nun selbst die Lasten zu tragen. 1118 schlossen sich Wilhelm mehrere gleichgesinnte Männern und Frauen, Laien und Priestern an, vergleichbar der Kommunität, die Norbert von Xanten gleichzeitig in Prémontré ins Leben rief. Sie errichteten ein Hospiz, daraus entstand die Kongregation Monte Vergine.

Wilhelm verpflichtete seine Anhänger zu eigener Hände Arbeit, zur Mildtätigkeit und Einhaltung der Tagzeitengebete, seine Regel betonte Buße und Demut. Um 1124 setzten die an der Kommunität beteiligten Priester die Errichtung einer Maria geweihten Kirche auf dem Berg durch, da ihre Aufgabe der Gottesdienst, nicht die manuelle Arbeit sei - seither heißt der Berg Monte Vergine, Berg der Jungfrau. 1126 wurde die Gemeinschaft anerkannt, aber bald schon gerieten die Priester von neuem mit dem Gründer in Konflikt wegen der Geldschenkungen, die die Gemeinschaft erhielt und die Wilhelm an die Armen verteilte, während die Priester sie als Eigentum der Kirche betrachteten. Die Gemeinschaft brach auseinander, Wilhelm musste mit einigen Mitbrüdern das Kloster auf dem Monte Vergine verlassen, das in der Folge die Lebensform der Benediktiner annahm.

Wilhelm begab sich in die Einsiedelei am Monte Laceno bei Eboli, dann in die von Serracognato nahe Calciano bei Potenza, lebte weiterhin als Büßer und gründete mehrere Klöster, so S. Cesaro bei Rocca San Felice, Incoronata bei Foggia, Pierno bei San Fele und 1133 San Salvatore di Goleto in Soriente bei Lioni, wo er starb. Aus den kleinen Anfängen auf dem Monte Vergine folgten mehrere Klostergründungen, auch für Nonnen. Von seiner Wirksamkeit in Süditalien zeugt sein Ehrentitel Apostel des Mezzogiorno.

1807 wurden Wilhelms Gebeine auf den Monte Vergine übertragen, der bis heute einer der wichtigsten Wallfahrtsorte in Süditalien ist.

Kanonisation: Der Kult für Wilhelm wurde 1785 bestätigt.

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Reste der Abteikirche des Klosters San Salvatore di Goleto in Soriente, wo Wilhelm starb

Reste der Abteikirche des Klosters San Salvatore di Goleto in Soriente, wo Wilhelm starb


Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2000
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 10. Herder, Freiburg im Breisgau 2001
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