der Große,
der Heilige
Gedenktag katholisch: 15. Juli
tag der Taufe Russlands: 28. Juli
Gedenktag orthodox: 15. Juli
Name bedeutet: der friedlich Herrschende (russisch)
Wladimir, ein Enkel von Olga, wurde 969 Fürst von Nowgorod - dem heutigen Weliki Nowgorod. 978/80 erkämpfte er die Herrschaft über Gesamtrussland gegen seinen Bruder; sein Sieg und sein Regierungsantritt als Großfürst von Kiew bedeuteten gleichzeitig einen Sieg des Heidentums gegenüber dem neu eingesickerten christlichen Glauben. Abgesandte der katholischen Kirche aus Rom und der orthodoxen Kirche aus Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul - sowie des Judentums und des Islams versuchten, den russischen Heiden für ihren Glauben zu gewinnen, wobei der Jude und der Moslem wegen der Erwähnung von Beschneidung, Schweinefleisch- und Alkoholverbot des Landes verwiesen wurden; nicht anders erging es dem Vertreter aus Rom nach seinem Hinweis, dass den Gläubigen Fastenzeiten auferlegt würden.
Wladimirs Hauptinteresse galt zunächst der Konsolidierung seiner Gebiete, die
er zu einem einzigen Land verband. Dem byzantinischen Kaiser Basilius II. half
er 987, einen Aufstand der Bulgaren niederzuschlagen. Zum Dank erhielt Wladimir die
Schwester des Herrschers, die pupurgeborene
byzantinischen Prinzessin Anna, zu
seiner dritten Frau, musste sich jedoch zuvor zum christlichen Glauben bekehren.
Mit seiner Taufe an Epiphanias - nach anderer
Überlieferung am 28. Juli 988 in Chersones
- heute Ruinen bei Sewastopol auf der Halbinsel Krim - erhielt er den Taufnamen Basil;
damit wurde das christlich-orthodoxe Bekenntnis zur Staatsreligion; große Teile des
Volkes wurden noch im selben Jahr an Ostern
und Pfingsten getauft. Wladimirs
erste Frau, Rogned von Polock, wurde 989 Nonne.
Eine Chronik berichtet über die Taufe: Am Morgen kam Wladimir mit Popen der
Zarin und denen von Korsun zum Dnepr, und dort versammelte sich eine Unmenge
Menschen. Sie gingen ins Wasser und standen dort, die einen bis zum Hals, die
anderen bis zur Brust im Wasser, junges Volk in der Nähe des Ufers; einige
hielten Säuglinge auf den Armen, die Erwachsenen schlenderten im Wasser umher,
die Popen standen aber da und verrichteten Gebete. Und im Himmel und auf der
Erde herrschte Freude über die vielen geretteten Seelen, der Teufel sagte aber:
Weh mir! Mich vertreibt man von hier! ... Und ich werde hier nicht mehr
herrschen.
Die Geschichte bewahrte auch das Gebet, das Wladimir nach der
Beendigung des Rituals sprach: Der Schöpfer der Erde und des Himmels! Segne
diese neuen Kinder von dir: geb' es ihnen, Dich, den wahren Gott, zu erkennen;
bestärke sie im rechten Glauben. Helfe mir, den Versuchungen zu widerstehen, in
die mich das Böse bringt, damit ich Deinen heiligen Namen nach Gebühr lobpreise!
Wladimir erhielt die Titel apostelgleich
und Neuer Konstantin
,
die neue russische Kirche war dem Patriarchat Konsantinopel unterstellt.
Wladimir führte nun die byzantinische Kultur in Russland ein: er ließ Kirchen
bauen, verbot das Heidentum und nahm eine Reihe sozialer Reformen in Angriff.
Gleichwohl zeigte er sich nach wie vor offen für westliche Einflüsse, u.a. in
seiner Gesetzgebung. Mit Hilfe des christlichen Glaubens konnte er sein Reich
immer mehr festigen. Man kann Wladimir deshalb den Konstantin
des Ostens
nennen. Die Orthodoxie verbreitete sich in den folgenden
Jahrhunderten im Land, neben den Russen bekennen sich auch viele andere Völker,
unter ihnen Karelen, Komi, Udmurten, Mari, Mordwinen, Tschuwaschen, Osseten,
Chakassen, daneben viele Burjaten, Kalmyken, Tataren und Kabardinern zur
Orthodoxie.
Wladimir starb auf einer Reise nach Weliki Nowgorod. Seine Heiligkeit ist weniger in seinen Taten als in seiner kirchenpolitischen Bedeutung begründet.
Kanonisation:
Nach traditioneller Auffassung wurde Wladimir nach 1250 kanonisiert, nach
neueren Funden wohl schon im 11. Jahrhundert.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon