Ökumenisches Heiligenlexikon

Wladimir I. von Kiew
Beinamen: der Große, der Heilige
Familienname: Swjatoslawitsch
als Mönch: Basil

Gedenktag katholisch: 15. Juli
tag der Taufe Russlands: 28. Juli

Gedenktag orthodox: 15. Juli

Name bedeutet: der friedlich Herrschende (russisch)

Großfürst von Kiew
* um 956 in Kiew in der Ukraine
† 15. Juli 1015 in Berestov bei Kiew in der Ukraine

Kartenskizze Kartenskizze

Wladimir, ein Enkel von Olga, wurde 969 Fürst von Nowgorod - dem heutigen Weliki Nowgorod. 978/80 erkämpfte er die Herrschaft über Gesamtrussland gegen seinen Bruder; sein Sieg und sein Regierungsantritt als Großfürst von Kiew bedeuteten gleichzeitig einen Sieg des Heidentums gegenüber dem neu eingesickerten christlichen Glauben. Abgesandte der katholischen Kirche aus Rom und der orthodoxen Kirche aus Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul - sowie des Judentums und des Islams versuchten, den russischen Heiden für ihren Glauben zu gewinnen, wobei der Jude und der Moslem wegen der Erwähnung von Beschneidung, Schweinefleisch- und Alkoholverbot des Landes verwiesen wurden; nicht anders erging es dem Vertreter aus Rom nach seinem Hinweis, dass den Gläubigen Fastenzeiten auferlegt würden.

Wladimirs Hauptinteresse galt zunächst der Konsolidierung seiner Gebiete, die er zu einem einzigen Land verband. Dem byzantinischen Kaiser Basilius II. half er 987, einen Aufstand der Bulgaren niederzuschlagen. Zum Dank erhielt Wladimir die Schwester des Herrschers, die pupurgeborene byzantinischen Prinzessin Anna, zu seiner dritten Frau, musste sich jedoch zuvor zum christlichen Glauben bekehren. Mit seiner Taufe an Epiphanias - nach anderer Überlieferung am 28. Juli 988 in Chersones - heute Ruinen bei Sewastopol auf der Halbinsel Krim - erhielt er den Taufnamen Basil; damit wurde das christlich-orthodoxe Bekenntnis zur Staatsreligion; große Teile des Volkes wurden noch im selben Jahr an Ostern und Pfingsten getauft. Wladimirs erste Frau, Rogned von Polock, wurde 989 Nonne.

Russische Ikone, um 1800

Russische Ikone, um 1800

Eine Chronik berichtet über die Taufe: Am Morgen kam Wladimir mit Popen der Zarin und denen von Korsun zum Dnepr, und dort versammelte sich eine Unmenge Menschen. Sie gingen ins Wasser und standen dort, die einen bis zum Hals, die anderen bis zur Brust im Wasser, junges Volk in der Nähe des Ufers; einige hielten Säuglinge auf den Armen, die Erwachsenen schlenderten im Wasser umher, die Popen standen aber da und verrichteten Gebete. Und im Himmel und auf der Erde herrschte Freude über die vielen geretteten Seelen, der Teufel sagte aber: Weh mir! Mich vertreibt man von hier! ... Und ich werde hier nicht mehr herrschen. Die Geschichte bewahrte auch das Gebet, das Wladimir nach der Beendigung des Rituals sprach: Der Schöpfer der Erde und des Himmels! Segne diese neuen Kinder von dir: geb' es ihnen, Dich, den wahren Gott, zu erkennen; bestärke sie im rechten Glauben. Helfe mir, den Versuchungen zu widerstehen, in die mich das Böse bringt, damit ich Deinen heiligen Namen nach Gebühr lobpreise!

Wladimir erhielt die Titel apostelgleich und Neuer Konstantin, die neue russische Kirche war dem Patriarchat Konsantinopel unterstellt. Wladimir führte nun die byzantinische Kultur in Russland ein: er ließ Kirchen bauen, verbot das Heidentum und nahm eine Reihe sozialer Reformen in Angriff. Gleichwohl zeigte er sich nach wie vor offen für westliche Einflüsse, u.a. in seiner Gesetzgebung. Mit Hilfe des christlichen Glaubens konnte er sein Reich immer mehr festigen. Man kann Wladimir deshalb den Konstantin des Ostens nennen. Die Orthodoxie verbreitete sich in den folgenden Jahrhunderten im Land, neben den Russen bekennen sich auch viele andere Völker, unter ihnen Karelen, Komi, Udmurten, Mari, Mordwinen, Tschuwaschen, Osseten, Chakassen, daneben viele Burjaten, Kalmyken, Tataren und Kabardinern zur Orthodoxie.

Wladimir starb auf einer Reise nach Weliki Nowgorod. Seine Heiligkeit ist weniger in seinen Taten als in seiner kirchenpolitischen Bedeutung begründet.

Kanonisation: Nach traditioneller Auffassung wurde Wladimir nach 1250 kanonisiert, nach neueren Funden wohl schon im 11. Jahrhundert.

Catholic Encyclopedia

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Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Microsoft Encarta 98 Enzyklopädie
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 10. Herder, Freiburg im Breisgau 2001
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