Ökumenisches Heiligenlexikon

Manichäismus

Manichäismus ist eine antike Religion, die nach ihrem Stifter, dem persischen Weisen Mani - er lebte etwa 216 bis 276 - benannt wurde. Mani bezeichnete sich selbst nach Buddha und Jesus als letzten Propheten. Neben Elementen aus dem Parsismus und Christentum weist der Manichäismus insbesondere Einflüsse der Gnosis auf.

Manichäische Miniaturmalerei aus Kocho in Zentralasien, im Museum für indische Kunst in Berlin

Manichäische Miniaturmalerei aus Kocho in Zentralasien.
Im Vordergrund die hinduistischen Gottheiten Ganesha, Vishnu, Brahma und Shiva. Links daneben zwei Figuren. Im Hintergrund ein hoher manichäischer Geistlicher, links daneben ein König in Begleitung von drei Soldaten. Rechts daneben zwei weiss gekleidete manichäische Auserwählte niedrigeren Ranges und ein Laienanhänger.
Möglicherweise handelt es sich um eine Darstellung des Jenseitsgerichts: die kniende Figur vorne links könnte die Seele eines verstorbenen Auserwählten darstellen, die neben ihr einen Seelenführer, der vor den vier Richtergottheiten kniet. Dass es sich um ein hinduistisches Götterquartett handelt, ist wahrscheinlich auf buddhistische Vermittlung zurückzuführen.
Im Museum für indische Kunst in Berlin.   

Wichtigster Aspekt der Lehre ist die dualistische Teilung des Universums in die Reiche des Guten und des Bösen. Der Weg zur Erlösung führt über die Erkenntnis des Lichtreiches, die Propheten wie Buddha, Jesus und - in letzter Instanz - Mani vermitteln. Mit diesem Wissen vermag die menschliche Seele die Begierden zu überwinden und ins Reich Gottes emporzusteigen. Die Manichäer teilten sich selbst in zwei Klassen, die dem Grad ihrer spirituellen Entwicklung entsprachen. Die Auserwählten lebten streng zölibatär und vegetarisch, sie tranken keinen Alkohol, arbeiteten nicht und widmeten sich ausschließlich dem Gebet; Laien erreichten diese Stufe der Vollkommenheit nicht.

Mani als 'Buddha des Lichts' im Tempel von Fuzhou in China

Mani als Buddha des Lichts im Tempel in Fuzhou in China. Dass es sich um Mani und nicht um einen (buddhistischen) Buddha handelt, ist an den beiden Schnüren erkennbar, die vom Hals der Figur über die Brust herunterhängen.   

In den Jahrhunderten nach Manis Tod verbreitete sich seine Lehre auch im Römischen Reich, vor allem in Nordafrika. Augustinus hing dem Manichäismus neun Jahre lang an, bevor er sich dem Christentum zuwandte.





Quellen:

• http://publicrelations.unibe.ch/unipress/heft118/beitrag12.html



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