Der Vatikan ist eigentlich ein HĂŒgel im Westen Roms; die Herkunft des Namens ist ungeklĂ€rt. Auf diesem kleinen HĂŒgel befand sich im Altertum der Zirkus des Nero (Kaiser von 54 - 68), wo nach gesicherten Quellen Christen, Juden und andere Missliebige gemartert wurden. Nach der Ăberlieferung fand hier auch das Martyrium des Petrus statt. Unter Konstantin dem GroĂen wurde dort, wo schon um 200 eine AndachtsstĂ€tte fĂŒr die MĂ€rtyrer des Neronischen Circus gestanden hatte, ab 322 die erste fĂŒnfschiffige Basilika als Peterskirche errichtet - Papst Silvester I. weihte sie am 18. November 326 - und fĂŒr die PĂ€pste eine erste Residenz erbaut. Die Peterskirche war aber nicht die Papstkirche.
Video:Zur Darstellung des Videos mĂŒssen Sie mit dem Internet verbunden sein GĂŒnter Schilhan stellt in seinem Film von ĂŒber den Staat Vatikanstadt
Nach dem Zerfall des weströmischen Reiches und dem Zusammenbruch der
byzantinischen Herrschaft im Westen bemÀchtigten sich nach und nach die PÀpste
auch der weltlichen Herrschaft ĂŒber Mittelitalien, gestĂŒtzt auf eine gefĂ€lschte
Urkunde, die Konstantinische Schenkung
, nach der Kaiser Konstantin
dem Papst die WesthÀlfte des Römischen Reiches geschenkt habe. Die Hauptstadt
des Kirchenstaates
war Rom,
der Sitz des Papstes der Lateranspalast.
Im Kampf gegen die Langobarden gingen die LĂ€ndereien wieder verloren, unter der
Schutzherrschaft von Frankenkönig Pippin dem Kurzen (um 715 - 768) wurde die
weltliche Macht des Papstes erneuert, auch Karl
der GroĂe anerkannte die Konstantinische Schenkung
. Die gröĂte Ausdehnung
erfuhr der Kirchenstaat zu Beginn des 16. Jahrhunderts, als er sich ĂŒber den
ganzen italienischen Stiefel
und nördlich bis fast nach Venedig
erstreckte.
Die Fassade des Petersdoms
bei der Heiligjahrfeier der Bischöfe im Oktober 2000 
Heute ist der Vatikanpalast die Residenz des Papstes, er geht auf einen im 9. Jahrhundert gegen die SarazeneneinfĂ€lle errichteten ummauerten Bau um die Peterskirche zurĂŒck. Erst nach dem Exil von Avignon im 14. Jahrhundert wurde dieser befestigte Vatikan stĂ€ndige Papstresidenz, Papst Gregor XI. (1370 - 78) verlegte die Residenz hierher. Papst Sixtus IV. (1471 - 1484 ) lieĂ dann die Sixtinische Kapelle errichten, Papst Julius II. gab den Neubau der Peterskirche in Auftrag: mit dem Neubau wurde 1506 begonnen, zunĂ€chst nach PlĂ€nen von Donato Bramante in Form eines griechischen Kreuzes mit weit gespannter Mittelkuppel; der Entwurf wurde spĂ€ter mehrfach abgewandelt. Nach Bramantes Tod 1514 folgten u. a. die Dombaumeister Raffael bis 1520, Michelangelo von 1546 - 1564 - er entwarf die endgĂŒltige Kuppelform, schlieĂlich G. L. Bernini 1656 - 1663, der die Fassade vollendete und den Petersplatz gestaltete. Die Peterskirche ist bis heute die zweitgröĂten Kirche der Erde mit einer inneren Höhe der Kuppel von 119 m, einer Breite des Querschiffs von 138 m und einer LĂ€nge des Kirchenschiffes von 187 m.
PĂ€pstliche Sommerresidenz Castel
Gandolfo mit See ![]()
Papst Sixtus V. (1585 - 1590) war Bauherr des heutigen Wohnpalastes und der
Bibliothek. Papst Clemens VIII. verlegte 1592 die Residenz wieder aus dem
Vatikan
heraus, nÀmlich in den Quirinals-Palast.
Die nationale Einigung Italiens im 19. Jahrhundert machte dann auch vor dem Kirchenstaat
nicht Halt. Im Lauf weniger Jahre schrumpfte die weltliche Herrschaft des Papstes auf einen schmalen
Streifen um Rom
herum. Am 20. September 1870 machte der Einmarsch der Savoyer in
Rom der weltlichen Herrschaft der PĂ€pste ein Ende. Papst Pius
IX. verstand die Welt und den Heiligen Geist, der so etwas zulassen konnte,
nicht mehr und zog sich in den Vatikanpalast zurĂŒck. Der schmollende Widerstand
der PĂ€pste fand erst unter unter Papst Pius XI. ein Ende, als 1929 die
LateranvertrÀge
geschlossen wurden. Damit entstand der kleinste Staat der Welt,
dessen absoluter Monarch ist der Papst ist: Stato CittĂ del Vaticano
mit 0,44
km2 - ein FĂŒnftel dieser FlĂ€che nimmt der Petersdom
ein. Der Staat besteht aus der Peterskirche mit dem Petersplatz, den Vatikanischen GĂ€rten und
den Museen,
er ist fast ganz von einer groĂen Mauer umgeben. Weitere Gebiete des Vatikanstaates sind
die Basiliken S.
Giovanni in Laterano, S.
Maria Maggiore und S.
Paolo fuori le Mura, der Lateranspalast
und verschiedene andere kirchliche VerwaltungsgebĂ€ude in der Stadt, auĂerdem die
pÀpstliche Sommerresidenz in Castel
Gandolfo, die vatikanische Sendeanlage in S. Maria di Galleria und Kirchen
in Assisi
und Pompeji.
ErlÀuterungen zur Karte Vatikan
:
1 Vatikanische Museen
2 Mittelalterlicher Teil des Papstpalastes, einbezogen in den Besuch der Museen
3 Sixtinische Kapelle
;4 Teile des Papstpalastes, die nicht besichtigt werden können
5 Zugang zur Kuppel der Peterskirche
6 Zugang zur Sakristei und zur Schatzkammer der Peterskirche
7 Sakristei und Schatzkammer
8 Zugang zu den Vatikanischen Grotten
9 Ausgang aus den Grotten
10 InformationsbĂŒro des Vatikans fĂŒr Touristen und Pilger
11 PĂ€pstliche Audienzhalle
12 Deutsches Kolleg mit Friedhof
13 Gerichtspalast
14 Kirche Santo Stefane degli Abissini
15 Bahnhof
16 Zivilverwaltung des Vatikans (Palazzo del Governatorate)
17 Direktion von Radio Vaticana
18 Bronzestatue von Petrus
19 Adlerbrunnen
20 PĂ€pstliche Akademie der Wissenschaften
21 Casina
Pius' IV.
22 Turm der Winde
23 Sakramentsbrunnen
24 Nördlicher Teil der Vatikanstadt mit den Dienstleistungsbetrieben
25 Kaserne der Schweizer Garde ![]()
Der Vatikan ist völkerrechtlich ein Staat mit allen Rechten, er gibt eigenes
Geld und eigene Briefmarken heraus, hat ein im Jahr 2000 erneuertes
Grundgesetz,
eigene Gerichte und mit der Schweizergarde
ein eigenes Heer
: 1506
rekrutierte Papst Julius II. die erste pÀpstliche Schweizergarde; als 1527
deutsche Landsknechte Rom eroberten, opferte sich die Garde fast bis zum letzten
Mann, um Papst Clemens VII. die Flucht in die uneinnehmbare Engelsburg
zu ermöglichen, seitdem ist diesen Getreuen - heute etwa 100 Mann, alles
katholische Eidgenossen, die den MilitÀrdienst in der Schweizer Armee absolviert
haben - der Schutz des Papstes anvertraut. Die Polizeigewalt ĂŒber den
Petersplatz bis zu den Pforten der Peterskirche ist den italienischen
Carabinieri ĂŒbertragen. Steuern erhebt der Vatikan von seinen BĂŒrgern nicht. Der
Vatikanstaat zĂ€hlte 1995 479 StaatsbĂŒrger; er ist der einzige Staat der Welt,
dessen Bevölkerung sich nicht durch natĂŒrliche Vermehrung, sondern durch Zuwahl
erhĂ€lt; mit der Verleihung der StaatsbĂŒrgerschaft geht der Vatikan aber Ă€uĂerst
sparsam um.
Die Regierung der römisch-katholischen Kirche ist die Römische Kurie mit
Kongregationen, Tribunalen, RĂ€ten, BĂŒros, Kommissionen und Komitees, die von
KardinÀlen oder Erzbischöfen geleitet werden. Erster Vertreter des Papstes ist
der KardinalstaatssekretÀr, der an der Spitze des Staatssekretariats steht und
zugleich Mitglied des Kardinalskollegiums ist. Der Vatikan betreibt einen
Rundfunk- und Fernsehsender und hat seine eigene Zeitung, den
Osservatore
Romano.
Petersplatz mit Papstresidenz beim Weltmissionstag im Oktober 2000
Petersplatz und -kirche sind frei zugĂ€nglich, die Museen kann man gegen Eintritt besuchen; im ĂŒbrigen braucht man fĂŒr den Vatikan ein Visum, das man nur mit guter BegrĂŒndung erhĂ€lt. Das Hochamt im Petersdom findet jeden Sonntag um 10.30 Uhr statt; es ist frei zugĂ€nglich, aber wenn man einen Sitzplatz haben will, sollte man eine Stunde frĂŒher dort zu sein. An hohen Festtagen und bei besonderen AnlĂ€ssen liest der Papst selbst die Messe, dann werden kostenlose Eintrittskarten ausgegeben. Um 12 Uhr erteilt der Papst jeden Sonntag - sofern er in Rom ist - von einem Fenster des Vatikanpalastes aus den Segen fĂŒr die Menschen auf dem Petersplatz. Die Generalaudienzen des Papstes in der groĂen, 1964 - 1971 erbauten Audienzhalle finden in der Regel am Mittwoch um 11 Uhr statt, auch hierfĂŒr braucht es kostenlose Eintrittskarten. Privat- und Gruppenaudienzen sind nur möglich, wenn man einen FĂŒrsprecher in höherer Position im Vatikan hat, der ein Empfehlungsschreiben ausstellt, oder wenn man der Katholischen Kirche eine auĂergewöhnlich hohe Spende macht.
Die Unterkirche des Petersdomes,
als Vatikanische Grotten
bezeichnet, ist
die BegrÀbnisstÀtte der meisten PÀpste. 1950 wurden bei Grabungen verschiedene
altrömische GrÀber freigelegt; in dieser Vatikanischen Nekropole
wurden auch
Gebeine gefunden, die nun Petrus
zugeschrieben werden.
Der
Vatikan ist mit eigener Homepage im
Internet, auch fĂŒr den Staat
der Vatikanstadt
gibt es hier eine FĂŒlle von Informationen in Deutsch und
anderen Sprachen.
Die
Urkunde
der Konstantinischen Schenkung
gibt es in Lateinisch und mit deutscher
Ăbersetzung von Hans Zimmermann in Netz.