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Ökumenisches Heiligenlexikon

Vierzehn heilige Nothelfer

Gedenktag katholisch: 8. August
Hochfest in der Basilika Vierzehnheiligen und
gebotener Gedenktag in Bamberg: Samstag nach dem 3. Sonntag nach Ostern

Die vierzehn heiligen Nothelfer wurden schon im 9. Jahrhundert angerufen und verehrt. In ihren Legenden baten Dionysius wie auch Blasius, Dorothea und andere vor ihrem Tod um die Gnade der Fürbitte und erhielten die Verheißung, bei Anrufung hilfreich vermitteln zu dürfen. Die Zahl 14 enstand wohl durch Verdoppelung der heiligen Zahl Sieben.

14 Nothelfer mit ihren Attributen in einer Wolke, darunter eine kniende Frau mit ihrem Kind, Wallfahrtskapelle Adelwil in Neuenkirch bei Luzern in der Schweiz

14 Nothelfer mit ihren Attributen in einer Wolke, darunter eine kniende Frau mit ihrem Kind, in der Wallfahrtskapelle Adelwil in Neuenkirch bei Luzern in der Schweiz Haus zum Dolder, CH-Beromünster

Die Heiligenverehrung gewann vor allem im von der Pest bedrohten 13. / 14. Jahrhundert stark an Bedeutung. Den einzelnen Heiligen wurden Aufgabenbereiche zugewiesen. So wird bis heute Florian, der als Märtyrer ertränkt wurde, angerufen bei Feuersbrunst, doch er wurde auch zum Patron der Bierbrauer, Fassbinder und Schornsteinfeger. Die menschliche Ohnmacht gegen die Schicksalsschläge und Katastrophen der Zeit wurde mit Hilfe der Nothelfer bekämpft. In der Not einen Heiligen anrufen half im Verständnis des Volkes viel, in der Not viele Heilige anrufen half mehr.

1377 ordnete der Regensburger Bischof Konrad von Haimburg die Verehrung der Heiligen Barbara an, und zwar zugleich mit der Heiligen Katharina und der Heiligen Margareta. Der Volksmund schmiedete sich dazu den Merkvers: St. Margaretha mit dem Wurm, St. Barbara mit dem Turm, St. Katharina mit dem Radl, das sind die heiligen drei Madl. Regensburg wurde auch Ausgangspunkt für den sich verbreitenden Nothelferkult, das Nothelferfenster in der südlichen Chorschräge des Regensburger Domes dürfte eine der frühesten Darstellungen dieses Themas überhaupt sein; aus dem frühen 14. Jahrhundert stammt ein Fragment in der Dominikanerkirche. Von hier breitete der Brauch sich aus nach Bamberg, Nürnberg und Würzburg. Auch in Schlesien war die Anrufung der Nothelfer sehr verbreitet, mit den Flüchtlingen nach dem 2. Weltkrieg kam der Brauch erneut nach Westdeutschland.

Durch eine Vision wurde der Kult um die vierzehn Nothelfer volkstümlich: Der Legende nach sind dem Klosterschäfer Hermann Leicht von der Zisterzienserabtei Langheim - dem heutigen Klosterlangheim - in Oberfranken 1445 und 1446 vierzehn Gestalten erschienen, die sich als vierzehn Nothelfer zu erkennen gaben und die Errichtung einer Kapelle am Ort ihrer Erscheinung forderten, die von dem Kloster alsbald errichtet und aufgrund der vielen Wallfahrer mehrfach vergrößert wurde. 1772 wurde dann die von Balthasar Neumann entworfene, noch heute vielbesuchte Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen endgültig fertiggestellt. Der Kult verbreitet sich über den gesamten deutschen Sprachraum bis nach Italien, Schweden und Ungarn. Über 800 Kirchen wurden den Vierzehnheiligen geweiht.

Wohl Ende des 14. Jahrhunderts werden in einer Handschrift als Nothelfer genannt: Georgius, Blasius, Erasmus und Pantaleon; Vitus, Christophorus, Dionysius und Cyriacus; Achatius der Große, Eustachius und Egidius mit Margareta mit Barbara mit Katharina.
In Bayern wurde bis 1520 Leonhard an Stelle von Cyriacus verehrt.

In der Regel gelten bis heute als Nothelfer in den verschiedenen Angelegenheiten:
Achatius, angerufen gegen Todesangst und Zweifel
Ägidius, angerufen zur Ablegung einer guten Beichte
Barbara, Patronin der Sterbenden
Blasius, angerufen gegen Halsleiden
Christophorus, angerufen gegen unvorbereiteten Tod
Cyriacus, angerufen gegen Anfechtung in der Todesstunde
Dionysius, angerufen gegen Kopfschmerzen
Erasmus, angerufen gegen Leibschmerzen
Eustachius, angerufen in allen schwierigen Lebenslagen
Georg, angerufen gegen Seuchen der Haustiere
Katharina, angerufen gegen Leiden der Zunge und schwere Sprache
Margareta, Patronin der Gebärenden
Pantaleon, Patron der Ärzte
Vitus (Veit), angerufen gegen Epilepsie

Merkvers auf einer Gebetstafel aus der Barockeit in Memmingen:
S. Blasius - bringt wegen Halsweh Fürbitt dar
S. Georgius - ist anzurufen in Kriegs-Gefahr
S. Erasimus - für Darm und Leibesschmerzen
S. Vitus - ein großer Freund der Kinder-Herzen
S. Pantaleon - Patron der Ärzten, bei Gott mächtig
S. Christoph - für Hagl und Wetter beschützt er kräftig
S. Dionysus - in Hauptweh wird gerufen an
S. Cyriacus - von Teufel Beseßnen helfen kann
S. Achatius - dem christlichen Kriegsvolk hilft er behend
S. Eustachius - Betrübniß in der Ehe abwendt
S. Ägidius - hilft zu Erkenntniß heimlicher Sünd
S. Margaretha - wo Teufelslist ein Zugang findt
S. Katharina - wenn Weisheit im Studiren mangelt
S. Barbara - im Tod die Sackrament erlangt

Je nach örtlichen Patronaten findet sich anstelle von Erasmus oder Achatius Nikolaus, statt Dionysius Papst Sixtus II., in der Funktion des Ägidius oder Cyriacus Leonhard, vereinzelt auch Wolfgang von Regensburg, als Nothelfer bei Pestgefahr auch Rochus von Montpellier oder Wendelin von Tholey. Anstelle von Achatius wurde aus Missverständnis von dessen Beinamen Magnus auch Magnus von Füssen zu den Nothelfern gezählt. Als Nothelfer bezeichnet und zu diesen hinzugerechnet werden gelegentlich auch die vier heiligen Marschälle.

Im Kunstverlag Josef Fink erschien von Rosel Termolen und Dominik Lutz in prächtiger Ausstattung: Nothelfer - Patrone in allen Lebenslagen über rund 2500 Stätten weltweit , an denen die Vierzehnergruppe Verehrung genießt und über die Rolle dieser Heiligen im Brauchtum und in den Wetterregeln wie in der Kunst.





Quellen:
• http://www.zenit.org/article-21147?l=german
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 7., Herder, Freiburg im Breisgau 1998