Carl Spitzweg: Aschermittwoch, 1855 - 60, in der Staatsgalerie in Stuttgart ![]()
Am Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Fastenzeit; sie dauert bis Karsamstag, umfasst also 46 Kalendertage - die 6 Sonntage sind vom Fasten ausgenommen, da Christen an jedem Sonntag - also auch in der Fastenzeit - die Auferstehung Christi feiern; es bleiben also genau 40 Fastentage. Die Zahl 40 steht für einen umfassenden Zeitraum, der Wende und Neubeginn ermöglicht. 1969 erneuerte die römisch-katholische Kirche die Grundordnung des Kirchenjahres, die Fastenzeit dauert nun nicht mehr bis Karsamstag, sondern endet bereits mit dem Gründonnerstag, dennoch wird auch am Karfreitag gefastet.
Schon im 2. Jahrhundert bereitete man sich durch zweitägiges Fasten auf den Ostersonntag vor. Im 3. Jahrhundert wurde die Fastenzeit auf die Karwoche ausgedehnt. Im 4. Jahrhundert führte das Konzil von Nicäa die 40-tägige Fastenzeit ein.
Alle Religionen kennen Fastenzeiten, am bekanntesten ist der Fastenmonat Ramadan im Islam. In der Alten Kirche wurden die Taufbewerber in der Fastenzeit einen beschwerlichen Bußweg geführt, damit sie frei würden von allen heidnischen Bindungen; dabei stand das Fasten als Verzicht auf bestimmte Nahrung im Vordergrund. Dieser Bußweg hatte seinen Höhepunkt in der Feier der Osternacht, in der dann die Bewerber getauft wurden.
Im Mittelalter waren die Fastenbräuche streng: man durfte nur drei Bissen Brot und drei Schluck Bier oder Wasser zu sich nehmen. 1486 erlaubte der Papst auch Milchprodukte in der Fastenzeit. Ab Aschermittwoch sollen Christen traditionell 40 Tage lang weder Alkohol noch Fleisch konsumieren. Eine erlaubte Alternative ist Fisch, da er nicht blutet. Der Hering als traditionelle Fastenspeisen hat seinen Sinn darin, dass der Körper nach dem oft übermäßigen Genuss im Fasching entschlackt. Schnaps und Bier dürfen nach alter Sitte am Aschermittwoch nochmals getrunken werden, denn das Bier soll für gutes Gedeihen der Gerste sorgen, der Schnaps die Mücken vertreiben.
Fasten im biblischen Sinn bedeutet aber eigentlich weniger die Einhaltung
bestimmter Vorschriften, als die Besinnung auf die Verantwortung, mit den Gaben
Gottes und seiner Schöpfung verantwortungsvoll umzugehen und diese maßvoll zu
gebrauchen. Fasten bezieht sich so gesehen nicht nur auf bestimmte
Lebensbereiche wie das Essen oder gilt nur eine bestimmte Zeitspanne. Bewusste
Fastenzeiten können aber Hilfe zu einem verantwortlicheren Leben sein. In diesem
Sinne ist die evangelische Aktion
Sieben
Wochen ohne schon seit 1983 sehr erfolgreich mit ihrem Aufruf zu einem
selbstgewählten Verzicht in der Passionszeit.
Der Aschermittwoch erhielt seinen Namen, weil an ihm Asche der Palmen
vom Palmsonntag des vergangenen Jahres geweiht und den Gläubigen vom Priester
auf Stirn oder Scheitel gestreut wird. Dabei erinnert der Liturg an die
Vergänglichkeit des Menschen: Gedenke, o Mensch, du bist Staub, und zum Staube
kehrst du zurück.
(vgl. Psalm 90, 3) Papst Urban
II. führte diesen Brauch im 11. Jahrhundert ein, im 12. Jahrhundert wurde
festgelegt, dass die Bußasche von Palm- und Ölzweigen des Vorjahres gewonnen
werden muss.
Asche ist Symbol der Vergänglichkeit, der Buße und Reue. Schon die Menschen
im alten Testament hüllten sich in Sack und Asche
, um ihrer Bußgesinnung
Ausdruck zu verleihen. Asche wurde früher als Putzmittel verwendet und ist so
auch Symbol für die Reinigung der Seele.
Am Aschermittwoch wurde nach alter Überlieferung der Teufel, der ja zunächst ein normaler Engel gewesen sei, wegen Verstößen gegen die göttliche Ordnung aus dem Himmel geworfen.
Am mittleren Sonntag der Fastenzeit, dem Sonntag Laetare
,
freut euch
, ist die Hälfte der Fastenzeit vorüber. Die erste Hälfte war von
Besinnung und Trauer geprägt, ab Laetare soll der Christ nun froh dem
Palmsonntag entgegen sehen, der für den Einzug
Jesu in Jerusalem,
dessen Opfertod am Kreuz und so für die Erlösung des Menschengeschlechts, steht. Bis
ins 19. Jahrhundert trat der Papst am Sonntag Laetare in Rom
mit einer goldenen Rose als Sinnbild Christi vor die Gläubigen.
Am 5. Fastensonntag, dem Sonntag Judika
zwei Wochen vor Ostern,
werden nach alter Tradition in katholischen Kirchen alle Gegenstände, die etwas
österliches darstellen, mit Hungertüchern
verhüllt; im Mittelalter verhüllte
man oft den ganzen Chorraum der Kirche mit großen Hungertüchern
, die meist mit
Symbolen der Passionszeit bemalt waren.
In der evangelischen Kirche ist Judika
der traditionelle Termin der
Konfirmation.
Die katholische Kirche gewährt an jedem Freitag der Passionszeit demjenigen
Gläubigen vollkommenen Ablass, der das En ego, o bone et dulcissime Jesu
nach
dem Kommunionempfang vor dem Bild des Gekreuzigten
andächtig betet; an allen anderen Tagen des Jahres wird hierfür Teilablass
gewährt:
Siehe, o guter und lieber Jesus, vor deinem Angesicht
werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte dich, aus tiefer Seele flehend:
Präge meinem Herzen ein den lebendigen Geist des Glaubens, der Hoffnung und der
Liebe, eine wahre Reue über meine Sünden und den festen Willen, mich zu bessern.
Mit innigem Mitleid und tiefem Schmerze schaue ich auf deine fünf Wunden und
erwäge dabei, was der Prophet David von
dir, o guter Jesus, geweissagt hat: Sie haben meine Hände und meine Füße durchbohrt; sie haben alle meine Gebeine gezählt. |