Florian, der Schutzheilige der Feuerwehren, war lange vor der Gründung von
Feuerwehren zu einem der beliebtesten volkstümlichen Heiligen geworden. In
insgesamt vier sogenannten Kultwellen, die sich über die Jahrhunderte verteilten,
wuchs seine Beliebtheit soweit an, dass ihm allenfalls noch Georg
das Wasser reichen
kann.
Albrecht Dürer: Die
österreichischen Heiligen: Quirinus,
Maximilian, Florian,
Severin, Koloman,
Leopold, == Poppo und Otto.
Holzschnitt, 1515 - 17, im British Museum in London

Die erste der vier Kultwellen fällt ins Zeitalter des Karolingerreiches im
9. Jahrhundert. Das älteste schriftliche Zeugnis der Florianverehrung ist eine
um 800 geschriebene Litanei. Bald darauf tauchten weitere wichtige Hinweise auf
einen Florianskult auf, es handelt sich dabei um Urkunden, die entweder als
eine dem Heiligen geweihte Stätte nennen - apud S. Florianum
- oder eine
Schenkung an den Heiligen festhalten. Es lässt sich aber nicht immer mit
Sicherheit feststellen, auf welches Florianheiligtum sich die Nachrichten
beziehen. In Frage kommen hierbei die im Einflussbereich der Bischöfe von Passau
gelegenen Kultstätten in St.
Florian bei Linz, St.
Florian bei Schärding und St.
Florian bei Mauerkirchen/Hepfau im Mattiggau. Eine andere frühe Verehrung
von Florian ist aus Salzburg
bekannt. Eine Altarinschrift, welche Alkuin
für seinen Freund Bischof Arn verfasste, nennt neben Julitta
und Cyriacus auch Florian.
Hans Strigel: Florian mit Johannes
(Mitte) und Sebastian (rechts), um
1480, Museum der schönen Künste in Budapest

Karl der Große soll 791 bei einem drei Tage dauernden Gottesdienst am Ennsfluss Florian um Hilfe für den bevorstehenden Feldzug gegen die Awaren gebeten haben. Im Bistum Freising war dem Heiligen ein eigenes Messformular im Missale gewidmet. Eine Urkunde aus dem Jahr 905 bezeugt ein Floriansheiligtum in Val di Policella (Valpolicella) bei Verona, wobei nicht unbedingt der Lorcher Blutzeuge entsprechende Verehrung genossen haben muss, weil in Italien eine Reihe von Heiligen mit dem Namen Florian verehrt wurden und werden. Weitere Handschriften stammen aus St. Emmeram in Regensburg, aus Tegernsee und aus St. Gallen. Ein Konzentration auf Passauer Gebiet war somit nicht gegeben. Sogar in Fulda erwähnte Hrabanus Maurus in seinem Martyrolog die Passio und rühmte sich, eine Florians-Reliquie zu besitzen, deren Herkunft allerdings im Dunkeln lag. Nachrichten von Florians Leiden und Sterben finden sich auch in den Martyrologien aus Lyon, St. Gallen, dem Kloster Reichenau und Ottobeuren sowie in denen des Ado von Vienne und Usardus von St. Germain-des-Pres. Im 9. und 10. Jahrhundert kannte und verehrte man Florian außer im bayrischen Raum von Oberitalien bis Frankreich und in Hessen.
Die zweite Kultwelle fällt in die Zeit des Hochmittelalters. Mit der feierlichen Überführung von Reliquien nach Krakau war neben St. Florian bei Linz ein zweiten Kultzentrum geschaffen worden, von dem aus sich die Verehrung Florians allmählich in Polen und den angrenzenden Gebieten verbreitete. Noch im 12. Jahrhundert entstanden in Kleparz bei Krakau und in Koprzywnica die ersten Florianskirchen. Im Alpenraum nahm die Zahl der Kirchen, die ihm geweiht waren und sind, im 12. und 13. Jahrhundert sehr stark zu. Schon im 10. und 11. Jahrhundert war Florians Fest in den Kalendarien der Diözesen Freising und Regensburg verzeichnet, im 12. Jahrhundert auch in den Diözesen Salzburg, Passau und Chur. Im 13. Jahrhundert reihte sich die Diözese Augsburg ein, die mit Chur zur Erzdiözese Mainz gehörte. In dieser Zeit fand die Figur des Heiligen auch Eingang in die christliche Kunst. Die erste gesicherte Darstellung des Märtyrers befindet sich gegenwärtig in der Stiftsbibliothek von St. Florian als Federzeichnung in einer Vesperinitialhandschrift. Frühere Darstellungen mag es gegeben haben, ihre Identifizierung fällt aber in den Bereich der Spekulativen. So kann man annehmen, dass Florian auch in den um die Mitte des 12. Jahrhunderts entstandenen Salzburger Nonnberg-Fresken vertreten ist.
Statue aus Österreich, 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts, im Higgins Armory Museum
in Worcester,
Massachusetts, USA 
Während der Regierungszeiten der Kaiser Friedrich III. und Maximilian I. fand die dritte Kultwelle statt. Über den Zeitraum vom späten 14. bis zum frühen 15. Jahrhundert gibt es nur wenig Belege für einen Kult, zumal die damaligen kirchlichen und politischen Verhältnisse für das religiöse und kulturelle Leben nicht gerade günstig waren. Mit dem Aufstieg der Habsburger wendete sich das Blatt. Wann das Herrscherhaus Florian zu seinem bevorzugten Hausheiligen erkoren hat, liegt im Dunkeln; es ist denkbar, dass Cimburgis von Masowien, die zweite Gattin des Herzogs Ernst von Innerösterreich (Steiermark, Kärnten und Krain), aus ihrer polnischen Heimat die Zuneigung zu Florian mitgebracht hat. Ganz deutlich wurde die Vorliebe für den Heiligen bei ihrem Sohn Friedrich III. sowie dessen Sohn und Nachfolger Maximilian I. Enea Silvio Piccolomini, Sekretär von Friedrich III., zeichnete als Papst Pius II. (1458 - 1464 ) den Propst des Stiftes St. Florian durch die Verleihung der Pontifikalien aus.
Ihren Höhepunkt erreichte Florians Beliebtheit und Verehrung in der Zeit Maximilians I., neue Impulse für den Florian-Kult gingen vom Herrscher persönlich aus. Seine Bemühungen um die Erhebung der Gebeine entsprangen dem Wunsch, neben der von ihm betriebenen Heiligsprechung von Herzog Leopold III. auch in Florian einen wirksamen Schützer seines Reiches zu gewinnen, denn das Reich bedurfte des Schutzes wegen der aufkeimenden Türkengefahr. Das 15. Jahrhundert bescherte Österreich zwei der schönsten Floriansdarstellungen: jene am Pacher-Altar von St. Wolfgang und den berühmten Kefermarkter St. Florian. Auch die Malerei dieser Zeit wählte die Florian-Legende immer häufiger zum Thema.
Auch in Polen nahm Florians Kult im 15. Jahrhundert einen neuen Aufschwung.
In den aus dem Jahr 1436 stammenden Statuten des Bischofs Olesnicki von Krakau
wurde er den übrigen Landespatronen Stanislaus,
Adalbert und Wenzeslaus
gleichgestellt und sein Fest in den höchsten Rang eines festum duplex
erhoben.
Wenngleich die Florian-Verehrung seit dieser Zeit niemals mehr wesentlich
abebbte, war doch noch eine Kultwelle gegeben, die gleichzeitig mit der
Gegenreformation einsetzte. Es war dies die Zeit der großen Wallfahrtsbewegungen.
Das Stift St.
Florian besuchten z.B. im Jahr 1760 rund 20.000 Pilger, etwa 2000 Messstiftungen sind
bekannt. Dies war auch die Zeit, in der am Linzer
Jesuitengymnasium die Florianusspiele gang
und gäbe waren, die bereits in ihrem Titel signalisierten, wie weit es St.
Florian mittlerweile gebracht hatte - als der zu Enns
wider das Heydentum durch den Marter-Todt obsigende Glaubens-Held
. Hand in Hand mit der
Gegenreformation gingen auch zahlreiche Florian-Patrozinien bei neuen Kirchengründungen.
Beitrag von Prof. Helmut Bouzek aus Wien XIII, E-Mail vom 22. Februar
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