O du brennender Berg, o du auserwählte Sonne,
o du voller Mond, o du grundloser Brunnen,
o du unerreichbare Höhe, o du maßlose Klarheit,
o Weisheit ohne Boden, o Barmherzigkeit ohne Hinderung,
o Stärke ohne Widerstand, o Krone aller Ehren
dich lobt der Geringste, den je du schufest.
Ich bin in dir und du bist in mir,
wir können uns näher nicht sein,
denn wir zwei sind in eins geflossen
und sind in eine Form gegossen,
und so sollen wir ewig bleiben unverdrossen.
Wenn mein Herr kommt, dann komme ich aus mir selbst,
er bringt mir so manchen süßen Saitenklang,
der mich befreit von dem Wankelmut meines Fleisches,
und sein Saitenspiel ist so voller Süßigkeit,
so dass er mich befreit von allem Herzeleid.
Aus: Gebete der Dichter, ausgewählt von Alois Weimer. Patmos, Düsseldorf 2006
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