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Ökumenisches Heiligenlexikon

Malteserorden

Der Malteserorden - mit vollem Namen Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom Hl. Johannes zu Jerusalem, genannt von Rhodos, genannt von Malta - ist der katholische Zweig des alten Johanniterordens. Nachdem der Ordensstaat der Johanniter auf der Mittelmeerinsel Rhodos 1522 von den Türken erobert worden war und der deutsche Ordenszweig Brandenburg sich der Reformation angeschlossen hatte, konnte der katholische Zweig neu aufgebaut werden. Er erhielt von Kaiser Karl V. 1530 die Insel Malta - daher die Bezeichnung Malteser - als Lehen und konnte nun dort seine Wirksamkeit entfalten. 1565 gelang es unter Großmeister Jean de la Vallette, einen Türkenangriff abzuwehren; die nun neu errichtete Hauptstadt wurde ihm zu Ehren Valetta benannt. Es entstanden die modernsten medizinischen Einrichtungen der damaligen Zeit, 1575 wurde in Valetta ein Hospital für 700 Patienten gebaut. Erneut wurden Festungen errichtet und eine Flotte zur Verteidigung des Abendlandes gegen die Türken aufgebaut. 1548 erhielt der Großprior in Deutschland von Kaiser Karl V. für sich und seine Nachfolger die Würde eines Reichsfürsten.

Jean de la Vallette-Parisot. Großmeister des Ordens von 1557 bis 1568, Begründer der Stadt Valetta

Jean de la Vallette-Parisot. Großmeister des Ordens von 1557 bis 1568, Begründer der Stadt Valetta

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Der Belagerung von Malta durch das Türkenheer im Jahr 1565 konnte der Malteserorden widerstehen. Aber während der Reformation verloren die Malteser ihre englischen und deutschen, während der Französischen Revolution ihre französischen Besitzungen, dennoch spielte der Orden bis weit ins 19. Jahrhundert hinein in der europäischen Geschichte eine bedeutende Rolle. Die Russen boten sich als Schutzmacht an, doch konnte das napoleonische Heer die Insel 1798 - nach fast 270 Jahren Ordenspräsenz auf Malta - kampflos einnehmen; letzter Großmeister des Ordens in Malta war der Deutsche Ferdinand von Hompesch. 1798 verlagerte sich der Konvent nach Triest, 1834 siedelte er nach Rom über; zu diesem Zeitpunkt hatte Russland sämtliche Güter der Ritter innerhalb seiner Territorien konfisziert. Der Orden behielt seine völkerrechtliche Souveränität, der neue Sitz in der Via dei Condotti ist auch heute noch exterritoriales Gebiet.

1859 wurde für die katholischen Ordensritter, die seit der Auflösung des katholischen Großpriorats in Folge der Napoleonischen Säkularisation in Deutschland keine Organisation mehr hatten, die Genossenschaft der Rheinisch-Westfälischen Malteserritter und 1867 der Verein der Schlesischen Malteserritter gegründet. Sie schlossen sich 1992 zur Deutschen Assoziation des Souveränen Malteser-Ritterordens zusammen.

Die Malteser bilden heute eine religiöse Gemeinschaft und einen Ritterorden. Letzterer unterteilt sich in fünf große Priorate und eine Anzahl nationaler Versammlungen, die diplomatische Verbindungen zum Vatikan und verschiedenen Ländern pflegen. 1998 hatte der Souveräne Malteser-Ritterorden 12.000 Mitglieder in 42 nationalen Assoziationen, er unterhält diplomatische Beziehungen zu 81 Staaten, hat Beobachterstatus in der UNO und ist mit einer Vielzahl von Hilfswerken und Hilfsprogrammen weltweit caritativ tätig; er unterhält Krankenhäuser, Unfallambulanzen sowie Versorgungseinrichtungen für Kriegsopfer und Flüchtlinge.

In Deutschland wurde für die katholischen Ordensritter 1859 die Genossenschaft der Rheinisch-Westfälischen Malteserritter und 1867 der Verein der Schlesischen Malteserritter gegründet, beide schlossen sich 1992 zur Deutschen Assoziation des Souveränen Malteser-Ritterordens zusammen. In Deutschland hatte der Orden im Jahr 2000 rund 500 Ordensritter und 125 Ordensdamen sowie 75 Schwestern. 1953 erfolgte die Gründung des Malteser-Hilfsdienstes durch zwei deutsche Malteser-Assoziationen und den Deutschen Caritasverband. So ist der Orden heute in Deutschland Träger des Malteser-Hilfsdienstes, der 28 Krankenhäuser, Hospize, Alten- und Pflegeheime betreibt, Umsiedler und Asylbewerber betreut, Katastrophenhilfe, Ausbildung in Erster Hilfe, Betreuung Schwerkranker auf Pilgerfahrten, z. B. nach Lourdes, und anderes mehr leistet.

Malteserritter tragen schwarze Mäntel mit dem weißen, achtspitzigen Malteserkreuz. Der Rang des als Prinz angeredeten Großmeisters entspricht dem eines Kardinals.

Die Malteser im Internet präsentieren sich mit einigen Informationen über den Orden und vielen Seiten über die Arbeit des Hilfsdienstes, auch mit vielen links zu den Organisationen.

Die Behauptung, der Malteserorden sei ein souveränes Völkerrechtsobjekt, weitgehend einem eigenen Staat gleich, hat ihre Begründung in der Behauptung der historischen Kontinuität des Ordens. Sorgfältige Lektüre der Arbeit von Susanne Frodl, die versucht, die Entwicklung des Souveränen Malteser Ritterordens zum Völkerrechtssubjekt nachzuweisen, zeigt, dass Zweifel an dieser Argumentation aufkommen können.


Quellen:

• Bernhard Maurer: Kampf und Liebe. In: Evangelisches Gemeindeblatt für Württemberg 25/1999
• Broschüre Aus Anlaß des 900jährigen Ordensjubiläums, hg. von der Baden-Württembergischen Kommende des Johanniterordens e.V., Stuttgart 1999