
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Anscharius. (Ansgarius, Ancharius) Aëp., Apostolus Suecorum et Gothorum (3.
al. 4. Febr.) Altd. = der fertige Genosse. - Der hl. Anscharius oder (wie nach
Butler sein wahrer Name gelautet haben soll und wie er im Proprium für Polen und
Schweden wirklich lautet) Ansgarius, der erste Erzbischof von Hamburg und
Apostel der Schweden, war aus einem edlen Geschlechte im nördlichen Frankreich
entsprossen. Geboren am 8. Sept. 801, wurde er von seinem Vater in der frühesten
Jugend der Schule zu Alt-Corvey oder Corbie (Corbeja) in der Picardie übergeben.
Der hl. Abt Adelard daselbst, ein naher Verwandter
des Kaisers Karl, gewann bald
den Knaben so lieb, daß er ihn mit besonders väterlicher Sorgfalt erzog, während
der berühmte Paschasius Radbertus ihn in
allen damals zu erlernenden Wissenschaften unterrichtete. Durch eine Erscheinung
der Mutter Gottes, besonders auch durch den Tod des
Kaisers Karl, den er kurz zuvor in seiner Herrlichkeit gesehen hatte, wurde er
von seinem jugendlichen Leichtsinne zurückgebracht und so ernst gestimmt, daß er
nichts sehnlicher wünschte, als den Tod eines Martyrers im Verkünden des
Evangeliums unter den Ungläubigen zu sterben. Im 15. Jahre erhielt er das
Ordenskleid, im 20sten die Aufsicht über jene Schule und wurde 4 Jahre später
mit der nämlichen Bestimmung nach dem neugegründeten Kloster Neu-Corvey in
Westfalen, welches nach dem Muster von Alt-Corvey eingerichtet worden, gesendet,
wo er zugleich die Predigten an das Volk zu halten hatte. Seinem nach Höherem
trachtenden Geiste eröffnete sich aber nach 3 Jahren ein ganz neuer,
unermeßlicher Wirkungskreis, indem er ausersehen ward, den vertriebenen König
Harald (Heriold) von Dänemark, der sich zum Christenthume bekehrt hatte, in sein
Land zu begleiten, um Dänemark zum Christenthume zu bekehren, wozu ihm der Mönch
Autbert zum Gefährten gegeben ward. Im
Herbste des Jahres 826 landeten sie zu Hollingstedt an der Treen und schlugen
ihren Sitz zu Haddeby an der Schley auf, wo sie eine Menge Heiden für das
Evangelium gewannen, und durch Ankauf von Heidenknaben den Grund zu einer
Pflanzschule für die Mission legten. Zwei Jahre hatten sie hier sehr viel Gutes
gewirkt, als Autbert seiner Kränklichkeit wegen in sein Kloster Corvey
zurückkehren mußte und daselbst starb, Anschar aber auf eine Einladung des
Königs Biörn von Schweden mit der Mission in diesem Lande betraut wurde. - Nach
dem Proprium für Polen und Schweden hatte der schwedische König Biörn II. eine
Gesandtschaft an Kaiser Ludwig den Frommen geschickt und um christliche
Glaubensprediger für Schweden gebeten, worauf der hl. Anschar auf den Wunsch des
Kaisers (instante Imperatore) mit den Gesandten des Königs dahin abging und in
Begleitung der Mönche Withmar, Gislemar und anderer Gefährten in der damaligen
Hauptstadt Birka (schwed. Björkö) landete. - Anderthalb Jahre wirkte der hl.
Anschar in Schweden und bekehrte viele Tausende zum Christenthum. Als er i. J.
831 zurückkehrte, um Ludwig dem Frommen über die Mission Bericht zu erstatten,
ernannte ihn dieser zum Abt von Corvey (Neu-Corvey) und 832 zum ersten
Erzbischofe von Hamburg, wozu Gregor IV., welcher diese Wahl billigte, den
Charakter eines Legaten des hl. Stuhls fügte. Von Hamburg aus sandte der Heilige
Glaubensboten nach Dänemark, Norwegen und Schweden, gründete herrliche Anstalten,
baute den Dom, die Peterskirche, legte eine Bibliothek an und errichtete andere
Anstalten. So wirkte er 13 Jahre, als im Jahre 845 ein Einfall der heidnischen
Normannen Alles zerstörte. Mit Mühe entkam der Heilige nach Bremen, und da er
hier keine Aufnahme fand, nach Ramslohe in Lüneburg, wo ihn eine adelige Dame,
Namens Ikia, gastfreundlich aufnahm. Als der Sturm vorüber war, kehrte Anschar
wieder zu seinem Sitze zurück und stellte das Zerstörte, so gut er konnte,
wieder her. Zur reicheren Dotirung seines Sitzes wurde im J. 848 das Bisthum
Bremen mit Hamburg vereinigt. Nachdem er nochmals nach Dänemark und Schweden
geeilt war, um das Christenthum, das in Verfall zu gerathen drohte, aufrecht zu
erhalten und zu befestigen, sorgte er dann vorzugsweise für sein eigenes
Seelenheil, und vollendete seinen Lauf zu Bremen am 3. Febr. 865. Der ganze
Norden
beweinte ihn, und bis auf den heutigen Tag verehren ihn Bremen und
Hamburg als ihren Apostel. Nicht lange nach seinem Tode wurde sein Name in die
Martyrologien aufgenommen und findet sich derselbe im röm. Mart. am 3. Febr. als
seinem Todestage. Im Propr. für Polen und Schweden wird sein Fest am 4. Febr.
gefeiert sub ritu duplici. Das Officium daselbst hat einen eigenen Hymnus ad
Vesp. und Lectiones proprias in II. Nocturno. Sein Diakon und Nachfolger
Wembertus hat sein Leben beschrieben.
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