
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
der Große
S. Antonius Magnus, Abb. Patr. (17. Jan.) Der hl. Antonius - mit dem Beinamen
der Große, Abt in der Wüste Thebais in Aegypten, Patriarch d.i. Erzvater der
Einsiedler oder besser der Cönobiten - wurde im Jahre 251 zu Koman (Coma) bei
Heraklea in Oberägypten von frommen und vornehmen Eltern geboren. Schon in
seiner Jugend zeigte er eine große Vorliebe für die Einsamkeit. Nachdem er in
seinem 20sten Lebensjahre seine Eltern verloren hatte, und einmal beim Eintritte
in eine Kirche die Worte des Herrn hörte: Wenn du vollkommen seyn willst, so
geh hin, verkauf Alles, was du hast, und gieb es den Armen
(Matth. 19, 21.), so
betrachtete er diese Worte als ihm gesagt, theilte daher sein großes Vermögen
unter die Armen, verließ die Welt und hielt sich 35 Jahre lang bei den Gräbern
der Todten in der Nähe seiner Vaterstadt auf, wo er in strengster
Abgeschiedenheit ein ascetisches Leben führte, d.h. einer jener Asceten *
war, wie es deren vom Anfange an in der Kirche gab. Dort hatte er besonders
viele Anfechtungen vom bösen Feinde zu erfahren, der in den verschiedensten
Gestalten ihn theils zu necken und zu verhöhnen, theils zum Bösen zu verlocken
suchte. Bald nisteten sich die Teufel wie das kleinste Ungeziefer bei ihm ein,
bald suchten sie ihn durch ungeheure Größe und abscheuliche Gestalten zu
schrecken, bald äfften sie sein Gebet nach und wiederholten in tausendstimmigem
Echo höhnend seine Gesänge
etc. (Vgl. Menzels Symb. I. 68). Aber der hl.
Antonius wich keinen Schritt vom Wege des Herrn, verlor nie den Muth, sondern
blieb vielmehr unter dem Beistand der göttlichen Gnade allezeit Sieger, so daß
er der Schrecken der Hölle wurde und die Besessenen nur den Namen Antonius
auszurufen brauchten, um geheilt zu werden. Durch diese seine Macht über die
Hölle, wie auch durch seine übrigen Tugenden wurde er weit und breit berühmt, so
daß er großen Zulauf von den Leuten bekam. Um sich diesem zu entziehen, begab er
sich noch weiter in die Wüste und lebte 20 Jahre allein auf einem Berge. Aber
auch hier wurde er entdeckt und der Ruf seiner Heiligkeit zog eine große Menge
Schüler zu ihm hin, welche unter seiner Leitung zu leben wünschten. Auf ihr
dringendes Bitten stieg er endlich vom Berge herab und stiftete das Kloster
Phaium, das nach Athanasius in der
Thebais (Oberägypten) lag und anfangs nur aus einigen hie und da zerstreuten
Zellen bestand. Mit der Zeit wuchs die Zahl dieser Klöster, so daß nach Rufin
der hl. Antonius 6000 Mönchen vorgestanden seyn soll, die theils beisammen in
Klöstern, theils zerstreut und in Höhlen wohnten. So wurde er der Vater der
Cönobiten (vom Griech. koinobios = mit Andern in Gemeinschaft lebend), wie sein
großer Zeitgenosse Paulus der Vater der
eigentlichen Einsiedler (Eremiten etc.) gewesen. Gegenwärtig gibt es noch
mehrere Antonius-Klöster in Syrien auf dem Libanon, und sind die Antonius-Mönche
neben den Basilianern die einzigen Klosterleute im Morgenlande. Da in jener Zeit
die Christen zu Alexandria sehr verfolgt wurden, verließ der hl. Antonius auf
einige Zeit seine Einsamkeit und begab sich in diese Stadt, um die Gefangenen
etc. zu trösten und zur Standhaftigkeit im Glauben zu ermuntern. Von da wieder
in seine Zelle zurückgekehrt, blieb er nicht lange daselbst, sondern zog sich
noch tiefer in die Wüste zurück, wo er auf einem Berge am rothen Meere, den ihm
Gott gezeigt hatte, seinen Aufenthalt nahm. Eine Einladung des Kaisers
Konstantinus, zu ihm nach Konstantinopel
zu kommen, lehnte er mit den Worten ab: Ein Einsiedler gehört nicht in die
Stadt, sondern in die Wüste.
Als der hl. Athanasius wieder in sein Bisthum
eingesetzt war, berief er den hl. Antonius im J. 330 zu sich nach Alexandria, um
die Arianer bekämpfen zu helfen, von wo er dann nach einiger Zeit wieder in die
Wüste zurückkehrte. In seinem 90sten Lebensjahre besuchte er auf höheren Antrieb
den 110jährigen hl. Einsiedler Paulus, den er dann nach seinem bald darauf
erfolgten Tode nach christlichem Gebrauche begrub. Als sein eigenes Lebensende
nicht mehr ferne war, nahm er zwei seiner Schüler, die hhl. Makarius
und Amatus, zu sich und gab ihnen den Auftrag, ihn an einem Orte zu begraben,
den Niemand wissen solle. Seine Kleidung bestand aus einem härenen Rocke, mit
einem rauhen Gürtel und Mantel. Seine Speise war Brod mit Salz und Wasser, und
wenn er herrlich leben wollte, ungekochtes Kraut. Endlich starb er im J. 356 im
105ten seines Lebens in Gegenwart von Engeln, und wurde sein hl. Leib, wie er
seinen Jüngern befohlen, nicht nach ägyptischer Weise einbalsamirt, sondern
sogleich begraben. Lange blieben seine hhl. Ueberreste verborgen, bis sie
endlich im J. 561 auf wunderbare Weise entdeckt, mit aller Feierlichkeit erhoben
und nach Alexandria gebracht wurden. Von da kamen sie, als die Sarazenen sich
Aegyptens bemächtiget hatten, gegen das J. 635 nach Konstantinopel, und um das
Jahr 980 durch den französischen Grafen Josselin (Jocelin), der sie vom Kaiser
in Konstantinopel zum Geschenk erhalten hatte, in die Diözese Vienne in der
Dauphiné, wo sie in der Prioratskirche von St. Didier-la-Mothe beigesetzt wurden.
Von da wurden sie am 9. Jan. 1491 in die Pfarrkirche von St. Julien zu Arles
gebracht, wo sie bis jetzt in einem zierlichen Kästchen von Glas aufbewahrt
werden. Einige seiner Reliquien befinden sich auch in Rom, Dornick (Tournay),
Köln, Antwerpen etc., Als im 12. Jahrh. in Frankreich eine pestartige Krankheit,
das heilige Feuer
(Rose) genannt, wüthete, erwiesen sich diese Reliquien sehr
wirksam gegen dasselbe, und es wurde dann diese Krankheit selbst das
Antonius-Feuer
genannt. Das Antonius-Kreuz ist ein T, nämlich die Form eines
Stabes, den der Heilige zu tragen pflegte. Attribute des Heiligen sind nach
Menzel (Symb. I. 68) ein schönes, jedoch gehörntes Weib (als Personification der
teuflischen Verlockung) und ein Schwein, welches ursprünglich wahrscheinlich
auch nichts anderes als den Teufel (die personifizirte Freßgier) bezeichnet hat.
Inzwischen wurden die Mönche Vorbilder guter Haus- und Landwirthschaft und
erhielten später insbesondere die des Antoniusordens das Vorrecht, Schweine zu
mästen; sie pflegten ihre Ankunft in einem Dorfe mit einem Glöckchen
anzukündigen, welches daher jenen älteren Attributen beigezählt worden ist. Der
hl. Antonius gilt überhaupt als Patron der Hausthiere, und an seinem
Gedächtnißtage (17. Jan.) werden in Rom alle Arten von Hausthieren vom Priester
in der St. Antonius-Kirche geweiht. (Menzels Symb. I. 69). Nebst dem Schweine
und der Schelle wird der hl. Antonius auch noch mit einer Kirche dargestellt,
wahrscheinlich weil er das erste Kloster gestiftet hat. Sein Fest findet sich am
17. Jan. im Mart. Rom., wo er multorum monachorum Pater
genannt wird, und auch
im röm. Brevier, wo er als abbas vorkommt.
* Die Asketen - vom Griech. askein d.h. üben - entsagten den Geschäften der Welt und lebten in stiller Zurückgezogenheit, entweder in den Städten selbst oder in der Umgegend der Städte, einzig ihrem Seelenheile, indem sie sich im Gebete, in der Abtödtung und in anderen Tugenden übten. Sie hießen später auch Anachoreten von dem Griech. anaxoreo d.h. zurücktreten, sich zurückziehen etc., oder Eremiten, vom Griech. ernmos d.i. Einsamkeit, Wüste etc., auch wohl Mönche, vom Griech. monaxos d.i. allein lebend etc. Nach Athanasius, der das Leben unseres Heiligen beschrieben, steigt der Ursprung dieser Asketen über die Zeit des hl. Antonius hinauf und finden sich schon in den ersten Zeiten der Kirche Spuren von ihnen. Sie hatten einen ausgezeichneten Platz in der Kirche, zwischen Klerus und Volk, und trugen eine von den Weltleuten verschiedene Kleidung.