
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Apollinaris, Ep. M. (23. Juli). Dieser hl. Apollinaris war der erste
Bischof von Ravenna und wurde vom hl. Apostel Petrus
in diese Stadt geschickt, um dort das Evangelium zu predigen. Als nämlich der hl.
Petrus zur Zeit des Kaisers Claudius von Antiochia nach Rom kam, begleiteten ihn
viele Christen, und unter diesen war auch Apollinaris, weßhalb er für einen
Antiochener gehalten wird, und wohl gar für einen aus der Zahl der 72 Jünger
Jesu. Wann der hl. Apollinaris vom Apostelfürsten nach Ravenna geschickt worden,
läßt sich nicht genau angeben, da es in der Passio Apollinaris
(die von einem
Unbekannten herrührt und sehr alt, aber nicht ganz ächt seyn dürfte) heißt, daß
diese Sendung lange nach der ersten Ankunft des hl. Petrus in Rom (post multum
vero temporis) geschehen sei. Die Bollandisten jedoch, welche den hl. Petrus im
J. 40 das erstemal nach Rom kommen lassen, setzen genannte Sendung des hl.
Apollinaris in das Jahr 46 n. Chr. Hier in Ravenna begann er seine apostolische
Thätigkeit damit, daß er den blinden Sohn seines Gastfreundes sehend machte, und
auf diese Weise allmählig eine kleine Heerde um sich versammelte. Als diese
durch seinen apostolischen Eifer von Tag zu Tag wuchs, und sich viele Heiden
taufen ließen, er auch nicht versäumte, Diakone und Priester zu weihen; so wurde
er ergriffen, mit Ruthen geschlagen, auf glühende Kohlen gesetzt, und weil man
ihn für todt hielt zur Stadt hinausgeworfen. Mehr als einmal mußte er
Todesgefahr erleiden, wie dieß aus einer Rede des hl. Petrus
Chrysologus hervorgeht, der da sagt (Sermo 128), Apollinaris habe zu
verschiedenen Malen für den Glauben sein Blut vergossen und nichts sehnlicher
gewünscht, als für Jesus Christus sterben zu
dürfen; der Herr habe ihn jedoch lange seiner Kirche erhalten und nicht
zugelassen, daß er von den Verfolgern zum Tode verurtheilt werde. Daraus
schließen Manche, er sei kein vollendeter Martyrer gewesen, er habe zwar
verschiedene Qualen zur Vertheidigung des Christenthums erlitten, habe sie aber
allemal überlebt. Allein unsere Gewährsmänner stimmen dem Mart. Rom. bei,
welches ihn am 23. Juli einen Martyrer
nennt und seinen Tod in die Zeit des
Kaisers Vespasian setzt, nämlich am 23. Juli, etwa im J. 75 (Vespasian starb als
70jähriger Greis am 24. Juni 79). Wenn in den Acten verschiedene Wanderungen
unseres Heiligen vorkommen, nämlich in die Lombardei, nach Mösien, Thracien und
an die Donau, um überall das Evangelium zu verkünden, so bekennen unsere
Gewährsmänner, daß es ihnen am sichern Fundamente fehle, um sie für unächt zu
erklären; dennoch bemerken sie, daß sie spätere Beisätze seyn dürften, zumal
alte Ueberlieferungen davon schweigen. Ueber die Zeit seines Episcopats
herrschen verschiedene Meinungen. Während Beda
behauptet, er habe 20 Jahre seine Kirche regiert, nehmen die Bollandisten mit
Baronius und Andern 29 Jahre an, wie aus dem Vergleich zwischen dem Jahre seiner
Sendung und dem seines Todes hervorgeht. Sein Leib wurde zu Classica (Classis),
einem alten Meerhafen, 3 Meilen von Ravenna, der jetzt eine Vorstadt von Ravenna
ist, begraben, kam aber später nach Ravenna, wo er in der Kathedralkirche
beigesetzt wurde. Papst Honorius gründete zu Rom eine Kirche zu Ehren des hl.
Apollinaris, wie denn auch zu Ravenna sein Andenken auf das Feierlichste
begangen wird. Am 7. Mai feierte man einst in Classica die Kirchweihe des zu
seiner Ehre dort erbauten Gotteshauses. Sein Attribut ist eine Keule, als
Werkzeug seines Marterthums; er ist der Schutzpatron für die, welche am Stein
leiden. Wenn aber Radowitz, dem wir diese Notiz entnehmen, sagt, der hl.
Apollinaris von Ravenna sei der Schutzpatron von Valence in der Dauphiné, so
irrt er sich sehr (vgl. Apollinaris);
interessant jedoch dürfte die Notiz Menzels (II. 255) seyn, die Stadt Ravenna
soll den Namen von unzähligen Raben (das Sinnbild des Teufels, weil er, wie
Augustin sagt, immer ruft: cras) haben, welche
Raben sich jährlich am Feste des hl. Apollinaris vor der Stadt sammelten und mit
einem todten Pferd gefüttert wurden. Sein Fest steht am 23. Juli auch im
römischen Brevier und zwar ritu dupl. und er wird dort gleichfalls Martyrer
genannt.

|
|
Sollte hier eine Anzeige erscheinen, deren
Anliegen dem unseren entgegensteht, benachrichtigen
Sie uns bitte unter Angabe der URL dieser Anzeige, damit diese Werbung nicht mehr erscheint.
|