
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
Bartholomaeus Holzhauser, (20. Mai), der Wiederhersteller des gemeinschaftlichen
Lebens der Weltgeistlichen, und der Gründer eines hierauf bezüglichen Instituts,
wurde im J. 1613 in dem eine Stunde von dem schwäbisch bayerischen Städtchen
Wertingen entlegenen, der Diöcese Augsburg angehörigen, Dorfe Laugna von armen
aber gottesfürchtigen Schuhmacherseheleuten geboren und begann seine
wissenschaftliche Laufbahn in der St. Martinsschule zu Augsburg, wohin ihn der
Vater auf seine dringenden Bitten gegen das Jahr 1627 gebracht hatte, bewogen
durch mehrere außerordentliche Ereignisse, welche ihn etwas Höheres in dem Sohne
ahnen ließen, und zu denen auch das gehört, daß er in seiner frühesten Kindheit
eine große Schlange, die auf ihn losstürzte, muthig angriff und mit einem
Stäblein tödtete. Während seines Aufenthalts in Augsburg brach die Pest daselbst
aus, und auch Bartholomäus wurde von ihr ergriffen, und sah dem Tode entgegen;
allein in seinem Elend und seiner Verlassenheit raffte er sich von seinem Lager
auf, eilte zu dem in der heil. Kreuzkirche aufbewahrten wunderbarlichen Gut
,
fiel vor der Kirchenthür auf die Kniee nieder, und bat Gott inbrünstig um Hülfe.
Von da eilte er nach Hause, wo er ganz gesund ankam und einige Zeit verblieb,
das Handwerk seines Vaters betreibend. Da er keinen andern Wunsch hatte, als
seine begonnenen Studien fortzusetzen, so ließ er nicht nach, mit Bitten in den
Vater zu dringen, bis er von ihm die Erlaubniß erhielt, an einem andern Orte
seiner Neigung folgen zu dürfen. Nach vielen Mühseligkeiten kam er endlich nach
Neuburg an der Donau und erhielt dort in dem Knabenseminar, das unter der
Leitung der Jesuiten stand, auf wunderbare Weise Aufnahme. Nach den Statuten des
Hauses sollten nämlich nur der Musik kundige Knaben aufgenommen werden; aber
obgleich Bartholomäus kaum die Noten kannte, so machte er, da er sich einmal
gemeldet hatte, doch die Prüfung mit, und sang dabei so trefflich, daß sich die
Lehrer freuten, in ihm einen so guten Sänger zu erhalten. Freilich wurden sie
später sehr enttäuscht, indem der Knabe nach erhaltener Aufnahme nicht mehr
singen konnte. Nach vollendetem Gymnasialstudium (Humaniora) bezog er im J. 1633
die Universität Ingolstadt, wo er solche Fortschritte in den Wissenschaften
machte, daß er den Doctorhut in der Philosophie erhielt und zum Licentiaten der
Theologie ernannt wurde. Ebenso musterhaft war sein Wandel; wenigstens gaben ihm
seine Lehrer das Zeugniß, daß er mehr dem Gebete als dem Studium obgelegen und
daß er wenige Bücher nöthig gehabt, weil er innerlich vom heil. Geiste belehrt
gewesen. Als er das Studium der Theologie vollendet hatte, trat er auf den Rath
seiner Gewissensfreunde in den Weltpriesterstand, wurde im Jahre 1639 in
Eichstädt ordinirt und wirkte darauf in der Seelsorge an der Pfarrei St. Moriz
zu Ingolstadt. Noch den höhern Studien obliegend, hatte er einmal eine
Erscheinung der seligsten Jungfrau, in welcher sich die
Gottesgebärerin zuerst
im schönsten Glanze darstellte, dann aber sich umwendend in dunkler Schwärze
erschien, zu ihm sprechend: Das soll anzeigen, wie der geistliche Stand
beschaffen ist, nämlich äußerlich schön und glänzend, innerlich aber schwarz und
häßlich.
Diese Erscheinung mag ihn veranlaßt haben, nachzudenken, wie dem
herabgekommenen Weltpriesterstand aufgeholfen werden könne, und ihn zu dem
Entschlusse gebracht haben, das Seinige dazu beizutragen. Nicht lange nach
seiner Ordination, noch während seines Aufenthalts in Ingolstadt, entwarf er
einen Plan, dessen Zweck kein anderer war, als die Geistlichen in ihren
ursprünglichen Stand, nämlich zum gemeinschaftlichen Leben, zurückzuführen und
geistvolle Priester und eifrige Seelsorger heranzubilden. Das Wesentliche dieses
Planes bestand in Folgendem: 1) Sollten zwei, drei oder noch mehrere Geistliche
in Einem Hause unter Einer Leitung wohnen, mit einander beten, repetiren und
ausüben, was die Frömmigkeit befördert und zur Erbauung des Volkes dient; 2) in
diese Häuser soll keine Frauensperson Zutritt haben; 3) sollen ihre Güter
gemeinschaftlich zu frommen Zwecken verwendet werden und endlich 4) sollen sie
unter dem Bischofe der betreffenden Diöcese stehen. Auf solche Weise wollte
Bartholomäus die Geistlichkeit zum Bessern bringen und der vernachlässigten
Seelsorge wieder aufhelfen. Sein Plan fand bei vielen Geistlichen und Pfarrern
Beifall, * und in vielen Ländern des deutschen Reiches
Aufnahme und Verbreitung. Besonders unterstützte ihn der damalige Fürstbischof
von Chiemsee. Er verlieh ihm zuerst ein Canonicat zu Tittmoning und bestellte
ihn im J. 1642 zum Pfarrer und Decan bei St. Johann im Leoggenthal in Tyrol.
Hier ging er an die Ausführung seines Planes, nahm einige Priester und Schüler
zu sich, führte mit ihnen ein gemeinschaftliches Leben, unterrichtete sie im
Katechisiren, Predigen und andern Pastoralfunctionen und versah in der
umliegenden Gegend die Seelsorge mit bedeutendem Nutzen. Im J. 1643 gründete er
zu Salzburg das erste Seminarium, das aber nach sechs Jahren aus Mangel an
hinlänglicher Unterstützung nach Ingolstadt verlegt werden mußte. Ueberhaupt
stellten sich bald nach dem Angriff der Sache viele Leiden und Schwierigkeiten
für Holzhauser ein; aber er verlor den Muth nicht, und sprach zu seinen
schwankenden Gefährten: Wenn ihr alle mich verlasset und zurücktretet, werde
ich wieder neu beginnen, und Gott wird Andere haben, die Er an eure Stelle
setzt.
Besondern Trost fand er in der guten Aufnahme seines Instituts von Seite
des heil. Stuhles zu Rom, der alsbald nach der Bitte um Confirmation, die
Holzhauser durch einen seiner Gefährten (im J. 1647) stellen ließ, in einem
Schreiben erklärte, das Institut sei ein frommes und heiliges Unternehmen, das
ganz dem Geist der kirchlichen Vorschriften entspreche; es bedürfe auch keiner
förmlichen Bestätigung, da es alles das anstrebe und zurückführen wolle, was der
Clerus der ersten christlichen Zeit gethan und geübt habe. **
Die Bischöfe von Chur, Constanz, Regensburg und Augsburg ***
beförderten auf diese Bestätigung hin das Emporkommen dieses Instituts in ihren
Diöcesen mit allem Eifer; vorzüglich aber war es der Churfürst und Erzbischof
von Mainz und Bischof von Wirzburg, Joh. Philipp Graf von Schönborn, welcher
sich die Verbreitung des Bartholomäer-Instituts sehr angelegen seyn ließ. Er
gründete 1654 das Seminar des hl. Kilian in Wirzburg
und ernannte im Jahre 1655
den Barthol. Holzhauser zum Pfarrdecan in Bingen am Rhein. Bartholomäus hatte
jedoch kaum drei Jahre in Bingen zugebracht, so wurde er im Mai 1658 von einem
hitzigen und tödtlichen Fieber befallen, an welchem er drei Wochen die
empfindlichsten Schmerzen zu erdulden hatte. Nachdem er sich zum nahen Tode
durch Erweckung verschiedener Tugendacte und durch den Empfang der heil.
Sterbsacramente vorbereitet, seine Geistlichen zum Eifer für die Ehre Gottes,
zur Demuth und Geduld, und zur Beobachtung des Instituts ermahnt hatte,
entschlief er am 20. Mai 1658 im 45. Jahre seines Lebens und wurde in der
Pfarrkirche zu Bingen am Kreuzaltare beerdigt. Seine Biographen können kaum
Worte genug finden, seine Tugenden zu preisen, besonders seine Liebe zum Heile
des Nächsten. Wie groß aber diese gewesen sei, mag aus folgendem Zuge seines
Lebens als Caplan oder Hilfspriester in Ingolstadt hervorgehen. In dieser Stadt
bestand schon damals die sündhafte Gewohnheit, an Sonn- und Feiertagen
Tanzbelustigungen und Trinkgelagen sich zu ergeben. Um dieser unchristlichen
Uebung entgegenzuwirken, nahm Bartholomäus Holzhauser einmal ein großes
hölzernes Kreuz auf seine Schultern, zog dasselbe durch die Gassen der Stadt und
wurde so zum Schauspiele der Bewohner. Alle verließen die Gasthöfe und liefen
dem Kreuzträger nach, verspotteten, verhöhnten und mißhandelten ihn als einen
Wahnsinnigen; ja muthwillige Buben bewarfen ihn mit Steinen und Koth, setzten
sich auf's Kreuz, und zerrten ihn hin und her; allein Bartholomäus that den Mund
nicht auf, ertrug alles mit Geduld und Gelassenheit, und sieh! Gott sah an seine
Demuth und sein Gebet; es kamen dadurch Viele zur Buße und Besserung. Ein Zug,
der allein schon tief in das Herz dieses Gottesdieners schauen läßt, und
hinlänglich zeigt, von welchem Geiste er beseelt war. Von ihm sind auch
Schriften auf uns gekommen, unter denen die Auslegung der Apokalypse die
bedeutendste ist, die aber nur bis zum 15. Capitel 5. Vers geht. Einige
(Weißbacher etc.) rechnen ihn unter die Ehrwürdigen
; uns ist jedoch von einer
kirchlichen Entscheidung nichts bekannt.
* Die ersten, welche sich an Bartholomäus anschlossen, waren: Georg Kerner, Theol. Lic., ein Pfarrer; Georg Gindelin, Pfarrer zu Mailingen; Michael Rottmayr. Pfarrer zu Leuting; Leonhard Siberer, Pfarrer zu Geisenhausen, und endlich Ulrich Rieger, Theol. Doct., Pfarrer zu Fettstetten, unweit Schaffhausen am Rhein, welch letzterer von Bartholomäus nach Rom geschickt wurde, um die Billigung des Instituts von Seite des heil. Stuhls zu erwirken.
** Im Urtext: Rem Instituti hujus piam et sanctam, ac juxta antiquos Ecclesiæ Canones esse, quæ confirmatione non indigeat, cum profiteatur hoc ipsum, quod primæ Christianitatis Clerus fecit; eant igitur in pace, et cum omni benedictione deducant in praxin.
*** Joh. Christoph von Freiberg, Bischof von Augsburg, gestattete demselben nicht nur Aufnahme, sondern trug noch zur Gründung eines Seminars in Dillingen im J. 1662 Vieles bei. In der Folge erhielten die Bartholomäer mehrere Pfarreien zur Verwaltung, wie z.B. Zusmarshausen u.s.w.
