
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Basilius Magnus, Aëp. et Eccles. Doctor. (14. al. 16. Juni, 1. Jan.) Eine
der schönsten und edelsten Zierden der orientalischen Kirche ist der hl. Bischof
und Kirchenlehrer Basilius, von Cäsarea in Kappadocien, mit dem Beinamen der
Große. Einer ebenso vornehmen als gottesfürchtigen Familie etwa im Jahre 317
entsprossen, (s. S. Basilius), war er
unter seinen zehn Geschwistern der Zweitgeborne und unter den Knaben der
Aelteste. Kaum hatte er das Tageslicht erblickt, fiel er in eine
todesgefährliche Krankheit, von der er nur durch das Gebet seiner heil. Eltern
wieder genas. Die früheste Kindheit verlebte er unter der weisen Leitung und
mütterlichen Obhut seiner Großmutter väterlicher Seits, der hl. Makrina
(14. Jän.) In's Jünglingsalter eingetreten kam er in das
elterliche Haus zurück, wo sich der Vater seine weitere Ausbildung sehr
angelegen seyn ließ und ihn in den nöthigen Vorkenntnissen zu den schönen
Wissenschaften unterrichtete. Zu Cäsarea in Palästina war damals eine berühmte
Schule, welche einen großen Zulauf von Jünglingen hatte. In diese wurde unser
Heiliger geschickt, und erregte daselbst nicht blos durch seine trefflichen
Fortschritte in den Wissenschaften die Bewunderung Aller, sondern auch durch
seinen unbescholtenen und frommen Wandel. Hier in Cäsarea mochte er sechs Jahre
verweilt haben; da ließen ihn seine Eltern nach Konstantinopel reisen, wo
Libanius, der geschickteste Redner seiner Zeit, mit allgemeinem Beifall
öffentlichen Unterricht ertheilte. Dieser große Mann, der übrigens dem
Heidenthume noch angehörte, wußte bald den hl. Basilius unter dem Haufen seiner
Schüler zu unterscheiden, und konnte nicht umhin, in ihm die glücklichen Anlagen
für die Wissenschaften, verbunden mit einer seltenen Bescheidenheit und
außerordentlichen Tugend, zu bewundern. Die Bollandisten sind jedoch der
Meinung, der hl. Basilius habe zu Konstantinopel, wohin er 26 Jahre alt (im J.
342) gekommen war, den Rhetor Libanius nicht eigentlich zum Lehrer gehabt,
sondern dort mit diesem gelehrten Manne nur freundlichen Umgang gepflogen.
Was daran sei, können wir nicht entscheiden, um so weniger, als über die Zeit
seines Aufenthaltes in jener Stadt große Dunkelheit herrscht, und man über
dieselbe nichts Gewisses anzugeben vermag. Es war im Jahre 343 (Butler hat 352),
als der hl. Basilius nach Athen kam, wo er den hl. Gregorius
von Nazianz wieder
fand, mit dem er schon zu Cäsarea in die engste Verbindung getreten war und mit
dem er in gleichem Alter stand. Es würde zu weit führen, wollten wir uns über
das Verhältniß dieser zwei Freunde und ihre Lebensweise zu Athen näher
verbreiten; es sei nur bemerkt, daß ihre gegenseitige Freundschaft zur
Beförderung der Tugend diente und sie Beide einzig dem Gebete und dem Studium
lebten. Wir kannten nur zwei Straßen,
schreibt der hl. Gregor von Nazianz,
eine zur Kirche und zu den Dienern des Altars, welche die göttlichen
Geheimnisse feierten und die Glieder Jesu Christi mit dem Blute des Lebens
stärkten; die andere, die wir jedoch nicht wie jene achteten, zu den
öffentlichen Schulen und den Lehrern der Wissenschaft.
- Der hl. Basilius
erwarb sich große Gewandtheit in den verschiedenen Zweigen der schönen
Wissenschaften und wurde zu Athen bald als ein Orakel betrachtet, bei dem man
sich über die göttlichen und profanen Wissenschaften Raths erholen konnte. Die
Studirenden und Lehrer dieser Stadt wendeten alle Mittel an, um ihn in ihrer
Mitte zu erhalten; allein sie konnten ihre Absicht nicht erreichen, indem
Basilius glaubte, er sei dem Dienste seines Vaterlandes die ihm von Gott
verliehenen Gaben schuldig. Er ließ daher seinen geliebten Freund zu Athen
zurück und ging im Jahre 356 (oder am Ende des J. 355) nach Cäsarea in
Kappadocien zurück, wo er eine Schule der Beredsamkeit eröffnete, aber nicht
lange fortführte, weil er den Entschluß faßte, der Welt gänzlich zu entsagen und
sich in die Einsamkeit zurückzuziehen. Seine hl. Schwester Makrina und sein hl.
Freund Gregorius trugen nicht wenig dazu bei, ihn in diesem Entschlusse zu
befestigen. In der Ueberzeugung, daß der Name eines Einsiedlers nur seine
Verdammung befördern würde, wofern er nicht treu die Pflichten dieses Standes
erfülle, unternahm er i. J. 357 eine Reise nach Syrien, Mesopotamien und
Aegypten, um die Einsiedler dieser Gegenden zu besuchen und sich im Umgange mit
ihnen vollkommene Kenntniß der Pflichten zu verschaffen, die er bei seiner
Lebensweise zu erfüllen habe. Im J. 358 kam er wieder nach Kappadocien zurück,
wo er von seinem Bischofe Dianius zum Lector geweiht wurde, verließ jedoch in
demselben Jahre noch sein Vaterland und zog sich nach Pontus zurück, wo er eine
Zeit lang in dem ehemaligen Hause seiner Großmutter Makrina wohnte, später aber
gegenüber dem Kloster, das seine hl. Mutter Emmelia
und seine Schwester Makrina nahe bei jenem Hause an dem einen Ufer des Flußes
Iris gebaut hatten, auf dem andern Ufer ein solches für Männer gründete, dessen
Leitung er vier Jahre lang führte, bis zum J. 462, wo er sie seinem hl. Bruder
Petrus von Sebaste übertrug. Es fehlte ihm
aber anfangs Eines
zu seinem Glücke, nämlich der Umgang mit seinem Freunde Gregorius. Er schrieb
ihm daher mehrere Briefe, um ihn zur Theilnahme an den Freuden seiner Einsamkeit
zu vermögen, und drang lebhaft in ihn, zu ihm zu kommen. Diesen Einladungen
seines Freundes folgend, kam Gregorius von Nazianz gegen Ende des Jahres 358
nach Pontus, wo sie Beide in einer ärmlichen Hütte verschlossen ein sehr
strenges Leben führten, und bald mehrere Schüler erhielten, denen Basilius eine
Regel vorschrieb. Als im Jahre 361 der hl. Gregorius von Nazianz aus dieser
Einsamkeit herausgezogen wurde, weil sein Vater ihn dringend verlangte, blieb
zwar der hl. Basilius noch in der Einsamkeit in Pontus, wurde aber im Jahre 362
von seinem Bischofe Dianius (Dianöus) zurückberufen, weil dieser wünschte, daß er
ihm in seinem letzten Augenblicke beistehen möchte. Nach dem Tode des Bischofs
wurde er von dessen Nachfolger Eusebius gegen seinen Willen zum Priester geweiht
und ihm der Unterricht des Volkes übertragen; allein er zerfiel bald nachher mit
Eusebius, wahrscheinlich weil dieser eifersüchtig auf ihn war, und wurde, obwohl
das Volk Einsprache erhob, aus seiner Kirche vertrieben, worauf er (im J. 363)
nach Pontus in seine Einsamkeit zurückging, und mit dem hl. Gregorius, der sich
wieder an ihn angeschlossen hatte, gemeinschaftlich daselbst lebte. Doch der
Aufenthalt daselbst sollte nicht lange dauern; denn als Kaiser Valens im J. 366
Miene machte, in Kappadocien den Arianismus zu verbreiten, eilte Basilius auf
den Wunsch des Bischofs Eusebius nach Cäsarea zurück, und wußte durch seinen
Eifer und seine Klugheit die Versuche der Arianer zu vereiteln. Dadurch, so wie
durch seine gränzenlose Nächstenliebe, die er besonders bei einer entstandenen
Hungersnoth bewiesen hatte, gewann er so großes Vertrauen, daß er nach dem Tode
des Eusebius (etwa in der Mitte des Jahres 370) zum Bischof der Stadt erwählt
wurde. Diese neue Würde zeigte die Tugenden des hl. Basilius in einem hellern
Glanze als jemals, und er schien jetzt eben so sehr sich selbst zu übertreffen,
als er vorhin die Andern übertroffen hatte. Er predigte an den Werktagen Morgens
und Abends, und seine Zuhörer waren immer so zahlreich, daß er sie ein Meer
nennen konnte. Das Volk empfing die heil. Communion am Sonntage, Mittwoch,
Freitag und Samstag und an allen Festen der heil. Martyrer. Besondere Sorgfalt
schenkte er Denjenigen, welche durch Laster, Spaltung und Ketzerei vom Wege des
Heils abgeführt waren, und weder Mühen noch Gefahren konnten seinem Eifer
Einhalt thun, wenn es sich darum handelte, die Verirrten zu Gott zurückzuführen.
Das zog ihm denn auch den Haß der Feinde des Glaubens zu und vorzüglich den des
Kaisers Valens, der dem Arianismus ergeben war. Schon früher hatte er vom Kaiser
Julian Manches zu erdulden gehabt; aber unerschrocken war er dem Apostaten
entgegengetreten. Kaiser Valens legte es förmlich darauf an, ihn zu vernichten,
konnte aber nichts gegen ihn ausrichten, da an dem Muthe und der
Entschlossenheit des Heiligen alle Pfeile abprallten. Es kann nicht in unserm
Plane liegen, all das Große und Edle anzuführen, was der hl. Basilius für die
Reinheit der Lehre, für das Heil der Seelen und für das Wohl des Nächsten in der
kurzen Zeit seines Pontificats gethan hat; nur dieß sei noch erwähnt, daß es ihm
bis an das Ende seines Lebens nicht an Leiden fehlte, indem er mehreremal der
Ketzerei verdächtig angeklagt wurde, aber in dem Beistande der hhl. Gregorius
von Nazianz und Athanasius großen
Trost fand. Im Jahre 378 wurde er von einer
Krankheit befallen und fühlte bald, daß er sich zur Reise in die Ewigkeit
vorbereiten müsse. Kaum hatte sich die Nachricht von der seinem Leben drohenden
Gefahr verbreitet, als sich eine allgemeine Bestürzung der Gemüther bemächtigte
und eine unzählige Volksmenge seiner Wohnung zuströmte. Allein der Heilige war
dem Augenblicke nahe, wo er für seine Arbeiten gekrönt werden sollte und starb
im 63. (nach Butler 51.) Lebensalter den 1. Januar 379 mit den Worten: Herr,
in deine Hände empfehle ich meinen Geist.
Seine entseelte Hülle wurde zu
Cäsarea begraben, bei welcher Gelegenheit der hl. Gregorius von Nazianz die
Leichenrede hielt. Der hl. Gregor von Nyssa
(sein Bruder), der hl. Amphilochius
und der hl. Ephräm haben ebenfalls
Lobreden auf den hl. Erzbischof von Cäsarea gehalten. Die Griechen feiern sein
Fest am 1. Januar mit dem der Beschneidung Jesu Christi; die Lateiner aber haben
es auf den 14. Juni verlegt, und feiern an diesem Tage seine Ordination, wie aus
dem Mart. und Brev. Rom. hervorgeht. In dem Mart. Rom. für die Basilianer wird
sein Andenken zweimal gefeiert, nämlich am 1. Januar, als seinem Todestage, und
am 14. Juni, als dem Tage seiner Ordination. Im Mart. Rom. für den Orden des hl.
Benedict wird sein Fest am 16. Juni
gehalten. Seine Reliquien sind zu Brügge in Flandern, zu Rom und zu Neapel. Noch
sei erwähnt, daß die Griechen am 30. Januar das Fest dreier ihrer berühmtesten
Kirchenlehrer feiern, nämlich das der hhl. Basilius, Gregorius von Nazianz und
Joh. Chrysostomus. Auf Gemälden wird
unser Heiliger dargestellt, angethan mit
dem bischöflichen Gewande der griechischen Kirche. - Schon oben wurde bemerkt,
daß der hl. Basilius in seiner Einsamkeit seinen Schülern Regeln vorgeschrieben
habe. Er schrieb eine doppelte Mönchsvorschrift, nämlich die 55 größeren und die
313 kürzeren Regeln, welche die vorzüglichsten Sittengesetze für Mönche
enthalten. Doch stiftete er nicht einen eigentlichen Orden; aber die Mönche im
Oriente bildeten sich im Allgemeinen nach seinen Regeln und nannten sich dann
nach seinem Namen; noch heut zu Tage sind diese seine Regeln in der griechischen
Kirche die Grundlage aller Klosterstatuten, und daher heißt der hl. Basilius
auch der Patriarch der griechischen Mönche
. Auch im Abendlande verbreiteten
sich die Basilianer-Mönche, ehe der hl. Benedictus im 6. Jahrhundert seinen
Orden stiftete. Schon vom Ende des vierten Jahrhunderts an kommen in
Unteritalien und Sicilien Basilianer-Mönche vor, und finden sich später auch in
Spanien, wo sie aber aufgehoben wurden. Das Hauptkloster der Basilianer-Mönche
ist jetzt in Messina, und dort gibt es auch Basilianer-Nonnen, welche das
Vorrecht haben, in griechischer Sprache zu beten und zu singen.