
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Benedictus, Abbas, Ord. Fund. (21. März). Vom Lat. benedictus = gesegnet,
geheiligt etc. - Der hl. Benedictus, Stifter des Benedictinerordens und
Patriarch der Mönche des Abendlandes, wurde zu Norcia (Nursia) in Umbrien,
nordöstlich von Rom, aus einer sehr angesehenen Familie im J. 480 geboren.
Einige gingen so weit, zu behaupten, sein Geschlecht sei mit dem der Habsburger
stammverwandt gewesen, was aber nicht bewiesen werden kann. Kaum hatte er das
Alter erreicht, wo er sich den Wissenschaften widmen konnte, da schickten ihn
seine Eltern in die öffentlichen Schulen nach Rom. Allein der Anblick des dort
besonders unter seinen Altersgenossen herrschenden Verderbens machte auf den
14jährigen Knaben einen solchen Eindruck, daß er Rom verließ, um sich in die
Einsamkeit zu begeben. Seine Wärterin Cyrilla, die ihn zärtlich liebte, folgte
ihm bis in das Dorf Afila (al. Effide), ungefähr 30 Meilen (etwa 12 Stunden)
südöstlich von Rom, wo er ein Mittel fand, ihr zu entkommen und ganz allein die
Gebirge von Subiaco (Sublacus) zu erreichen. Da leitete es die göttliche
Vorsehung, daß ihm der hl. Romanus - ein unter der
Leitung des Abtes Adeodatus in der Nachbarschaft lebender Mönch (22. Mai) -
begegnete, der ihm das Klosterkleid gab und ihn in den Pflichten des Standes
unterwies, den er anzunehmen gedachte. Zugleich führte er ihn weiter in's
Gebirge an eine tiefe Höhle, nach Butler die heilige Gruft
genannt, in welcher
der hl. Benedictus um das Jahre 494 sich niederließ. Drei Jahre lebte er hier
verborgen in Betrachtung und Gebet, einzig genährt durch das wenige Brod, das
der Mönch Romanus ihm brachte und mittels eines Seiles, woran ein Glöckchen war,
in seine Höhle hinabließ. Als er hierauf im J. 497 von Hirten entdeckt worden,
ging der Ruf von ihm sogleich in die Umgegend aus und Viele kamen, ihn zu sehen
und aus seinem Munde Worte des Lebens zu vernehmen. Sie verschafften ihm auch
Alles, was man zu seiner Lebensweise nöthig glaubte; Benedictus hingegen nährte
mit ganz himmlischen Lehren die Seelen Jener, welche für seinen Leib besorgt
waren. Obgleich in der Einsamkeit vergraben, mußte er doch die Anfälle des
Versuchers aushalten, und hier ereignete es sich, daß er, von einer unreinen
Versuchung geplagt, ganz entblößt auf Nesseln und Dornen sich herumwälzte und
erst dann sich erhob, als sein Körper vom Blute troff. Diese Wunden, womit er
bedeckt war, löschten die unreine Flamme der Begierlichkeit, und dieser erste
Sieg unterwarf sein Fleisch dem Geiste so sehr, daß er hinfort diesen
gefahrvollen Stachel nicht mehr verspürte. Kurze Zeit darauf wählten ihn die
Mönche von Vicovaro (Varronis vicus) - einem Dorfe zwischen Subiaco und Tivoli -
zu ihrem Abte und drangen in den Heiligen, ihrem Willen zu willfahren. Nur mit
Widerstreben ging er auf denselben ein; aber die Erfahrung lehrte ihn bald, daß
er es mit Menschen zu thun habe, die wohl Mönche heißen, aber keine Mönche seyn
wollten. Sein Eifer für Sitte und Zucht erregte bald ihr Mißfallen, und dieses
steigerte sich nach und nach auf einen so hohen Grad, daß die Frevler den Wein,
den er trinken sollte, mit Gift vermischten und ihm so vorstellten. Als der
Heilige, nach seiner Gewohnheit, das heil. Kreuzzeichen über das Glas machte,
zerfiel es plötzlich in Stücke. Aus diesem Wunder erkannte er, daß der Becher
einen Gifttrank enthielt. Aber weit entfernt, darüber aufgebracht zu werden,
hielt er ihnen mit Sanftmuth und Milde ihr Unrecht vor, verließ die
unverbesserlichen Mönche und kehrte wieder nach Subiaco zurück, wo sich bald
viele Jünger ihm anschlossen. Nach einiger Zeit baute er 12 Klöster, deren jedes
er mit zwölf Mönchen und einem Vorsteher besetzte. Von allen Seiten strömte man
herbei, den Diener Gottes zu besuchen, dessen Ruhm von Tag zu Tag weiter hin
erscholl. Viele der angesehensten Personen aus Rom und andern Ländern kamen in
sein Kloster, vergaßen den äußern Glanz, der sie umgab, warfen sich demüthig ihm
zu Füßen und flehten um seinen Beistand im Gebet. Einige sogar übergaben ihm
ihre Kinder, um dieselben zu erziehen und zur Uebung der Tugend heranzubilden.
Unter diesen Kindern zählte man auch den Maurus
und Placidus, Söhne der römischen
Senatoren Equitius und Tertullus. Allein der Satan, der mit Ingrimm sehen mußte,
daß Benedict das Reich Jesu Christi täglich
weiter ausbreite, erweckte ihm neue Prüfungen. Als Werkzeug bediente er sich
eines schlechten Priesters der Umgegend, Namens Florentius, der die
abscheulichsten Verläumdungen gegen die Ehre des Heiligen ausstreute und durch
die ausgesuchtesten Versuchungen die Mönche zum Abfallen bringen wollte. Der
Heilige setzte diesem Allem nur Sanftmuth und Güte entgegen, zog von da hinweg
und gründete auf dem Gipfel des Monte Cassino (im Samniter Lande, südöstlich von
Rom) jene neue Niederlassung, die für alle kommenden Geschlechter eine Quelle
reichen Segens wurde und so viele Heilige erzeugte. Hier stand ein alter Tempel
und ein Gehölz, die dem Apollo geweiht waren und in jener Gegend noch häufige
Besuche hatten. Der Anblick der heidnischen Gräuel entflammte seinen Eifer; er
predigte das Evangelium und brachte durch die Kraft seiner Predigt und Wunder
Viele, zur Bekehrung. Er, zertrümmerte den Abgott, fällte den Hain und
errichtete auf den Trümmern des Götzentempels zwei Bethäuser oder Kapellen,
unter Anrufung des hl. Johannes und des
hl. Martinus. Dieß ist der Ursprung des
berühmten Klosters Monte-Cassino (Mons-Cassinus), wozu unser Heiliger im J. 529
in seinem 48. Lebensalter den Grundstein legte. - Benedict war nicht bewandert
in den weltlichen Wissenschaften, dafür besaß er die innere Salbung des Geistes,
durch die er in die Geheimnisse des Reiches Gottes eingeweiht wurde. Dieser
höhere Geist, der ihn beseelte, prägt sich besonders in seinen Ordensregeln ab,
die er auf dem Monte-Cassino schrieb und die auf Stillschweigen, Gebet, Demuth
und Gehorsam als die Fundamente gegründet sind. Es weht darin ein Geist der
Weisheit und des Scharfsinnes, der den hl. Gregor
den Großen so sehr in Staunen setzte, daß er kein Bedenken trug, sie allen
andern vorzuziehen. Sie wurden nach und nach von allen Mönchen des Abendlandes
angenommen und befolgt. - Als sein Leben sich zum Ende neigte, sendete er noch
den Placidus mit mehreren Gefährten nach Sicilien, um ein anderes Kloster zu
gründen; den Maurus aber nach Gallien oder Frankreich. Nachdem er seine heil.
Schwester Scholastika (10. Febr.) mit heil.
Gesprächen gleichsam zum Tode eingesegnet hatte, liefen seine Tage schnell ab.
Sechs Tage vor seinem Tode, den er voraus sagte, ließ er sich seine Ruhestätte
graben, und kaum war das Grab vollendet, so ergriff ihn ein Fieber. Am 6. Tage
seiner Krankheit ließ er sich in die Kirche tragen, um da das hl. Abendmahl zu
empfangen. Darauf gab er seinen Jüngern noch einige Ermahnungen, lehnte sich
sodann auf einen aus ihnen, betete noch stehend, die Hände gegen den Himmel
erhoben, und gab ruhig den Geist auf, an einem Samstage, den 21. März,
wahrscheinlich im Jahre 534, nachdem er 63 Jahre alt geworden und 14 derselben
zu Monte-Cassino zugebracht hatte. Zwei seiner Jünger sahen, wie seine Seele auf
langem, mit brennenden Lampen erleuchteten und mit Prachtkleidern bedeckten Wege
gegen den Himmel fuhr. Unzählige Wunder, bei seinem Leben und nach seinem Tode,
gaben die Heiligkeit seines Lebens zu erkennen. Ueber den heil. Leib des hl.
Benedict wurde zwischen den Mönchen auf Monte-Cassino und denen von Fleury in
Frankreich viel gestritten, wie sowohl bei den Bollandisten (ad 21. März) als
auch bei Mabillon (Acta Bened. II. tom. p. 337) zu ersehen; es ist aber nach dem
letztern und nach Bollandus (ad. 21. März) unbestritten, daß ein Theil der heil.
Gebeine gegen Ende des 7. Jahrhunderts nach Fleury gekommen sei, welches Kloster
auch in der Folge den Namen zum hl. Benedict an der Loire
(Saint-Benôit-sur-Loire) erhielt. Dabei scheint es gleichfalls ausgemacht, daß
noch ein großer Theil der Reliquien zu Monte-Cassino sich befindet, so daß
anzunehmen seyn dürfte, beide streitende Parteien haben Recht. Der Boll. Jos.
van Hecke, der das Leben des hl. Bischofs Berarius von Mans (17. Oct.)
bearbeitet hat, führt eine bisher unbekannte Bulle des Papstes Zacharius
(741-752) an, aus der hervorgeht, daß im J. 742 die Reliquien des hl. Benedict
und der hl. Scholastika noch auf Monte-Cassino waren. Was die Uebertragung nach
Fleury in Frankreich betrifft, so wird gesagt, der hl. Aigulfus,
der am 3. Sept. verehrt wird, ein Mönch in Fleury, habe sich mit noch einigen
andern Personen aus Mans im J. 653 nach Monte-Cassino, wo das Kloster zerstört
war, begeben, daselbst die Reliquien des hl. Benedict und der hl. Scholastika
entdeckt, und sie nach Frankreich gebracht; die Gebeine des hl. Benedict seyen
in der Kirche von Fleury aufbewahrt, jene der hl. Scholastika aber nach Mans
gebracht worden. - Der hl. Gregoris der Große, der auch sein Leben geschrieben
und aus dem obige kurze Notizen vorzüglich entnommen sind, schildert in zwei
Worten die Gemüthsart des glorwürdigen Patriarchen der Mönche des Abendlandes;
er sagt nämlich, daß er bei sich wohnte
(habitavit secum) - ein Ausdruck, der
uns einen Begriff verschafft von der Größe und Erhabenheit seiner Tugend und
Vollkommenheit. Es ist zwar hier nicht der Ort, das Nähere über die Ausbreitung
des Ordens des hl. Benedictus zu sprechen; aber doch glauben wir bemerken zu
sollen, daß in der Folge der Zeit von ihm mehrere Zweigorden entstanden,
worunter sich mehrere Ritterorden befinden; ferner daß deren Gründung in den
Martyrologien des Ordens an bestimmten Tagen gefeiert wird. Wir wollen die
vorzüglichsten der Zweigvereine angeben: 1) der Orden von Camaldoli, gegründet
vom hl. Romuald, durch Papst Alexander II. bestätigt
im J. 1072. Mit diesem Orden vereinigte sich im J. 1550 die Congregation des hl.
Kreuzes
von Fontavellana, welche im J. 1040 vom Bischof Ludolph von Gubbio
begonnen und vom hl. Petrus Damiani besonders
befördert worden war. Das Andenken der Gutheißung und Bestätigung des
Camaldulenserordens wird im Benedictinerorden am 29. Oct. gefeiert. 2) Der Orden
von Citeaux (Cistercium), gegründet von Robert,
Alberich und Stephan
am 21. März 1098, und bestätigt von Pascal II. im J. 1100. Das Fest der Gründung
wird am 21. März gefeiert. 3) Der Ordender Cölestiner, gegründet von Papst
Cölestin V., der vorher Petrus Marone geheißen;
das Fest dieser Gründung am 18. Octbr. 4) Der Orden von Fiore, den der sel. Abt
Joachim von Currazzo und Flora
gestiftet und der von Cölestin III. im J. 1196 bestätigt worden war. Das Fest
fällt auf den 25. Aug. Dieser Orden wurde im J. 1570 mit dem von Citeaux
vereinigt. 5) Der Orden von Feuillants, die Fulliensische Congregation (des
Feuillants), durch Sixtus V. im J. 1586 bestätigt, unter dem Titel der seligsten
Jungfrau Maria, begonnen durch den ehrw. Abt Johann
de la Barrière im Kloster S. Maria des Feuillants im Bisthum Rieux. Er hatte
das vom Papst Innocenz VIII. und Paul V. ihm verliehene Privilegium, die
wächsernen Agnus Dei
zu verfertigen. Gründungsfest am 5. Mai. 6) Der Orden von
Fontevrauld (Fontis Ebraldi), durch die fromme Abtissin Maria de Bretagne
begonnen und durch Papst Sixtus IV. bestätigt. Gründungsfest am 25. Novbr. 7)
Orden der Humiliaten, durch Papst Innocenz III. im J. 1199 bestätigt, und 80
Jahre vorher durch adelige Personen, die, einen dritten Orden des hl. Benedict
bildend, theils im Innern der Häuser durch Arbeit und Gebet, theils nach außen
durch Predigten und Werke der Liebe wirkten. Dieser Orden wurde später von P.
Pius_V.htmPius V. im J. 1571 wieder aufgehoben. Fest
am 30. Mai. 8) Orden de Monte Olivetano, von Bernhard
Ptolomais im J. 1319 gegründet, und gutgeheißen von Johann XXII. Fest am 16.
Mai. 9) Der Orden von Monte Vergine (Montis Virginis), den Abt Wilhelm von
Guleto in Apulien im J. 1123 gestiftet und Cölestin III. 1197 bestätigt hat.
Fest am 4. Novbr. 10) Der Orden von Pulsano, gegründet durch den hl. Abt
Johannes von Pulsano, einem Kloster bei
dem Berge Gargano in Apulien, später einem andern Orden einverleibt. Fest am 18.
Sept. 11) Orden der Silvestriner, durch Papst Innocenz IV. im J. 1247 bestätigt.
Fest am 27. Juni. Endlich 12) der Orden von Vallumbrosa, bestätigt durch Papst
Urban II. Er hat seinen Namen von
dem Hauptsitze, der 18 Meilen von Florenz entfernt liegt, und ward vom hl.
Johannes Gualbertus im J. 1039 gegründet.
Papst Alexander VII. vereinigte die Silvestriner und Vallumbrosaner im J. 1662
in eine Congregation. - An diese Orden reihen sich einige Ritterorden, die wir
nur dem Namen nach aufführen wollen, unter Angabe des Tages, an welchem ihr Fest
gefeiert wird: 1) Der Orden der Ritter von St. Georg
von Alfama und Montesia (23. Apr.); 2) der Ritter von Avis (23. Dec.); 3) der
Ritter von Jesu Christo (9. Mai); 4) der Johanniter (24. Juni); 5) des hl.
Julian von Pereiro (3. Jan.); 6) vom hl. Stephan
(1. Febr.); 7) der Templer (14. Jan.) Der Congregationen, d.h. der geistlichen
Verbindungen mehrerer Klöster des Benedictinerordens gab es mehrere, und wurde
ihre Stiftung jedesmal auch in den Martyrologien gefeiert. Wir wollen nur die
deutschen Congregationen angeben: 1) Die Bayerische (1. Aug.); 2) Böhmische (6.
Oct.); 3) Oesterreichische (28. Juli); 4) Salzburgische (7. Dec.); 5)
Schwäbische und zwar a. vom hl. Joseph
(19. März), b. vom hl. Geiste (28. Juni); 6) Schweizer (28. Febr.) - Bezüglich
des hl. Benedictus kommt noch zu bemerken, daß in den gewöhnlichen Menologien
und Martyrologien der Benedictiner noch ganz spezielle Feste vorkommen, z.B. ein
Fest der Zurückbringung der heil. Gebeine nach Monte-Cassino am 4. Dec.; dann
ein Fest der Freude (Jubili) des hl. Ordensstifters (11. Dec.), wo die
Erinnerung an sein Aufspringen und seinen Gesang (Exaltationis et Cantus) im
Mutterleibe gefeiert wird. So noch einige andere, die wir hier nicht näher
angeben wollen. - Sein Name steht sowohl im allg. Mart. Rom. als auch in dem für
den Benedictinerorden und für die übrigen Zweigorden am 21. März, an welchem
Tage sein Fest auch im Brev. Rom. vorkommt. - Das Attribut unfers Heiligen ist
bei bildlichen Darstellungen ein zersprungener Kelch mit einer Schlange, weil
auf sein Gebet und Kreuzzeichen der giftgefüllte Becher zerbrach.