
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Bonifacius (Bruno), Aëp. et Apostolus Russorum, M. (19. Juni, al. 14. Febr.
20. Juni, 15. Oct.) Dieser hl. Bonifacius, Erzbischof, Apostel Rußlands und
Erzmartyrer des Ordens von Camaldoli, auch Brun, Bruno genannt, stammte aus
sächsischem Adelsgeschlechte, und wurde, in den geistlichen Stand getreten, vom
Kaiser Otto III. als Hofcaplan berufen. Eines Tages in eine Kirche des hl.
Bonifacius getreten, rief er in heil.
Entzückung aus: Heiße ich nicht auch Bonifacius? Warum sollte ich nicht auch
Martyrer werden wie jener, dessen Fürbitte hier angerufen wird?
Als der hl.
Romuald im Jahre 998 an den Hof des
Kaisers kam, ward Bonifacius durch dessen Wandel innigst erbaut und begehrte von
ihm in den Orden aufgenommen zu werden, was alle Welt in Erstaunen setzte. Durch
zehn Jahre wohlgeübt in heil. Lebensweise, erbat er sich die Erlaubniß, in
Rußland das Evangelium zu predigen, zu welchem Behufe er vom Papst Johann XVIII.
ein eigenes Breve erhielt. Barfuß mitten im strengsten Winter durchreiste er
Deutschland, besuchte Kaiser Heinrich II. in
Merseburg und ließ sich vom BischofTagino
zu Magdeburg zum Bischof weihen. Vor Allem widmete er sich der Bekehrung der
Preußen, doch ohne allen Erfolg, und ging dann zu den Russen, deren Fürst sich
unterrichten und taufen ließ, worüber die Barbaren in Wuth geriethen. Sie
drohten ihm mit dem grausamsten Tode, wenn er das Land nicht verlasse; allein er
wich nicht und ward daher mit achtzehn andern Christen am 19. Juni 1008
enthauptet. Sein Name steht im allgem. Mart. Rom. am 19. Juni und am 15. Oct.
(an letzterer Stelle unter dem Namen Bruno), so wie am 20. Juni in dem für die
Camaldulenser. Einige Schriftsteller (worunter auch Baronius, der Reformator des
römischen Martyrologiums, zu gehören scheint), und auch die Bollandisten halten
den hl. Bruno für eine vom hl. Bonifacius verschiedene Person; allein im
Vergleich der Lebensbeschreibungen läßt sich eher vermuthen, daß Beide identisch
seyen. Noch sei bemerkt, daß die Bollandisten dafür halten, unser Heiliger habe
auch den Liefländern und Samojeden das Evangelium gepredigt.

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