
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
SS. Caspar, Melchior et Balthasar,
Magi. (1. al. 6. 11. Jan. 23. Juli). Caspar soll nach dem Persischen
Schatzmeister bedeuten; Melchior nach dem Hebräischen = König des Lichtes;
Balthasar wurde schon oben (S. 377) erklärt. - Zur Krippe des göttlichen
Heilandes kamen nach Matth. 2,1 ff., von einem
wunderbaren Sterne geleitet, Magier oder Weise aus dem Morgenlande, um den
neugeborenen König der Juden
anzubeten. Die Geschichte derselben - wie sie
zuerst nach Jerusalem kamen, dann von Herodes nach Bethlehem gewiesen wurden,
dort ihre Huldigung darbrachten und endlich auf einem andern Wege in ihr
Vaterland zurückkehrten etc. - ist aus dem heil. Evangelium zu bekannt, als daß
es nöthig wäre, Weiteres darüber anzugeben; hier sei nur bemerkt, daß diese
Weisen den Gelehrten von jeher viel zu schaffen gemacht haben, indem bis auf den
heutigen Tag über ihre Herkunft, ihre Beschäftigung, ihr Vaterland etc., aber
auch über den wunderbaren Stern, den sie gesehen und der ihnen vorherging, große
Meinungsverschiedenheit herrscht. Die allgemeinere Meinung über die hhl. Weisen
ist unter den kath. Theologen wohl diese, daß sie aus den Gegenden in der Nähe
des Euphrat, aus Arabien, Persien oder Chaldäa (Mesopotamien), die gewöhnlich in
der heil. Schrift Länder vom Morgenland
genannt werden, herstammten; daß sie
daselbst durch Weisheit, Frömmigkeit und Tugend, wie etwa Job
und Melchisedech in ihrer Zeit, sich hervorgethan
haben; daß sie namentlich der Sternkunde beflissen gewesen und auf den Stern,
welcher nach der 1400 Jahre früher von Bileam (Balaam) eben in jenen Gegenden
gemachten Weissagung (4. Mos. 24,17) von Jakob ausgehen
solle, gewartet haben; daß endlich dieser Stern, als
außerordentliche wunderbare Erscheinung am Himmel wirklich aufgegangen, die
Weisen, nachdem sie vom hl. Geiste innerlich über seine Bedeutung angeleitet
oder auf irgend eine andere Weise darüber belehrt worden waren, gleich der
Feuersäule, welche den Israeliten in der Wüste voranleuchtete, zur Krippe des
Erlösers geführt habe. * Was aber die Gelehrten nicht mit
Bestimmtheit zu eruiren vermochten, das hat die vielgeschäftige Sage versucht,
und wir haben nach ihr eine vollkommene Geschichte der hhl. Weisen, die nach
Bethlehem kamen. Denn so lautet die morgenländische Ueberlieferung, wie sie zur
Zeit der Kreuzzüge nach dem Abendlande gelangte: Am Berge Vaus (paos) - dem
Lichtberge
, oder wie er auch heißt Mons victorialis
- hinten im Lande Indien
habe ein königliches Geschlecht von Magiern (nobilis progenies de Vaus) gewohnt,
in ähnlicher Weise, wie auf dem Berge Karmel die Prophetenschule des Elias
sich niederließ. Diese nun, auch mit den heil. Schriften der Juden seit ihrer
Gefangenschaft vertraut, hätten dort der Betrachtung göttlicher Dinge obgelegen
und eine uralte Tradition bewahrt: ein Stern werde ihnen in den letzten Zeiten
erscheinen und sie zur Erkenntniß des wahren Lichtgottes führen. Besonders aber
sei es die Weissagung des Bileam gewesen: Es wird ein Stern aufgehen aus
Jakob etc.
, aus welcher die Heiden gemerkt, daß aus dem jüdischen Volke ein
gewaltiger Fürst sollte geboren werden, der sie und ihr ganzes Land unter seine
Gewalt bringen würde. Um nun diesem Unheile zuvorzukommen und mit jenem Könige
bei Zeiten Freundschaft zu schließen, hätten die Magier alljährlich an einem
bestimmten Tage auf der Spitze des Berges sich versammelt, um nach dem
versprochenen Stern zu schauen, in der Himmelsgegend, die zunächst für Judäa
bedeutsam war. Als aber die Zeit erschien, wo ihnen das neue Licht aufging, und
der Stern der Verheissung, in dem ein Kind über dem Zeichen des Kreuzes (stella
in forma infantuli desuper signum crucis) sich befand, vom Berge Vaus aus im
Orient gesehen wurde, sei zugleich eine himmlische Stimme an sie erschollen, des
Inhalts: Zur Welt kommt heute der König der Juden, welcher die Erwartung und
der Beherrscher der Heiden ist; ziehet hin, ihn aufzusuchen und anzubeten.
Dieser himmlischen Weissagung gemäß machten sie sich auf, und kamen in 13 Tagen
(vom 25. Dec. bis 6. Jan.) ** nach Jerusalem. Es waren aber
deren Viele, die in das jüdische Land reisten, den neuen König zu sehen,
namentlich aber drei Könige, Namens Caspar, Melchior und Balthasar, welche drei
sehr verständige und in aller Kunst wohl erfahrene Männer gewesen, weßhalb sie
von der heil. Schrift Weise
genannt werden. Diese drei Könige aber wohnten
nicht beieinander, sondern jeder in seinem eigenen Lande. Melchior war König in
Nubien, Balthasar in Aethiopien, und Caspar in Indien, wohnend in der Stadt
Cassat. In dieser Stadt kamen die Drei zusammen und verweilten daselbst drei
Tage, um sich auf die Reise vorzubereiten. Wiewohl die Stadt Cassat 53 Tagreisen
von Bethlehem lag, so sind sie doch in zehn Tagen dahin geritten, nicht aus
eigener Kraft, sondern durch die Kraft dessen, der sie durch den Stern dahin
gerufen hat. Soweit die Legende über die Weisen aus dem Morgenland, bis zu ihrem
Erscheinen in Jerusalem. - Nach einer andern Version wird die Geschichte der
hhl. drei Könige in folgender Weise gegeben: Diese Magier waren Könige aus
Persien, Arabien und Saba, wohl unterrichtet in allen Wissenschaften und in den
heil. Schriften. Weil ihre Länder nicht weit von einander lagen, so sprachen sie
öfters miteinander von den Wissenschaften und Tugenden, wie es eben vertraute
Freunde machen. Diesen hhl. drei Königen erschien nun in der Christnacht ein
Engel im Schlafe und bedeutete ihnen, daß nunmehr der verheißene Messias zur
Welt geboren sei und daß ihnen zur Aufsuchung desselben ein Stern voranleuchten
werde. Zugleich zeigte der Engel jedem an, daß das Nämliche den übrigen Zwei
verkündet worden sey. Sie machten sich auf und folgten dem Sterne, den der Engel
aus einer lustigen Materie gebildet hatte, und als sie kurz darauf auf dem Wege
zusammen gekommen waren, erzählten sie einander die gehabte Erscheinung und
zogen fröhlich ihres Weges, immer dem Sterne folgend, der vor ihnen herging und
ihnen den Weg zeigte. - In Bethlehem angekommen, fanden sie das Kind mit Maria,
seiner Mutter, fielen nieder und beteten es an. Dann brachten sie auch, wie es
bei den Orientalen gebräuchlich ist, ihre Geschenke dar, nämlich Gold als
Anerkennung seiner Königswürde, zugleich als Bild einer brennenden Liebe;
Weihrauch als Huldigung seiner Gottheit, zugleich als Bild einer zärtlichen
Andacht, und Myrthen als Zeugniß seiner Menschheit, zugleich als Bild des Opfers
eines abgetödteten Herzens. Die Geber sind in folgendem Verse ausgedrückt:
Caspar bringt Myrrhen, Balthasar Gold und Melchior Weihrauch.
Nach dem
Bisherigen waren es vorzüglich drei Weise, welche zur Krippe Christi kamen; nach
anderen Ueberlieferungen sollen es zwölf gewesen seyn. Indeß die in der Kirche
herrschende Ueberlieferung hält sich seit dem hl. Papst Leo
dem Großen und dem hl. Beda an drei, als
die Führer und Vertreter des Zuges, besonders wegen der
drei Gaben, die sie brachten, und man ist in der Auffassung dieser drei nicht
abgeneigt, sie als die Repräsentanten der drei Stämme der Menschheit (Melchior
der Semiten, Caspar der Chamiten und Balthasar der Japhetiten) zu betrachten,
und sie auch in den entsprechenden Gesichtsfarben dieser drei Stämme
darzustellen. Die kirchliche Tradition kennt die drei Weisen ebenfalls als
Könige, wozu die Stellen Psalm 72,10; Isai. 60, 3. 6, natürliche Veranlassung
gaben, indem darin von Königen die Rede ist. Indeß können es auch Stammesfürsten
etc. gewesen seyn, welche bei den Alten auch öfter den Titel der Könige führten.
*** Soviel aus den Legenden über die hhl. drei Könige, dem
noch manches Andere beigefügt werden könnte. - Was aber das weitere Leben
derselben nach ihrer Heimkehr in's Vaterland betrifft, so hat man in der Kirche
nie daran gezweifelt, wenn die Schriftsteller bemerkten, daß sie ein heiliges
Leben bis an ihren Tod geführt und zur Verbreitung des Evangeliums das ihrige
beigetragen haben. Der Verfasser des unter den Schriften des hl. Joh.
Chrysostomus sich findenden unvollständigen Commentars über den hl. Matthäus
sagt, sie seien vom hl. Apostel Thomas in Persien
getauft worden und in ihren Gegenden für die Aufnahme des christlichen Glaubens
thätig gewesen, woher es auch kommen mag, daß man annimmt, sie seien zu
Priestern oder zu Bischöfen erhoben worden. Endlich lesen wir in einem
Heiligenkalender von Köln, sie seien, nachdem sie gar viele Mühen und Strapatzen
für das Evangelium erduldet hatten, alle Drei im Jahre 54 unsers Herrn in einer
Stadt, Sewe mit Namen, zusammengekommen und hätten hier gemeinschaftlich das hl.
Weihnachtsfest gefeiert, worauf sie, jeder nach Darbringung des hl. Opfers,
gestorben seien, und zwar der hl. Melchior, 116 Jahre alt, am 1. Januar; dann
Balthasar, 112 Jahre alt, am 6. Januar, und endlich Caspar, 109 Jahre alt, am
11. Januar. Als man sie nacheinander in ein gemeinschaftliches Grab gelegt habe,
sollen sich ihre Leichname einander wunderbarer Weise Platz gemacht haben, so
daß der Erste auf die Seite gewichen und dem Zweiten die Stelle an seiner
Rechten gelassen habe, und, als der Dritte zu ihnen in's Grab gelegt werden
sollte, Beide ihm den Platz in der Mitte eingeräumt haben. ****
Demgemäß nähme der hl. Caspar, als der zuletzt Verstorbene, die mittlere Stelle
ein zwischen Balthasar zur Rechten und Melchior zur Linken. Ihre heil. Leiber
wurden nach einer alten Ueberlieferung von der hl. Helena
aus Persien nach Constantinopel
gebracht, kamen unter Kaiser Emmanuel (1143 bis 1180) nach Mailand, und nach der
Eroberung dieser Stadt durch Kaiser Friedrich Barbarossa im Jahre 1164 nach Köln
am Rhein, wo sie in der Domkirche beigesetzt wurden und bis auf den heutigen Tag
sich befinden sollen. Wenn Wolfgang Menzel in seiner Symbolik sagt, der
Erzbischof Reinald habe sie in Mailand geraubt, so liegen andere Nachrichten
vor, nach denen er sie von Kaiser Friedrich zum Geschenke erhalten hat, welches
Letztere wahrscheinlicher seyn dürfte. Im Dome zu Köln, wo am 23. Juli das Fest
ihrer Uebertragung dahin gefeiert wird, finden sich ihre Reliquien in einem
kostbaren Behältniß verwahrt, an welchem ihre Namen mit Rubinen besetzt, die
Kronen aber auf den Häuptern nicht mehr ächt seyn sollen. Dennoch soll man noch
1540 Edelsteine auf dem silbernen und vergoldeten Prachtdeckel und sehr viele
Bildwerke daran zählen. - Die Kirche feiert das Andenken der hhl. drei Könige am
6. Jan., ohne indeß in dem Officium und in der Messe eine andere Erwähnung von
ihnen zu machen, als insoweit sie auf die Epiphanie (Erscheinung) unsers Herrn
Bezug hat; denn diese ist es eigentlich, die am 6. Januar gefeiert wird, und
zwar eine dreifache Erscheinung, nämlich a) seine Erscheinung vor der Welt und
namentlich der heidnischen Welt, deren Repräsentanten die Magier waren, während
er vorher nur gleichsam im Stillen einigen jüdischen Hirten sich gezeigt hatte;
b) bei seiner Taufe, wo der hl. Geist in Gestalt einer Taube sichtbar über ihn
herabstieg etc.; c) bei der Hochzeit zu Kana, wo er sein erstes Wunder wirkte -
welche drei Erscheinungen nach Polemeus Silvius an dem nämlichen Tage, wenn
auch in verschiedenen Jahren, stattgefunden haben sollen. (Vgl. Butler I. 120.)
- Bollandus, der Gründer unsers großen hagiographischen Quellenwerkes, setzt den
hl. Caspar auf den 1. Januar, den hl. Melchior auf den 6. und den hl. Balthasar
auf den 11. Januar, weil er der Meinung folgt, daß die Heiligen an diesen Tagen
das Zeitliche gesegnet haben. Auf den ältesten christlichen Grabmälern in den
Katakomben trugen die drei Weisen nach Wolfgang Menzel drei phrygische Mützen
(Tiara) ihrer orientalischen Herkunft gemäß, und zwar ganz so, wie die drei
Männer im Feuerofen. In den Kirchenmalereien wurde, sagt Menzel weiter, nach und
nach Melchior greisenhaft, aber als weißer Europäer, Caspar in männlicher Reise
als brauner Asiat, und zuletzt Balthasar im Jünglingsalter als Mohr dargestellt,
doch erst im 15. Jahrhundert; denn früher wurde der dritte König noch nicht als
Mohr dargestellt, obgleich die bekannten Psalmstellen und die Stellen bei
Isaias, welche dieser Abbildung zu Grunde liegen, auch früher schon darauf
hinwiesen. Die kölnische Kirche ließ sie alle Drei stets weiß malen. - Endlich
sei noch bemerkt, daß das heil. Dreikönigsfest in der Kirche früher auf
eigenthümliche Weise begangen wurde. In älteren Zeiten brachten nämlich an
diesem Tage die Fürsten vor dem Altare Opfer dar. Um aber recht viele Könige zu
haben, erwählte eine jede Familie sich einen König durch's Loos einer in einen
Kuchen gebackenen Bohne. Wer diese Bohne in seinem Antheil fand, war für diesen
Tag der König (Bohnenkönig
) - eine Gewohnheit, die an manchen Orten unter
Kindern und Erwachsenen in Familienkreisen noch heute besteht. Auch ging ein
schöner Knabe im Gewande eines Engels durch die Strassen, einen Stern auf einem
hohen Stabe tragend, und sang ein sogenanntes Dreikönigslied, was ebenfalls an
mehreren Orten noch geschieht, namentlich von armen Knaben, welche dann
Geschenke erhalten.
* Cf. Calmetin Matth. - Dr. Sepp
hält die von Keppler berechnete, zur Zeit Christi eingetreten seyn sollende
Constellation der Planeten Jupiter, Saturn und Mars im Zeichen des Fisches
(ixtys) für den Stern des Messias
; aber es ist nicht bewiesen, daß jene
Constellation wirklich der Stern der Weisen
gewesen; namentlich ist die Stelle
bei Matth 2,9 nicht erklärt: Und der Stern ging vor ihnen her.
Andere halten
den Stern für einen Kometen.
** Es wäre möglich,
daß die Erscheinung des Sternes nicht am Tage der Geburt Christi stattgefunden
hätte, sondern am 25. März, als dem Tage, wo nach der Verkündigung des Erzengels
Gabriel das Wort Fleisch geworden ist
. Dann hätten
die Magier mehr als neun Monate Zeit gehabt, um sich zu der beschwerlichen Reise
zu rüsten und dieselbe zu vollenden. Dieses dürfte um so wahrscheinlicher seyn,
als dann auch leichter zu erklären ist, warum Herodes, der sich genau um die
Zeit der Erscheinung des Sternes erkundigt hat, die, Knaben von zwei Jahren und
darunter
tödten ließ, während sonst, wenn der Stern erst vor 13 Tagen
erschienen wäre, doch wohl ein Jahr hätte genügen müssen, um den grausamen
mißtrauischen alten Herodes vollständig zu befriedigen.
*** Die Namen Caspar,
Melchior und Balthasar finden sich zuerst beim hl. Beda. Andere nennen sie
Magolach, Galgalath, Saracin; noch Andere: Ator, Sator, Perator. Nach den
Betrachtungen der frommen Anna
Katharina Emmerich heißen sie Mensor, Seir oder Sair, Theokeno. (Vgl. Leben
der hl. Jungfrau Maria
von Cl. Brentano. S. 282 ff.)
**** Es heißt daselbst: Ipsoque in sepulchro, humationis tempore, pluribus aspicientibus, primum secundo dextrum locum, duos medium tertio veneranter cessisse.

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