
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
SS. Eustachius (Eustathius), Theopista, Agapius et Theopistus, MM. (20. Sept.,
al. 2. Nov.) Dieser hl. Eustachius ist einer der 14 Nothhelfer und war im
Mittelalter hoch gefeiert. Im Heidenthum geboren und erzogen führte er den Namen
Placidus (Placidas), und zeichnete sich als Krieger in römischen Diensten
dergestalt aus, daß er sich die Würde eines hohen Officiers erstritt, und die
Gunst der Kaiser Titus und Trajan in hohem Grade genoß. So tapfer als Krieger,
so mild und sanft war er im Umgange mit dem Nächsten, besonders mit den Armen,
deren großmüthiger Wohlthäter er war, an denen er mit seinem Reichthum sich
Freunde für den Himmel erwarb. Er ehelichte Trajana, eine der schönsten und
wohlhabendsten Frauen Rom's, die ihm zwei Söhne gebar. Die Legende erzählt nun
von dieser heidnischen Familie also: Das Waidwerk liebend, zog einst der Vater
nach seiner Gewohnheit mit vielem Gefolge auf die Jagd und sah einen
außerordentlich großen und schönen Hirschen. Er jagte ihm nach und verfolgte ihn,
von seinen Leuten sich trennend, allein bis in das tiefste Dickicht des Waldes.
Da blieb der Hirsch auf einem Felshügel stehen; betrachtend stand Placidus ihm
gegenüber. Während er nun das Thier so betrachtete, bemerkte er zwischen dem
hohen Geweihe desselben eine wunderbar glänzende Kreuzesgestalt mit dem Bilde
des Heilandes, der zu ihm sprach: Placidus,
warum jagest du auf mich? Glaube an mich, der ich Christus bin und lange nach
dir gejagt habe. Geh' zum Bischof der Christen und lasse dich taufen; denn weil
du Almosen spendest und Barmherzigkeit übest, will ich dir auch barmherzig seyn.
Placidus ließ sich unterrichten und taufen, wobei er den Namen Eustachius
erhielt. Seine Frau und Kinder empfingen die gleiche Gnade; jene wurde Theopista
genannt, diese erhielten die Namen Agapius und Aheopistus. In jener Erscheinung
wurde dem Eustachius auch angekündet, daß er sich als Christ auf viele Leiden
gefaßt halten müsse, aber auch des göttlichen Beistandes versichert seyn dürfe.
Bald verlor er durch verschiedene Unglücksfälle sein Hab und Gut, worauf er arm
wie ein Bettler zum Wanderstab griff, um dem Spotte der Welt zu entfliehen. Da
beschloß er nach Aegypten zu ziehen, und bestieg auch wirklich mit den Seinen
ein Schiff. Als er aber bei der Landung das Fahrgeld nicht zu erlegen vermochte,
entriß ihm der Schiffsherr seine schöne Gattin mit Gewalt und führte sie mit
sich fort. Eustachius mußte der Gewalt weichen, setzte schmerzerfüllt über
diesen Verlust mit seinen zwei Knaben die Reise fort und kam zu einem
durchwatbaren großen Wasser. Er nahm den einen Knaben auf den Rücken und trug
ihn hinüber; während er aber den andern holen wollte, trug ein Wolf den einen
und ein Löwe den andern davon. Ohne Frau, ohne Kinder, trost- und hilflos, aber
ergeben und vertrauend dem Herrn, kam er in den Flecken Badyssus und wurde von
einem bemittelten Landmann zur Bewachung seiner Aecker aufgenommen, welchen
Dienst er 15 Jahre lang mit Fleiß und Treue versah. Indeß beklagten der Kaiser
und die Soldaten den Verlust des erprobten Feldherrn, dessen Schwert so oft die
Feinde gedemüthigt. Als einst Einige von des Eustachius ehemaligen Soldaten, die
im kaiserlichen Auftrag ihn suchten, diesen zu Badyssus trafen und an einer
Wunde im Nacken erkannten, führten sie ihn zum Kaiser zurück, welcher ihn in all
seine Würden wieder einsetzte. Bald darauf mußte Eustachius mit frischgeworbenen
Truppen ins Feld ziehen, die er aber auch bald wieder im Triumphe nach Rom
zurückführen durfte. Beim ersten Nachtlager trafen sich im Hause eines
wohlhabenden Mannes zwei junge Hauptleute, die beide durch glänzende Tapferkeit
sich ausgezeichnet hatten. In Gegenwart einer sie bedienenden Frau, die sonst
als Gartenhüterin aufgestellt war, erzählten sich die jungen Krieger, vom Weine
gesprächig geworden, ihre Erlebnisse von Kindheit an, was sie von Vater und
Mutter noch wußten oder von ihren Pflegeeltern gehört hatten, und siehe da, sie
erkannten sich als Brüder. Während sie einander in die Arme fielen und herzlich
küßten, brach die Frau in Thränen aus und rief: Wenn ihr Brüder seid und
Agapitus und Theopistus heißet, dann bin ich Theopista, eure Mutter.
Bald war
nun auch Eustachius erkannt; denn wie die durch die Auffindung ihrer Kinder
hochbeglückte Mutter vor den Feldherrn mit der Bitte trat, daß sie unter seinem
Schutze in ihre Heimath, das Land der Römer, zurückkehren dürfte, entdeckte sie
im Feldherrn ihren Gatten und er in ihr seine Gemahlin. Diese erzählte ihm, daß
der Schiffsherr, der sie so grausam von einander gerissen, eines plötzlichen
Todes gestorben sei, worauf die Matrosen sie als Sklavin verkauft hätten, als
welche sie jedoch durch Gottes Schutz von jedem Manne unberührt geblieben sei.
Theopista ward sogleich von ihrem Herrn freigegeben, und folgte hocherfreut, und
die Wege der Vorsehung anbetend, ihrem Gemahle Eustachius und ihren Söhnen nach
Rom. Als Eustachius nach Rom kam, war Kaiser Traian gestorben und Hadrian an
seine Stelle erhoben. Dieser empfing mit allen Ehren den siegreichen Feldherrn.
Zum Dank für den Sieg zog Hadrian in den Tempel des Apollo, um hier Opfer zu
bringen. Der Feldherr begleitete indessen den Zug nur zur Pforte des Tempels und
bedeutete dem Kaiser, daß er Christ sei. Als der Kaiser überdieß noch erfuhr,
daß die ganze Familie dem christlichen Bekenntnisse anhange, ließ er, vergessend
alle Dankespflicht, Eustachius und die Seinigen einem Löwen vorwerfen, und weil
dieser die Heiligen nicht anrührte, ja nur schmeichelnd ihnen die Hände leckte,
in einen glühenden Ofen oder in einen aus Erz geformten Stier stecken, worin sie
zwar den Tod fanden, jedoch ohne daß ihnen nur ein Härchen versengt wurde, was
um das Jahr 118 geschah. - Diese Legende mag immerhin erst mehrere Jahrhunderte
nach dem Martyrthum des hl. Eustachius verfaßt worden seyn; sie ist jedoch sehr
alt, und erzählt die Erscheinung mit dem Hirsche in ähnlicher Weise schon
Johannes von Damascus, der im 8.
Jahrhundert lebte und einer der berühmtesten Kirchenväter dieser Zeit war. Das
ursprünglich Wahre an jener Legende mag Folgendes seyn: Eustachius, ein hoher
römischer Officier, ist durch Gottes barmherzige Fügung zur Gnade des
christlichen Glaubens gekommen, vielleicht auch durch die erwähnte Vision, hat
im Kriege Frau und Kinder verloren, und später sie wieder gefunden, und ist
zuletzt um Christi willen mit ihnen gemartert worden. Der hl. Eustachius wird
abgebildet als Jäger in grünem Anzug, mit Spieß, Jagdhorn etc., einen Hirschen
zur Seite mit einem Crucifix zwischen den Geweihen. Oefters hält er nur einen
Hirschkopf oder ein Hirschgeweih, und dann erscheint er als Krieger. Ist ein
glühender Ofen neben ihm, so wird damit sein Martyrtod angedeutet. Einige Bilder
dieses Heiligen zeigen, wie er mit seiner Familie im Amphitheater vor wilden
Thieren steht und der Kaiser auf erhöhtem Throne sitzt, um dem blutigen
Schauspiele zuzusehen; andere, wie er mit den Seinen in einen glühenden Ofen
geworfen wird. - Der hl. Eustachius ist Patron der Jäger und der Stadt Madrid.
Das Mart. Rom. gedenkt seiner am 20. Sept. Surius hat ihn am 2. Nov. Das röm.
Brevier feiert sein Fest auch am 20. Sept. sub ritu dupl. (Sept. VI. 106. Sur.
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