
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Felix, Presb. C. (14. Jan.) Dieser hl. Felix, von Einigen auch Dominädius
genannt, wurde am Ende des 2. oder Anfang des 3. Jahrhunderts geboren zu Nola in
Campanien, wo sich sein Vater Hermias, ein reicher Syrer, der lange Zeit im
Heere des Kaisers gedient, niedergelassen hatte. Nach des Vaters Tod vertheilte
Felix den größten Theil seiner ererbten Güter unter die Armen und trat in den
Dienst der Kirche. Zueist wurde er Lector, sodann Exorcist und endlich Priester.
Durch die Reinheit seiner Sitten, durch sein männlich-kluges Wesen erwarb er
sich bald die Liebe seines betagten Bischofes Maximus,
der ihn auch als den Erben seines bischöflichen Stuhles bezeichnete. Als bei dem
plötzlichen Ausbruch einer Verfolgung der hl. Bischof durch die Flucht seiner
Gemeinde sich zu erhalten suchte, ließen die Verfolger ihre Wuth um so mehr an
unserm hl. Felix aus. Er wurde mit Nuthen gestrichen, an Händen und Füßen
gebunden und so in einen finstern Kerker geworfen. Da erschien ihm Nachts ein
leuchtender Engel, löste seine Bande, öffnete die Thüre des Gefängnisses und
führte ihn zum hl. Bischof Maximus mit dem Bedeuten, diesen aus seinen Nöthen zu
retten. Felix fand den ehrwürdigen Greis sprachlos, ohne Bewußtsein, vor Hunger
und Kälte erstarrt, wie in den letzten Zügen begriffen, so daß er nicht
vermögend war, demselben nur die leiseste Antwort oder Bewegung abzugewinnen. Er
hatte auch nichts Genießbares, nichts Stärkendes bei sich, um es dem
Todschwachen reichen zu können. Da betete er inbrünstig, und siehe, auf einmal
erblickt er an einem Dornstrauche eine Traube hangen. Sogleich läßt er den Saft
der Beeren durch die erblaßten Lippen des heil. Bischofs träufeln, der nun
allmälig zu sich kam, zärtlich seinen Retter umarmte, und diesen bat, ihn wieder
zu seiner Heerde zurückzubringen. Felix nahm ihn auf seine Schultern, brachte
noch vor Tagesanbruch die ehrwürdige Bürde in das bischöfliche Haus zurück, und
übergab ihn der Pflege einer alten tugendhaften Frau. Bald darauf scheint die
Verfolgung nachgelassen zu haben, und unser Heiliger fuhr fort, dem heil.
Dienste der Kirche sich hinzugeben. Bald aber suchten die Götzendiener, die mit
Grimm die Früchte seiner begeisternden Reden und Beispiele sahen, ihn wieder auf
und fanden ihn auch, ohne ihn aber zu erkennen. So konnte er in die Lücke einer
verfallenen Mauer sich flüchten, die alsbald mit einem Spinnengewebe überzogen
war. Dadurch getäuscht stellten die Feinde ihre Nachforschungen ein, und zogen
erbittert ab. Sechs Monate hielt sich hierauf Felix in einer Cisterne auf, wohin
ihm ein christliches Weib, vom Geiste Gottes geführt, den nöthigen Unterhalt
brachte, deren Antlitz er aber nie zu sehen bekam. Endlich konnte Felix sein
Versteck verlassen und zu seiner Kirche zurückkehren. Nach dem Tode des hl.
Maximus wollte das ganze Volk ihn zum Bischof haben; allein er lehnte diese
Würde ab, und blieb einfacher Priester, demüthig und arm; denn das Wenige, das
er sich von seinem väterlichen Erbe zurückbehalten hatte, war ihm während der
Verfolgung eingezogen worden, und es herausverlangen wollte er nicht. Er
miethete einen Acker, den er mit eigenen Händen bebaute, um Niemandem lästig zu
fallen. Sein Tod, der in einem hohen Alter erfolgte, fällt wahrscheinlich in die
Regierungszeit der Kaiser Valerian oder Gallienus, 256 oder 266 n. Chr. Seine
Reliquien befinden sich in der Kathedrale von Nola, und Theile von ihnen zu Rom
und Benevent. Der berühmte hl. Paulinus, der
den bischöflichen Stuhl von Nola um das J. 409 bestieg, wollte Jahre lang der
Wächter der heil. Gebeine desselben seyn, und erzählt uns, wie die Grabstätte
des Heiligen zu Nola von Pilgern aus der weitesten Ferne besucht und durch viele
Krankenheilungen verherrlicht wurde. Wegen seiner vielen ausgestandenen Leiden
wird er auch ein Martyrer genannt. Das Mart. Rom. hat sein Andenken gleichfalls
aufbewahrt, sowie auch das röm. Brevier am 14. Jan. ihn commemorirt mit einer 9.
Lection, in welcher am Ende vorkommt, er sei begraben worden bei Nola an einem
Orte, welcher in Pincis
heißt. - Die christliche Kunst zeigt unsern Heiligen
oft in einer Höhle, über welche ein Spinnengewebe gezogen ist, sowie auch
gefesselt oder im Fußblock im Kerker, einen Topf neben sich, weil er dort auf
irdenen Scherben liegen mußte. Er gilt auch als Schutzpatron gegen falsche
Eidschwüre, weil er den ihn suchenden Verfolgern nicht mit Unwahrheit entgegnete.
(I. 937.)

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