
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Ferdinandus III., Rex. (30. Mai). Vom Altd. Herinand, Fernand = heereskühn,
kühn im Heere etc.; nach Andern der Schützende etc. - Dieser hl. Ferdinand,
König von Castilien und Leon (Castellae et Legionis) im heutigen Spanien, der
älteste Sohn des Königs Alphons IX. von Leon und der Berengaria (nach Butler VII.
292 Berenguela) von Castilien, der Schwester der Königin Blanca
von Frankreich und Mutter des hl. Ludwig,
erblickte das Licht der Welt im J. 1198 (1199). Seine Eltern waren im dritten
Grade blutsverwandt, und da sie ohne Dispense geheirathet hatten, war ihre Ehe
nach kirchlichen Gesetzen ungiltig. Auf Befehl des Papstes Innocenz III. mußten
sie sich daher trennen, und Berengaria begab sich zu ihrem Vater Alphons VIII.
von Castilien zurück, welcher einer der tapfersten und frömmsten Könige Spaniens
war. Die aus dieser Ehe entsprossenen Kinder aber, zwei Söhne und zwei Töchter,
wurden, weil die Ehe nur aus Irrthum geschlossen war, für rechtmäßig erklärt.
Schon im J. 1204 wurde Ferdinand auf Andringen seines mütterlichen den Cortes zu
Leon als dereinstiger Nachfolger seines Vaters anerkannt. Hoffnungsvoll wuchs
der junge Prinz heran; kühner Muth und Fertigkeit in allen ritterlichen Uebungen
schmückten ihn, und mehr noch frommer Glaube und herzliche Liebe zu seinem
Heilande. Noch vor seines Vaters Tod fiel ihm
die Krone von Castilien zu. Dort war nämlich nach dem Tode des Königs Alphons
VIII. sein Sohn Heinrich auf den Thron gestiegen, aber nach wenig Jahren,
getroffen von einem herabstürzenden Dachziegel, frühzeitig verblichen. Nun fiel
das Reich Castilien an seine Schwester Berengaria, und diese trat im J. 1217
ihre Rechte an ihren Sohn Ferdinand ab. Aber erst nach schwerem Kampfe gegen
heimliche Ränke und offenen Aufruhr, dessen sich namentlich der mächtigste der
Großen Castiliens, Don Alvarez, schuldig machte, konnte Ferdinand sein Erbe
behaupten. Auch hier zeigte der junge Fürst die Milde seines Herzens; Alvarez
fiel in seine Gewalt, und jeder erwartete, daß den, welcher nach der Krone
gestrebt, ein strenges Gericht treffen würde. Aber der fromme König verzieh, und
war nur bemüht, die Wunden zu heilen, welche die Empörung geschlagen. Wie
Salomon flehte der junge Herrscher um Weisheit und Gnade, und der Herr gab sie
ihm. Er gab ihm auch an dem Erzbischof Rodriguez von Toledo einen ebenso treuen
als erfahrenen Rathgeber. Dieser Rodriguez gehört wohl zu den größten Männern
seiner Zeit, und vereinigte in sich die Tugenden eines Priesters mit der
Weisheit eines vollendeten Staatsmannes und dem Muthe eines Kriegers. Er stand
dreißig Jahre lang an der Spitze der Verwaltung, sich auszeichnend durch
Klugheit, Kraft und Gerechtigkeit. Auch den Rath der vielerfahrenen, auf Alles
aufmerksamen und frommen Mutter Berengaria benützte Ferdinand, und sie war es,
die ihn bat, die Tochter des deutschen Kaisers Philipp von Schwaben, Namens
Beatrix, die vortrefflichste Prinzessin jener Zeit, zu heirathen, was denn auch
am 20. Nov. 1219 geschah. Der glücklichen Ehe entsprossen sieben Söhne und drei
Töchter. Dem Könige lag nichts mehr am Herzen, als sein Volk in der Furcht des
Herrn zu erhalten und glücklich zu machen; dieß zeigt die Wahl seiner Minister,
die Anordnung eines vortrefflichen Gesetzbuches (Las Partidas), welches jetzt
noch in Castilien befolgt wird, sowie die Errichtung des unter dem Namen
königlicher Rath von Castilien
eingesetzten Gerichtshofes, an den, um die
Ungerechtigkeiten der Gerichte zu verhindern, von allen diesen appellirt werden
konnte. Auch berief er die neuen und eifrigen Orden der Dominicaner und
Franciscaner. Doch auch Tage der Prüfung brachen über Ferdinand herein. Alvarez,
der begnadigte Empörer, sann auf neuen Verrath, und auf sein Anstiften fiel
König Alphons IX. von Leon in das Gebiet des eigenen Sohnes ein. Dieser wandte
alle möglichen Mittel an, um den Vater zu besänftigen; wohlwollende Männer
brachten die Aussöhnung zu Stande, den meineidigen Verräther Alvarez raffte ein
schneller Tod hinweg, und Ferdinand besiegelte den Frieden mit dem Vater durch
schnelle Hilfe, die er ihm zuführte, als er wider die Saracenen zog. Im J. 1230
starb König Alphons IX., und Ferdinand ward nun auch Herr von Leon, zwar nicht
ohne Widerspruch, indem sein Vater widerrechtlicher Weise seine zwei Töchter
Samha und Dulcia aus erster Ehe mit Theresia von Portugal durch Testament zu
Erbinnen seines Reiches eingesetzt hatte. Indessen gelang es der klugen
Vermittlung seiner Mutter Berengaria, den ausbrechenden Bürgerkrieg abzuwenden
und die beinahe allgemein mißfällige Vereinigung der Königreiche Leon und
Castilien zu Gunsten Ferdinands durchzusetzen. - Im J. 1224 (1225) eröffnete der
hl. Ferdinand den ersten Feldzug gegen die Mauren und bis zum J. 1250 waren,
größtentheils unter seiner Anführung, eine Menge Siege über dieselben erfochten,
die Mauren-Könige von Valencia, Baeza, Murcia und Granada zu Vasallen gemacht,
die Königreiche Cordova, Jaen und Sevilla erobert. Als die zwei glänzendsten
Siege ragen die Einnahme der Städte Cordova (1236) und Sevilla (1248) hervor.
Indeß fiel Sevilla erst nach einer langen Belagerung. Dankerfüllt über den
Gewinn dieser zwei höchsten Glanzpunkte der spanisch-maurischen Herrschaft, zog
Ferdinand nach dem Siege in feierlicher Procession in die Hauptmoschee beider
Städte, ließ sie zu christlichen Kirchen einweihen und wohnte dem ersten
christlichen Gottesdienste bei. Die Glocken, welche einst Mohammed Almansor auf
den Schultern der Christen von Compostell nach Cordova hatte bringen lassen,
mußten jetzt die Mauren auf ihren Schultern nach Compostell zurücktragen. Den
300,000 aus Sevilla auswandernden Mohammedanern gestattete er freien Abzug, und
suchte die entvölkerte Stadt mit christlichen Handwerkern, Künstlern und
Gelehrten wieder zu beleben. Daß Ferdinand auf seiner kriegerischen Laufbahn nur
von reiner Absicht geleitet wurde, dafür dürfte zeugen, daß er sich Degen und
Standarte mit dem Bildniß der hl. Jungfrau von der
Kirche weihen ließ, sowie die Gebete, die er vor und nach den Schlachten zum
Himmel sandte, die Anordnung, daß Bischöfe und Geistliche zur Besormug des
Gottesdienstes und Spendung der heil. Sacramente das Heer begleiten mußten, die
Wiederherstellung von Bisthümern, Kirchen und Klöstern in den eroberten Ländern
zur Einführung und Förderung christlicher Lehre, Sitte und Cultur. Die
herrlichste von Ferdinand zum Dank für seine Siege erbaute Kirche ist die
Kathedrale von Toledo, ein Meisterstück der gothischen Baukunst. - Im J. 1236
traf den heil. König mitten in seinem Siegeslaufe die Trauerbotschaft von dem
Tode seiner Gemahlin Beatrix; sie preßte ihm wohl Thränen des Schmerzes aus,
aber er vergaß seiner Pflicht als Christ und König nicht, und setzte mit
ungebeugtem Muthe seinen Zug wider die Saracenen fort. Im folgenden Jahre
vermählte er sich, auf Anrathen seiner Mutter und der verwittweten Königin von
Frankreich, zum Zweitenmale und zwar mit Johanna von Ponthieu, welche ihm zwei
Söhne und eine Tochter gebar, von welchen die ersten vermuthlich frühzeitig
starben und die letztere, Eleonora, später die Grafschaft Ponthieu und Montreuil
erbte, die sie als Morgengabe dem König Eduard I. * von
England (1272-1303) zubrachte. Zuletzt führte der Eifer für die Ausbreitung der
christlichen Religion den hl. König Ferdinand noch auf den Gedanken, die Mauren
in Afrika zu bekriegen; da machte aber zu Sevilla eine Wassersucht seinem Leben
ein Ende. Als er dieses nahe fühlte, bereitete er sich demüthig und bußfertig
auf den Tod vor, legte eine Beichte von seinem ganzen Leben ab, und begehrte die
heil. Wegzehrung, die ihm der Bischof von Segovia reichte. Vor der heil.
Communion betete er mit einem Strick um den Hals, das Angesicht tief zur Erde
geneigt, den Heiland im Sacramente an, legte ein öffentliches Glaubensbekenntniß
ab, ließ alle Zeichen seiner königlichen Würde vom Bette wegschaffen, und
ermahnte in Gegenwart der königlichen Familie seinen Sohn und Nachfolger Alphons
X., an allen seinen Brüdern Vaterstelle zu vertreten, für seine Stiefmutter, die
Königin Johanna, die schuldige Ehrerbietung zu haben, den Vornehmen ihre Rechte
zu wahren, die Lasten der Unterthanen zu erleichtern, die Auflagen ohne äußerste
Noth nicht zu erhöhen, Allen, ohne Ansehen der Person, Recht und Gerechtigkeit
widerfahren zu lassen, und bei Verwaltung des Reiches, das er ihm in weit
größerm Umfange als jemals hinterlasse, stets des höhern Richters eingedenk zu
bleiben. Als seine letzte Stunde kam, segnete er noch einmal seine Kinder, nahm
die Sterbkerze in die Hand, ließ die Litanei beten, dann das Te Deum anstimmen,
und gab so seinen Geist in die Hände seines Schöpfers auf am 30. Mai 1252 im 53.
Jahre seines Lebens, und im 35. seiner Regierung. Seine Ruhestätte erhielt er in
der königlichen Capelle der Kathedralkirche zu Sevilla, wo jetzt noch sein Leib
in einem schönen Sarge ruht. Sein Grab wurde durch Wunder verherrlicht, worauf
Papst Clemens X. ihn unter die Zahl der Heiligen setzte, und auch dem Mart. Rom.
sein Name einverleibt wurde. - Von der heil. Kunst wird König Ferdinand
dargestellt mit den Zeichen königlicher Würde, ein Kreuz auf der Brust. Oder er
hat eine Muttergottes-Statue im Arme, weil er stets ein Bildniß Mariens im Heere
hatte, und ein solches auf der Brust trug, das er, wenn es in die Schlacht ging,
an den Sattelbogen hing. Manchmal wird der Heilige mit einem Schwerte, einen
Teufel zu seinen Füßen, dargestellt, wohl nur deßhalb, weil er die Feinde des
christlichen Glaubens besiegte. Bei den Bollandisten ist den Acten des Heiligen
dessen Bild beigegeben. Dort trägt Ferdinand ein Schwert in der Rechten, das er
aufwärts hält, eine Kugel in der Linken, Hermelin und eine Kette um die
Schultern, herabwallendes Haar und eine Krone auf dem Haupte. - In mehreren
Gegenden wird sein Fest sub ritu dupl. gefeiert, und findet sich daher in
einigen Brevieren unter den Festen ex Indulto, wo er jedoch B. Ferdinandus
genannt wird. (VI. 281.)
* Seine Mutter hieß ebenfalls Eleonora, und war die Tochter des Grafen Berengar V. von der Provence, welche sich im J. 1236 mit König Heinrich III. von England (1216-1272) vermählte, und ihm zwei Söhne (darunter seinen Nachfolger Eduard I.) und drei Töchter gebar, nach seinem Tode aber im J. 1273 in das Kloster ging und am 1. Juni 1292 in der Abtei Ambresbury starb. Sie wird von einigen Hagiographen heilig genannt und ihr Fest auf den 21. Februar gesetzt, an welchem Tage sich auch ihr Name in mehreren Kalendern findet. Doch haben wir weder im Mart. Rom., noch bei den Bollandisten, noch bei Butler, noch bei Migne, noch auch in irgend einer anderen unserer Quellen irgend etwas von ihr finden können.
