
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Franciscus Seraphicus, Conf. et Ord. Min. Fund. (4. Oct.) Es war im J.
1182 (nicht 1181, wie Einige sagen), daß Pica, die Frau des reichen Kaufmannes
Petrus Bernadone * zu Assisi in Umbrien, unter mancherlei
wunderbaren Umständen ein Knäblein gebar, das in der heil. Taufe den Namen
Johannes Evangelist erhielt. Die Mutter zog ihren
Sohn mit treuer Liebe auf und übergab ihn später frommen Geistlichen der Pfarrei
St. Georg zur weiteren Bildung. Als er herangewachsen war, bestimmte der Vater
den lebhaften Knaben zum Kaufmannsstande, und da er sich bald so viele
Kenntnisse erworben hatte, daß er den kaufmännischen Briefwechsel nach
Frankreich führen konnte, erhielt er, wie man gewöhnlich annimmt, den Namen
Franciscus, welchen er in Zukunft beibehielt, und nach welchem alle Anderen
dieses Namens genannt sind. In seiner Jugend hatte er Freude an reichlichem
Erwerbe und starken Hang zu den Vergnügungen dieser Welt; er liebte schöne
Kleider und fröhliche Gelage. Doch ward er durch die Gnade Gottes, die ihn zu
hohen Dingen ausersehen hatte, vor groben Ausschweifungen bewahrt. Hatte er
gleich mancherlei Fehler an sich, so war er doch auch mit vielen guten
Eigenschaften geziert; und besonders zeichnete ihn eine große Liebe zu den
Armen aus. Als er einmal eine arme Person, die ihn um ein Almosen bat, unerhört
von sich gelassen hatte, reute ihn dieß augenblicklich; er rief die Person
zurück, beschenkte sie reichlich und machte das Gelübde, niemals mehr einen
Armen ohne Almosen von sich zu weisen. Diese Liebe zu den Armen war der Anfang
seiner künftigen Heiligkeit. Bald suchte ihn Gott auf mannigfache Weise heim.
Neben großer Herzensgüte hatte er nämlich auch frischen Muth und oft zeichnete
er sich durch Kühnheit aus, besonders in den Kämpfen, welche zwischen Assisi und
dem benachbarten Perugia häufig stattfanden. In einem dieser Kämpfe wurde er nun
mit mehreren Gefährten gefangen genommen und zu Perugia ein ganzes Jahr
festgehalten. Bald nach seiner Entlassung fiel er in eine lange dauernde,
gefährliche Krankheit. So lernte er immer mehr die Nichtigkeit der Freuden und
Güter dieser Weit erkennen; doch hatte ihn sein irdischer Sinn noch nicht
verlassen. Plötzlich kauft er sich reiche Kleider und Waffen und will dem
heldenhaften Walter von Brienne nach Neapel folgen, um sich unter ihm Ehre und
Ruhm zu erkämpfen. Doch schon in Spoleto kehet er wieder heim und feiert das
Wiedersehen im Kreise seiner Freunde mit einem reichen Mahle. Alle sind heiter,
er aber ist ernst und stille, und da Einige ihn scherzend fragen, eb er etwa
eine Geliebte habe? ruft er hastig und bewegt: Ja, ich habe eine Braut,
adeliger, reicher und schöner als Ihr jemals eine gesehen habt.
Diese Braut war
die heil. Armuth Jesu, nach welcher er ein
heißes, aber noch dunkles Sehnen in seiner Beust fühlte. Da er nun den Armen
immer reichlichere Almosen darreichte, auch die Aussätzigen, deren es damals
viele gab, zu bedienen anfing, vielfach in den Spitälern verweilte und sich
allmälig mehr in die Einsamkeit zurückzog, um dem Gebete und der Betrachtung
obliegen zu können, so entstanden bald zwischen ihm und seinem Vater, der für
solche Dinge keinen Sinn hatte, mancherlei Zwistigkeiten. Sein Vater suchte ihn
durch Strenge von seinem gefaßten Vorsatze abzubringen; doch verfehlte sie hier
gänzlich ihren Zweck. Um diese Zeit machte Franciscus seine erste Wallfahrt nach
Rom. Hier brachte er sein ganzes Reisegeld zum Opfer, tauschte sein stattliches
Gewand mit den Lumpen eines Bettlers und flehte an der Thüre einer Kirche in
französischer Sprache die Vorübergehenden um Almosen für die Dürftigen an. Nach
Assisi heimgekehrt, hatte er schwere Kämpfe zu bestehen; das alte Gelüsten nach
Weltfreude versuchte ihn heftig, und Kleinmuth preßte ihm oft Thränen aus. Als
er in solcher Noth in der Kirche zum hl. Damian,
welche außerhalb dar Stadtmauern von Assisi lag und dem Verfalle nahe war, einmal
betete, glaubte er eine Stimme zu vernehmen, welche von dem Crucifixe herab, vor
dem er kniete, ihm dreimal wiederholte: Franciscus! mache dich auf und stelle
mein zertrümmertes Haus wieder her.
Er nahm diese Worte buchstäblich und meinte,
er müsse die St. Damianskirche wieder herstellen. Schnell steht er auf, eilt in
das Haus seines Vaters, nimmt mehrere Ballen Tuch, welche er in der Stadt
Foligni verkauft, und bringt den Erlös dem Priester von St. Damian. Da dieser
das dargebotene Geld nicht annehmen will, wirft es Franciscus auf ein
Kirchenfenster. Als sein Vater dieses Alles vernommen, wurde er noch mehr
erzürnt, und nach mehreren heftigen Auftritten, bei denen Franciscus viel zu
leiden hatte, kam es endlich dahin, daß Bernardone seinen Sohn vor den Bischof
der Stadt, Namens Guido oder Vidon, brachte. Hier verlangte er von demselben,
daß er all das Geld, das er noch in Händen habe, zurückgebe und auf sein
elterliches Erbgut Verzicht leiste. Franciscus, der die Armuth sehr liebte, that
Alles, was der Vater von ihm verlangte. Schweigend legte er seine Kleider bis
auf das Bußhemd ab und gab sie seinem Vater zurück, indem er dabei die schönen
Worte sprach: Bis jetzt nannte ich den Petrus Bernardoni meinen Vater; aber
weil ich mir vorgenommen habe, Gott zu dienen, so gebe ich ihm das Geld zurück,
das ihm so viele Unruhe machte, und alle Kleider, die ich von ihm habe, indem
ich von nun an sagen will:
(II. 569 bis 570). Der Bischof ward dadurch
sehr angegriffen, umarmte den Diener Gottes und ließ ihm ein Kleidungsstück
reichen. Man gab dem Franciscus einen alten Mantel, den er mit Freude annahm und
worauf er mit Mörtel ein Kreuz zeichnete. Dieses geschah im 25. Jahre seines
Alters, nach Einigen im J. 1206, nach den Bollandisten (II. 572) aber richtiger
im J. 1207, und zwar wahrscheinlich am 16. April. Von jetzt an lebte er einige
Zeit lang nur dem Gebete und der Abtödtung seines Leibes, und bettelte selbst in
seiner Vaterstadt, um sich in der Demuth zu üben. Dabei trug er das gewöhnliche
Eremitengewand, welches ihm später ein Bekannter in Gubbio gegeben hatte,
nämlich eine kurze Kutte, einen ledernen Gürtel und einen Stab. In den Jahren
1207 und 1208 stellte er, an die frühere höhere Mahnung sich erinnernd, die
Kirchen von St. Damian wieder her, sowie auch eine alte Kirche von St. Peter,
indem er die Mittel hiezu durch Almosensammeln gewann. Hierauf ließ er sich
nieder bei einer kleinen, etwa eine halbe Stunde von Assisi entfernten Kirche,
welche einer Benedictinerabtei zugehörte und von den Mönchen den Namen
Portiuncula (d. i. ein kleiner Antheil) erhalten hatte, weil sie auf einem
kleinen ihnen angehörigen Grundstücke lag. Man hatte sie verlassen, weil sie den
Einsturz drohte; aber Franciscus wählte diesen Ort, theils wegen der dort
herrschenden Einsamkeit, theils weil dieses Kirchlein den Titel Vater unser, der du bist in den Himmeln,
und nicht
mehr: Vater Petrus Bernardoni.
Santa Maria
von den Engeln
(S. Maria Angelorum oder de angelis) trug, zu welchen er große
Verehrung hegte. Auch diese Kirche stellte er im J. 1208 wieder her, verrichtete
darin gewöhnlich sein Gebet und wurde außerordentlicher Gnaden von Gott
gewürdigt. Hier war es auch, daß ihm durch die Verdienste Mariä, dieser
mächtigen Fürsprecherin, das Glück zu Theil wurde, sein apostolisches Leben zu
empfangen und zur Welt zu bringen. Als er nämlich eines Tages **
bei der heil. Messe die Worte hörte: Ihr sollt weder Gold noch Silber, noch
anderes Geld in euern Gürteln haben, auch keine Tasche auf dem Wege, noch zwei
Röcke, noch Schuhe noch Stab
(Matth. 10, 9. 10), warf er seinen Geldbeutel weg,
zog seine Schuhe aus, vertauschte seinen ledernen Gürtel mit einem Stricke, und
dachte an nichts Anderes mehr, als nur daran, das Gehörte auszuüben. Dieses ist
es ja, wonach ich suche,
rief er voll inniger Freude aus; nach diesem sehne
ich mich von ganzem Herzen.
(Hoc est, quod quaero; hoc est, quod totis
praecordiis concupisco.) Das Eremitenkleid, das man ihm früher geschenkt hatte,
erschien ihm nun zu weichlich; er vertauschte es daher mit einem rauhen
ärmlichen Kleide, das er mit einem Stricke zusammengürtete, wie es die Hirten
und die armen Bauern jener Gegend trugen. In der Folge that er noch einen
kleinen Mantel hinzu mit einer Kapuze zur Bedeckung des Hauptes. (Im J. 1260
ließ der hl. Bonaventura als späterer
General des Ordens diesen Mantel etwas verlängern, so daß er die Schultern
bedeckte.) Von jetzt an begann er, den Sündern Buße zu predigen und zwar mit
großem Erfolge, da er ja in seiner Armuth etc. selbst ein Muster der Buße war.
Seine Predigten fing er immer mit den Worten an: Der Herr sei mit euch,
oder:
Der Herr gebe euch den Frieden.
Und schon damals war er mit der Gabe der
Wunder und Weissagung begnadigt. So heilte er einen Mann, der am Krebse
schrecklich litt, durch einen Kuß, und als er die Kirche des hl. Damian
herstellte, sagte er im prophetischen Geiste vorher, daß dieses Gebäude ein
Kloster für gottgeweihte Jungfrauen werden würde, was auch wirklich geschah,
indem die hl. Clara dort ihr Kloster erhielt.
Ganz besonders verehrte der Heilige das bittere Leiden und Sterben des Herrn,
und nahm gewöhnlich aus der Passion seinen Betrachtungsstoff. Sein heiliger
Lebenswandel führte ihm mehrere Jünger zu. Der erste war Bernhard
von Quintavalle (s. Bernardus60),
ein reicher, sehr verständiger Mann aus Assisi. Der zweite war Petrus
von Catania, *** Domherr zu Assisi. Er legte Beiden sein
Bußkleid an, und zwar nach den sichersten Quellen am 16. April (nach Andern am
16. August) 1209. Dieses Jahr zählt man deßhalb gewöhnlich als das erste des
Ordens, obwohl von Einigen auch das Jahr 1208 angegeben wird, weil in demselben
Franciscus sein Ordenskleid genommen haben soll, was aber die Bollandisten, wie
oben bemerkt wurde, richtiger auf den 16. April 1207 setzen, mit dem Bemerken,
daß nach den ältesten und sichersten Quellen seine volle Entäußerung aller Güter
nicht auf das J. 1208 hinausgeschoben werden könne (II. 572). - Nachdem der hl.
Franciscus bisher größtentheils bei dem Priester von St. Damian gewohnt hatte,
wählte er nun für seine Jünger, die er die Minderen Brüder
(Fratres Minores)
nannte, eine verlassene Hütte in der Ebene von Rivo-Torto (so genanntwegen des
vielfach gekrümmten Baches) zur Wohnung, wo er mit seinen Jüngern in
Engelsfrieden lebte. Bald klopften andere Heilsbegierige an der Pforte an, und
im J. 1210 hatte der Heilige schon 11 Brüder um sich versammelt. Von diesen
schickte er nun, nach vorhergegangener Besprechung mit dem Bischofe von Assisi,
Einige fort zum Predigen; er selbst begab sich in die Mark Ancona, kehrte jedoch
bald wieder in die einsame Hütte am Rivo-Torto zurück. Als die auf Mission
Gesandten wieder sich bei. Franciscus eingefunden hatten, und die Zahl seiner
Schüler sich allmählig vergrößerte, entwarf er für sie nach anhaltendem Gebete
eine Regel ****, die er mit seinen 11 Jüngern noch im
nämlichen Jahre 1209 nach Rom trug zur Bestätigung. Papst Innocenz III. war
anfangs nicht sehr geneigt, die verlangte Bestätigung zu gewähren; jedoch auf
die Fürsprache des Cardinals Johann vom hl. Paulus, aus dem mächtigen Hause der
Colonna, der ihn auf Empfehlung des eben damals in Rom anwesenden Bischofs Vido
sogar in sein Haus aufgenommen hatte, und durch einen wunderbaren Traum *****
belehrt, genehmigte der Papst diese (anfangs von ihm und Anderen für allzu
streng gehaltene) Regel, doch vorläufig nur mündlich (viva roce), und gab ihm
auch die Vollmacht, überall zu predigen, und den Auftrag, auch seine Jünger Buße
predigen zu lassen, während der genannte Cardinal Johannes, Bischof von Sabina,
sowohl dem hl. Franciscus als auch seinen Jüngern die Tonsur (Clericam) geben
ließ. Dieses geschah auch im J. 1209 (nicht 1210, wie Butler und nach ihm Andere
haben) und zwar vermuthlich im Monate August; jedenfalls einige Wochen früher,
als Kaiser Otto IV. nach Rom zog, um dort als römischer Kaiser gekrönt zu werden.
Daß er jedoch von Papst Innocenz III. zur Diakonswürde erhoben worden sei, wie
es bei Butler (XIV. 136) und nach ihm bei Andern heißt, wird von den
Bollandisten (II. 645) in Abrede gestellt und durch Gründe wahrscheinlich
gemacht, daß er später (jedenfalls aber vor dem J. 1223) von dem Bischof Vido
von Assisi zuerst zum Subdiakon und dann zum Diakon geweiht worden sei, als
welcher er einige Male das Evangelium in der Kirche sang. Zum Priester wollte er
sich aus Demuth nicht weihen lassen. - Nachdem Franciscus auf solche Weise seine
Absichten erreicht und den päpstlichen Segen empfangen hatte, begab er sich mit
seinen Schülern wieder in die Hütte am Rivo-Torto (Rivus tortus) zurück.
Zuweilen ging er auf das Land, um Unterricht zu ertheilen; auch predigte er
häufig in der Domkirche zu Assisi. Nach einiger Zeit überließ ihm der
Benedictiner-Abt vom Berge Sobazzo (de Monte Subasio) bei Assisi die Kirche St.
Maria von den Engeln
, auch Portiuncula genannt, die fortan als Ort der
Entstehung des Ordens und als Hauptkloster betrachtet wurde. Diese Kirche nahm
er aber nicht als Eigenthum an, sondern begnügte sich mit dem Gebrauche
derselben. Ueberhaupt suchte er von dem Orden allen Geist der Eigenthumsbegierde
fern zu halten, und die vollständigste Armuth einzuführen, was freilich der
Genuß und Habsucht jener Zeit ganz entgegen gesetzt war, dagegen aber von dem
unbedingten Gottvertrauen des hl. Franciscus das schönste Zeugniß gab und so
auch viele Andere dafür begeisterte. Er selbst nahm übrigens täglich zu in allen
Tugenden, namentlich in der Geduld, Demuth, Sanftmuth, Abtödtung etc. Vorzüglich
aber zeichnete er sich durch zarte Keuschheit aus, obwohl er in den ersten
Jahren seiner Bekehrung heftige Kämpfe auszustehen hatte, die er jedoch mit der
Gnade Gottes alle muthig überwand. Auch hatte er von Gott die Gabe der Thränen,
sowie die Wissenschaft der Heiligen erhalten. Dabei trug er eine besondere Liebe
und Verehrung gegen die heil. Mutter des Herrn und den hl. Erzengel Michael.
Ueberhaupt war Liebe sein Lebens-Element, die rechte christliche Liebe, mit
welcher er alle Menschen umfaßte und Allen Alles zu werden suchte. Auch hatte er
eine zarte Liebe zur ganzen Natur; denn da er den Schöpfer innig liebte, so
liebte er das von Ihm Erschaffene - das Lebende sowohl als das Leblose. Bekannt
ist seine Liebe zu den Thieren, die manchmal zu ihm sich flüchteten. Besonders
liebte er die Turteltauben, die Lerchen und die Lämmer. Er lebte und webte in
Mitte der Schöpfung, ebenso wie Adam im irdischen
Paradiese. Da er sich selbst ganz entäußert hatte, so wich auch jener Schrecken,
welchen Gott nach der Sündfluth den Thieren gegen die Menschen eingepflanzt
hatte (1. Mos. 9, 2), und er verkündete das Evangelium, d. h. die frohe
Botschaft vom Reiche Gottes, im buchstäblichen Sinne jeder Creatur, wie es Jesus
vor Seiner Himmelfahrt befohlen hatte (Mark. 16, 15.) Wie er im Gefühle der
innigsten Gottesliebe die Thiere seine Brüder und Schwestern nannte, so gab er
auch den leblosen Wesen manchmal diesen Namen, wie z. B. in dem herrlichen
Sonnengesange
, wo er Sonne, Mond, Wind, Luft, Wasser etc. so bezeichnete. -
Beseelt von dem Eifer, den katholischen Glauben immer weiter zu verbreiten und
recht viele Sünder für Christus zu gewinnen, schiffte er sich nach Syrien ein;
aber ein heftiger Sturm schleuderte ihn an die Küsten von Dalmatien. Da er seine
Reise nicht weiter fortsetzen konnte, sah er sich genöthigt, wieder nach Italien
umzukehren. - Am 18. März 1212 gab er der hl. Jungfrau Clara (s. S. Clara1)
in der Portiunculakirche das Ordenskleid und stiftete so den sogenannten zweiten
Orden der armen Frauen
, indem der für die Männer gestiftete als der erste gilt.
Um diese Zeit entstanden durch die Bemühungen des Heiligen viele Klöster; denn
mehrere Städte wünschten Söhne des hl. Franciscus in ihren Mauern zu haben; so
Cortona, Arezzo, Vergoreta, Pisa, Bologna, Florenz u. a. m. Im J. 1214 zog
Franciscus nach Spanien in der Absicht, nach Marocco zu schiffen und dort das
Evangelium zu verkünden; allein mancherlei Geschäfte, und besonders eine heftige
Krankheit, hinderten ihn, seinen Vorsatz auszuführen. In Spanien wirkte er
übrigens mehrere Wunder und gründete einige Klöster. Als er wieder nach Italien
zurückgekehrt war, begab er sich nach der Kirche St. Maria von den Engeln, und
wollte hier ein Gebäude, das ihm zu prächtig schien, niederreißen lassen. So
sehr liebte er die Armuth. Auch besuchte er den Berg Alverno (Alvernus,
Alvernia), den er zu einer Niederlassung für seine Brüder von einem Grafen
Orlando geschenkt erhalten hatte. Zur Zeit des Conciliums vom Lateran (1215)
fand sich der Heilige wieder in Rom ein und lernte dort den hl. Dominicus
kennen, mit dem er fortan durch ein Band heiliger Freundschaft verknüpft blieb;
aber die förmliche Bestätigung ihrer Orden konnten Beide damals noch nicht
erlangen, weil das Concilium ein Gesetz wider Vermehrung der Orden erlassen
hatte. Im J. 1216 hatte Franciscus einige seiner Ordensleute nach Deutschland
geschickt. Da sie aber von der deutschen Sprache kaum mehr als das Wort Ja
wußten und daher auch auf die mißtrauische Frage, ob sie vielleicht aus Italien
gekommene Ketzer seien, wie es deren in damaliger Zeit mehrere gab, ohne Arg mit
Ja antworteten, wurden sie ergriffen, beschimpft und vertrieben. Am 30. Mai 1216
wurde das erste Generalcapitel zu Assisi gehalten; drei Jahre später (1219)
hielt der heil. Ordensstifter das zweite Generalcapitel, das der Matten
(storearum) genannt, weil die Brüder wegen der großen Menge (es waren aus allen
Gegenden der Welt 5000 Brüder erschienen) in Matten oder Hütten wohnen mußten,
die man auf freiem Felde aufgeschlagen hatte. Doch nach den Bollandisten (II.
610) scheint dieses Generalcapitel erst im J. 1223 abgehalten worden zu seyn.
(Bei dem im J. 1221 zu Assisi gehaltenen General-Capitel war auch der erst vor
Kurzem in den Orden getretene hl. Antonius von
Padua zugegen, der dann später eine so große Zierde des Ordens wurde.) Der
Cardinal Ugolino, der später unter dem Namen Greger IX. den päpstlichen Stuhl
bestieg, führte als Protector des Ordens den Vorsitz. Bei diesem Capitel traten
mehr als 500 Novizen ein. Drei Puncte vorzüglich wurden auf demselben
festgesetzt: 1. daß man jeden Sonntag zu Ehren der seligsten unbefleckten
Jungfrau Maria eine feierliche Messe singen solle; 2. daß man der hhl. Apostel
Petrus und Paulus
ausdrücklich Erwähnung thue in zwei Gebeten, und 3. daß die Armuth in allen
Stücken in den Klöstern, die man bauen würde, hervortreten solle. Am Schlusse
dieses General-Capitels vertheilte der heil. Ordensstifter gleichsam die Welt
unter seine Jünger; er sandte sie nach England, Frankreich, Spanien,
Griechenland, Afrika etc. und gab ihnen zugleich die Empfehlungsbriefe mit,
welche er auf den Rath des Cardinals Ugolino vom Papste Honorius III. erbeten
und erhalten hatte. Die Mission von Syrien behielt er sich selbst vor, in der
Hoffnung, dort die Krone des Martyriums zu erlangen. Diese wurde ihm jedoch
nicht zu Theil, wohl aber seinen Schülern Berardus,
Otto, Petrus, Adjutus und Accursius,
welche von ihm im J. 1219 nach Marocco gesendet und dort im J. 1220 nach vielen
Leiden enthauptet wurden als die ersten Martyrer aus seinem Orden (s. S.
Berardus1). Nachdem er mehrere wichtige
Geschäfte beendigt und den Provincial Elias von Cortona als seinen Generalvicar
aufgestellt hatte, schiffte er sich mit 12 Genossen nach dem Morgenlande ein.
Glücklich erreichte er Aegypten, nachdem er auf Cypern und in St. Jean d'Acre
zehn Brüder zurückgelassen. Die Kreuzfahrer belagerten eben die Stadt Damiette
in Aegypten. Mit großer Betrübniß gewahrte er den Zwiespalt im Lager der
Christen. Da man auf seine Warnungen nicht hörte, verließ er sie mit dem Bruder
Illuminatus und ging ins Lager der Saracenen, wo er von dem Sultan freundlich
aufgenommen und nach einigen Besprechungen mit Geschenken entlassen wurde.
Hierauf durchwanderte er ganz Palästina und kam bis nach Antiochia. Sein Orden
faßte feste Wurzeln und war so geachtet, daß man ihm die Wache des Grabes
Christi übergab, welchen Ehrenplatz die Minderen Brüder
bis auf den heutigen
Tag behaupten. Uebrigens mußte er bald nach Italien zurückkehren, um in seinem
Orden das wieder gut zu machen, was durch seinen Generalvicar, welcher die Regel
mildern wollte, verdorben worden war. An dessen Stelle setzte er auf einem
Capitel, das er zu Portiuncula am St. Michaelsfeste hielt, den Bruder Petrus von
Catania (Cathani), nach dessen bald erfolgtem Tode (1221 oder nach Andern 1224)
wieder Elias Generalvicar des Ordens wurde. Auf einem der folgenden Capitel
wurde auch die Mission nach Deutschland beschlossen und der Bruder Cäsarius
von Speier an ihre Spitze gestellt. Der Erfolg war jetzt günstiger als
früher. Ueber Trient und Botzen zogen sie nach Augsburg, wo der Bischof sie
freundlich aufnahm und sie bei 30 Novizen gewannen. Nun gründeten sie Häuser zu
Straßburg, Mainz, Speier, Magdeburg, Regensburg, Eßlingen etc. - Nach kurzer
Ruhe ergriff der Heilige wieder den Wanderstab und durchzog Umbrien und Toscana,
Buße und Frieden predigend. Und der Zudrang zu seiner Genossenschaft war so groß,
daß er Entvölkerung der Länder und die Auflösung zahlloser Ehen fürchtete. Darum
gründete er auf dieser Missionsreise zu Carnerio oder Canaro (Canarium) im Thale
von Spoleto - und zwar im J. 1221 (nicht 1220, wie Einige haben) - den
sogenannten dritten Orden von der Buße
(Tertiarier), durch welchen auch
Weltleute, Verheirathete und sonst durch ihren Beruf gebundene Personen
beiderlei Geschlechtes, Gelegenheit erhalten sollten, des Segens der neuen
klösterlichen Verbindung zu genießen, ohne förmlich Mitglieder derselben zu
werden. Wahrscheinlich im folgenden Jahre verfaßte er eine Regel für diesen
Orden, welche zuerst von den Päpsten Honorius III. und Gregor IX., später aber
von dem Papste Nikolaus IV. (1289) mit einigen Abänderungen und Zusätzen
bestätigt wurde, und unglaublich groß war nach und nach in allen Ländern die
Anzahl der Christen, welche sich in diesen Orden aufnehmen ließen, darunter auch
Päpste, Kaiser, Könige, Fürsten etc. Der erste, welcher die Aufnahme nachsuchte
und erhielt, war ein gewisser Luchesius oder Lucius mit seiner Frau zu
Poggi-Bonzi (Podium Bonitium) in Toscana. - Das Jahr 1223 brachte dem Heiligen
vom Papste Honorius III. die förmliche Bestätigung des berühmten
Portiuncula-Ablasses ******, sowie auch die Ordensregel, die
der Heilige noch einmal überarbeitet hatte, durch eine Bulle vom 29. (28.) Nov.
1223 bestätigt wurde. Im J. 1254 zählte der Orden in 33 Landschaften über 8000
Häuser und 200,000 Brüder. - Gegen das Fest der Himmelfahrt Mariä (1224) begab
sich Franciscus an den einsamsten Ort des Berges Alverno (Alverna), um ganz der
Betrachtung zu leben. Hier war es nun, wo nach der Erzählung des hl. Bonaventura
am Feste der Kreuzerhöhung zu dem Heiligen, als er durch die seraphische Flamme
seiner Sehnsucht in heißem Gebete zu Gott sich erhob, ein Seraph mit sechs
Flügeln, zwischen welchen das Bild des Gekreuzigten erschien, von der Höhe des
Himmels sich herniederließ, und der hl. Franciscus, von innigster Liebe zum
leidenden Heilande durchglüht, die Wundmale Christi an seinen Händen und Füßen
und an der Seite empfing. Dieses Wunder der Stigmatisation ist über aller
Zweifel erhaben, und die Erinnerung daran wird im gesammten Franciscaner-Orden
seit Papst Benedict XII. (1234), in der allgemeinen Kirche aber seit Papst Paul
V. (1605) jährlich am 17. September sub ritu dupl. gefeiert. Das war auch der
Hauptgrund, warum der hl. Franciscus den Beinamen der Seraphische
(Seraphicus)
erhielt, und nach dem seraphischen Patriarchen Franciscus heißt denn auch der
von ihm gestiftete Orden der seraphische Orden
etc. - Die zwei Jahre, die er
noch lebte, waren für ihn gleichsam der Martertod der Liebe; er brachte sie in
Leiden und Krankheiten zu. Alles aber ertrug er mitvollkommenster Geduld und
Freude. Oefters verlangte er, man möchte ihn nach seinem Tode als den letzten
Menschen behandeln und seinen Leib auf dem sogenannten Höllenhügel
(Colle
d'inferno) bei Assisi beerdigen, wo die Richtstätte der Missethäter war. Einige
Zeit vor seinem Hinscheiden machte Franciscus sein geistliches Testament.
Nachdem er seine Jünger nochmals zur treuen Beobachtung der Regel ermahnt und
sie gesegnet hatte, ließ er sich die Passion nach Johannes vorlesen, hob dann
den 141. Psalm (Voce mea ...) an, bei dessen letztem Verse: Führ' aus dem
Kerker meine Seele, damit ich preise deinen Namen; die Gerechten warten mein,
bis du mir wohlthust
, er sanft im Herrn verschied am 4. October 1226, im 45.
Jahre seines Alters, im 20. seiner Bekehrung und im 18. der Stiftung seines
Ordens. Sein Leichnam wurde am Tage nach seinem Tode, der ein Sonntag war, von
Portiuncula feierlich nach Assisi gebracht, dort in der St. Damianskirche, wo
die hl. Clara mit ihren Töchtern versammelt war, ein wenig niedergelassen und
dann in der St. Georgskirche, wo der Heilige getauft worden war, beigesetzt. Er
verblieb aber daselbst nicht sehr lange; denn als der Papst Gregor IX., der
vertraute Freund des hl. Franciscus, nach Assisi kam und am 16. Juli 1228 in der
St. Georgskirche selbst die Ceremonie seiner Heiligsprechung vornahm, bestimmte
er zugleich eine bedeutende Summe zur Erbauung einer neuen prächtigen Kirche auf
dem Höllenhügel
, der dann Paradieses-Hügel
(Colle del Paradiso) genannt
wurde. Im J. 1230 wurde diese Kirche vollendet und am 25. Mai 1230 der Leib des
Heiligen dahin gebracht. An diesem Tage wird daher in Assisi, sowie von dem
gesammten Orden des hl. Franciscus das Fest der Uebertragung seines heil. Leibes
(Festum Translationis) gefeiert. Uebrigens war der eigentliche Platz, wo der
heil. Leib ruhte, 600 Jahre lang ein Geheimniß, was sich dadurch erklären läßt,
daß die Bürger von Assisi aus Furcht, es möchte der kostbare Schatz ihnen
entrissen werden, sich bei der Uebertragung auf den Wagen warfen, der die
Reliquien führte, dann dieselben eilends in die neue Kirche trugen und bei
verschlossenen Thüren begruben. Erst als Papst Pius VII. in der Kirche von
Assisi Nachgrabungen veranstalten ließ, gelang es nach einer Arbeit von 52
Nächten am 18. Dec. 1818 die Gebeine des Heiligen unter dem Hochaltare zu
entdecken. Eine genaue Untersuchung und die dabei gewirkten Wunder ließen keinen
Zweifel darüber, daß es wirklich die Gebeine des hl. Franciscus seien, dessen
Orden nun am 18. Dec. das Fest der Erfindung (Festum Inventionis) seines heil.
Leibes feiert. - Im Mart. Real. wird seiner am 4. Oct. als Fundator Ordinis
Minorum
erwähnt mit dem Beisatze, daß der hl. Bonaventura sein Leben, das voll
Heiligkeit und Wunder gewesen, beschrieben habe. Im röm. Brevier wird sein Fest
schon seit langer Zeit auch am 4. Oct. gefeiert. - Was nun die Abbildung des
Heiligen betrifft, so geschieht sie auf mannigfache Weise. Manchmal wird hiezu
der Moment gewählt, in dem er die Wundmale empfängt. Der Seraph mit dem
Bildnisse des Gekreuzigten erscheint oben in der Luft. Strahlen von den Wunden
des Herrn treffen auf den hl. Franciscus, der in heiliger Betrachtung nach
dieser wunderbaren Erscheinung hinsieht. Manchmal wird der Heilige aber auch
abgebildet in einsamer Betrachtung, und es werden ihm dann Kreuz, Nägel, Geißel,
Rosenkranz und Todtenschädel als Gegenstände beigegeben, auf die er mit
besonderem Ernste hinblickt. Immer aber trägt er sein Ordenskleid, sowie die
Wundmale. Seine äußere Gestalt wird als einnehmend geschildert; er war eher
kleiner als mittlerer Gestalt, sein Kopf rund, das Antlitz jedoch länglich, die
Stirne flach, das Auge schwarz, die Nase wohlgebildet, die Haare ins Bräunliche
spielend; der Mund war zart und sein geschnitten, der Bart schwarz, der Hals
schlank, Hand und Fuß klein, die Haut zart, der Körper mager etc. *******
- Wir wollen nun zum Schlusse noch einige Notizen über die verschiedenen Zweige
des gesammten, später nach dem heil. Stifter so genannten Franciscaner-Ordens
(Ordinis S. Francisci), d. h. der von dem hl. Franciscus gestifteten drei Orden
anfügen:
I. Der erste Orden der Minderen Brüder
(Fratres Minores), von dieser
lateinischen Benennung auch Minoriten
genannt, besteht aus Conventualen und
Observanten. Erstere erhielten bald nach dem Tode des hl. Franciscus, besonders
auf Veranlassung des Elias von Cortona, die Erlaubniß, Renten und Vermächtnisse
annehmen zu dürfen, und weil sie in größeren Conventen (Klöstern) wohnten, so
erhielten sie den Namen Conventualen
; sie sind schwarz gekleidet, und besitzen
unter andern das Kloster, wo der Leib des hl. Franciscus ruht, sowie auch das
Kloster des hl. Antonius in Padua etc.
Jene Ordensglieder aber, welche die Regel in ihrer ganzen Strenge befolgten und
namentlich in Einsiedeleien oder in niederen und ärmlichen Häusern lebten,
nannte man Observanten (vom Lat. observare = beobachten) oder Väter der
Observanz
, denen namentlich der hl. Bernardinus
von Siena angehörte, und die sich dann wieder in Observanten der regulirten,
der strengeren und der strengsten Observanz theilen, welche Letzteren auch
Alcantariner heißen, weil sie den hl. Petrus
von Alcantara zum Stifter haben. Nach und nach wurden die Conventualen,
welche die schwarze (auch graue) Tracht hatten, im Munde des Volkes vorzugsweise
Minoriten
genannt, während die braun sich kleidenden Observanten mehr und mehr
den Namen der Franciscaner erhielten. In Frankreich hießen die Observanten
Cordeliers
wegen des Strickes (Corde), der ihnen als Gürtel diente. Zu den
Observanten gehören auch die unbeschuhten Franciscaner von Spanien, welche man
in Italien die Verbesserten Franciscaner
(Reformati) nennt; sodann die Reform
der Recollecten, welche im J. 1500 in Spanien entstand, deren Mitglieder in
einsamen Klöstern wohnten und die Abgeschiedenheit und Einsamkeit in
vorzüglichem Grade beobachteten. Die Reform der Capuciner (Fratrum Minorum S.
Francisci Capucinorum) entstand im J. 1525 in Toscana durch Matthäus
von Baschi oder Bassi, einem Observanten des Klosters Monte Falco. Sie
tragen ein braunes Kleid, eine lange und spitzige Capuze und einen Bart, während
die Franciscaner in unseren Gegenden keinen Bart tragen. Im J. 1528 wurden sie
bestätigt durch Papst Clemens VII.
II. Der zweite Orden der armen Frauen
(pauperum Dominarum) erhielt später
den Namen der Clarissen oder Clarissinnen von der hl. Clara,
welche die erste war, die der hl. Franciscus in diesen zweiten Orden aufnahm,
und welcher sich bald mehrere Jungfrauen anschlossen (s. S. Clara).
Auch dieser Orden theilt sich wieder in mehrere Zweige. Jene, welche für ihre
Klöster ständige Einkünfte zuließen, nannte man Urbanistinnen, weil Urban IV.im
J. 1263 diese Erlaubniß ertheilt hatte, während die Andern arme Clarissen
genannt wurden. Die hl. Coleta († 1447)
führte in mehreren Häusern dieses Ordens eine sehr strenge Reform ein, und
diejenigen, die ihr folgten, nannte man Coletinerinnen
, welche später unter
dem Namen Observantinnen
begriffen waren. (S. S. Coleta).
Die Reform der Capucinerinnen begann zu Neapel im J. 1558 durch die ehrwürdige
Mutter M. Laurenza Longa. Die
Klosterfrauen von der unbefleckten Empfängniß der heil. Jungfrau
wurden durch den Cardinal Ximenes den Clarissen einverleibt (Vgl. die Note zu
Francisca32).
III. Der dritte Orden von der Buße
(Ordo Tertiariorum oder Fratrum et
Sororum de Poenitentia) wurde, wie oben bemerkt, im J. 1221 auch vom hl.
Franciscus selbst gegründet, und zwar vorzugsweise für Verehelichte, die in der
Welt lebend sich gewissen, ihren Verhältnissen angemessenen Uebungen der
Frömmigkeit unterwarfen, wozu sie jedoch keineswegs unter einer Sünde
verpflichtet waren. Später gestatteten die Päpste und namentlich Papst Eugen IV.
unterm 1. Sept. 1437, daß auch Ledige und Verwittwete, Priester und Laien
demselben einverleibt werden durften. (Auch andere Orden nahmen sich diese
Anstalt zum Vorbilde, und so gibt es denn Tertiarier bei den Dominicanern,
Augustinern, Carmeliten, Minimen und Serviten). Auch geschah es, daß mehrere,
besonders weibliche, Personen des dritten Ordens in Genossenschaften sich
vereinigten und die feierlichen Gelübde ablegten. Sie sehen die hl. Elisabeth
von Thüringen (s. S. Elisabeth7)
als ihre Stifterin an. Hieher gehören die grauen Schwestern (Soeurs grises) in
Flandern; die Büßerinnen, die im J. 1297 zu Foligni durch die sel. Angela,
Gräfin von Civitella (B. Angela3),
entstanden, und von denen eine Reform in den Niederlanden besteht, deren Glieder
den Namen Recollectinnen
führen etc. - Auch männliche Mitglieder des dritten
Ordens bildeten solche Genossenschaften. Diese sind z. B. die die Kranken
bedienenden Minimen, auch Obregonen
genannt, von dem Madrider Edelmann
Bernhard Obregon, der ihr Stifter war; ferner in Flandern die guten Söhne (Bons
Fieux oder Bons Fils). Uebrigens gab es auch Büßer des dritten Ordens
, unter
welchen besonders die sogenannte Congregation von Picpus hervorragt, welche der
Pariser Vincenz Mussart im Jahr 1595
gegründet und die nach Butler (XIV. 164) ihren Namen von einem in der Pariser
Vorstadt St. Antoine gelegenen Orte, Namens Picpus, hat, wo ihr zweites Kloster
sich befand etc. - Nach Caroli Mariae Perusini Chronologia hist. leg. Seraphici
Ordinis (Romae 1752) Tom. III. P. II. pag. 141 kann man die Mitglieder des
dritten Ordens in folgende drei Classen eintheilen:
1) In solche, welche die drei bekannten Gelübde in einem Kloster feierlich ablegen (Tertiarii Regulares utriusque sexus);
2) In solche, welche in der Kleidung des dritten Ordens in einem Hause
beisammen (collegialiter) leben oder in Klöstern (cum Claustralibus) zum Dienste
der Brüder wohnen. Zu dieser Classe gehören auch jene weiblichen Personen,
welche das einfache Gelübde der Keuschheit oder des ehelosen Lebens ablegen und
das Ordenskleid öffentlich tragen, aber in ihren eigenen Häusern oder in denen
ihrer nächsten Verwandten wohnen. Sie finden sich besonders im Kirchenstaate,
werden dort Bizzochen ******** genannt, und genießen die
Privilegien, welche Papst Nikolaus V. in seiner Bulle Etsi Cunctorum ...
ausgesprochen hat, dürfen aber nicht ohne Genehmigung des Diöcesanbischofs
aufgenommen werden;
3) In solche, welche die Regel des dritten Ordens zu halten versprechen, aber
sonst in der Welt leben und keine Gelübde ablegen (Tertiarii saeculares
utriusque sexus). Diese Classe ist in unseren Gegenden gemeint, wenn von
Brüdern oder Schwestern des dritten Ordens
die Rede ist. Diese genießen zwar
nicht die Privilegien der anderen zwei Orden, haben aber Antheil an den Ablässen
und übrigen geistlichen Gütern (bona spiritualia) aller drei Orden des hl.
Franciscus etc. Da sie von der bischöflichen Jurisdiction in keiner Weise exempt
sind und zu den Ordensobern nur in dem Verhältnisse, wie ein Beichtkind zu
seinem Beichtvater und Seelenführer stehen; so können sie von den betreffenden
Ordensobern ganz frei, ohne Vorwissen des Diöcesanbischofes, in den Orden
aufgenommen werden etc.
Das Leben des hl. Franciscus ist im Laufe der Zeiten vielfach bearbeitet
worden, am gründlichsten wohl sicherlich von den Bollandisten, bei welchen fast
die Hälfte des II. October-Bandes (pag. 545-1004) von ihm handelt. Sein erster
Lebensbeschreiber war sein Freund und Jünger Thomas
de Celano; dann wurde sein Leben auch beschrieben von dem apostolischen
Notar Johannes de Ceperano, und etwas später auf Befehl des Minoritengenerals
Crescentius de Jesi von des hl. Franciscus drei Gefährten (Tres Socii), Leo,
Angelus und Rufinus.
Diese vorzüglichsten Lebensbeschreibungen wurden von den Bollandisten wörtlich
aufgenommen und mit gründlichen Commentaren etc. versehen. Sie sind auch von dem
hl. Bonaventura benützt worden, sowie
zum Theil von dem Irländer P. Lucas Wadding, welcher Annales Minorum in 18
Folianten geschrieben hat, aber die oben bezeichneten Lebensbeschreibungen nicht
alle genau gekannt zu haben scheint, weßwegen in seinem Werke mancherlei
Ungenauigkeiten etc. vorkommen. Das nämliche gilt auch von P. Candidus Chalippe,
einem Franzosen. Genauer und mit den Bollandisten übereinstimmender ist der
Franzose F. E. Chavin de Malan, dessen Geschichte des hl. Franciscus von Assisi
wir denn, unter Rücksichtnahme auf Butler etc. und besonders auf die
Bollandisten, vorzüglich benützt haben. Auch Görres, Haid, Vogt und Andere haben
sein Leben mehr oder weniger ausführlich beschrieben. Die Werke des hl.
seraphischen Vaters Franciscus, nämlich seine heil. Regeln, seine Briefe,
Ermahnungen, Sentenzen, Gedichte etc., wurden ebenfalls vielfach herausgegeben;
eine der gefälligsten ist die mit der vom hl. Bonaventura verfaßten
Lebensbeschreibung versehene Ausgabe des Joh. Jos. von der Burg, unter dem Titel:
B. Patris Francisci Assisiatis Opera omnia ...
Coloniae, Bonnae et Bruxellis
(J. M. Heberle) 1849. Der II. October-Band der Bollandisten, in welchem das
Leben des hl. Franciscus sich findet, ist vom J. 1768. (II. 540.)
* Bei Butler (XIV. 122) heißt er Peter Bernardo, war aus adeligem Geschlechte und gebürtig aus Florenz, widmete sich aber der Handlung und ließ sich nieder in der Stadt Assisi (Assisium), also genannt von dem Berg Assi, auf welchem sie erbaut ist. - Diese Stadt war schon den Alten bekannt. Ptolomäus nennt sie Asison und Plinius ihre Einwohner Asisinates. Sie liegt nördlich von Spoleto, östlich von Perugia, nordöstlich von Rom und hat etwas über 4000 Einwohner. Der erste Bischof von Assisi war der hl. Rufinus, welcher im J. 236 oder 240 gemartert wurde. Peter Bernadone bewohnte dort ein schönes Haus und trieb sein Handelsgeschäft bis nach Frankreich. Als er einmal mit großem Gewinne von dort zurückgekehrt war, nannte er, wie Einige sagen, zum Andenken an diese gesegnete Reise voll Freude seinen neugebornen Sohn Francesco (frz. François, lat. Francus, Franciscus), d. i. der Franzose. Nach der gewöhnlichen Annahme aber wurde er deßwegen so genannt, weil er schon als Knabe gut französisch sprach und schrieb. Doch nach dem Bollandisten Constantin Suysken (Oct. II. 556 ff.) verhält sich die Sache anders: Nach ihm war der Großvater aus Lucca und hieß Bernardus Morico. Er gründete aber ein Geschäft in Assisi und wurde dort Bernadonus genannt. Sein Sohn, der Vater unseres Heiligen, hieß dann Petrus Bernardoni oder de Bernardone. Dieser war eben in Frankreich, als unser Heiliger geboren wurde. Die Mutter Pica gab ihm bei seiner Taufe den Namen Johannes, aber ohne Wissen des Vaters, weßwegen dieser, ärgerlich darüber, bei seiner Rückkehr denselben nach seiner väterlichen Autorität in Franciscus umwandelte, ob etwa aus Vorliebe für Frankreich, oder weil in der Verwandtschaft sich dieser Name schon vorfand, oder aus irgend einem andern Grunde, will Suysken nicht entscheiden. Uebrigens habe zwar Franciscus gerne französisch gesprochen, diese Sprache aber nicht gut gesprochen (licet ea recte loqui nesciret, sagt eine sehr alte Lebensbeschreibung). Nach Suysken hatte der hl. Franciscus einen einzigen und zwar jüngeren Bruder, Namens Angelus
** Nach dem Bollandisten Suysken (II. 574) geschah dieses im J. 1209, und das Evangelium, von welchem hier die Rede ist, befindet sich in einigen alten Missalen in der Messe des hl. Apostels Matthias am 24. Febr., nicht am 2. Febr., wie es bei Butler (XIV. 129) irrig heißt. Gegenwärtig wird aber am Feste des hl. Apostels Matthias ein anderes Evangelium gelesen.
*** Der Bollandist Suysken (II. 581) nennt ihn Petrus Cathanii, zweifelt aber aus gewichtigen Gründen, die er ausführlich angibt, ob wohl dieser Petrus, welcher später General dieses Ordens wurde, wirklich der zweite Genosse des hl. Franciscus gewesen, oder ob dieses nicht etwa ein anderer Petrus sei. Der dritte Genosse, ebenfalls aus Assisi, war jedenfalls der sel. Aegidius (s. B. Aegidius), welcher am 23. April 1209 an den hl. Franciscus sich anschloß.
**** Diese erste Regel, welche sehr kurz war, ist verloren gegangen. Jene, welche Wadding und, ihm folgend, auch Chalippe als die erste angibt, war die zweite oder dritte; sie enthält 23 Capitel. Das Wesentliche, wodurch seine Ordensregel von den früher bestehenden sich unterschied, war die vollständigste Armuth, die völlige Entsagung alles Eigenthums, wonach nicht blos der Einzelne, sondern auch die Gemeinschaft, das Kloster, kein Besitzthum haben durfte, sondern das durch Gottes Vorsehung vermittelte Almosen das einzige Erhaltungsmittel seines Ordens seyn sollte, der deßwegen der erste Bettel- (Mendicanten-) Orden ist, dem dann später mehrere nachfolgten.
***** Papst Innocentius sah nämlich zu seinen Füßen eine Palme allmählig emporwachsen, so daß sie ein schöner mächtiger Baum wurde; die Nacht darauf erschien ihm ein Armer, der die Kirche des Laterans, die den Einsturz drohte, stützte und hielt.
****** Dieser gnadenreiche Ablaß, welcher noch der Trost so vieler Christen ist, hat nach den sichersten Quellen. die bei den Bollandisten (Oct. II. 879-919) gesammelt und als unbezweifelbar dargestellt sind, folgenden Ursprung: Als der hl. Franciscus eines Tages (man nimmt gewöhnlich das Jahr 1221 an) in seiner Zelle bei St. Maria von den Engeln (Portiuncula) brünstig zu Gott um das Heil der Sünder betete, gebot ihm ein Engel, in die Kirche zu kommen. Dort fand er den göttlichen Heiland Jesus Christus, seine liebreiche Mutter und viele himmlische Geister. Der Herr erlaubte nun dem Diener, zum Wohle und Troste der Völker eine Bitte auszusprechen. Da bat der Heilige, der Herr möchte den Menschen die Gnade gewähren, daß Alle und Jede, welche die Portinucula-Kirche besuchen, nach abgelegter reumüthiger Beicht einen vollkommenen Ablaß gewinnen. Der Herr gewährte diese Bitte, doch solle die Bestätigung dessen nicht fehlen, welchem Er auf Erden die Binde- und Lösegewalt verliehen. Der hl. Franciscus eilte nun mit seinem Gefährten Masseus de Marignano nach Perugia zu Papst Honorius III., welcher nach einigem Zögern die Bestätigung zuerst mündlich und später dann schriftlich ertheilte, doch so, daß dieses alljährlich nur für einen (vollen) Tag gelte, und zwar, wie einige Zeit nachher festgesetzt wurde, von der Vesper des 1. August bis zur Vesper des 2. August, weil an diesem Tage die Portiuncula-Kirche eingeweiht wurde. Später wurde dieser Ablaß auf alle Franciscaner- und Capuciner-Kirchen der ganzen Christenheit ausgedehnt. In neuerer Zeit kann dieser (auch den Armen Seelen zuzuwendende) vollkommene Ablaß kraft päpstlichen Indultes in einigen Ländern (in Bayern durch Breve des Papstes Pius VI. vom 17. Febr. 1785) auch in allen Pfarrkirchen gewonnen werden, und zwar am ersten Sonntage im August, oder vielmehr nach einer neueren, jedenfalls für die Diöcese Augsburg geltenden, Bestimmung vom 14. Juni 1824 am 2. August jeden Jahres, so oft dieser Tag auf einen Sonntag fällt, außerdem aber am ersten Sonntage nach dem 2. August, und zwar von der Vesper des Vorabends bis zu Sonnen-Untergang des besagten Sonntags, in allen Kirchen vom Orden des hl. Franciscus, und überdieß in der Stadt Augsburg in der Domkirche, in den übrigen Theilen der Diöcese aber in allen Pfarrkirchen.
******* Vgl. P. Matth. Vogel's Legende der
Heiligen
(München, Verlag des katholischen Bücher-Vereins, 1855), wo das Leben
des hl. Franciscus vortrefflich dargestellt und die Forschung der Bollandisten
mehr berücksichtigt erscheint als in anderen Legenden.
******** Sie haben wahrscheinlich von ihrer
grauen Kleidung den Namen, die Grauen
(Bizzoche), vom Ital. bizzóco = grau. Im
Lateinischen heißen sie Bizzochae oder Pizzocherae, in Portugal Beatae etc.; in
unseren Gegenden aber sind sie nicht bekannt. Das Nähere über sie findet sich in
Lucii Ferraris Prompta Blibliotheca ... unter dem Artikel Tertiarii,
Tertiariae
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