
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
Hieronymus Savonarola, (23. Mai), auch Savanarola geschrieben, war einer der
feurigsten Prediger des Dominicaner-Ordens. Die Bollandisten gedenken seiner
unter den Uebergangenen
mit dem Bemerken, daß er von verschiedenen
Schriftstellern seines Ordens selig
, von Einem sogar ein seliger Martyrer
genannt werde; sie selbst wollen sich jedoch weder für noch gegen ihn erklären,
sondern weitere und zwar bestimmtere Aufschlüsse abwarten. Marchese erwähnt ihn
nicht, wohl aber findet er sich bei Migne. Es ist heutzutage wohl allgemein
zugestanden, daß Savonarola nicht gegen die Kirche und das Papstthum selbst
auftrat, sondern nur gegen das so unwürdige Treiben des damaligen Papstes
Alexander VI., welcher übrigens nur durch Intriguen auf den päpstlichen Stuhl
gekommen war. Deßungeachtet nehmen wir seinen Namen und eine kurze Skizze seines
Lebens mit demselben Vorbehalte in unser Werk auf wie einst die Bollandisten. Er
war am 21. Sept. 1452 zu Ferrara als der Sohn eines angesehenen Arztes geboren
und trat in seinem 22. Jahre zu Bologna in den Prediger-Orden. Den betrübten
Vater, welchen er ohne Vorwissen verlassen hatte, tröstete er in einem rührenden
Briefe. Nicht ein unüberlegter knabenhafter Entschluß, sondern männliche
Gesinnung, eingegeben von der Verachtung der irdischen Dinge, habe ihn bewogen,
die Welt zu verlassen. Es sei ihm unmöglich gewesen, die Bosheit der
verblendeten Völker Italiens länger mehr anzusehen; darum habe er den bessern
Theil erwählt und sei ein Ritter Jesu Christi
geworden. Mit demselben Eifer, mit einer unaussprechlichen Glut der Begeisterung
sprach er später von der Kanzel. Er scheute in seiner herben Weise sogar
persönliche Angriffe nicht. Im J. 1482 kam er nach W. W. (K.-L. V. 638) das
erste Mal in das Kloster San Marco nach Florenz, welches bald der Schauplatz
seines öffentlichen Wirkens werden sollte. Da aber dort seine Predigten damals
nicht gefielen, begab er sich im J. 1485 nach Brescia, wo er die geheime
Offenbarung des hl. Johannes auslegte.
In diesem Buche glaubte er vorzüglich die Geschichte des Geschlechtes, unter
welchem er lebte, vorgezeichnet - ein Gedanke, der ihn nicht mehr verließ und
seinem feurigen Geiste eine excentrische Richtung gab. Im J. 1489 kam er zum
zweiten Male nach Florenz, wo er nun blieb. Auch hier war sein erstes Geschäft
die für ihn so verhängnißvolle Erklärung der Apokalypse, und er predigte scharf
gegen das Verderben seiner Zeit, welcher er große Trübsale vorhersagte. Auch die
politischen Verhältnisse seines neuen Vaterlandes wurden von ihm besprochen.
Namentlich erlitt das Haus Medici, von welchem Florenz damals beherrscht wurde,
leidenschaftliche Anfälle, besonders wegen der am dortigen Hofe herrschenden
Humanistik, die in eine Art von Heidenthum ausartete. Nach Savonarola's Meinung
sollte Florenz wieder eine Republik werden, wie sie früher gewesen, und zwar mit
einer theokratischen Verfassung, auf welche er mit aller Kraft hinzuwirken
suchte, wobei er aber in seinem Eifer nicht selten sich zu weit hinreißen ließ
und als förmlicher Agitator auftrat. Aus dieser Ursache nun, nicht aber wegen
irgend einer Ketzerei, wurde er endlich von seinen zur Gewalt gekommenen Feinden
zum Tode verurtheilt. Er starb mit zwei Genossen an 23. Mai 1498, indem sie dem
Urtheile gemäß zuerst gehängt und dann verbrannt wurden. Seine Wirksamkeit ist
nach W. W. (K.-L. V. 647) zwar nicht in Allem zu rechtfertigen, aber in
Rücksicht auf die damaligen Verhältnisse doch jedenfalls milder zu beurtheilen.
Die Bollandisten führen einen Ordensschriftsteller an, nach welchem der hl.
Philippus Nerius ihn
sehr hoch geschätzt haben soll. (V. 234.)
