
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Henricus (Heinricus, Heinrichus), Imper. Conf. (14. al. 13. 15. 18. Juli).
Der hl. Kaiser Heinrich II., mit dem Beinamen der Fromme
, der Heilige
, auch
der Lahme
oder Hinkende
(s. weiter unten), ist nicht
minder groß in der Weltgeschichte als in der Geschichte der Heiligen, indem er
die Ehre und Blüthe des Reiches Gottes der Art beförderte, daß er das Beispiel
aller königlichen und christlichen Tugenden darstellte und so der Welt das
glänzende Schauspiel einer von christlicher Weisheit durchdrungenen und
getragenen Regierung eröffnete. Er wurde geboren in Abbach (Abudiacum) an der
Donau, einem in Niederbayern gelegenen, zum Decanate Kelheim in der Diöcese
Regensburg gehörigen Marktflecken, welcher heute noch von den Trümmern der
Heinrichsburg
, die als seine Geburtsstätte bezeichnet ist, überragt wird. Er
war der Urenkel des deutschen Kaisers (Königs) Heinrich I. des Finklers
,
dessen älterer Sohn Kaiser Otto I. war, indeß
der jüngere durch diesen seinen Bruder im J. 940 als Heinrich I. Herzog von
Bayern wurde und der Vater des Herzogs Heinrich II. des Zänkers
war, dem seine
Gemahlin Gisela, eine Tochter des Herzogs Konrad von Burgund, unsern hl.
Heinrich am 6. Mai 972 * gebar. Der Prinz erhielt mit seiner
Schwester Gisela (s.
d.), welche im J. 1004 mit dem nachmals heil. Könige Stephan
von Ungarn vermählt ward, eine vortreffliche Erziehung, die von dem hl.
Bischof Wolfgang von Regensburg geleitet wurde.
Leider ging dieser große Mann schon im J. 994 ins bessere Leben hinüber, als
sein Zögling erst im 22. Lebensjahre stand; doch hatte er seine Aufgabe in der
Art vollenden können, daß die Eindrücke seiner Lehren und Beispiele ihn durch
das ganze Leben begleiteten. (Wenn einige Schriftsteller sagen, der hl. Heinrich
sei in Hildesheim erzogen worden, so ist dieß ein Irrthum). Seine
wissenschaftliche Bildung wird von den Chronographen als nicht gering
bezeichnet. Als sein Vater im J. 995 starb, wurde er von den bayerischen Ständen
als Heinrich III., oder, wenn man den Hezilo einrechnet, als Heinrich IV. zum
Herzog von Bayern gewählt, als welcher er auch viel für Gott und Seine heil.
Kirche wirkte. (Vgl. S. Godehardus,
Gisela etc.) Auch den Uebungen der
Frömmigkeit widmete er sich eifrig und namentlich besuchte er gern das Grab
seines ehemaligen Lehrers und Freundes, des hl. Bischofs Wolfgang in Regensburg.
Als er dort eines Abends im J. 996 betend kniete, hörte er eine Stimme, welch
ihm zurief: Lies die über dem Grabe geschriebenen Worte.
Er sah hin und las
die Worte: Post sex
, d. i. nach Sechs
. Der fromme Herzog, dessen Gedanken
immer am Ziele seines Wirkens weilten, sah hierin anfänglich die Ankündigung
seines Todes. Er erwartete ihn voll Ergebung in den Willen Gottes zuerst nach
sechs Tagen, dann nach sechs Wochen, hierauf nach sechs Monaten und endlich nach
sechs Jahren. Als diese vergangen waren, zeigte sich die wahre Bedeutung dieser
verhängnißvollen Zahl. Sie hatte nicht die Zeit seines Todes, sondern seiner
Erhebung zum deutschen Könige anzeigen sollen. ** Es war
nämlich Kaiser Otto III. am 24. Januar 1002 in der Blüthe seiner Jahre zu
Paterno gestorben. Seine Begleiter, unter welchen der Erzbischof von Köln und
der Bischof von Augsburg sich befanden, brachten seine Leiche über Verona nach
Bayern. Hier erwartete sie Herzog Heinrich in Muneberg ***
und geleitete sie von da nach Augsburg, wo dann nach den Bollandisten (II. 746)
bei St. Afra seine Eingeweide neben dem Grabe des hl.
Ulrich versenkt wurden, während der
Leichnam selbst nach Aachen kam. Bei der hierauf stattfindenden Wahl eines neuen
Königs fielen die Stimmen der Wähler besonders durch den Einfluß des
Erzbischofes Willigis von Mainz auf den
jungen Herzog von Bayern. Er war, weil von dem Mannsstamme des sächsischen
Kaiserhauses entsprossen, auch der Nächstberechtigte (nach der Erblichkeit),
nachdem Otto von Kärnthen, aus der weiblichen Linie der Ottonen und um einen
Grad näher verwandt, auf seine etwaigen Rechte verzichtet hatte. Eine förmliche
Königswahl hat übrigens nicht stattgesunden; erst nach des hl. Heinrich Tode kam
in Deutschland zum Erstenmale eine eigentliche Wahl zu Stande. (Leo, Gesch. d.
M.-A. S. 146). Doch hatte er nach W. W. (K.-L. V. 3) zwei nicht unbedeutende
Mitbewerber an dem Herzog Hermann von Alemannien und dem Markgrafen Ekkehard von
Meißen zu überwinden. Am 6. Juni **** 1002 wurde er von den
versammelten Ständen zu Aachen zum deutschen Könige erwählt und gekrönt. Schon
früher (das Jahr wird verschieden angegeben) hatte er die hl. Cunigundis,
eine Tochter des Grafen Sigfried von Luxemburg, zur Gemahlin erhalten. Sie
lebten jedoch mit beiderseitiger Einwilligung in beständiger Enthaltsamkeit,
als hätten sie nicht geheirathet
. Eben hieraus erwuchsen aber dem hl. Heinrich
später viele Leiden und Kämpfe, weil, wie es bei W. W. (K.-L. V. 3) heißt, im
Hinblicke auf seine Kinderlosigkeit nicht blos seine Brüder Bruno und Arnulf,
sondern auch die fünf Brüder seiner Gemahlin schon bei Lebzeiten nach dessen
Erbschaft trachteten und sich von allen Seiten gegen ihn verschworen. (Uebrigens
versöhnten sich, besonders durch die Bemühungen seiner Schwester Gisela, die
Brüder mit ihm, und Bruno wurde Bischof von Augsburg, Arnulf aber Erzbischof von
Ravenna.) - Wie nun von dem Augenblicke seiner Erhebung auf den deutschen
Kaiserthron sein Pflichtenkreis sich erweiterte, so wuchs auch sein Bestreben,
in allen Dingen die göttliche Gerechtigkeit und Weisheit, den Anfang und das
Ziel seiner Unternehmungen, zum Wohl der ihm untergebenen Völker, zur Erhöhung
der Kirche und zur Ehre Gottes nachzuahmen. Wir finden ihn daher bis an das Ende
seines Lebens unermüdet thätig. Nie weilte er lange Zeit an einem Orte; nie
hielt er sich irgendwo nur zum Vergnügen auf. Er lebte nicht sich, sondern Gott
und seinen Völkern. Aus diesem Grunde treffen wir ihn beinahe immer auf Reisen.
Wo er hinkam, unterdrückte er Mißbräuche und Unordnungen, handhabte er Recht und
Gerechtigkeit, unterstützte er die Armen, beschenkte er fromme Anstalten,
Kirchen und Klöster. Er hatte nach Butler (IX. 351) eine so große
Selbstbeherrschung, daß man zu sagen eine pflegte, es sei unter dem Purpur noch
nie eine so große Demuth gesehen worden. Jene, die ihm seine Fehler vorhielten,
liebte er am meisten. Unter die Zahl seiner Freunde gehörten daher vor Allen der
hl. Abt Odilo zu Clugny, der hl. Bischof
Burchard von Worms, der hl. Erzbischof
Heribert von Köln. Mit Letzterem zwar
stand er eine Zeit lang auf gespanntem Fuße, doch kam eine vollständige
Versöhnung zu Stande. (S. S. Heribertus.)
Wir haben es zunächst mit dem Heiligen zu thun, weßhalb uns seine Geschichte als
Kaiser nur in so weit von besonderm Intreffe ist, als er in dieser erhabenen
Stellung die höchste Stufe christlicher Vollkommenheit erstieg. Gleich am
Anfange seiner Regierung hatte er Empörungen zu dämpfen, die zunächst durch den
beleidigten Ehr- und Geldgeiz seiner Schwäger ausbrachen. Er that es, verfolgte
aber den Sieg nicht weiter, als es nothwendig war, und gewann die gedemüthigten
Gegner durch seine Milde. Eine ähnliche Veranlassung rief ihn nach Italien; hier
hatten die Lombarden unter der Führung des Markgrafen Arduin oder Hardwig *****
von Ivrea, den sie sich nach Otto's III. Tod zum Könige gewählt hatten, ihm die
Anerkennung verweigert. Nachdem er sie besiegt und unterworfen hatte, begnadigte
er den Usurpator und empfing in Pavia am 15. Mai 1004 die Huldigung der
Lombardischen Großen und die eiserne Krone. Doch noch in der Nacht, welche auf
die Krönung folgte, stürmten sie eidbrüchig das Schloß, welches der König
bewohnte. Dießmal kannten aber die Deutschen keine Gnade und sie hätten die
treulose Stadt bis auf den Grund niedergebrannt, hätte nicht Heinrich mit Mühe
die Krieger zur Schonung vermocht. Ehe jedoch der hl. Heinrich seine Herrschaft
jenseits der Alpen recht befestigt hatte, kehrte er nach Deutschland zurück, um
den Herzog Boleslaus von Polen zu züchtigen. Auch dieser unterlag; dennoch
dauerten die Feindseligkeiten bis ins J. 1006. Mitten in seinen Kriegszügen war
aber der hl. Heinrich bedacht, wo und wie er konnte, seinen Völkern die
Segnungen des Friedens zu verschaffen. Weil er dieses ernstlich wollte, war er
der Kirche kindlich treu und ehrte sie wie seine Mutter. Er veranlaßte sehr oft
größere und kleinere SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
n und verherrlichte sie durch seine Gegenwart. So
noch im J. 1005 das Provincial-Concil zu Dortmund. Im folgenden Jahre finden wir
ihn im Westen beschäftigt, um die störrische Unzufriedenheit seiner Schwäger zu
beschwichtigen. Diese gab die äußere Veranlassung zur Stiftung des Bisthums
Bamberg. Kaiser Otto II. hatte nämlich nach W. W. (K.-L. V. 3 f.) den Strich
Landes zwischen dem Wirzburger Stifte und der böhmischen Gränze im J. 973 an den
Vater des hl. Heinrich als freies Eigenthum geschenkt, und der Heilige es bei
seiner Vermählung seiner Gemahlin Cunigundis als Morgengabe verschrieben. Seit
er aber das Herzogthum Bayern seinem Schwager Heinrich übergeben hatte, bemühten
sich sowohl sein Bruder Bruno als seine übrigen Schwäger, diesen Rest des
Eigenthums des kinderlosen Königs an sich zu bringen. Dagegen wollte der hl.
Heinrich aus demselben ein neues Bisthum schaffen. Aber da das Bamberger Gebiet
zum Wirzburger Sprengel gehörte, so mußte der Heilige vor Allem der Einwilligung
des dortigen Bischofs zur Theilung seiner Diöcese sich versichern. Aber obwohl
er dem Bischofe gegen die zwei Gaue, mit welchen das Bamberger Bisthum
ausgestattet werden sollte, eine Strecke Landes im Meiningischen abzutreten sich
verbindlich machte, so verlangte doch der Wirzburger außerdem noch die Erhebung
seines Bisthums zum Erzbisthum und die Unterordnung der neuen Diöcese unter
seinen Erzstuhl. In diese Bedingung willigte der hl. Heinrich nicht, sondern
wendete sich an den Papst, welcher die Errichtung des neuen Bisthums zugestand
und es unter den unmittelbaren Schutz des römischen Stuhles stellte. Nun berief
der König gegen Ende November 1007 eine SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
nach Frankfurt am Main. Eine
Menge deutscher Bischöfe, ja sogar zwei italienische, mehrere burgundische und
ein ungarischer, erschienen daselbst; der Wirzburger Bischof ließ sich nur durch
seinen Kaplan Berniger vertreten. Die päpstliche Bulle wurde verlesen, und
Heinrich II. bat die Versammlung fußfällig um Gutheißung seiner Stiftung: Ich
rufe,
sprach er, eure erhabene Frömmigkeit an, der Ausführung meines Willens
nicht hinderlich zu seyn; denn jener (der Bischof von Wirzburg) wollte durch
seine Weigerung von mir nur erlangen, was ich ihm ohne Sünde nicht geben durfte.
Umsonst suchte Berniger die Verkleinerung des Bisthums Wirzburg als einen der
ganzen Kirche zugefügten Schaden darzustellen; alle Anwesenden stimmten dem
Verlangen des Königs bei und unterzeichneten den Beschluß. Eberhard, des Königs
Kanzler, wurde zum ersten Bischof von Bamberg geweiht. Die Stiftung wurde im
folgenden Jahre durch eine neue SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
von 35 Bischöfen bestätigt. Im J. 1009
feierte er Weihnachten in Salzburg, Ostern zu Augsburg. Dieses Jahr war durch
verhängnißvolle, düstere Zeichen, ungeheure Regengüsse, Brände und große
Sterblichkeit ein allgemeines Trauer- und Bußjahr geworden. Dennoch erfolgten
schon in der nächsten Zeit wieder neue Unruhen in Metz, angestiftet durch den
Bischof Theodorich, welchen es nämlich verdroß, daß der König Heinrich die
Mitgift seiner Gemahlin Kunigunde, welche eine Schwester eben dieses Bischofs
Theodorich war, der Bamberger Kirbe zugewiesen hatte. Zu gleicher Zeit wurde
neuerdings gegen den Polenherzog Boleslaus und die Slaven gestritten. Als der hl.
Heinrich bei Merseburg kämpfte, rief er die hll. Georgius,
Laurentius und Adrianus
um Hilfe, und sieh, sie gingen den Deutschen in den Lüften voran, den fliehenden
Feind vor sich herjagend, so daß ein vollständiger Sieg errungen wurde. Zur
Danksagung stellte er das Bisthum Merseburg wieder her und beschenkte es
reichlich. Dennoch nahm dieser Feldzug, nicht in Folge der Schwäche des Königs
(wie neben Andern auch Leo a. a. O. sagt), sondern in Folge abermaliger
Verräthereien der deutschen Markgrafen, ein ziemlich unglückliches Ende. Der
abgeschlossene Friede war gleichwohl ehrenvoll genug. Im folgenden Jahre (1012)
geschah die Einweihung des neuen Doms zu Bamberg, nicht wie Einige irrthümlich
behauptet haben, durch den Papst Benedictus VIII., sondern, wie die Bollandisten
(III. 738) ausdrücklich bemerken, durch den Patriarchen Johann von Aquileja in
Gegenwart von 30 oder 36 Bischöfen. Dann reiste der König wieder in seinen
Ländern umher, allenthalben Recht sprechend und Hilfe spendend, wo man seiner
bedurfte, so daß es keine bedeutende Stadt in Deutschland gab, die nicht
ruhmvolle Beispiele seiner Frömmigkeit, Gerechtigkeit und Regentensorgfalt
gesehen hatte. Um Weihnachten dieses Jahres 1012 war nach W. W. (K.-L. V. 4)
Gregorius, der Gegenpast Benedicts VII., zu ihm nach Pölten (Pöhlde) gekommen,
um seine Hilfe anzurufen. Heinrich II. nahm ihm aber sein Kreuz ab, jedoch mit
dem Versprechen, wenn er nach Rom käme, den Streit nach römischem Gesetze zu
entscheiden. Ende Octobers 1013 zog er mit einem Heere nach Italien, in
Begleitung seiner Gemahlin Cunigundis. Da machte ihm Harduin von Ivrea, welcher
sich inzwischen wieder zum Könige der Lombardei aufgeworfen hatte, das
Anerbieten, daß er bereit sei, auf die Krone zu verzichten, wenn man ihm eine
Grafschaft einräumen würde. Er wies aber dieses mit Unwillen zurück und zog nach
Ravenna, wo er mit Einwilligung des Papstes eine SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
hielt, und seinen Bruder
Arnulf, den er schon früher auf den dortigen Erzstuhl erhoben hatte, in sein Amt
einsetzte. Am 14. Febr. 1014 wurde er in Rom sammt seiner Gemahlin von Papst
Benedict VIII. feierlich gekrönt. Ehe Heinrich in die Basilica des hl. Petrus
eintrat, fragte ihn der Papst, ob er der römischen Kirche getreuer Patron und
Schutzherr seyn wolle, ihm und seinen Nachfolgern ergeben in Allem. Demuthsvoll
sprach der Kaiser ein feierliches Ja
und zog unter dem Jubelrufe des Volkes in
den erhabenen Dom ein. Darauf empfing er die Salbung und die Kaiserkrone, sowie
zum Zeichen seiner Herrschaft über die ganze Welt den goldenen Reichsapfel,
welcher von nun an immer neben Krone, Scepter und Schwert der kaiserlichen Würde
eigenthümlich verblieb. Auf dem Rückzug erhob er das Stift Bobbio zum Bisthum
und sah in Verona den hl. Romualdus. Der fromme
Kaiser begrüßte den Heiligen mit den demüthigen Worten: O daß meine Seele in
deinem Leibe wohnte!
Diese Zusammenkunft bewirkte überhaupt in dem Kaiser eine
noch tiefere Hingabe an Gott. Mitten im Prunk des Hoflebens schälte er seine
Seele los von aller Eitelkeit des Erdenlebens und hätte gern den Palast mit der
Mönchszelle vertauscht, wenn es so Gottes Wille gewesen wäre. Schon im J. 1012
soll er dies zu Straßburg und später noch einmal zu Verdun geäußert, im J. 1019
aber wirklich um das geistliche Kleid gebeten haben. (Rem non impugno
, sagt
der Bollandist rollerius (III. 746), während bei Butler die Sache ganz bestimmt
hingestellt und beigesetzt wird, der Kaiser sei nur durch die Vorstellungen der
Großen seines Hofes, insbesondere aber durch den Bischof Werner von Straßburg
abgehalten worden, diesen Vorsatz auszuführen.) Selbst die Vermählung seiner
Schwester Gisela mit dem hl. König Stephan
von Ungarn bringen Einige (cf. Febr. I. 134) mit dieser Zusammenkunft in
Verbindung. Am Feste Peter und Paul war der Kaiser
schon wieder in Mainz, Ostern hatte er noch in Pavia gehalten. Der dreifache
Feldzug, den Heinrich II. jetzt abermals gegen Polen unternahm, endete
unglücklich; es mußten etliche Provinzen zwischen der Elbe und der Oder
abgetreten werden. Dafür war aber der Kaiser bedacht, Burgund mit dem deutschen
Reiche dauernd zu vereinigen. Im J. 1016 brachte er auch den Schattenkönig
Rudolf bei einer Zusammenkunft zu Straßburg dahin, daß er ihm die längst
verheißene Nachfolge feierlich bestätigte. Dieses Versprechen wurde zwei Jahre
später eidlich erneuert, aber gleichwohl kam es jetzt noch nicht zur Erfüllung.
Es war aber dem Nachfolger Heinrichs II. der Weg zur Erwerbung Burgunds gebahnt.
Er selbst ward an der Ausführung des Planes zunächst durch einen neuen Römerzug
gehindert. Der Papst Benedict VIII. war nämlich im J. 1019 (W. W. K.-L. nennt
das J. 1020) nach Bamberg gekommen, um die Hilfe des Kaisers gegen die Griechen,
welche bereits Capua erobert hatten, anzurufen. Nachdem also ein inzwischen
nöthig gewordener Kriegszug gegen Flandern und den aufrührerischen Grafen Otto,
welchen er in Hammerstein einschloß, beendigt war, brach Heinrich im J. 1022 mit
einem Heere von 60,000 Mann nach Italien auf, schlug die Griechen, stellte die
Herrschaft des Papstes wieder her und bestätigte die von Letzterem den
gleichfalls Hilfe gegen die Griechen leistenden Normannen abgelassenen Lehen.
Auf diesem Zuge besuchte der Heilige das Kloster Monte Cassino, wo er nach
Surius auf wunderbare Weise von seinem Steinleiden geheilt wurde. Er sah nämlich
im Schlafe den hl. Benedictus mit einem
scharfen Messer ihm die Haut öffnen, den Stein herausnehmen und die verursachte
Wunde wieder zuheilen. Als er erwachte, hatte er den Stein, an welchem er
gelitten hatte, in seiner Hand. Doch blieb er von dieser Zeit an hinkend ******.
Letzteres wird von Andern einer Erscheinung des hl. Erzengels Michael,
der seine Hüfte berührte, zugeschrieben; diese nennen deßhalb den Kaiser mit
Bezugnahme auf ein ähnliches Wunder, das dem Patriarchen Jakob
begegnete, einen Kämpfer Gottes
, einen zweiten Israel
. Nachdem er dem
Kloster Monte Cassino reichliche Geschenke gespendet, eilte er über Rom der
Heimath zu. Ob er bei dieser Gelegenheit in Person nach Clugny gekommen sei und
die unten zu erwähnenden Geschenke selbst überbracht habe, ist nicht hergestellt.
Gewiß ist aber eine Zusammenkunft, welche im April des Jahres 1023 zu Ivoy
(Ivoy-le- Pré) mit dem König Robert von Frankreich stattfand. Nicht nur
weltliche Fragen, welche wir an diesem Orte nur im Vorbeigehen berühren, sondern
auch geistliche Angelegenheiten wurden daselbst besprochen; eine Versöhnung
beider Kronen kam zu Stande, mit großem Eifer berathschlagte man über das Wohl
der Kirche, und es erfolgte der Beschluß, daß beide Herrscher demnächst mit dem
Papst in Pavia zusammenkommen und eine große Versammlung von Bischöfen sowohl
Italiens als diesseits der Alpen veranlassen sollten. Nochmal wollte der Kaiser
einen italienischen Feldzug unternehmen; aber er starb schon im folgenden Jahre,
nämlich am 13. Juli 1024 zu Grona bei Halberstadt, auf der Rückreise von Goslar,
im 52. Jahre seines Alters, nachdem er etwas mehr als 22 Jahre regiert hatte. So
kurz diese Skizze seines Lebens ist, so ist doch aus derselben ersichtlich, wie
dieser heil. Kaiser, weil er gerecht war, stets nur den Führungen Gottes
vertraute, und wie Gott seinen Diener von Stufe zu Stufe führte, um ihn vom
irdischen ins himmlische Reich zu übersetzen. So viel die Regierungsgeschäfte
seine Zeit nicht in Anspruch nahmen, verwendete er sie zum Gebete. Mit inniger
Andacht hörte er die heil. Messe und empfing sehr oft die heil. Communion. Er
verehrte die Mutter Gottes als seine Patronin und
betete (nach Butler) besonders gern in den nach ihr benannten Kirchen. So
besuchte er zu Rom vorzugsweise die Kirche St. Maria Maggiore. Ebenso trug er
eine zarte Verehrung zu den heiligen Schutzengeln und zu allen Heiligen Gottes.
Der hl. Heinrich war aber nicht blos eine Zierde, sondern auch ein Hort der
Kirche Christi. Niemand wird an diesem Orte
eine vollständige Aufzählung seiner Stiftungen erwarten. Wir greifen aus der
großen Zahl derselben nur einige der zunächst liegenden und bedeutendsten heraus.
Dem Benedictinerkloster von St. Afra in Augsburg schenkte er fünf Dörfer, bei St.
Moriz daselbst errichtete er ein Canonicat und erbaute die Kirche; auch in der
Stadt Regensburg errichtete er ein Chorstift. Weihenstephan in Bayern, Göß in
Steyermark, sowie viele andere Klöster beschenkte er reichlich. In Straßburg
machte er eine Stiftung für einen Kanoniker, der an seiner Stelle die Tagzeiten
verrichten sollte, weßhalb diese Präbende die des Chorkönigs genannt wurde. (Sie
bestand fort bis zum Ausbruche der französischen Revolution.) Dem Bisthum
Bamberg, seiner Lieblingsstiftung, überließ er nicht nur das ganze Bamberger
Territorium, sondern auch seinen ganzen Nachlaß an Landgütern, fahrender Habe
und vielen Kostbarkeiten. Auch seinen Geburtsort Abbach etc. überwies er schon
im J. 1007 dieser Stiftung. In der Abteikirche zu St. Michael in Bamberg war
lange Zeit das goldene griechische Kreuz von hohem Alterthum zu sehen, von
welchem sich bei den Bollandisten eine Abbildung befindet; der Kaiser hatte
dasselbe seiner Gemahlin als Morgengabe zugebracht. Dem Kloster zu Clugny gab er
den Reichsapfel, Krone und Scepter, ein Geschenk des Papstes Benedict VIII.
Aber kein Abt,
bemerkt Gfrörer, war dankbarer als Odilo von Clugny.
In dem
Erlasse, kraft dessen dieser Abt die Begehung des Allerseelentages anordnet,
sagt er: Insbesondere soll bei den Gebeten unsers theuern Kaisers Heinrich
gedacht werden, der uns mit Schätzen reichlich bedachte.
Auch bemerkt man, nach
der sinnigen Bemerkung desselben Geschichtsforschers, in der Weihung der
kaiserlichen Kleinodien an diese Kirche leicht die Gesinnung des Kaisers, das
Reich zur Ehre Gottes und der Kirche zu verwalten.
Es gibt überdem kaum einen
deutschen Bischofsstuhl, welcher der Gnade Heinrichs nicht einen bedeutenden
Zuwachs an Gütern, Rechten und Privilegien verdankte. So z. B. die Bisthümer
Brixen, Freising, Salzburg, welche er mit neuen Einkünften bedachte. Das Bisthum
Straßburg erhielt so große Geschenke, daß die Geschichtschreiber den hl.
Heinrich dessen Wiederhersteller
nennen. Besonders begünstigte er den hl.
Bischof Meinwerk von Paderborn und
erbaute den Dom dieser Stadt aufs Neue. Ebenso im J. 1021 den schönen Dom von
Basel, in welchem leider nun schon so lange das heil. Opfer nicht mehr gefeiert
wird. Nur die Steine haben den erhabenen Gründer noch nicht vergessen; denn
neben andern Sculpturen ist noch das Bildniß des Kaisers Heinrich und seiner
Gemahlin an der Vorderseite des Doms zu sehen. Dem Bisthum Merseburg schenkte er
zwei Familien von allen Hofmarken, die er in Thüringen und Sachsen besaß,
außerdem ein in Elfenbein und Gold gebundenes Evangelium, einen goldenen, mit
Edelsteinen geschmückten Kelch mit Patena und Fistula (so hieß die Röhre, welche
zum Genusse des heil. Blutes diente), zwei silberne Kreuze etc. (Mart. I. 271).
Auch der Dom zu Merseburg ist sein Werk (erbaut in den Jahren 1015- 1021). Noch
jetzt steht er über dem Portal der Kirche, das Modell in den Händen, obgleich
auch hier die Verehrung seines Namens erloschen ist. Mehr noch als durch alle
diese kostbaren Geschenke wirkte er jedoch für die Wohlfahrt der Kirche durch
den ausgezeichneten Schutz, welchen er dem apostolischen Stuhle verlieh, durch
das weithin leuchtende Beispiel seiner Frömmigkeit und durch die Berufung
vorzüglicher Bischöfe auf die erledigten Stühle. Unter letztern nennen wir
beispielshalber den Bischof Wolbodo von Lüttich, Bischof Meinwerk von Paderdorn,
Bischof Godehard von Hildesheim. Einen solchen Mann durfte die Kirche in ihren
Heiligenverzeichnissen nicht übergehen. Der Ruhm seiner Tugenden strahlte in der
ganzen Welt. Doch betete man in Bamberg längere Zeit in einem eigenen
Meßformulare für die Ruhe seiner Seele, eine Uebung, die allmälig seiner
Verehrung und Anrufung Platz machte. Am 14. März 1145 (nicht 1152, wie Einige
haben) ward er von Papst Eugen III. canonisirt. Seine Reliquien ruhen im Dom zu
Bamberg neben denen seiner heil. Gemahlin. Doch ist der jetzige Dom nicht mehr
der ursprüngliche Bau des hl. Heinrich; denn im J. 1081 brannte er ab und wurde
durch Bischof Otto im J. 1111 neu erbaut,
durch König Ludwig I. aber in den Jahren 1830-1840 restaurirt. Nur der St.
Georgen-Chor scheint zum Theil noch der Zeit des hl. Heinrich anzugehören. Er
ist Patron der Bisthümer Bamberg und Basel. Abgebildet et wird er gewöhnlich im
kaiserlichen Ornate mit dem Modelle einer Kirche in den Händen. In Bamberg sind
mehrere Translationen vorgenommen worden. Sein Hauptfest wird am 13. Juli als an
seinem Todestage gefeiert. Die Bollandisten handeln von ihm am 14. Juli, weil
sie ihn, wie sie sagen, in fast allen neueren Heiligen-Verzeichnissen etc. an
diesem Tage gefunden haben, wobei sie bemerken, daß er vielleicht in der Nacht
vom 13. bis 14. Juli gestorben sei (III. 714). Im Mart. Rom. steht er (wegen des
auf den 14. Juli fallenden Festes des hl. Bonaventura)
als Kaiser Heinrich I. am 15. Juli, an welchem Tage sein Fest auch im römischen
Brevier sub ritu semid. sich findet. In der Diöcese Augsburg wird sein Fest sub
ritu dupl. am 18. Juli gefeiert. Bei den Bollandisten (III. 764-769) sind viele
Wunder aufgezählt, die auf seine Fürbitte gewirkt wurden, sowie sich dort auch
Abbildungen von mehreren Heiligthümern, Reliquien etc. des hl. Heinrich finden,
welche in Bamberg aufbewahrt werden, während auch noch mehrere andere Orte
kleinere Reliquien von ihm besitzen. (III. 711-793.)
* Wenn bei W. W. (K.-L. V. 2) und in der neuesten
Legende der Heiligen
von P. M. Vogel (II. 116) das J. 978 als sein Geburtsjahr
angegeben wird, so ist das ein auffallendes Versehen, da sie ja selbst angeben,
daß er im J. 1024 in einem Alter von 52 Jahren gestorben sei. Es weist daher
eine ganz einfache Rechnung auf das J. 672 zurück, welches denn auch bei den
Bollandisten, ebenso wie anderswo, ganz bestimmt genannt wird. Auch die Angabe
Einiger, daß er in Regensburg geboren sei, ist irrig; übrigens ist Abbach nur
wenige Stunden von Regensburg entfernt.
** Nach einer alten bei den Bollandisten (III. 736) citirten Lebensbeschreibung hätte dieses Ereigniß im J. 1607 oder 1008 stattgefunden und sich auf seine im J. 1014 erfolgte römische Krönung bezogen; doch ist dabei und auch noch an einer andern Stelle (III. 726) bis zur Evidenz nachgewiesen, daß dasselbe in das J. 996 falle und sich auf seine Erwählung zum Kaiser (sic!) beziehe, da ja die römische Krönung doch größtentheils von seinem eigenen Wunsche abhing und früher oder später bewerkstelliget werden konnte, währen die Erwählung zum deutschen Könige wider sein Erwarten erfolgte.
*** Dieses Muneberg wurde vielfach gedeutet, von Einigen auf Polling, von Andern auf Neuburg etc. Nach den genaueren Forschungen des kgl. bayer. Landgerichts-Assessors Stoß in Obergünzburg ist es aber die zur Pfarrei Heretsried, Landgerichts Wertingen, gehörige Ortschaft Monburg (Mannburg), wo eine bischöflich Augsburgische Burg sich befand.
**** So heißt es ausdrücklich bei den Bollandisten (III. 713. 746), während bei W. W. K-L V. 3) und auch in Vogel's Legende (II. 117) steht, daß er am 3. Sept. auf den Thron Karls des Großen gesetzt worden sei.
***** Dieser öfter begnadigte Empörer war von Otto III. in die Acht er klärt worden, weil er den Bischof von Bercelli umgebracht hatte. Dennoch wurde er von den Lombardischen Bischöfen und Großen zum Könige gewählt, machte anfänglich einige Concessionen, zeigte aber bald neuerdings die Wolfszähne, indem er den Bischof von Brescia, der ihm widersprach, thatsächlich mißhandelte. Er ging zuletzt, als auch eine dritte Erhebung mißlungen war, in ein Kloster.
****** Daß der hl. Kaiser Heinrich auch den
Beinamen, Hüffelholz
oder der Hinkende
(Claudus) hatte, ist richtig, und es
werden bei den Bollandisten (III. 713) noch andere Ursachen, warum er hinkend
wurde, angeführt; die wahrschcinlichere Ursache, für die auch der Bollandist
Sollerius sich ausspricht, ist wohl die von Brower angeführte, daß er nämlich
einmal auf der Jagd von einem Wilde schwer verwundet wurde und daher diesen
Beinamen erhielt.